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Liebe ist halal: Queer und Muslimisch

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Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt ist in vielen muslimischen Gemeinschaften noch immer stark tabuisiert. Gläubige insistieren dabei auf der Unvereinbarkeit zwischen einer religiösen und einer sexuellen und/oder geschlechtlichen Identität, wie sie ihrer konservativ ausgerichteten Auslegung des Korans entspricht.

Aus dieser Situation ergibt sich ein vielfacher Bedarf an Unterstützung und seelsorgerischer bzw. rechtlicher Beratung, der die Anlaufstelle Islam & Diversity (AID) seit März 2020 in ihrer Arbeit nachkommt. Für die queer-muslimische Community will der Sammelband Liebe ist halal eine Grundlage schaffen, denn die liberale Ausrichtung der Ibn Rushd-Goethe Moschee verbindet dabei auf einzigartige Weise die Möglichkeit, aus einer muslimischen Perspektive die notwendige Kritik an bestehenden Strukturen zu leisten, die Queerfeindlichkeit in islamischen Gemeinschaften hervorbringen – und gleichzeitig für eine queer-muslimische Bewegung eine auch wissenschaftlich fundierte Grundlage zu leisten.

232 pages, Paperback

First published March 5, 2025

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Displaying 1 - 2 of 2 reviews
Profile Image for Nurcan.
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Did Not Finish
April 26, 2026
Habs abgebrochen weils einfach nicht so war wie ichs mir vorgestellt hatte mano 😭
27 reviews
July 30, 2026
Super tolles Buch!
Wissenschaftlicher Diskurs ergänzt mit persönlichen Perspektiven und kulturellem Hintergrund sowie tiefer Auseinandersetzung mit den wörtlichen Suren im Koran. Alles immer total auf den Punkt gebracht und super verständlich ✨ Ich hoffe, dieses Buch schafft es, Lektüre in der Schule oder Universität zu werden und erreicht ganz viele Betroffene, die ein neues "Zuhause" und einen sicheren Ort finden. Ich kann es kaum erwarten, mehr über die angeschnittenen Themen, vor allem die Frauenrevolution im Iran zu lernen.

Wissenschaftlich fand ich vor allem auch interessant, woher die queerfeindliche Einstellung in vielen islamisch geprägten Gemeinschaften ist.
Dazu habe ich mir folgende Notizen gemacht:

Queerfeindlichkeit in muslimischen Gesellschaften - wo sind die Wurzeln?
1. In der Kolonialisierung/ westlichem Einfluss
"eine Diskriminierung [von queeren Menschen] im Sinne eines Ausschließens von öffentlichen Positionen, eine Verfolgung oder Bestrafung, das findet man nicht in historischen Quellen"
"der Hass gegenüber Menschen einer bestimmten Identität ist modern, denn auch der Begriff 'Identitat' ist neu. Um Menschen aufgrund einer Kategorisierung zu hassen, braucht man zunächst diese Kategorie. Die Identität als Kategorie kam auch mit dem Kolonialismus"
"muslimische Ideologien haben von der Brust des Kolonialismus Milch gesaugt, bis zum Geht nicht mehr. Die islamistischen Ideologen denken, sie vertreten Tradition, aber sie sind durch und durch modern, auch in ihrer Denkweise und ihren Kategorien. Wenn man schaut, welche Protagonisten die Propaganda gegen queere Menschen führen, das waren Muslimbrüder, später die Salafisten, noch später die staatliche Institution des schiitischen Iran. Das sind alles moderne Phänomene, moderne Strömungen, die auch Identität und Sexualität als Mittel nutzen, um sich von anderen abzugrenzen. Das gleiche, das eigentlich die Kolonialmächte im 19. Jahrhundert gemacht haben, also zu sagen sie sind die zivilisierten, monogamen, heterosexuellen Menschen und so weiter. Die anderen werden als Barbaren dargestellt. [...]. Das gleiche machen jetzt die Muslimbrüder und Salafisten.

"Im Koran und in den Überlieferungen kann ich mit Sicherheit sagen: es gibt keinen Strafen [für queere Menschen]. Auch die vier Rechtsschulen wissen das. Wenn man die Argumente nimmt, sieht man, dass sie mir Analogieschlüssen argumentieren."

"Das perfide [...] ist, dass man heute eine einzige traditionelle Position zu nationalen Gesetzen erhebt und dadurch andere Positionen ausschließt. Deshalb kann man hier von einem Missbrauch der Tradition sprechen. Denn zum Wesen der Tradition gehörte die Vielfalt der Positionen, die nebeneinander existiertennund aus denen die Richter schöpfen konnten"
In Regionen wie den marokkanischen Bergen bis hin zu Nigeria gibt es Berichte über matriarchale Strukturen bzw. Gesellschaften.
Es gab im osmanischen reich bzw. früher allgemein keine Tabuisierung der Homoerotik, es war vor allem in der Oberschicht üblich, dass Partner der Kalifen bekannt waren. Es gab lediglich Normen für den sexuellen Akt. Tabuisierung und Zensur begannen erst im 20. Jahrhundert.
2. Fundamentalistische Ideologien, die Weiterentwicklung blockieren
- die vormoderne muslimische Welt (v.a iranische) akzeptierte zwar Intergeschlechtlichkeit oberflächlich, aber war eigentlich keineswegs tolerant gegenüber Geschlechterpluralität, sondern sah jede Form von Uneindeutigkeit als Bedrohung an und reagierte mit Maßnahmen zur Disambiguierung.
- es wurde zwischen dem "Weichlichen Mann" (mit "weiblichen" Eigenschaften) und dem Normmann unterschieden. Dabei wurde der "weichliche Mann" allerdings abgewertet. Ebenso gab es einen "sexuell aktiven Mann" und einen "sexuell passiven Mann", wobei der passive Mann abgewertet, Stigmatisiert und Pathologisiert wurde.
- "Abweichungen der sexuellen Identität galten nicht als Ausdruck einer individuellen psychologischen sexuellen Identität sondern als Mangel an Selbstkontrolle" -> Psychologisierung der Sexualität blieb (im Vergleich zum Westen) aus
- Mann-Mann Beziehungen waren eigentlich eher Mann-Junge Beziehungen, was vom Westen dann im 18./19. Jhd. stark kritisiert wurde und von iranischen Modernsten übernommen wurde -> Stigmatisierung der Mann-Jungen-Liebe
- die Kritik der iranischen Modernsten setzte nur an den Handlungen der Männer an, nicht an der psychischen Verfassung oder Persönlichkeit der Männer -> Psychologisierung der sexuellen Identität blieb weiter aus, wurde stigmatisiert
- "die Modernisierung des Iran war somit eine 'Modernisierung ohne Modernität': während die gesellschaftlichen Strukturen und Normen nach westlichem Vorbild umgestaltet wurden, blieb das Verständnis von Sexualität und Begehren weitgehend in vormodernen Kategorien verhaftet. Gleichgeschlechtliche Begierden wurden nicht als Ausdruck einer individuellen Persönlichkeitseigenschaft pathologisiert, sondern weiterhin als moralisches Fehlverhalten betrachtet, das es zu unterbinden galt."
Zur Binarität der Geschlechter:
"Eine Binarität kennt diese Tradition (gemeint: der gelebte Islam und die Theologie) nicht. Klassisch hat man in den Kategorien Mann, Frau und Personen, die weder Mann noch Frau sind [..] oder gar eine Unterscheidung gemacht von Personen, die eher Mann oder eher Frau sind, gemacht. Also es gab Nuancen und diese waren akzeptiert."
Ibn-Al Arabi hat ontologische Identitäten unterschieden, nach denen alle Menschen männliche und weibliche Anteile haben. In unser neues Beziehung zu der Macht Gottes, die männlich ist, sind wir alle weiblich (auch Männer).

In Pakistan werden trans- und inter-Personen im Gesetz angesprochen.
Im Oman und in Indonesien gibt es mehr als zwei Geschlechter, mehr an soziale Identität angelehnt als an biologische. Es gibt dort allerdings auch viel Diskriminierung.

Zu der Zeit Mohammeds gab es drei Kategorien für Geschlechter: Männer, Frauen und khuntha. Aufgrund patriarchalen Entwicklungen sei die dritte Form in Vergessenheit geraten.

Ali Khomeneinis fatwa im Jahre 1985 sowie in seinem Buch 1976 erlaubte geschlechtsangleichende Operationen. Er sagt öffentlich, dass es nicht haram ist und im Islam zulässig/rechtsmäßig. Es wird vom islamischen Rechtsgelehrten, der das geprüft hat, das Wort al-zahir verwendet, das zeigt, dass genügend Beweise da sind. Menschen, die eine Geschlechtsangleichung wünschen werden nicht als krank/psychisch gestört bezeichnet. Er sagt, dies ist laut Koran nicht unmoralisch oder anders verboten. Ayatollah khamenei bestätigte dies. Es gilt dort nicht als kosmetischer, sondern als notwendiger Eingriff. Somit werden die Kosten übernommen. Seit 2013 gehören Menschen mit Geschlechtsdysphorie zu den Empfängern sozialer Notdienste, die jederzeit kostenlos zur Verfügung stehen.
Die Umsetzung derzeit ist sozial sehr ungerecht, geschlechtsangleichende Operationen sind quasi Pflicht nach einem "Outing" als Trans person. Trotz rechtlicher Zulässigkeit gibt es gesellschaftlich Stigmatisierung und Ausgrenzung. Viele Trans Frauen leben in armut und werden sexuell ausgebeutet.
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