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Der Sinn von Politik ist Freiheit: Warum Hannah Arendt uns Zuversicht in schwieriger Zeit gibt | Winfried Kretschmann über Hannah Arendt

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Winfried Kretschmann macht keinen Hehl daraus, dass ihn Hannah Arendt (1906–1975) seit langem inspiriert. Die deutsch-amerikanische Denkerin – zu Lebzeiten ebenso streitbar wie umstritten – gilt heute als moderne Klassikerin der politischen Philosophie. Mutig, leidenschaftlich und unkonventionell feiert sie die Einzigartigkeit jedes Menschen und plädiert für ein Miteinander der Verschiedenen, die gemeinsam ihre Welt gestalten. Ihr Der Sinn von Politik ist Freiheit. Damit ist Arendt Vordenkerin einer aktiven Bürgergesellschaft, in der Politik ist Sache von uns allen.

Winfried Kretschmann erzählt, wie er als junger Mann Hannah Arendt entdeckte, wie ihr Politikverständnis seine Sicht auf die Welt veränderte und seither sein politisches Handeln prägt. Er macht die Leserinnen und Leser sehr persönlich mit der großen Denkerin vertraut, deren Lektüre sein Leben begleitet. Und er zeigt auf, wie uns Hannah Arendt in einer Zeit, in der alte Gewissheiten verloren gehen, Halt und Orientierung geben kann.

148 pages, Kindle Edition

Published September 15, 2025

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Displaying 1 - 3 of 3 reviews
Profile Image for Marlene Göldner.
19 reviews1 follower
April 4, 2026
Mir wurde das Buch von Kretschmann von einer Freundin empfohlen, nachdem wir lange über den Politikansatz von Arendt in Bezug auf den realpolitischen Flügel der Partei sprachen. Ich wollte verstehen, wie Kretschmann Arendt versteht, und für seinen Politikstil auslegt. In dieser Hinsicht, hat mich das Buch total überzeugt! Er greift in thematisch unterteilten Kapiteln, verschiedene Passagen aus Arendt’s Werken auf und zieht daraus seine Schlüsse und Handlungsempfehlungen für die Politik. Dies geschieht alles unter dem Vorbehalt, das Hannah Arendt ein wichtiges Vorbild für Kretschmann darstellt. Da ich mich dem nur anschließen kann und ebenfalls ein großer Fan von der Auseinandersetzung mit Arendt‘s Denkansätzen bin, habe ich das Buch mit großem Interesse gelesen.

Kerngedanke des realpolitischen Politikansatzes von Kretschmann ist Arendt‘s Idee der Pluralität der Menschen. Die Grundüberzeugung, dass jeder Mensch einzigartig ist und Neues erschaffen kann. Jeder ein Unikat - das ist, was das Menschsein ausmacht. Damit sind für Arendt die Unterschiede zwischen den einzelnen Mitgliedern eine Gruppe (z.B. Nationalität) immer größer, als die Unterschiede zwischen den Gruppen. Den Satz, sollten sich vielleicht deutlich mehr Politiker*innen auf die Fahne schreiben! Auch Kretschmann leitet aus diesem Ansatz, den Sinn von Politik, als das Miteinander der Verschiedenen zu ermöglichen ab. Der Kern einer Demokratie als das Aushandeln der verschiedenen Ideen/Interessen und damit dem Gegenteil vom trumpischen Dealmaking.

Einen weiteren wichtigen Aspekt fand ich den Teil zum Thema Sprache. Wie Kretschmann hier mit Bezug auf Karl Popper feststellt, geht es um Respekt und Klarheit in der Sprache: also Verständlichkeit! Im öffentlichen Raum muss eine Sprache gesprochen werden, die jeder versteht, damit sich jeder als Teil des Ganzen versteht. Keine Sprache die von Akademikern geprägt ist und viele Menschen außen vor, unverstanden oder ungehört fühlen lässt. Wie Karl Popper gesagt hat: Intellektuelle haben das Privileg zu studieren und die Verantwortung ihre Ergebnisse den Mitmenschen in einfachster Form darzustellen.

Spannend auch Kretschmann‘s Ansatz Politik nicht als Business zu verstehen. Er warnt hier sogar vor der inflationären Benutzung von Wirtschaftsmetaphern in der Politik (Politiker*innen müssen „liefern“, ein „Angebot“ machen…). Die Gefahr dabei: Menschen sehen sich nicht mehr als Staatsbürger*innen sondern als Konsument*innen und beschweren sich am Ende wenn ihnen die Dienstleistung nicht gefällt (Politiker*innen als Verkäufer*innen, Bürger*innen als Kund*innen). Auch Arendt schreibt, dass die Politik kein Lieferservice ist und wir die Demokratie wieder als gemeinsame Aufgabe sehen müssen, um zusammen Sorge für unser Gemeinwesen zu tragen. Nach diesem Kapitel musste ich auch meinen eigenen Sprachgebrauch hinterfragen, da ich selbst oft Wirtschaftsmetaphern in der Politik verwendet hatte.

Abschließend, nehme ich von Kretschmann‘s Politikansatz mit, dass eine erfolgreiche Politik einen klaren Wertekompass und Pragmatismus braucht. In dem Ziel klar sein, im Weg aber offen für andere Lösungen. In der Flügeldebatte meint das, den Anspruch an Politik zu haben, die Welt aktiv mitzugestalten. Den rein auf der moralisch richtigen Seite zu stehen, ohne tatsächlich etwas zu bewirken, würde letztendlich unnötig sein. Daher plädiere Kretschmann für ein Pragmatisches Handeln mit klaren Zielen und mit moralischen Grundsätzen.

Seine Abschiedsbotschaft von Hannah Arendt: „ Habt den Mut, als Bürger zu handeln! Ansonsten verpasst ihr eine ganz grundlegende Dimension des Menschseins.“
Profile Image for Dr..
60 reviews
February 17, 2026
"Denken ohne Geländer" mit starken Impulsen als Kompass für mehr Beteiligung und Mut zum gemeinsamen Handeln. Dabei ist wichtig, wo wir hin wollen und nicht, wo wir her kommen. Freiheit denken als Freiheit zu etwas (nicht Freiheit von etwas), dafür setzt sich eine Politik des "Gehörtwerdens" ein. Macht entsteht, wenn Menschen sich um eine Idee versammeln und gemeinsam handeln. Macht wird mehr, wenn man sie im freien Miteinander dynamisch teilt. Autorität wird dabei als positive politische Kraft gesehen, zusammen mit der Übernahme politischer Führung. Lebendiger Wandel kann durch Gestaltung von Autorität und politischer Führung entstehen. "Gestern war die Zukunft besser." Ivan Krastev. Aber: unerschöpfliche Kreativität und Kraft zur Kooperation und zum gemeinsamen Handeln ermöglichen Neuanfänge. Zukunft: - Das Mögliche, - Das Wahrscheinliche, - Das Plausible, - Das Unmögliche!
Profile Image for Andreas Hänisch.
71 reviews2 followers
December 17, 2025
Ich hab das Buch geschenkt bekommen und eigentlich gar nicht viel erwartet, wurde dann aber überrascht.
Das Buch fungiert als ein guter Einstieg in das Denken von Hannah Arendt. Vor allem aber wendet Kretschmann Arendts Denken auf die Gegenwart an. Die Botschaft: Politik geht uns alle an und wir müssen uns aktiv beteiligen und nicht einfach nur den Politiker*innen vertrauen. Eine Demokratie muss aktiv von Bürger*innen mitgestaltet werden (in Vereinen, Gewerkschaften etc.)
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