Ein Hinterhof in Hier befindet sich der schwule Saunaclub "Adonis". Die Männer, die dorthin kommen, suchen erotische Zerstreuung, nackte Tatsachen und unkomplizierten Sex. Neu am Empfang ist Johan, der sich neben dem Studium etwas dazuverdient. Sein Job besteht in erster Linie darin, Schlüssel auszugeben, Pornovideos zu wechseln, Handtücher zu waschen und gelegentlich im Cruising-Labyrinth des Clubs nach dem Rechten zu sehen. Als eines Tages der schöne Transmann William vor ihm steht, spürt Johan sofort eine besondere Verbindung zu ihm. Die beiden stürzen sich in eine leidenschaftliche Beziehung, die jedoch bald schon von Williams Selbstzweifeln überschattet wird. Zwar verläuft seine Hormontherapie ohne größere Komplikationen, doch ihm fehlt das Geld für die Brust-OP. Als William beginnt, sich immer mehr aus der Beziehung zurückzuziehen, beschließt Johan, das fehlende Geld im Alleingang aufzutreiben – und sei es auf illegale Weise. So wird die Lovestory zum Underground-Krimi. Mads Ananda Lodahl erzählt in seinem Buch von der Liebe zweier junger Männer, die ihre Beziehung nicht nur als privates Glück, sondern als revolutionären Akt verstehen. "Sauna" verhandelt bodenständig und zärtlich Themen wie Beziehung, Identität und die vielfältigen Formen, in denen sich erfüllte Sexualität ausdrückt. Dabei ist Lodahls Sprache fließend und widerständig wie die Körper seiner Figuren. "Sauna" ist ein roher und unerschrockener Roman, der die Liebe im Postgender-Zeitalter beschwört.
Hab etwas zu lange gebraucht, um das Buch zu lesen. Sehr tolles Buch über politische Subjekte und ihre Situiertheiten qua Körper in einer heteronormativ strukturierten Lebenswelt.
Das war wirklich ziemlich nervig. Um nicht nur zu nörgeln – das Sauna Setting an sich und das Einweben der Diskurse zu queeren Räumen, Zugänglichkeit und Gesundheitswesen in den Plot waren konzeptuell spannend. Gleichzeitig war dieser Roman wirklich ein Paradebeispiel dafür, wie das aussieht, wenn schwule weiße cis Männer nicht über die Ränder ihrer weißen cis Männlichkeit blicken (bzw. sich selbst null reflektieren). Der Protagonist war unaushaltbar in seiner Egozentrik und Pathetik. Ist ja nett, dass er sich in seiner Spontanpolitisierung so der Revolution verschreibt, aber die völlig übergriffige Aneignung Schwarzer Geschichte als Parallele zu seinem Leben sowie die gänzlich deplatzierten Vorstellungen, wie trans* Personen ihr trans* Sein zu leben haben, waren wirklich schwer auszuhalten. Zwischendurch habe ich mich gefragt, ob das gewollt war, weil es gegen Ende einen overengineered Dialog gibt, in dem ein paar seiner Takes gekontert bzw. anders gerahmt werden, aber auch da war mir die Position des Romans zu schwammig und auch einfach zu gewollt. Selbst wenn es die Intention des Autors war, die Unzulänglichkeiten nicht-intersektionaler Perspektiven herauszuarbeiten, ist es wirklich nicht nötig, dass ich mich durch 200 Seiten kämpfen muss, bevor es zu dieser Erkenntnis kommt. Gelesen und mit einem Nachgeschmack der Irritation eigentlich auch schon wieder vergessen.