Was wäre los im Land, wenn Männer ein Fünftel weniger als Frauen verdienten? Wenn sie bei Beförderungen übergangen und beim Reden dauernd unterbrochen würden? Wenn sie leichtbekleidet im Sekretariat sitzen und für Chefinnen den Kaffee kochen müssten? Die Hölle wäre los! Dass Frauen so behandelt werden, ist aber ganz normal. In seinem neuen Buch dreht Martin Wehrle den Spieß um: Da passiert das alles einem Mann, der eines Morgens als Frau aufwacht, Herrn Müller. Ein Kunstgriff, der die tägliche Diskriminierung lächerlich macht und den Skandal verdeutlicht. Was auf den ersten Blick amüsiert, beschämt auf den zweiten – und fordert für Frauen das Recht auf Erfüllung, auf Karriere mit (und ohne) Kind und auf ein anständiges Gehalt. Das Buch zeigt Frauen, wie sie Fallen im Beruf umgehen, ihre Wünsche durchsetzen und ihr persönliches Glück finden. Zukunftsweisende Aussagen - amüsante Lektüre.
So richtig weiß ich nicht, wie ich dieses Buch einordnen soll. Am Anfang hatte ich das Gefühl, dass so ziemlich jedes Platte Klischee über Männer und Frauen bedient wird und dass die beschriebene Arbeitswelt so zum Glück überhaupt nicht zu meiner Lebensrealität passt. Danke, Männer in meinem Umfeld, dass ihr nicht so seid wie Herr Müllers Kollegen. Dann mauserte sich das Buch aber immer mehr zu einem echten Ratgeber, der Frau den Rücken stärkt, um öfter "Nein" und "Hier bin ich" zu sagen. Das Ganze wurde kreativ mit viel Witz vorgetragen. Die Geschichte mit der unerwarteten Geschlechtsumwandlung hätte ich nicht gebraucht, ohne die hätte ich sicher mehr Sterne gegeben.
Faktisch ein gutes Buch über Ungleichbehandlung im Arbeitsleben. Dir Prämisse ist aber aus meiner Sicht etwas problematisch. Warum kann sich ein Mann erst in die Problematik hineinversetzen, wenn er selbst betroffen ist und glaubt Frauen nicht? Außer wenn er, wie Herr Müller im Buch, ein chauvinistischer arsch ist? Und warum müssen Frauen sich mehr wir Männer verhalten, um gleich behandelt zu werden? Ich verstehe, dass es so zu funktionieren scheint, es aber als den einzigen Weg aufzuzeigen, finde ich problematisch. Das hat es mir echt schwer gemacht in dieses Buch reinzukommen.