Christian Hubers bewegender Roman über Schuld und Vergebung, über Liebe und Flucht. Und über die Kraft eines einzigen Moments, der so viel erzählen kann wie ein einziges Leben.
Bohm lebt seit fünf Jahren auf der Straße. Wie er mit Mitte dreißig aus seinem früheren Leben gerutscht ist, darüber schweigt er. Mit seinem Hund Fox schlägt er sich gerade so durch.
Alina, eine ehemals aufstrebende Journalistin, scheint in ihrer Laufbahn an einem toten Punkt angekommen zu sein. Ihre letzte Chance auf eine Karriere ist der Auftrag für eine Dokumentation über Obdachlosigkeit, die sie für ihren TV-Sender drehen soll.
Zufällig trifft sie auf Bohm, der sich widerstrebend auf das Projekt einlässt. Zu seinem Entsetzen erkennt er, dass er dabei ist, sich in die zielstrebige Frau zu verlieben. Doch er ist überzeugt, dass diese Liebe niemals eine Chance haben wird. Aber das Leben geht seine eigenen Wege …
»Ein Buch, das so besonders ist … eine leise Melancholie durchzieht diesen Roman.« Christine Westermann über Christian Hubers ersten Roman ›Man vergisst nicht, wie man schwimmt‹
Der Roman „Solange ein Streichholz brennt“ hat mich von der ersten Seite an emotional erreicht. Im Mittelpunkt steht Bohm, der seit Jahren auf der Straße lebt und sich gemeinsam mit seinem Hund Fox durch den Alltag kämpft. Dem gegenüber steht Alina, eine Journalistin, deren Karriere ins Stocken geraten ist und die in einer Reportage über Obdachlosigkeit ihre letzte Chance sieht. Schnell merken sie beide, dass mehr zwischen ihnen ist als eine Zweckbeziehung.
Besonders gelungen finde ich, wie der Roman das Thema Obdachlosigkeit behandelt. Es wird weder beschönigt noch sensationsheischend dargestellt, sondern mit viel Empathie und Feingefühl erzählt. Man bekommt einen Einblick in eine Lebensrealität, die im Alltag oft übersehen wird, obwohl sie in allen Städten ein wachsendes Problem ist. Gerade diese Perspektive macht das Buch so wichtig. Auch die Beziehung zwischen Bohm und Alina wird überzeugend entwickelt. Sie entwickelt sich vorsichtig, ohne kitschig zu werden.
Sprachlich hat mich das Buch ebenfalls überzeugt. Der Stil ist flüssig, zugänglich und gleichzeitig emotional treffend, ohne dabei überladen zu wirken. Man merkt, dass der Autor, wie schon in seinem Debütroman, ein gutes Gespür für Figuren und Stimmungen hat.
Für mich ist „Solange ein Streichholz brennt“ ein berührender und wichtiger Roman, der nicht nur unterhält, sondern auch den Blick für ein oft verdrängtes Thema richtet. Ich hoffe, dass viele Leserinnen und Leser nach dieser Lektüre anders auf obdachlose Menschen schauen.
Wir alle sind nur einen Unfall, einen Schicksalsschlag, eine falsche Entscheidung, oder eine Erkrankung von Armut und Obdachlosigkeit entfernt.
,Solange ein Streichholz brennt‘ erinnert genau daran. Und daran, wie schnell wir das vergessen.
In der Geschichte über die Begegnung zwischen dem Obdachlosen Bohm und der Reporterin Alina greift Christian Huber ein Thema auf, für das ich ihm kaum dankbarer sein könnte. Eines, das uns täglich begegnet, aber allzu gern ignoriert oder stigmatisiert wird. Das Buch führt uns einmal mehr vor Augen, wie Wohnungslose nicht nur übersehen, sondern aktiv entmenschlicht werden und wie leichtfertig wir Menschen als ‚minderwertig’ betrachten, wenn uns oft nur eine tragische Verkettung von Umständen von ihnen trennt. Eine vermeintliche Grenze, die in Wahrheit keine ist.
Dass die Handlung an manchen Stellen konstruiert, klischeehaft und stellenweise vorhersehbar wirkt, verzeihe ich dem Autor in jeder Hinsicht- ich habe die Geschichte schlichtweg verschlungen. Dass meine Heimatstadt dabei als Schauplatz dient, hat sein Übriges getan: Das Buch hat mich eingefangen, durchgekaut und nicht wieder ausgespuckt. Nicht nur, weil es wirklich schön und einfühlsam geschrieben ist und an den richtigen Stellen trifft, sondern einen auch dazu zwingt, die eigenen, oft unbewussten Vorurteile schonungslos zu hinterfragen.
Und von jedem der es liest, wünsche ich mir fortan mehr Empathie, vielleicht mal einen Euro in den Bechern der Stadt mehr, aber vor allem die Anerkennung, dass uns von der Person auf der Straße manchmal nichts weiter als pures Glück trennt.
Der Zahl der Menschen, die keinen festen Wohnsitz haben und ohne Obdach sind, ist besonders seit der Pandemie enorm angestiegen. Auch in Köln ist mir aufgefallen, dass so viele - meist Männer-auf der Straße leben. Ich gebe ihnen oft einen Euro oder zwei, schon aus Dankbarkeit, dass mein Leben in anderen Bahnen verläuft. Auch wenn diese Lebensart oft freiwillig gewählt wird, bin ich mir doch bewusst, dass das niemand gerne getan hat. Meistens steht ein Schicksalsschlag dahinter.
Bohm ist so einer. Dem Alkohol verfallen hangelt er sich von Tag zu Tag, muss sich mit Diebstahl und großen Schmerzen herumschlagen. Alina hat es auf die hellere Seite des Lebens geschafft. Sie arbeitet im Medienbereich und soll für eine neue Talkshow eine Reportage darüber drehen, wie tief Menschen fallen können. Die beiden begegnen sich und ein Hund wird zum Bindeglied.
Die Skizzierung des Plots auf dem Klappentext hat mich sofort angesprochen. Dem Autor ist die Figurenkonstruktion richtig gut gelungen. Nichts schreit hier, nichts ist schrill und laut (außer vielleicht der durchgeknallte Moderator). Die Gedanken der Protagonisten kann ich zu jederzeit nachvollziehen. Dass sich Bohm auch in der „Szene“ eher zurücknimmt, macht ihn umso geheimnisvoller. Das hat Huber gut gemacht, denn natürlich möchten wir wissen, wie es soweit kommen konnte. Am Ende wird das Geheimnis gelöst und ist gleichzeitig alltäglich und berührend. Ich glaube, es gibt viele Schicksale, die ähnlich verlaufen. Die Auflösung der Geschichte hat mir richtig gut gefallen. Die ganze Geschichte rund um die Talkshow hat maßvoll dosierten Raum eingenommen und den Rahmen nicht gesprengt. Alinas Reaktion am Ende habe ich sehr gefeiert! Tja, und Bohm? Seine Geschichte bekommt genauso viel Happy End, dass es nicht kitschig ist und mich trotzdem vor Rührung ein paar Tränen vergießen lässt
Die verschiedenen Perspektiven brachten Lebendigkeit und Abwechslung in die Geschichte. Das Buch entwickelt einen Sog, der mich immer wieder zu ihm hin zog. Christian Huber kann schreiben, das steht mal fest und ich bin sehr gespannt, was von ihm noch so alles kommt.
Meine Empfehlung geht an euch alle, die Bücher und gute Geschichten lieben. Das könnte was für jeden sein und da der Plot schon ein bisschen besonders ist, empfehle ich es besonders den Leser*innen, die auf der Suche nach Abwechslung sind und die zum Beispiel „Kein guter Mann“ von @andreasi sehr mochten.
Bohm lebt seit Jahren auf der Straße, Alina ist Journalistin und möchte eine Reportage mit ihm drehen. Die beiden nähern sich an. Diese Geschichte hat irgendwas in mir zum Schwingen gebracht. Es ist ein intensiver Blick auf eine Lebensrealität, bei der man oft wegsieht. Wie kann ein Leben kippen, fragt sich Journalistin Alina. Die Antwort in Bezug auf Bohm ist spannend und berührend, was mir aber noch mehr gefallen hat war, wie Christian Huber kleine und große zwischenmenschliche Momente beschreibt - zart, roh, echt.
Fazit: Eine nachvollziehbare Geschichte über Obdachlosigkeit, die mich überraschend hart ins Herz getroffen hat.
Ich hatte so hohe Erwartungen an dieses Buch, weil ich die Thematik - das Aufeinandertreffen und die Annäherung zwischen einer jungen Fernsehjournalistin und einem Obdachlosen - so interessant fand. Leider konnte es keine dieser Erwartungen erfüllen, es ist so voller künstlich konstruierter und kaum nachvollziehbarer Momente und Klischees, das ich fast schon froh war, als es vorbei war 🫣🙃
Wow. Ich bin zur Zeit sowieso etwas emotional, aber die Geschichte hat mich wirklich kalt erwischt. Wohnungslosigkeit ist so ein großes Thema in unserer Gesellschaft, auch wenn wir alle oftmals nicht genau genug hinschauen. Zu realisieren dass wir alle näher an einer etwaigen Wohnungslosigkeit dran sind, als an finanziellem Reichtum und das ganze gepaart mit einer vielleicht unlogischen, aber schönen Geschichte, macht das Buch für mich zu einem meiner Favoriten des bisherigen Jahres.
Sehr starkes Ende. Tränen sind immer ein gutes Zeichen. Lange war ich mir nicht ganz sicher, ob ich die Geschichte glaubwürdig finden soll, aber die Charaktere gewinnen zunehmend an Tiefe und machen sich!
Eine sehr süsse Geschichte mit einem rührenden Ende. Allerdings ist das Ende sehr offen, was zwar gut zur Geschichte passt, mich aber etwas unzufrieden zurücklässt, weil ich (und mein Gehirn, das immer alles wissen will) kein Fan von offenen Enden sind.
Leider kann ich nur 5 Sterne geben. Eigentlich sind es 7 Ein wunderschönes modernes Märchen zwischen Alltag und Abgrund, Medien Wahnsinn und Traum vom einfachen Glück. Zwei Suchende , Irrende und doch liebenswerte Menschen und die Idee eines guten, besseren Lebens Hubert Worte ziehen uns ab der ersten Seite, der ersten Zeile in den Bann und lassen uns nicht los, bei allen Höhen und Tiefen die das Schicksal für Alina und Bohm bereit hält. Traumhaft schön und ein buch zum wohlfühlen ohne Schmalz nur ein wahnsinnig gutes gefühl
Das Buch hat mich von Anfang an in den Bann gezogen. Ich war vor allem neugierig wie der Hauptcharakter in seine Situation geraten ist. Es gab sehr witzige Stellen und einige Gesellschaftskritische Stellen, vor allem durch den ehrlichen Blick auf Obdachlosigkeit und den Umgang mit den Menschen durch Passanten, Polizisten und die Medien. Vereinzelte Handlungsstränge wirkten vorhersehbar, aber das hat der Spannung nicht geschadet.
"Wie entgleitet ein Leben?" das ist das Hauptthema des Buches. Eine wunderschöne Geschichte über Hoffnung, die Chance auf einen Neuanfang und eine scheinbar unmögliche Liebe. Für mich eines der wichtigsten Bücher des Jahres. Ein Buch, was einem zwingt die Perspektive zu wechseln und mich persönlich sensibilisiert hat. Erzählt wird die Geschichte von Bohm, einem Obdachlosen. Die Geschichte jener Menschen die man nicht sieht, weil man nicht hinschaut. Und genau das schafft der Autor. Man schaut hin.
Es geht auch um Alina, eine junge Reporterin, die im Laufe der Geschichte vieles hinterfragt und am Ende weiß, was wirklich zählt.
Es geht um Menschen, die für Erfolg alles machen würden, so unmoralisch es auch sein mag. Die Geschichte zeigt einem, das Charakter keine Frage des Standes ist. F��r mich als Hundebesitzerin gab es ein paar Stellen im Buch die unerträglich waren, regelrecht angeekelt war ich. Umso freudiger war dann doch das Ende der Geschichte. Es ist ein Ende das hoffnungsvoll erscheint. Ein sehr unterhaltsamer, kurzweiliger Roman, der einem dazu anregt sich selbst zu hinterfragen und einem erinnert, dass jeder Mensch ein Schicksal, eine Geschichte hat und man niemals vorschnell urteilen soll.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Christian Hubers Roman „Solange ein Streichholz brennt“ ist ein tief bewegendes Buch, das mit einfachen, aber eindringlichen Worten eine Geschichte erzählt, die uns alle angehen könnte. Im Mittelpunkt stehen zwei Menschen aus völlig unterschiedlichen Welten, deren Leben jedoch gleichermaßen an einem Wendepunkt stehen.
Da ist zum einen Bohm, ein Mann 36 Jahre alt, der seit fünf Jahren auf der Straße lebt. Er ist ein „netter Bohm“, ein eher stiller Charakter, der zusammen mit seinem Hund Fox ( einem kleinen Streuner mit verletzlichem Wesen) versucht, sich in der harten Realität der Obdachlosigkeit durchzuschlagen. Auf der anderen Seite lernen wir Alina kennen, eine einsame Journalistin, deren einst glanzvolle Karriere ins Stocken geraten ist. Ihr letzter Strohhalm ist ein Dokumentarfilm über Obdachlosigkeit, bei dem sie sich der Frage widmet: „Wie entgleitet ein Leben?“.
Das Thema des Buches ist universell und beklemmend zugleich: Wie schnell kann ein Mensch abstürzen? Christian Huber spielt dabei geschickt mit der Empathie der Leser und hält uns einen Spiegel vor, indem er zeigt, mit welchen Vorurteilen wir insbesondere obdachlosen Menschen begegnen. Die Geschichte macht deutlich, dass ein solcher Schicksalsschlag im Grunde jedem von uns passieren kann.
Inmitten dieser harten Realität entwickelt sich zwischen Alina und Bohm eine Verbindung, die eigentlich keine Chance haben dürfte. Man beginnt als Leser sofort, mit den beiden Hauptfiguren mitzufiebern und mitzuleiden, was das Buch zu einem echten Pageturner macht. Man wünscht ihnen so sehr ein Happy End, während sie gemeinsam versuchen, der Frage nachzugehen, ob man vor seinem eigenen Leben davonlaufen kann. Dabei wird klar: Ein Neuanfang ist nur dann möglich, wenn man mit der Vergangenheit abschließt und innerlich aufräumt.
Ein interessanter, wenn auch weniger facettenreich gezeichneter Charakter ist Jakob, ein skrupelloser Journalist im Umfeld von Alina. Er wirkt fast wie ein Klischee des karrierefixierten Medienmenschen. Doch auch bei ihm zeigt sich eine tragische Note: Während er krampfhaft versucht, alles in seinem Leben festzuhalten, scheint ihm genau dieses gerade selbst zu entgleiten.
Nicht unerwähnt bleiben sollte die hochwertige Gestaltung des Buches. Das Hardcover überzeugt durch eine exzellente Qualität und liegt sehr angenehm in der Hand. Auch die Seiten fühlen sich beim Umblättern wertig an, was das Leseerlebnis zusätzlich verschönert.
Insgesamt ist „Solange ein Streichholz brennt“ ein Roman, der lange nachhallt. Er erinnert uns daran, dass das Leben oft seine eigenen, unvorhersehbaren Wege geht und dass hinter jedem Menschen auf der Straße eine Geschichte steckt, die es wert ist, gehört zu werden.
„Solange ein Streichholz brennt“ von Christian Huber ist ein Buch, das ein gesellschaftlich extrem relevantes Thema in den Mittelpunkt stellt – und allein dafür schon Aufmerksamkeit verdient. Die Auseinandersetzung mit Obdachlosigkeit, sozialer Ungleichheit und Wahrnehmung im Alltag ist eindringlich und regt definitiv zum Nachdenken an.
Im Kern begleitet die Geschichte Bohm, der auf der Straße lebt, und Alina, eine Journalistin, die seine Lebensrealität für ein TV-Format dokumentieren möchte. Besonders zu Beginn entwickelt die Handlung eine gewisse Sogwirkung: Man wird direkt hineingezogen in diese Begegnung zweier völlig unterschiedlicher Lebenswelten und stellt sich unweigerlich die Frage, wie groß die Distanz zwischen ihnen wirklich ist.
Was mir gut gefallen hat, ist der Ansatz, Vorurteile sichtbar zu machen und aufzubrechen. Immer wieder wird deutlich, wie schnell Menschen abgestempelt werden – und wie wenig es manchmal braucht, um selbst in eine ähnliche Situation zu geraten. Diese Botschaft kommt an und bleibt auch hängen.
Allerdings hat die Umsetzung für mich nicht durchgehend funktioniert. Einige Entwicklungen wirkten auf mich konstruiert, insbesondere in Bezug auf Bohms Hintergrundgeschichte, die ich persönlich als wenig überzeugend empfunden habe. Auch die Dynamik zwischen den Figuren – vor allem rund um Alina – blieb für mich stellenweise schwierig. Ihre Perspektive wirkte teils distanziert und wenig reflektiert, was es mir erschwert hat, eine echte emotionale Bindung aufzubauen.
Die eingebaute Liebesgeschichte hat für mich ebenfalls nicht vollständig gegriffen. Sie fühlte sich eher wie ein zusätzliches Element an, das nicht unbedingt nötig gewesen wäre, um die eigentliche Thematik zu tragen. Hier hätte ich mir gewünscht, dass der Fokus konsequenter auf den gesellschaftlichen Aspekten bleibt.
Positiv hervorzuheben ist hingegen das Hörbuch, das durch die wechselnden Perspektiven und die zwei Sprecher*innen eine zusätzliche Ebene gewinnt und die Geschichte lebendiger macht.
Insgesamt ein wichtiges, aber nicht immer stimmig umgesetztes Buch, das zum Nachdenken anregt, emotional jedoch nicht durchgehend erreicht.
Bewertung: ★★★☆☆
Ein herzliches Dankeschön an NetGalley und den Verlag für das Rezensionsexemplar.
Schon beim Lesen des Klappentextes wusste ich, dass mir dieser Roman sehr gefallen würde. Kürzlich steckte ich noch in einer kleinen Leseflaute – und bin dann auf dieses Buch gestoßen. Von Anfang an war ich neugierig auf Bohms Geschichte und habe die Seiten förmlich inhaliert.
Der Schreibstil von Christian Huber macht es leicht, schnell in die Geschichte einzutauchen. Es ist eine zugleich schöne und traurige Erzählung, die einen berührt und nachdenklich zurücklässt. Besonders eindrücklich ist die Erkenntnis, dass das, was Bohm widerfährt, im Grunde jeden treffen kann.
Und jetzt hätte ich auch gerne eine Ein-Million-Dollar-Maus – und einen kleinen Weggefährten wie Fox.
Dieses Buch ist für mich mein absolutes Lesehiglight 2026. Ich glaube kaum, dass dieses Jahr noch etwas Besseres auf mich wartet. Ich bin sprachlos, weil die Geschichte über Bohm und Alina so, so schön war. ❤️
Wie kann man so tief fallen? Wie landet ein Mensch in der Obdachlosigkeit? Diese Geschichte hat mich tief berührt. In zwei Perspektiven nimmt sie mit in die Lebenswelten zweier Menschen, die sich berühren. Kann das gut ausgehen? Das kann doch nicht gut ausgehen!
Liebe den Schreibstil von Christian Huber und fand das Buch wirklich toll! Zwischendurch ein bisschen rosa-rot aber finde die Idee des Buches toll und neu und spannend!
So unfassbar realistische Gedankengänge, in denen man sich wiederfindet. Alina, Bohm und Fox sind mir richtig ans Herz gewachsen. Und das Frühstück mit Alina‘s Eltern ist eine der tollsten Szenen, die ich bisher gelesen habe, die hätte gerne noch so, so viel länger sein können!
Solange ein Streichholz brennt adaptiert die Geschichte von die Schöne und das Biest, wie sie bspw. Angela Carter in Die blutige Kammer, übersetzt von Maren Kames, in der Geschichte „Die Tigerbraut“ verarbeitet hat, wie sie aber schon mehrere Tausende Jahre in der Kulturgeschichte herumwabert, am bekanntesten als Märchen von Gabrielle-Suzanne de Villeneuve (1740). Bei Huber übernimmt eine türkisch-stämmige Journalistin namens Alina Alev die Rolle der Schönen und Daniel Bohm, ein Obdachloser in Köln, die des Biestes:
Ihre Augen waren bernsteinfarben mit tiefschwarzen Pupillen. Ein Sonnensturm. In diesem Moment drehte der Wind und drückte ihm in den Rücken. Alina Alev, die eben noch nah an dem Handtuch gestanden hatte, wich etwas zurück, und Bohm sah, wie sie für einen Sekundenbruchteil die Mundwinkel verzog. Sofort lächelte sie wieder. Bohm schluckte. Ihm war bewusst, dass er stank. Einen Wimpernschlag lang fühlte er Scham, dann etwas anderes, Unbenennbares, bevor der Trotz in ihm aufstieg und seinen Verstand klärte.
Alina muss ihre Karriere als Journalistin retten und entschließt sich unter dem Motto „wie ein Leben entgleitet“, den Alltag eines Obdachlosen zu dokumentieren. Ihre Wahl fällt auf Bohm, der sich friedlich, trunk- und rauschgiftsüchtig, auf der Straße herumschlägt, ohne weiter auffallen zu wollen. Durch eine Notsituation muss er das Angebot, sich Tausend Euro zu verdienen, annehmen, und hieraus entwickelt sich nun die Liebesgeschichte zwischen den beiden, sodass der ursprüngliche Plot, Alinas Plan ihre Journalismus-Karriere zu retten, ins Abseits gerät.
Wieder und wieder sah sie sich in Zeitlupe an, wie der Obdachlose ihr sein Ticket vor die Füße fallen ließ und dann davonrannte. Bevor er aufgesprungen war, hatte er zu ihr geblickt. Alina sah diesen Blick. Die Wärme darin. Und irgendetwas machte es mit ihr, dass sie sich diese Szene in Dauerschleife ansah. Da war jetzt etwas in ihrem Inneren, in ihrem Brustkorb, leicht links versetzt. Winzig. Ein winziges Korn. Ein Gefühl, das sie nicht einordnen konnte. Nur eines wusste sie: Angst war es nicht.
Professionell geschrieben, am Anfang auch wohlkomponiert, in Details und symbolischer Kodierung überzeugend, entgleitet Solange ein Streichholz brennt zunehmend. Dies liegt vor allem daran, dass die Psychologie der Figuren unterkomplex bleibt und die Liebe zwischen ihnen eher als Konstrukt wirkt. Zudem verlieren viele Nebenstränge der Story ihren Sinn, sobald es nur noch um die Liebe zwischen Alina und Bohm geht, nicht mehr um ihren Wunsch, als Journalistin groß rauszukommen. Die Geschichte wirkt insofern zunehmend wie eine abstruse Form von Bonnie und Clyde, die Schöne und das Biest mit einer Brise von Hans Christians Andersens Märchen „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern“.
Mit anderen Worten, die Komposition fliegt so derartig auseinander, dass am Ende des Romans der Plot wie ein Scherbenhaufen wirkt, und der gute Anfang, die dynamischen ersten Kapiteln mehr und mehr in Vergessenheit geraten. Bei genauerem Hinsehen fehlte die zündende Idee, was eine bitter ironische Wendung in einem Roman darstellt, der Solange ein Streichholz brennt heißt, denn die Moral der Geschichte fasst ein sehr bekanntes Merksätzchen zusammen, das in vielerlei Wohnungen hängt:
»Immer, wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her!«
Aber der Satz, in dieser Kürze, und fassungslos machenden Einfachheit bedarf keiner 330 Seiten. Im Gegenteil, je mehr er ausgeschmückt, desto mehr wird er zur Wurzel allen Kitschs, und dessen bedient sich Christian Huber ziemlich schamlos. Dass der Roman formal in Erzählweise weitestgehend überzeugt, rettet ihn vor dem völligen Absturz.
--------------------------------- --------------------------------- Details – ab hier Spoilergefahr (zur Erinnerung für mich): --------------------------------- ---------------------------------
Inhalt: ●Hauptfigur(en): Daniel Bohm (B), 36 Jahre alt, Obdachloser in Köln, und Alina Alev (A), 36 Jahre alte Journalisten am RTI in Köln. ●Zusammenfassung/Inhaltsangabe: 1. Teil: - Bohms Sachen wurden weggeschmissen, Schlafsack nun unbrauchbar, muss sich neuen besorgen. - As Journalistenkarriere am RTI läuft schlecht. Sie wird zu einem Meeting geladen und denkt, sie wird gefeuert. - B übernachtet in Notunterkunft, geht zur Bahnhofsmission, fragt nach einem Schlafsack, sie haben keinen. Sozialarbeiterin fragt, ob er den Brief, den sie ihm überreicht hat, geöffnet hat. Er verneint. Sie schlägt vor, er solle seine selbstgeschnitzten Mäuse auf dem Markt verkaufen. Ein Hund läuft ihm zu. - Das Meeting für A findet mit Jakob Nowak (J) statt, dem neuen Shootingstars, der ein TV Show plant. A soll eine Reportage beitragen: „Wie ein Leben entgleitet“, über einen Obdachlosen. - Am Ebertplatz verkauft B seine Mäuse, eine junge Frau fragt nach dem Hund, gibt ihm den Namen Fox (F). Die Frau gibt ihm ein Salamibrötchen, denn B und F haben offenkundig Hunger. - A versucht B mit 1000 Euro zu locken, an der Reportage mitzuwirken. Er schlägt das Angebot aus. Er zerknüllt ihre Visitenkarte, obwohl etwas zwischen A und B gefunkt hat. - Treffen zwischen J und A im Karat. Sie verstehen sich gut, kommen sich näher. A erzählt über sich. J kokst. - B im Moseleck. Es kommt zu einer Schlägerei, bei der F verletzt wird. B hetzt zur Notklinik, dort muss er für die Operationskosten bürgen. Er ruft A an. 2. Teil (ab 20%): - Vorbereitungen zur Reportage, erster Tag. Menschen ekeln sich vor B. B wird ein Mikrofon installiert, hierbei erste Berührung zwischen B und A. - Gespräch zwischen J und A über B. A soll härter mit B umgehen, ihn provozieren. Er sprecht etwas über seinen Alltag. Sie fahren mit der Bahn. A hat kein Ticket. Sie werden kontrolliert. B büchst aus, lässt aber sein Ticket für A fallen. - B geht zu Mülheimer Arche, um dort etwas zu essen. Trifft die Sozialarbeiterin wieder, die ihm einen Schlafsack gibt. Er verdrängt seine Vergangenheit. Die Tierpraxis ruft an, F muss abgeholt werden. - A und B treffen sich wieder. B zeigt A, wie sich ein Streichholz mit dem Fingernagel anzünden lässt. - B in der Tierklinik. A filmt heimlich. Es kommt zum Gerangel, B stiehlt Tramadol. Arzt zweifelt an, dass B die Wunde von F reinhalten kann. - B besorgt sich Essen aus der Mülltonne, A begleitet ihn zu einer Baustelle, wo er Unterschlupf findet. A verabredet mit J, der meldet sich aber nicht. - B baut sich Zelt in Nische, hat kein Alkohol, betäubt sich gegen die Erinnerungen mit Tramadol, nachdem er F versorgt hat. - A wartet bei J, der nicht zuhause ist. J kommt, aggressiv, wutschnaubend, pöbelt mit seinen Nachbarn, steht neben sich. A versteckt sich und geht. J Ordnungsfanatiker, Analsadist. - B geht in den Hinterhof, wo sein Schlafsack weggeschmissen wurde, findet ein offenes Fenster, kleidet sich ein, hinterlässt Trinkgeld für die Putzfrau, deren Geld er nicht mitnimmt. Fühlt sich nun wohler in seiner Haut. - A beschwert sich über eine neue Matratze, die offensichtlich gebraucht ist. Ignoriert die Anrufe von J. - A und B treffen sich auf der Kirmes, verbringen eine gute Zeit miteinander. Fühlen sich angezogen voneinander. B organisiert A einen Crepes mit Zimt und Zucker. - A und B schieben den Abschied hinaus, spielen ein Spiel mit einem Streichholz. Man darf solange Fragen stellen, wie es brennt, und der andere muss sich beeilen. Dann knallt es plötzlich [ein Generator explodiert]. 3. Teil (52%): - [ein paar Tage sind vergangen] A stellt ihre ersten 10 Minuten der Reportage vor, zufrieden. J und der RTI-Chef wollen mehr Drama, J schlägt vor, den Hund zu töten. A entsetzt. Streit zwischen A und J. - B schläft in einer Hotelküche, allein. F bei A. B geht die Straße entlang, wird von der Polizei aufgegriffen, die checken seine Personalien. Er wird in Bayern gesucht. B flieht. - A kümmert sich um F. Sie geht mit ihm Gassi. - B in einem Puppentheater. Er stiehlt Wein und Tulpen, um zu A zu gehen. - Es regnet. J ruft an, die Innenministerin hat abgesagt, die TV Sendung ist in Gefahr. J rastet verbal aus. A legt auf, steht vor ihrem Haus. - As Eltern stehen plötzlich vor ihr, wollen mit ihr Frühstücken. Sie erzählt von ihrem „Kollegen“ Bohm. - B besucht A, spielt das Spiel des Kollegen mit, Eltern mögen ihn, dann fällt der Kleiderständer und die Weinflasche zerbricht. - B ganz Kavalier, legt seinen Parka über die Scherben und den Wein, trägt die Mutter über die Pfütze, der Vater springt. Die Eltern gehen. A geht ihm einen Kuss. - B gerührt, unsicher, distanziert, zwiegespalten, da hämmert es an der Tür. Es ist J. - J rastet aus, beleidigt A und B. J tritt nach F, der jaulend davon springt. B rastet nun aus. - J und B prügeln sich, als A dazwischen geht, nutzt J die Gelegenheit und tritt gegen Bs verletzten Knöcheln. - B unleidig. Sie hätte sich nicht einmischen sollen. A sammelt ihre Briefe vom Boden, die heruntergefallen sind, öffnet sie, dabei gerät Bs Brief in ihre Hände. Dort sieht sie, dass B eine Frau und zwei Kinder hat. - B fertig, denkt an Saskia, Mathilda und Anton. A beginnt zu lesen. - Offizieller Brief, dass B sich melden muss bei seiner Familie, da er sonst für tot erklärt wird. B flieht mit der Krücke, die A ihm gegeben hat. - B im Schmerz versucht in der Tierklinik Tramadol aufzutreiben. Unerfolgreich. - A geht das Filmmaterial durch, sieht, wie lieb sie B gewonnen hat. J postet Video von dem Fight, dort wird aber gezeigt, wie er den Hund tritt. Die PR-Aktion geht nach hinten los. - A beschließt B zu suchen. - B torkelt im Hauptbahnhof herum, halluziniert, schleppt sich irgendwann zu A, die ihn in ihren Wagen packt. 4. Teil (80%): - Sie fahren Richtung Bayern, um B zu seiner Familie zu bringen. Sie kommen an. - B unentschlossen am Gartentor, zündet ein Streichholz an, als Zeichen, um sich Mut zu machen. - Nun Rückblick in 9 Teilen: wie B Saskia in Neuseeland kennenlernt, wie er seine Mutter aus unerfindlichen Gründen verlor, wie sein Vater verstarb, wie sie in Köln keine Wohnung mehr finden und das Haus übernehmen, wie sich B müde arbeitet, um das Haus instandzusetzen, wie er mehr und mehr trinkt, wie sie eine Tochter, einen Sohn bekommen, er das alles nicht mehr die Reihe bekommt, einen Unfall im Job baut, weil er nach dem Parken, die Handbremse nicht gezogen hat, und wie er dann nach einem Streit, als hoffnungsloser Fall, aufgibt, nach Köln geht und dort auf der Straße zu leben beginnt. - A sieht B aus dem Auto, wartet mit F. Sie wird von Lorenz, dem RTI-Chef angerufen, der sie als Nachfolgerin von J installieren will, ihr ein gutes Angebot unterbreitet, aber als sie sich ein Streichholz anzündet, beschließt sie, nein zu sagen. - B trifft im Haus Saskia und seine Kinder, Saskia von Yussuf schwanger, mit dem sie nun zusammen ist. Die Kinder erinnern sich nicht mehr an ihn, haben aber noch die Spielzeugmäuse, die er ihnen geschnitzt hat. Er willigt bei allem ein und überlässt Saskia alles, dann verlässt er das Haus. - B erfreut, dass A gewartet. Gemeinsam blicken sie nun nach vorn. ●Kurzfassung: Ein Mann bekommt sein Leben als Familienvater nicht auf die Reihe, büchst aus und wird von einer Frau gerettet, die ihr eigenes Leben auf die Reihe bekommt. ●Charaktere: (rund/flach) solala … Jakob sehr überzogen, Alina und Bohm wirken dynamisch ●Überflüssige Szenen/Charaktere: der Besuch der Eltern, völlig überflüssig, die Dekonstruktion von Jakob nicht nötig, gerät zur Karikatur; Polizeiszene auch überzogen. ●Besondere Ereignisse/Szenen: stimmungsvolles Ende, mit dem Warten in der Dunkelheit, auch das Gespräch zwischen Alina und Lorenz, wie sie nein sagt. ●Diskurs: Obdachlosigkeit … vlg. Nele Pollatschek „Kleine Probleme“, Anspielung auf Hans Christian Andersen Streichholz-Mädchen, und Johanna Adorjan „Ciao“. „Toxibaby“ von Dana von Suffrin. … »Immer, wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her!« als katholischer Sinnspruch, siehe auch Ralf Rothmann aus „Nacht unterm Schnee“, in etwa die Geschichte von Bohm, nur ohne Flucht, einfach nur der Niedergang. … Problem des Plots: anfänglich interessante Konfliktsituation zwischen Alina und dem Fernsehsender, also ihr Karrieredruck tritt in den Hintergrund und wird zu einer Liebesgeschichte zwischen Bohm, dem ungepflegten Obdachlosen, und Alina, der Hochglanzjournalisten auf dem Abstieg. Hierdurch verliert die ganze Journalismus-Szenerie ihren Sinn [Alina hätte Bohm auch auf dem Flohmarkt treffen können, wo er seine selbstgeschnitzten Mäuse verkauft, und ihn anziehend finden]. Die Liebesgeschichte nun wirkt klischiert, überlastete Single-Journalistin sucht Freiheit bei einem sorglos vor sich hin vegetierenden Obdachlosen. Sie übernimmt im Klartext eine Mutterrolle. Bohm, der seiner Rolle als Familienvater mit zwei Kindern nicht gerecht wurde, darf sich umsorgen lassen. Ab einem bestimmten Punkt in der Geschichte ist er verletzt, mittellos, ahnungslos, ein Opfer, Verfolgter von seiner Vergangenheit und einer ungerechten Gegenwart, ganz wie der Hund Fox. Alina nimmt ihn auf, wie Bohm Fox aufgenommen hat. Hier hätte Alinas Psyche, irgendeine Art Helfersyndrom, wenigstens herausgearbeitet werden müssen, denn Bohm, mittellos, schmutzig, trunk- und drogensüchtig erscheint eher als problematische Partnerwahl [auch wenn der verkokste Jakob als Kontrast angeboten wird]. Stattdessen wirken beide Figuren defensiv: Alina zieht sich aus dem gescheiterten Berufsleben ins Privatleben zurück und übernimmt die Mutterrolle für Fox und Bohm; und Bohm lässt noch die letzten Selbständigkeiten fahren (als Obdachloser), löst sich von seiner Vergangenheit und steigt in Alinas Auto ein, völlig umsorgt und bedürftiger (mit seinem gebrochenen Fuß). … Die Schöne und das Biest. Ein Kaufmann macht sich auf einer Reise an einem hässlichen, an einem Tier gemahnenden Hausherrn schuldig [er stiehlt eine Rose] und muss sich selbst oder seine Tochter zum Hausherrn schicken. Seine Tochter, für die die Rose bestimmt gewesen ist, entschließt sich, ihres Vaters Schuld abzutragen. Der Hausherr verwöhnt sie, aber sie will dennoch nicht mit ihm schlafen, seine Frau werden. Nach einer Zeit überkommt die Tochter Heimweh, sie darf zurück, aber nur für zwei Monate, da sonst der Hausherr stirbt. Nach zwei Monaten überkommt sie das schlechte Gewissen, sie will das Tier nicht sterben lassen. Sie begreift, dass sie es bereits liebt und willigt in die Heirat ein, wonach sich das Tier in einen Prinzen verwandelt. [Je nach Fassung gibt es nun Probleme mit der Heirat.] --> alle Elemente beisammen, das Tier (Fox) darf nicht sterben, durch das Tier entwickelt Alina Gefühle für den elenden Bohm, der ihren Eltern gegenüber großzügig erscheint (legt sein Mantel über die Scherben), hierauf küsst sie ihn. … ich bewerte in der Kategorie Plot, inwiefern der Inhalt lektüre-intensivierend ist, im ersten Drittel 4 Sterne, am Ende 0 Sterne, daher --> 1 Sterne
Form: ●Eindruck: habe das Buch nur weitergelesen, weil es flüssig, professionell und angenehm zu lesen gewesen ist. Keine langweilige Sprache, durchaus wortgewandt, sehr viele Dialoge, ja, aber dennoch nie prätentiös, oder nur alltagssprachlich, sehr narrativ. ●Fiktionalitätsgrad: (diskursiv/Werk?) hoher Fiktionalitätsgrad, steht für sich. ●Wortschatz/Wortzahl: abwechslungsreich genug ●Auffälligkeiten: keine besonderen, aber auch keine negativen ●Innovation: keine --> 3 Sterne
Erzählstimme: ●Eindruck: neutral, hält sich zurück, episodenhaft personal-erzählt, d.h. immersiv, mit fusionierender Erzählstimme, die fast nie entgleitet, sehr austariert, aber auch gewöhnlich ●Erzählinstanz (reflektiert, situiert, perspektiviert?): nicht reflektiert, situiert, nur perspektivert (durch personales Erzählen in Episodenformat – Bohm. Alina. Bohm …) ●Erzählverhalten, -stil, -weise: unauffällig ●Einschätzung: langweilig, aber wirksam. --> 2 Sterne
Komposition: ●Eindruck (szenisch/deskriptiv/Tempiwechsel): Kompositorisch bis zu 75% sehr überzeugend, dann aber geht der Erzählung etwas die Puste aus, übertreibt, haut auf den Putz, was gar nicht nötig gewesen wäre. Jakob verkommt zur Karikatur, und die Liebe zwischen Alina und Bohm wirkt aufgesetzt, so wie sie inszeniert ist. Das Streichholz als Licht, als Lebensfunke zieht sich durch das Buch, was funktioniert, ist der Hund Fox, der alle verbindet. Gerade zu Anfang gelingt das gut. Fox lässt in Bohm die Sorge erwachen, durch diese Sorge bindet er sich wieder in das gesellschaftliche Leben ein, und Alina findet durch Bohm, um den sie sich sorgt, wieder zurück in ein einfacheres und, wahrscheinlich, weniger plakatives Leben. ●Signal/Noise-Ratio: wenig Noise, sehr stringent. ●Operative Geschlossenheit: das Vernähen der sozialen Fürsorge, das Außen/Innen, das mit Sich-Kümmern oder Sich-Entziehen. Wird aber nicht ausgespielt. ●Rahmenstabilisierende Details: der Hund Fox hält das ganze Buch zusammen. ●Extradiegetische Abschnitte: nein ●Lose Versatzstücke: Besuch der Eltern, die Puppentheater-Sequenz, die Referenz mit dem Neuseeland-Schiff, der Mäuse, die abgeschlachtet werden. ●Reliefbildung: vielleicht sogar zu stark und krass aufgetragen ●Einschätzung: kompositorisch überzeugt die Erzählung, inhaltlich aber nicht. Für das Episodenerzählen ein Stern Abzug. --> 4 Sterne
Leseerlebnis: ●Zusammenfassung: in Ordnung, weitestgehend, nur dass die Liebesstory störte, der Hund Fox, die Sorge um ihn, hält bei der Stange ●eigenständig? (Inhalt: ja/nein) sehr eigenständig ●glaubwürdig? (Erzählinstanz: ja/nein) nein, inhaltlich, die Liebe wirkt aufgesetzt ●schön? (Sprache/Form: ja/nein) nein, eher illustrativ, unterhaltend ●stimmig?(Komposition: ja/nein) schon, in seiner Plakativität ●ein zweites Mal lesen? nein, bestimmt nicht, keine Komplexität, kein Crescendo, keine Dynamik, keine destabilisierende Syntagmata. --> 2 Sterne
Ich hab das Buch genau zur richtigen Zeit gelesen. „Wie entgleitet ein Leben“ - am Ende dieses Buch, muss ich sagen sollten wir uns das alle vielleicht jeden Morgen mal kurz selber fragen❤️
Sehr angenehm leicht zu lesen. Die Geschichte ist etwas flach, jedoch nie langweilig. Gut für den Urlaub, kurzweilig und empfehlenswert. Christian Huber kann schreiben!
„Vergessen konnte leicht sein. Sich zu erinnern, das war das Schwere.“
Wenn die Flamme der Ehrlichkeit brennt, wirst du die Wahrheit willkommen heißen.
Vielschichtig, witzig, informativ, ernst.
Alina braucht dringend eine gute Hiobsbotschaft. Ihr Traum von der Arbeit als Fernsehjournalistin steht inzwischen auf sehr wackligen Füßen. Eine Reportage rund um gesellschaftliche Auf-, und Abstiege könnte ihre letzte Option sein, der Kündigung zu entgehen. Rasch hat sie erste Ideen und macht sich auf die Suche nach Teilnehmern. Dabei begegnet ihr Blohm. Anfangs widerstrebend erklärt er sich doch dazu bereit von ihr eine Weile begleitet zu werden. Dabei lernt Alina mehr über das Leben auf der Straße, aber auch viel über sich selbst kennen.
Es handelt sich hier weder um einen Thriller noch einen reinen Liebesroman. Wie der Klappentext bereits andeutet, wird dem Leser hier keine leichte Kost geboten. Vielmehr hat man das Gefühl zwei Menschen einen kurzen Moment begleiten zu dürfen. Zwei Menschen, deren Leben gerade auch von einigen Problemen gekennzeichnet ist. Von beiden wird der Alltag geschildert, der so auch genau den eines Menschen in Deutschland wiedergeben könnte. Es ist ein fiktives Buch und doch so realitätsnah. Das macht es so unglaublich authentisch und spannend zu lesen. Das Buch selbst liest sich vom Erzählstil her mehr wie eine Reportage als ein Roman. Generell hat mir der Schreibstil so gut gefallen, dass ich sogar an meiner Haltestelle erstmal weiterlesen musste, bevor ich den endgültigen Heimweg antrat. Man verliert sich regelrecht in der Geschichte. So nebenbei würde ich sie nicht lesen, wenn, dann sollte man sich genug Zeit nehmen, um alles wirklich gut zu erfassen und kein Detail zu überlesen.
Beide Figuren sind mir mehr und mehr auf ihre Art ans Herz gewachsen. So auch Fox. Blohm brachte mir Einblicke in eine Welt, die ich selbst nie kennengelernt habe, und die manchmal doch auch näher sein kann als man denkt. Es war von Anfang bis Ende faszinierend, ihn zu begleiten und so auch eine ganz andere Perspektive auf so manche Angelegenheit zu erfahren und den eigenen Horizont zu erweitern.
Alina hat klar ihre Vorurteile. Schön fand ich jedoch, dass sie auch dazu bereit ist, diese zu überdenken. Sie begegnet Blohm auf Augenhöhe und sieht in ihm den Menschen, der er ist und nicht nur den Obdachlosen, wie so manch anderer es gewiss tun würde. So verstehen sich beide nach und nach immer besser als sie es anfänglich gedacht hätte. Ein weiterer schöner Punkt ist, dass die Geschichte dabei ohne Kitsch auskommt.
Auch Stillstand gibt es in diesem Buch keinesfalls. Wie auch im realen Leben liegen hier ebenfalls Freud und Leid sehr nah beieinander. Dadurch, dass die Kapitel abwechselnd aus Blohms und Alinas Perspektive geschrieben sind entgeht dem Leser kein wichtiges Detail und man kann beide direkt kennenlernen, nicht nur über die Einschätzung der anderen Figur.
War der Titel des Buches bereits einprägsam, steht die Geschichte diesem in nichts nach. Im Gegenteil der Titel bietet vielmehr den Rahmen, der sich immer wieder in der Handlung wiederfindet, eben genau so wie es ein gelungener Titel tun sollte. Auch die einzelnen Abschnitte nehmen mit ihren einzelnen Ausgestaltung Bezug darauf. Man merkt einfach auch daran, wie viel Herzblut in dieser Geschichte steckt.
So schafft es dieses Buch vollumfänglich mit all seinen Facetten zu berühren. Schneller als man möchte, muss man so auch schon wieder Abschied nehmen vom Leben dieser wunderbar ausgearbeiteten Figuren. Beseelt von schönen, aber auch unschönen Emotionen schreibe ich so diese Rezension und gebe eine klare Leseempfehlung für jeden, der sich nach mehr als einfacher Lektüre sehnt und den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus liebt.
Solange ein Streichholz brennt“ von Christian Huber, erschienen im @dtv_verlag , erzählt eine zarte Liebesgeschichte und ein Leben am Rande der Gesellschaft.
Bohm ist 36 Jahre alt und lebt seit 5 Jahren auf den Straßen von Köln.Fox ist ein Straßenhund und entscheidet sich bei Bohm zu leben und so meistern die beiden ihr Leben gemeinsam. Alina arbeitet als Fernsehjournalistin und bekommt ihre letzte Chance mit einer Reportage über das Leben auf der Straße und genau dies ist der Anknüpfpunkt, der beide Leben verbindet. Alina macht Bohm den Vorschlag eine Reportage über sein Leben am Rande der Gesellschaft zu drehen und ihn dafür zu bezahlen, doch Bohm lehnt ab. Erst als sein Freund Fox ärztliche Hilfe braucht, die sehr kostspielig ist, willigt Bohm ein und so lernt der Leser sowohl Bohm‘s Leben , als auch die sich langsam entwickelte Beziehung zwischen Alina und Bohm kennen.
Mich hat diese Geschichte, der ich sehr gern gefolgt bin, sehr stark berührt. Wir alle sehen oft Menschen, die am Rande unserer Gesellschaft leben und gerade in der heutige Zeit werden es immer mehr.Oft sitzen sie in Einkaufsstraßen auf einer Decke, einen Becher für Spenden vor sich, manchmal auch einen Hund wie Fox neben sich. Die Menschen gehen häufig an ihnen vorbei, oft den Blick der Personen meidend oder kopfschüttelnd, wie jemand so leben kann. Wir machen uns häufig keine Gedanken darüber, welches Schicksal hinter diesen Leben steckt, denn ich denke freiwillig lebt niemand so und doch sind auch diese Menschen Teil unserer Gesellschaft, den man nicht einfach ignorieren kann, indem man den Kopf abwendet, oder sich loskauft durch eine Münze, die man in den Becher wirft und denkt “Gott sei Dank geht es mir besser „.
Welches Schicksal Bohm auf die Straße getrieben hat, erfahren wir erst am Ende des Buches und es ist ein Schicksal, dass viele ereilen könnte und sicherlich auch andere Gründe, die dazu führen können. Arbeitslosigkeit und damit verbunden Liquiditätsprobleme, die ,wenn man eine Wohnung sucht, gerade in heutigen Zeiten, sicherlich zu großen Schwierigkeiten führen können.
Ich fand es sehr gut, dass dieses Thema einmal in einem Buch aufgegriffen wurde und der Autor kann erzählen. Ich habe mich nicht eine Minute gelangweilt, habe Bohm im Laufe des Lesens immer mehr lieb gewonnen und fand auch das Ende sehr schön, weil es frei von Kitsch war. Auch die Schilderung von Jacob, der in einer Nebengeschichte auftaucht, zeigt, dass ein Absturz in allen Variationen möglich ist, auch da, wo man es nicht vermutet. Ich wünsche diesem Buch sehr viele Leser, auch deshalb, damit unsere Mitmenschen, die am Rande der Gesellschaft leben,stärkere Aufmerksamkeit bekommen und wir das nächste Mal hinschauen und vielleicht auch mal ein Gespräch beginnen, um dann zu erfahren, dass es Menschen sind, die unsere Aufmerksamkeit verdienen.