Es hätte der perfekte Sprung werden sollen, aber dann nimmt Julian aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahr. Er ist abgelenkt, stürzt ab - und landet direkt neben einer Leiche. Es ist Hartmann. Ausgerechnet Hartmann, der Baulöwe, der die Freerunner schon lange von seiner stillgelegten Baustelle vertreiben wollte. Der Ärger mit so gut wie jedem Bauunternehmer und Handwerker der Umgebung hatte. Die Liste der Verdächtigen ist lang. Und ganz oben stehen zwei Leute, die Julian sehr viel bedeuten ... Ein Adrenalinrausch zum Lesen. Ab 13 Jahren.
„Freerunning“ startete direkt mitten im Geschehen und ließ sich aufgrund seiner Kürze sehr schnell lesen. Trotz der geringen Seitenzahl fühlte sich das Buch nicht oberflächlich an – die Charaktere waren sympathisch, unterschiedlich und interessant. Besonders stach Jazz heraus, Julians mysteriöse Freundin, die in einem Versteck in der Geistersiedlung hauste. Zwischen den beiden entwickelte sich, wie direkt zu Beginn absehbar, eine kleine Liebesgeschichte, welche allerdings noch weiter ausgeführt hätte werden können. Dafür mochte ich das Setting der Geschichte sehr gern, sowohl das Sutter-Büro als auch die verlassenen Gebäudekomplexe. Wer Hartmann, den Baulöwen, der offensichtlich selbst Dreck am Stecken hatte, unmittelbar vor Julians Sturz zwischen den leerstehenden Bauten ermordet hatte, blieb bis kurz vor Schluss geheim. Mir gefielen die Ermittlungen der Jugendlichen, unter anderem ihre Videoaufnahmen, sehr gut, doch auch die Polizeiperspektive mit Marek als ehemaligem Freerunner war spannend. Was man vor dem Lesen jedoch wissen sollte, ist, dass das Buch, abgesehen von den ersten zehn Seiten kaum von Parkour handelt. Für mich war das kein Problem, da ich dem Hobby sowieso nicht nachgehe, für andere möglicherweise schon.
Julian ist ein Freerunner. Einer von jenen, die von Gebäude zu Gebäude springen, durch die Luft wirbeln und verrückte Stunts machen. Er ist gut darin, trotzdem misslingt ihm ein Sprung und er landet ziemlich hart auf dem Boden. Als wäre das nicht schon schlimm genug, liegt er neben einer Leiche. Und diese Leiche ist nicht nur einfach eine Leiche. Es ist Hartmann. Der Besitzer des Areals auf dem Julian mit seinen Freunden am liebsten seine Stunts übt. Wer hat Hartmann umgebracht? Was hat Jazz, das Mädchen, in das Julian verliebt ist, damit zu tun? Und wie steckt Julians Vater in der ganzen Sache mit drin?
Alice Gabathuler schreibt meiner Meinung nach die perfekten Anfänge. Die Eröffnungsszene von Freerunning zählt zu meinen Liebsten überhaupt. Man ist sofort mitten im Geschehen und hat einen Film vor Augen. Allgemein schreibt Alice Gabathuler sehr gekonnt einzelne Szenen und wechselt fliessend zwischen actionreichen und emotionalen Szenen. Das Buch überzeugt aber nicht nur mit einem grossartigen Schreibstil, die Geschichte ist so verstrickt, dass ich obwohl ich das Buch bereits einmal gelesen habe, nicht mehr wusste, wer Hartmann umgebracht hat.
Wie so oft bei Gabathuler spielen Macht, Herkunft und Vorurteile eine wichtige Rolle. Punks, Freerunner, Immigranten und Immobilienhaie sind alle auf der Liste der Verdächtigen. Wer hat das stärkste Motiv? Wie können sich die wehren, die nicht so viel Macht und Geld haben? Wird am Ende jemand unschuldiges bestraft?
Alice Gabathuler hat sich für zwei Perspektiven aus der dritten Person entschieden. Zum einen Julian, der seine doch sehr emotionale Sicht mit uns LeserInnen teilt. Zum anderen den jungen Polizisten Marek, der selbst mal Freerunner war. Zwei gelungene Perspektiven, die der Geschichte unterschiedliche Blickwinkel geben.
Fazit
Freerunning von Alice Gabathuler ist ein fesselnder Jugendkrimi, der inmitten des Bauwesens spielt und sich nicht nur mit dem faszinierenden Sport Freerunning, sondern auch mit Themen wie Vorurteilen, Liebe und Macht befasst. Die Autorin führt einen an der Nase herum und streut immer wieder falsche Spuren, so dass man mit der Auflösung am Ende überrascht wird. Actionreich, emotional und fesselnd geschrieben überzeugt Freerunning. Ich vergebe 4.5 von 5 Sterne und empfehle das Buch gerne an Fans von Ursula Poznanski, Karen M. McManus und Manfred Theisen. Grosses Kino!
Ich habe nach ca. 3/4 aufgehört zu lesen. Fand es absolut langweilig und die Charaktere total flach. Eigentlich habe ich es wegen der Freerunning-Thematik gelesen, die viel zu kurz kommt. Aber dass es vom Genre her spannend sein sollte, das schafft dieses Buch absolut nicht. Ich habe auch keinen Grund gesehen, hinter die Geheimnisse zu kommen. Irgendwie war alles so platt… Schade :/