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Ins Dunkel
»Ins Dunkel« ist Screwball-Komödie und Melodram, Tragödie und Romanze in einem: ein Roman als Film, glamourös und hochpolitisch. In raffinierten Rückblenden, mit Tempo und Timing verhandelt er das Verhältnis von Literatur, Film und Macht in Zeiten inszenierter Wirklichkeiten.
Wir sitzen im Dunkeln. Auf der Leinwand treffen sich Greta Garbo und Erika Mann 1969 in den Schweizer Bergen und erinnern sich. Wie war das noch mit Marlene Dietrich und der gemeinsamen Geliebten? Als der Film den Nerv der Zeit traf und die Deutschen Hollywood und ganz Amerika durcheinanderwirbelten. Mit Erika Manns antifaschistischem Kabarett Die Pfeffermühle, während die ganze Welt ins Dunkel glitt? Mit der Zensur nach 1933 auch in den USA? Ach – und wie gut kannten sich eigentlich Greta Garbo und Marlene Dietrich? Wer traute sich mehr auf der Leinwand? Und im Leben?
Eine Liebeserklärung an das Kino.
Wir sitzen im Dunkeln. Auf der Leinwand treffen sich Greta Garbo und Erika Mann 1969 in den Schweizer Bergen und erinnern sich. Wie war das noch mit Marlene Dietrich und der gemeinsamen Geliebten? Als der Film den Nerv der Zeit traf und die Deutschen Hollywood und ganz Amerika durcheinanderwirbelten. Mit Erika Manns antifaschistischem Kabarett Die Pfeffermühle, während die ganze Welt ins Dunkel glitt? Mit der Zensur nach 1933 auch in den USA? Ach – und wie gut kannten sich eigentlich Greta Garbo und Marlene Dietrich? Wer traute sich mehr auf der Leinwand? Und im Leben?
Eine Liebeserklärung an das Kino.
357 pages, Hardcover
Published August 18, 2025
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Community Reviews
Displaying 1 - 5 of 5 reviews
June 18, 2026
Nur scheinbar auktorial erzählt, flunkern diese Figuren hier alle ihre eigene Geschichte von Hollywood zusammen. Sie gönnen sich dabei nichts und widersprechen sich unablässig gegenseitig, sodass alles höchst unzuverlässig wird. Keine der vorrangig weiblichen Figuren - bei genauerer Betrachtung auch nicht die von der Autorin zunächst favorisierte Greta Garbo - kommt dabei gut weg. Und gerade indem Situationen wiederholt aus verschiedenen Perspektiven geschildert werden, entsteht eine intelligente Komik.
Bisweilen wirkt das wie Namedropping und eine gewisse Kenntnis der deutschen Filmszene der 20er- und 30er-Jahre scheint vorausgesetzt zu werden, doch erzeugen auch die kleinen karikaturenhaft gestalteten Nebenfiguren viele humorvolle Momente. Dass im zweiten Teil des Romans seitenweise über das literarische Schaffen der Manns reflektiert wird (Der Zauberberg, Mephisto), untermauert dagegen lediglich die Belesenheit der Autorin (die angesichts ihrer eindeutigen Positionierung zum Zusammenhang von Film und Faschismus sicher auch Kracauer gelesen hat).
Als strukturgebendes Medium drängt sich schließlich (angesichts des Themas vollkommen nachvollziehbar) jener Film in den Vordergrund: Szenen wechseln abrupt, das Bild flackert, die Rolle läuft heiß und der Streifen verschmort. Sicher entstehen so nette stilistische Effekte und die als Establishing Shots inszenierten erste Sätze der Kapitel erzeugen tatsächlich eine filmische Atmosphäre. Zu selten findet dies auch eine inhaltliche Entsprechung wie etwa in Daniel Kehlmanns durchaus ähnlichem Roman Lichtspiel oder bei neusachlichen filmischen Erzählverfahren.
Zweimal jedoch verschwimmen wie im Film die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit und eine Ich-Erzählerin tritt die Leinwand durchbrechend den
Hollywood-Granden gegenüber. Hier meint man nun, Marlene und Greta tatsächlich gegenüberzustehen.
Bisweilen wirkt das wie Namedropping und eine gewisse Kenntnis der deutschen Filmszene der 20er- und 30er-Jahre scheint vorausgesetzt zu werden, doch erzeugen auch die kleinen karikaturenhaft gestalteten Nebenfiguren viele humorvolle Momente. Dass im zweiten Teil des Romans seitenweise über das literarische Schaffen der Manns reflektiert wird (Der Zauberberg, Mephisto), untermauert dagegen lediglich die Belesenheit der Autorin (die angesichts ihrer eindeutigen Positionierung zum Zusammenhang von Film und Faschismus sicher auch Kracauer gelesen hat).
Als strukturgebendes Medium drängt sich schließlich (angesichts des Themas vollkommen nachvollziehbar) jener Film in den Vordergrund: Szenen wechseln abrupt, das Bild flackert, die Rolle läuft heiß und der Streifen verschmort. Sicher entstehen so nette stilistische Effekte und die als Establishing Shots inszenierten erste Sätze der Kapitel erzeugen tatsächlich eine filmische Atmosphäre. Zu selten findet dies auch eine inhaltliche Entsprechung wie etwa in Daniel Kehlmanns durchaus ähnlichem Roman Lichtspiel oder bei neusachlichen filmischen Erzählverfahren.
Zweimal jedoch verschwimmen wie im Film die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit und eine Ich-Erzählerin tritt die Leinwand durchbrechend den
Hollywood-Granden gegenüber. Hier meint man nun, Marlene und Greta tatsächlich gegenüberzustehen.
May 16, 2026
An sich echt interessant. Ich weiß nicht, ob es immer dieses Filmische benötigt. Einfach mal erzählerisch in eine Szene eintauchen bzw. dort verweilen, wäre auch schön. Das wirkt manchmal zu gezwungen. Außerdem sollte man doch einiges an biographischem Hintergrundwissen zu den Persönlichkeiten mitbringen, um wirklich mitkommen zu können.
November 13, 2025
Wir sitzen im Kino und schauen einen Film an. Nicht auf der Leinwand, sondern auf den Buchseiten des Romans. Es wird dunkel. Der Film beginnt mit einer Szene im verschneiten Schweizer Ort Klosters. Es ist das Jahr 1969. Greta Garbo hilft Erika Mann und ihrer Lebensgefährtin Signe von Scanzoni, den im Schnee liegen gebliebenen Wagen wieder auf die Fahrbahn zu bringen. Unerkannt eilt die Garbo weiter zum Haus ihrer Freundin Salka Viertel.
Damit ist auf der ersten Seite des Romans schon ein Großteil der tragenden Figuren vorgestellt. Marlene Dietrich fehlt noch. Die kommt in der zweiten Szene hinzu – in einer Rückblende.1924. Erika und Klaus Mann, Pamela Wedekind und Greta Garbo sitzen in einer Bar. Man fachsimpelt über Film. Man schaut dem Damenimitator auf der Bühne zu. Die legendäre Tänzerin Anita Berber tritt ein, man trinkt Champagner. „Dietrich, Marlene. Angenehm.“ Da meldet sich die Erzählerin. „Ach - so jung haben wir sie gar nicht erkannt!“
Angela Steidele erzählt den ganzen Roman als Film. Mit allem, was dazu gehört: mit Schnitt und Gegenschnitt, Großaufnahme und Halbtotale, Rückblende, Parallelmontage, Match Cuts u. s. w. Nebenfiguren treten auf und ab: Friedrich Wilhelm Murnau, Ernst Lubitsch, Charlie Chaplin, Thomas Mann und viele andere Berühmtheiten.
Der Film führt auch metaphorisch vom Licht ins Dunkel, von den Zwanziger Jahren in Berlin über die strahlenden Hollywoodjahre der beiden Diven Garbo und Dietrich in das Dunkel des Dritten Reichs. Es geht um die große Politik und die Legenden, die die Diven von ihrem Leben stricken. Was davon ist wahr? Und was ist einfach gut erfunden?
Ein Roman, den ich sehr gern gelesen habe, auch wenn die Lektüre manchmal anstrengend war. Als Leserin bin ich es nicht gewohnt, ein Handlung ausschließlich aus der Kameraperspektive zu verfolgen. Aber es hat sich gelohnt. Demnächst alte Garbo-Filme schauen!
Empfehlenswert im thematischen Umfeld auch: Ursel Braun, „Exil im Paradies“, ebersbach & simon 2025 (zu Salka Viertel und der Exil-Bohème in Los Angeles) und Eveline Hasler, „Stürmische Jahre“, Nagel & Kimche 2015 (zu Erika und Klaus Mann und Annemarie Schwarzenbach in der Schweiz). Besprechungen zu beiden Büchern im Feed.
Mehr auf: www.kultursalon.blog
Damit ist auf der ersten Seite des Romans schon ein Großteil der tragenden Figuren vorgestellt. Marlene Dietrich fehlt noch. Die kommt in der zweiten Szene hinzu – in einer Rückblende.1924. Erika und Klaus Mann, Pamela Wedekind und Greta Garbo sitzen in einer Bar. Man fachsimpelt über Film. Man schaut dem Damenimitator auf der Bühne zu. Die legendäre Tänzerin Anita Berber tritt ein, man trinkt Champagner. „Dietrich, Marlene. Angenehm.“ Da meldet sich die Erzählerin. „Ach - so jung haben wir sie gar nicht erkannt!“
Angela Steidele erzählt den ganzen Roman als Film. Mit allem, was dazu gehört: mit Schnitt und Gegenschnitt, Großaufnahme und Halbtotale, Rückblende, Parallelmontage, Match Cuts u. s. w. Nebenfiguren treten auf und ab: Friedrich Wilhelm Murnau, Ernst Lubitsch, Charlie Chaplin, Thomas Mann und viele andere Berühmtheiten.
Der Film führt auch metaphorisch vom Licht ins Dunkel, von den Zwanziger Jahren in Berlin über die strahlenden Hollywoodjahre der beiden Diven Garbo und Dietrich in das Dunkel des Dritten Reichs. Es geht um die große Politik und die Legenden, die die Diven von ihrem Leben stricken. Was davon ist wahr? Und was ist einfach gut erfunden?
Ein Roman, den ich sehr gern gelesen habe, auch wenn die Lektüre manchmal anstrengend war. Als Leserin bin ich es nicht gewohnt, ein Handlung ausschließlich aus der Kameraperspektive zu verfolgen. Aber es hat sich gelohnt. Demnächst alte Garbo-Filme schauen!
Empfehlenswert im thematischen Umfeld auch: Ursel Braun, „Exil im Paradies“, ebersbach & simon 2025 (zu Salka Viertel und der Exil-Bohème in Los Angeles) und Eveline Hasler, „Stürmische Jahre“, Nagel & Kimche 2015 (zu Erika und Klaus Mann und Annemarie Schwarzenbach in der Schweiz). Besprechungen zu beiden Büchern im Feed.
Mehr auf: www.kultursalon.blog
December 26, 2025
Das Buch hört sich interessant an und passt mit seinen Figuren - insbesondere Erika Mann - perfekt ins Jahr 2025.
Außer Erika Mann sind weitere berühmte Frauen Thema des Buches, vor allem Marlene Dietrich und Greta Garbo, aber auch andere berühmte und wenige berühmte Künstler*innen wie Therese Giese, Pamela Wedekind usw.
Thema des Buches sind vor allem die Liebesbeziehungen der Frauen zueinander, aber auch die Geschichte des Films, insbesondere des Stummfilms im Wandel zum Tonfilm
Das alles findet statt vor dem Hintergrund der liberalen Weimarer Republik (1925) übe die Weltwirtschaftskrise, die untergehende Republik, dem Erstarken der Nazis, der Emigration, dem 2. Weltkrieg und dem Leben nach dem Krieg.
Das an sich ist schon anstrengend genug, hinzu kommt aber die Inszenierung des Buches als Film.
Geschrieben im Präsenz und oft als Beschreibung dessen, was man gerade zu sehen und hören bekommt, inklusive von Störungen wie „ wir können leider nichts mehr hören, weil am Nachbartisch so laut geredet wird“
Das mag einer von diesen Kunstgriffen sein, die ein Buch „literarisch wertvoll“ erscheinen lassen, es stört aber ungemein den Lesefluss.
Ich bin einfach nicht reingekommen, die gekünstelte Verfilmung des Textes hat verhindert, dass ich beim Lesen eigene Bilder entwickeln konnte.
Man merkt dem Buch an, dass die Autorin intensivst recherchiert hat. Das teilt sie uns auch mehrfach mit. Aber eben auch, dass in diesem Roman nicht alles faktenbasiert ist, sondern viel auch Interpretation und Füllung der Lücken durch eigene Deutung der Ereignisse. Das wird explizit betont in dem Kapitel „Paris ab Seite 106, das wirklich ganz, ganz schlimm zu lesen war.
Insgesamt das vielleicht größte Problem des Buches: es kann sich nicht entscheiden, ob es ein hervorragend recherchiertes, gründliches Sachbuch über homosexuelle Künsterlinnen und Intelektuelle ist oder ein Roman - als Sachbuch wäre es sicherlich hervorragend gewesen, als Roman funktioniert es für mich tatsächlich nicht.
Außer Erika Mann sind weitere berühmte Frauen Thema des Buches, vor allem Marlene Dietrich und Greta Garbo, aber auch andere berühmte und wenige berühmte Künstler*innen wie Therese Giese, Pamela Wedekind usw.
Thema des Buches sind vor allem die Liebesbeziehungen der Frauen zueinander, aber auch die Geschichte des Films, insbesondere des Stummfilms im Wandel zum Tonfilm
Das alles findet statt vor dem Hintergrund der liberalen Weimarer Republik (1925) übe die Weltwirtschaftskrise, die untergehende Republik, dem Erstarken der Nazis, der Emigration, dem 2. Weltkrieg und dem Leben nach dem Krieg.
Das an sich ist schon anstrengend genug, hinzu kommt aber die Inszenierung des Buches als Film.
Geschrieben im Präsenz und oft als Beschreibung dessen, was man gerade zu sehen und hören bekommt, inklusive von Störungen wie „ wir können leider nichts mehr hören, weil am Nachbartisch so laut geredet wird“
Das mag einer von diesen Kunstgriffen sein, die ein Buch „literarisch wertvoll“ erscheinen lassen, es stört aber ungemein den Lesefluss.
Ich bin einfach nicht reingekommen, die gekünstelte Verfilmung des Textes hat verhindert, dass ich beim Lesen eigene Bilder entwickeln konnte.
Man merkt dem Buch an, dass die Autorin intensivst recherchiert hat. Das teilt sie uns auch mehrfach mit. Aber eben auch, dass in diesem Roman nicht alles faktenbasiert ist, sondern viel auch Interpretation und Füllung der Lücken durch eigene Deutung der Ereignisse. Das wird explizit betont in dem Kapitel „Paris ab Seite 106, das wirklich ganz, ganz schlimm zu lesen war.
Insgesamt das vielleicht größte Problem des Buches: es kann sich nicht entscheiden, ob es ein hervorragend recherchiertes, gründliches Sachbuch über homosexuelle Künsterlinnen und Intelektuelle ist oder ein Roman - als Sachbuch wäre es sicherlich hervorragend gewesen, als Roman funktioniert es für mich tatsächlich nicht.
November 16, 2025
In „Ins Dunkel“, dem neuen Roman von 2025, inszeniert Angela Steidele ein brillantes fiktives Treffen zwischen Greta Garbo und Erika Mann im Jahr 1969. Das Treffen entfaltet sich wie ein „Film im Roman“ – glamourös und hochpolitisch – und rollt die 1930er Jahre in Hollywood auf.
Man erkennt sofort die Haltung der Autorin, die ich aus einem Interview mit ihr kenne. Ich würde sie als echt feministisch und demokratisch bezeichnen. Es ist ein feministischer Akt, diese legendären Frauen – einschließlich der abwesenden Marlene Dietrich– aus dem reinen Klatsch zu befreien. Ihre komplexen (Liebes-)Beziehungen ernst zu nehmen und ihre jeweilige Handlungsmacht („Wer traute sich mehr?“) auszuloten, wird hier zur literarischen Pflicht.
Zugleich zeigt sich Steidele als Demokratin. Sie stellt den antifaschistischen Kampf von Erika Manns Kabarett „Die Pfeffermühle“ und die Zensur nach 1933 ins Zentrum. Währenddessen glitt die Welt (und Amerika) „ins Dunkel“.
Steidele erinnert uns eindringlich daran, wie nah Glamour und politische Verantwortung in dunklen Zeiten beieinanderliegen.
Man erkennt sofort die Haltung der Autorin, die ich aus einem Interview mit ihr kenne. Ich würde sie als echt feministisch und demokratisch bezeichnen. Es ist ein feministischer Akt, diese legendären Frauen – einschließlich der abwesenden Marlene Dietrich– aus dem reinen Klatsch zu befreien. Ihre komplexen (Liebes-)Beziehungen ernst zu nehmen und ihre jeweilige Handlungsmacht („Wer traute sich mehr?“) auszuloten, wird hier zur literarischen Pflicht.
Zugleich zeigt sich Steidele als Demokratin. Sie stellt den antifaschistischen Kampf von Erika Manns Kabarett „Die Pfeffermühle“ und die Zensur nach 1933 ins Zentrum. Währenddessen glitt die Welt (und Amerika) „ins Dunkel“.
Steidele erinnert uns eindringlich daran, wie nah Glamour und politische Verantwortung in dunklen Zeiten beieinanderliegen.
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