Woll - ein Roman über die 1970er und 1980er Jahre ... Wohngemeinschaften Schwule Liebe Hamburger Hafenstraße Fischmarkt Griechenland Antik-AKW-Bewegung Drogen ... Schnell geschrieben, mitreissend und mitnehmend. Der Autor, Udo Aschenbeck, flog in Delmenhorst vom Gymnasium, weil er schwul war. Er flog in Vechta vom Gymnasium, weil er Jean Genet las. Er arbeitete als Buchhändler in Oxford und Amsterdam, lebte in Hamburg und Frankfurt. Sein erstes Buch, "Südlich von Tokio" erschien bei Suhrkamp. DIE ZEIT schrieb 1988, dass wir mit Aschenbeck einen "neuen Erzähler entdecken können". Aschenbeck starb 1995. "Woll" ist sein zweiter Roman. Aus dem Inhalt ER SASS SCHON AM TISCH, neben Klaus. Ich setzte mich neben Ingrid. Sie hatte die Ellbogen auf dem Tisch, den Kopf in der Hand und die Haare nahe der Marmelade. Mach dich nicht so breit, und wer bist du? fragte ich ihn. Woll. Woll aus Westfalen? Nee. Wo habt ihr den denn aufgegabelt? Ingrid drehte sich zu mir um. Geh doch wieder ins Bett. Woll lächelte mich an. Das ist doch noch ein Kind. Hat er hier zu sagen? fragte Woll. Ich mußte lachen. Woll stimmte ein. Wie alt bist du eigentlich? fragte er dann. Doppelt so alt, sagte ich, So unbestimmt wie meine Antwort blieb uns sein Alter, und Väter erfand er viele. Wenn wir manchmal, wenn auch selten, seine Lügen satt hatten, gab er vor, ein Heimkind zu sein.
Ach ja. Seufz. Über die 1970-er Jahre oder Deutschland-Nordwest muss so was überhaupt nicht gehen. Das wird bis zu einem gewissen Grade ewig aktuell bleiben und sich immer wieder ereignen. Ein an sich ja zu alter und auch gar nicht sonderlich spannender oder schöner aufrechter Schwuler mit feingeistigen Interessen verguckt sich in den perfekten Jungen, der eigentlich zu jung und zu schön für ihn ist. Und sich mit der Zeit auch als eher etwas dümmlich, faul, labil und flatterhaft herausstellt. Sozusagen der "Tollste", den ich je gehabt habe. Aber wirklich gehabt habe ich ihn ja auch nicht. Es sollte wohl nicht sein ... So ähnlich liest man das zum Beispiel in dem, verlegerisch ähnlich gefloppten "Leidenschaftliche Liebe" des spanischen Hochschuldozenten Luis A. DeVillena (Bruno Gmünder, ja, wirklich, die haben auch schon mal Literatur gemacht).
Der Spanier kann sogar besser schreiben, aber Aschenbecks Slacker ist noch ein bissel jünger und es ist in Deutschland. Und eigentlich sehr langweilig. Solange man andere Beuteraster und es noch nie erlebt hat. Es war dann auch nicht nur eines der frühesten Bücher von Männerschwarm, sondern auch eines, der am längsten bleiern liegen bleibenden. Sie versuchten es immer wieder mal, Sonderangebote, neue Umschläge und so. Das Publikum kaufte es nie. Eigentlich schade. Ich mag das, wenn Leute ganz ehrlich ihr kleines Heine'sches schweres Herz ausschütten.