Risse in der Realität haben die Welten wandelbar gemacht. Nichts ist mehr sicher, alles kann sich ändern. Selbst die Vergangenheit.
Ein mysteriöses Dorf im Moor. Die Bewohner scheinen einer anderen Epoche entsprungen zu sein. Sie sind ungewöhnlich, sonderbar. Andersartig. Eine junge Frau begibt sich auf eine gefährliche Reise, die sie in ihre Vergangenheit führt, in Welten, die keinen Bestand mehr haben, und tief in sich selbst.
Corvidæ ist ein Fantasy-Roman, ein Roadmovie, ein Trip in die Psyche. Der Roman spielt mit bekannten Fantasy-Elementen, nimmt sie auseinander und fügt sie zu einem surrealen Gebilde zusammen, das einem manchmal das Gehirn durcheinanderwirbelt, aber schließlich nichts weiter ist, als eine mögliche Realität. Oder um es mit Rokans Worten zu sagen: „Realität ist das, was man zu sehen glaubt, nicht mehr und nicht weniger.“
Simone Keil, geboren 1971, lebt und arbeitet in Hessen. Seit den ersten Leseversuchen hat sie ihr Herz an Märchen und phantastische Geschichten verloren. Zum Schreiben fand sie relativ spät, kann es aber seit dem nicht mehr lassen.
Zwei Zwillingsschwestern, die sich auseinander gelebt haben, treffen sich im Haus ihrer verstorbenen Großmutter, weil sie über den Verkauf des Hauses sprechen möchten. Als die beiden einen Auflug in den Wald unternehmen, geraten sie in ein Unwetter und landen in einem seltsam zeitentrückten Dorf. Bald verblasst die Erinnerung der beiden an die Welt draußen. Was geht in dem Dorf vor sich? Wer ist die mysteriöse Frau mit den roten Haaren, die nicht sprechen kann? Und welche Rolle spielen die Raben, die sich immer im Umkreis des Dorfes aufhalten?
Dieser fantastische Roman von Simone Keil hat mir besonders im ersten Teil gut gefallen. Verwunschene, geheimnisvolle Dörfer, das ist etwas für mich. Schwieriger wurde es, als die Handlung begann, sich in verschiedene Stränge, Zeitebenen und Orte aufzuteilen. Die Zeit ist nichts Geradliniges mehr und durch Risse in der Welt gelangt die Ich-Erzählerin Catrin an verschiedene Orte in verschiedenen Zeiten und trifft auf die merkwürdigsten Figuren. Manchmal ist der Ort, an den sie gelangt, auch einem ihr bekannten Ort ähnlich, aber immer doch etwas anders und ungewöhnlich. Hier möchte ich vor allem den bildhaften und sprachlich gefälligen Stil der Autorin hervorheben. Die Bilder und Szenen, die sie entwirft, werden dabei immer skurriler, ich wage zu behaupten, dass ich an expressionistische Werke erinnert wurde. Allerdings hatte ich doch Probleme, dem immer zu folgen. Ich konnte die verschiedenen Zeitebenen und Zusammenhänge nicht entwirren. Für mich bleiben viele Fragen offen, für die ich keine Antwort gefunden habe, vor allem, wie das Ende zustande kommt, kann ich mir nicht erklären. Daher habe ich leider ein bisschen den Eindruck, das Buch nicht ganz verstanden zu haben, weshalb es mir auch schwerfällt, eine Sternebewertung abzugeben. Das Buch ist jedoch unbedingt etwas für Freunde fantastischer Literatur mit einer Tendenz zum Grotesken.
Inhalt:Ein mysteriöses Dorf im Moor. Die Bewohner scheinen einer anderen Epoche entsprungen zu sein. Sie sind ungewöhnlich, sonderbar. Andersartig. Risse in der Realität haben die Welten wandelbar gemacht. Nichts ist mehr sicher, alles kann sich ändern. Selbst die Vergangenheit. Eine junge Frau begibt sich auf eine gefährliche Reise, die sie in ihre Vergangenheit führt, in Welten, die keinen Bestand mehr haben, und tief in sich selbst. (Zusammenfassung von der Seite der Autorin)
Meine Meinung: Die obige Beschreibung muss euch zum Inhalt genügen, denn jedes weitere Wort meinerseits zum Inhalt würde dazu führen, dass ich zu weit ausholen muss und damit zu viel vorweg nehmen würde. Es sei nur so viel gesagt: Das Buch beginnt wie eine Mysterygeschichte mit fantastischen Elementen und wird dann sehr schnell zu einer fantastischen Geschichte mit leichten Mysteryelementen.
Mich hat der Schreibstil total in den Bann gezogen. Die Autorin schafft es durch ihre Sprache, die Welt(en) in meinem Kopf sichtbar werden zu lassen. Ich war richtig gefesselt. Die Sprache ist flüssig und sehr gut zu lesen, dennoch auch bildgewaltig und mitreißend. Mich hat der Schreibstil jedenfalls richtig überzeugt!
Die Geschichte wird, bis auf einige Passagen, aus Sicht der Hauptfigur Catrin erzählt. Über Catrin erfährt der Leser eigentlich recht wenig, nur Dinge, die im Zusammenhang mit ihrer Schwester, ihrer Großmutter und den Geschichten stehen, die die Großmutter den Schwestern immer erzählt hat. Dazu kommen die Dinge, die Catrin mit dem Leser zusammen erlebt. Catrin war mir von Anfang an sympathisch, an manchen Stellen hätte ich mir allerdings gewünscht, dass sie die Dinge mehr hinterfragt hätte.
Die Geschichte ist in drei größere Teile unterteilt. Teil 1 und 2 hatte ich sehr schnell gelesen, sie spielen fast nur in dem Dorf im Moor. Mich haben die verschiedenen schrulligen, liebenswerten und doch undurchsichtigen Figuren angesprochen, interessiert und ich wollte natürlich um ihre Geheimnisse wissen. Ich stellte Vermutungen an, dachte zu wissen, in welche Richtung die Geschichte läuft. Doch ich wurde total überrascht durch Teil 3 des Romans! Dieser Teil belehrte mich, dass ich nicht weiß, wohin die Geschichte läuft und für mich sind hier die Grenzen zwischen Phantastik und Groteske etwas verschwommen. Durch die Sprache hatte ich einem Film im Kopf, konnte die Dinge/Figuren/Orte sehen. Es erinnerte mich ein wenig an einen Tim Burton Film und das ist positiv gemeint! Düstere Züge wie in "Sleepy Hollow" und ebenso groteske wie in "Charlie und die Schokoladenfarbik". Das mögen für einige vielleicht seltsame Vergleiche sein, beschreibt aber am besten den Eindruck, der in meinem Kopf entstanden ist!
Ich muss allerdings gestehen, dass ich den dritten und abschließenden Teil des Romans nicht richtig verstanden habe. Ich bin mir nicht so sicher, was die Auflösung am Ende nun wirklich bedeutet und ob es überhaupt eine richtige Auflösung ist. Ich habe mehr mit etwas mehr Bezug zu den Corvidae und deren Geschichte, wie die Autorin sie in den vorherigen Teilen des Romans erzählt, gerechnet. Ich muss definitiv noch etwas über das Ende des Romans nachdenken.
Der Untertitel "Ein phantastischer Roman" trifft jedenfalls zu und Fans von phantastischen Romanen werden hier nicht enttäuscht. Schon gar nicht, wenn man auch einen Hang zum Grotesken hat und eine Sprache mag, die das geschriebene Wort im Kopf wach ruft!
Ich gebe dem Buch 4 Sterne, weil ich die Lektüre unglaublich genossen habe, weil mir die Sprache Spaß gemacht hat, mir die Bilder in meinem Kopf gefallen haben, mich das Buch zum Nachdenken und rätseln gebracht hat. Ich ziehe einen Stern dafür ab, dass ich eben den letzten Teil und das Ende nicht richtig verstanden habe und auch etwas anderes erwartet habe.
Ich hoffe allerdings sehr, noch mehr von Simone Keil lesen zu können, alleine schon, weil mir die Sprache so gut gefallen hat!
Cat und ihre Schwester Lizzie treffen sich in dem Haus ihrer Großmutter, welches sie vor 20 Jahren geerbt und seitdem nicht betreten haben. Der Tod von Rose entzweite die Schwestern, denn Lizzie zog sich danach völlig in sich selbst zurück. Nun will sie ihr Erbe verkaufen und da Cat sie nicht auszahlen kann, versucht sie ihre Schwester an die schönen Zeiten zu erinnern, die sie dort verbracht haben. Während eines Ausflugs in die Umgebung, zu dem sie Lizzie überredet hatte, geraten sie in ein Unwetter und finden in einem mysteriösen Dorf Unterschlupf. Die Bewohner sind sonderbar und verbergen etwas. Und sie wissen um die Risse in der Realität, durch die sich alles ändern kann – selbst die Vergangenheit. Cat erkennt, dass sie sich dort verliert und begibt sich auf eine gefährliche Reise, die sie in sich verändernde und auflösende Welten sowie tief in ihr eigenes selbst führt.
Diese Geschichte hat bereits auf der ersten Seite einen starken Eindruck bei mir hinterlassen. Da war eine unglaublich dichte Atmosphäre, mit der ich mich wohl gefühlt habe und die mir das Gefühl vermittelte, Cat schon lange zu kennen. Die schöne Sprache, die wunderbar Bilder und Emotionen vermitteln kann. Die poetischen Stellen, die ich mir einfach mehrfach durchlesen musste, um sie so richtig genießen zu können. Die Wärme und der Humor, die zwischen den Zeilen durchblitzen. Einfach nur wunderschön und traurig zugleich!
Manchmal bin ich über Rechtschreibfehler gestolpert, die mich kurz rausgerissen haben – aber ansonsten war ich dem Buch hilflos ausgeliefert und weit, weit weg. Die Figuren wirkten sehr nah und präsent auf mich, jede hatte ihren ganz eigenen faszinierenden Charakter. Da bleiben Lieblingsfiguren natürlich nicht aus, mir haben es ja vier ganz besonders angetan. Einige davon waren auch recht geheimnisvoll und nicht so leicht zu durchschauen. Das macht ja auch einen Teil ihres Reizes aus, allerdings besteht dabei natürlich die Gefahr, dass einen die falschen Figuren “erwischen”. Aber diesmal habe ich Glück gehabt, auch wenn mir bei einer Szene fast das Herz stehen geblieben ist.
Die Geschichte bietet verschiedene Entwicklungsphasen, in denen sich der Blickwinkel erweitert und für eine veränderte Sicht auf die Ereignisse sorgt. Die Handlung entwickelt sich überraschend und ganz anders, als man zu Beginn erwartet hat. Der Hintergrund wird zu einem immer zentraleren Thema, mit dem die vielen verwirrenden Dinge verbunden sind. Da musste ich mich beim Lesen doch manchmal bremsen, um kurz innezuhalten und einiges zu sortieren. Um Dinge zu verknüpfen und auf mehreren Ebenen zu denken. Daher hat mich das Buch oft abseits der Lesezeit beschäftigt und mir auch intensive Träume beschert.
Als ich die Geschichte ausgelesen hatte, war ich erstmal etwas verwirrt und habe ein wenig an dem Vorhandensein meiner grauen Zellen gezweifelt. Aber das lag einfach daran, dass auf wenigen Seiten noch einiges verwirrendes passierte. Und nicht im Detail erklärt wurde. Aber wozu habe ich schließlich meinen Kopf? Ich mag es, wenn mich ein Buch fordert und zum Nachdenken bringt. Fast so sehr, wie ich tiefe Geschichten, leise Zwischentöne, detailliert ausgearbeitete Charaktere und poetische Stellen mag. All das verbindet sich in “Corvidæ” und machte dieses Buch für mich zu einer abwechslungsreichen und intensiven Lektüre. Und zu einer Geschichte, der ich noch viele Leser wünsche…
Ob ich ein Buch zu ende lese, entscheidet sich meistens auf den ersten Seiten. Vielleicht hat es eine spannende Handlung, aber wenn die Sprache langweilig ist lege ich es schnell beiseite. Nicht in diesem Fall. Ich war schon vom Prolog "hin und weg". Mit den ersten wenigen Sätzen wurde hier eine Szenerie aufgebaut, die Bilder und Stimmungen heraufbeschwor, die mich begeisterten.
Der andere Punkt, der mir an "Corvidae" ausnehmend gut gefallen hat war das verweben der Realitäten, eine Welt wie im Halbschlaf erlebt, surreal und doch ist wird alles Ungewohnte und Verwirrende wie selbstverständlich erlebt. In diese Geschichte kann man eintauchen und sich von der Handlung forttragen lassen. Eine wirklich gelungenes Spiel mit verschiedenen Genres, ein Buch, dass es wert ist mehrmals gelesen zu werden.