Revolution machen kann (fast) jeder. Eine neue Gesellschaftsordnung das schaffen nur ein paar Nerds. Und Sibylle Berg. Nach einer gelungenen Revolution, die das Finanz- und Gesellschaftssystem sanft beseitigt hat, wird sie endlich die schöne neue Welt nach dem Kapitalismus.
In dieser Welt ist alles verschwunden, woran die Menschen zu glauben gelernt hatten, in der jeder erstaunt bemerkt – dass es möglich ist, ohne Angst zu existieren und ohne sein Leben an einen Arbeitgeber zu verkaufen. Vom Wohnen bis zur Landwirtschaft, von der Art Urlaub zu machen bis zu der Wohin mit der Bürokratie? erfindet sich Europa neu. Was interessiert Don Europa? Sie ist in Italien, dem besten Ort, um auf Ruinen etwas Neues zu errichten.
Sibylle Berg was born at and spent her childhood in Weimar where she also worked as a puppeteer until moving to the West in 1984. She studied briefly at the Dimitri theatre school in Ticino and then had various jobs. She began to write, published her first articles and reportage, and was a columnist for the "Zeit-Magazin". Her first book appeared in 1997, and other novels and stories followed. "Helges Leben" was her first play. Sibylle Berg lives in Zurich.
im ersten Teil noch gute zynische Gesellschaftskommentare, im zweiten innovative revolutionsideen mit aktueller Technik. dieser Dritte Band hatte kaum etwas zusagen als assoziative Bürgerinitiativen Andeutungen und eine hinter dem ersten Teil zurückbleibende Technikvorstellung. schade. trotzdem mutige kunst
Nach GRM und RCE gelungener Abschluss der Trilogie. Grandios. Sibylle Bergs neuester Roman lässt in raffiniert düsteren Farben eine utopische Vision aufblitzen, die zugleich wie ein Spiegel unserer Gegenwart wirkt: sie spiegelt hier sehr kunstvoll das Gelingen der Utopie einer neuen Gesellschaftsform mit den momentanen Verhältnissen, in denen Überwachung, ökonomische Verwerfungen und soziale Kälte nicht mehr dystopische Warnung, sondern fast schon normative Realität sind. Ihr Vergleich zwischen der visionären Utopie – etwa in Momenten, in denen Gemeinschaft, solidarisches Handeln und Widerstand gegen die Mächtigen möglich scheinen – und der aktuellen Situation ist dabei so elektrisierend und aufrüttelnd, dass man unwillkürlich fragt: Wie nah sind wir schon an dieser Fiktion? Die Macht des Romans liegt in seiner brutalen Ehrlichkeit und seiner schöpferischen Wut – Berg malt mit Worten, die wehtun, aber auch aufwühlen, Hoffnung keimen lassen und gleichzeitig dafür mahnen, dass diese Zukunft nur erkämpft ist. Nach der Lektüre bleibt ein pochendes Bewusstsein: Die Utopie mag fantastisch klingen, aber sie ist kein ferner Traum mehr – sie ist ein Möglichkeitsraum, den unsere Realität mit jedem Tag enger umklammert.
Es „utopischs“ postrevolutionärs Szenario voller schöne Gedanke bezüglich Anarchismus, Bürgerinitiative, Konzept vo Arbeit, Polizeieratz, Suizid etc. Isch am Afang mega harzig gsi drizcho, willd eifach Mitte i d Erzählug gschmisse wirsch ohni gross Worldbuilding. Isch aber mit de Ziit besser worde.
Usschnitt mit mine liebste quotes: „Es sind nur tränen, die ich kaum spüre und eine Trauer um den Moment um unsere Kindheit, die vorbei ist, um alles was vergeht, was man nicht halten kann, um die Lächerlichkeit des Menschenseins, um ein Tier mit zu viel Verstand.“ „Wir machten was alle Menschen ohne irgendwelche Fähigkeiten machten, Propaganda“
PS: Wär villicht gschiid gsi nid s dritte Buech, trotz lockere Verbindige, vonere Trilogie aus ersts z’lese…
Sibylle Bergs „La Bella Vita“ entführt die Leser:innen in eine nahe Zukunft, in der eine erfolgreiche Revolution das globale Finanz- und Gesellschaftssystem erschüttert hat. Die Kapitel navigieren durch die Trümmer des Kapitalismus und es wird versucht, in der „schönen neuen Welt“ Fuß zu fassen. Bergs typisch scharfe Gesellschaftskritik trifft hier auf eine Mischung aus früherer Dystopie und schwarzem Humor und den Fragen: Was kommt nach dem Umsturz? Wie gestaltet sich das Leben, wenn alte Strukturen wegbrechen und neue Ordnungen noch fragil sind?
Besonders gelungen ist die Balance zwischen gesellschaftspolitischer Analyse und persönlichen Schicksalen, die den Roman lebendig und relevant macht.
„La Bella Vita“ ist eine Abrechnung mit dem Kapitalismus, eine Reflexion über menschliche Natur und ein Experimentierfeld für alternative Lebensentwürfe. Bergs Blick auf Revolution, Macht und Gemeinschaft ist schonungslos ehrlich und regt zum Nachdenken an. Wer sich für gesellschaftskritische Literatur, Dystopien oder experimentelle Erzählformen begeistert, wird hier fündig. Es empfiehlt sich allerdings die Vorherigen Teile der Reihe zu lesen.
Leider nicht das, was ich mir erhofft hatte. Inhaltlich wieder ganz große und wichtige Ideen, in dieser Utopie möchte ich auch sehr gern leben. Doch als Erzählung hat es mich gar nicht abgeholt. Don, die wir bereits aus GRM und RCE als Figur kennen, übernimmt hier den Part als Erzählerin, die in der neuen Welt nach der Revolution durch Italien reist und Stimmen einfängt, die über die Veränderungen berichten, meist 5-10 Seiten lang, dann kommen die nächsten. So wird sich durch verschiedene Themen und Lebensbereiche gearbeitet und beschrieben, was neu und anders ist. Wieder auf typisch Berg-artige leicht sarkastisch distanzierte Weise, die mir in RCE extrem gut gefallen hat, hier meiner Meinung nach aber etwas fehl am Platz wirkt. Man kommt den Figuren nicht sonderlich nah und es passiert auch kaum etwas außer einer kleinen Liebes-Sidestory. Der Fokus liegt einseitig auf der Beschreibung der Veränderungen im neuen System, die aber leider auch oft eher oberflächlich bleiben. Wie gesagt, inhaltlich sehr viele tolle Anstöße, erzählerisch leider etwas enttäuschend.
5 Sterne weil endlich eine Utopie über das gute Leben! Viele lose Erzählstränge, die immer fallen gelassen werden, wenns grad erst spannend wird, aber egal! Hoffnung!!
PNR erzählt von einer utopischen Gesellschaft kurz nach einer anarchistischen Revolution.
Die Geschichte spielt in Italien, genauer in Rom, wo die Protagonistin - die selbst Britin ist - vor Jahren hingezogen ist und mit einer Gruppe von Freund:innen rund um den Revolutions"führer" Ben die Revolution angestoßen hat. Der größte Teil der Welt ist der Teil der neuen Weltordnung - mit Ausnahme von u.A. der USA.
Das Buch ist in einzelne Kapitel aufgeteilt, die alle einzelne Aspekte der neuen Verfassung darstellen und die Geschichte ist ein Mix aus Erzählungen zum neuen Jetzt - meist unter Vergleich der "alten" (also jetzigen) Weltordnung und dem Aufdecken einiger Skandale und Umstände, die mir persönlich auch neu waren (z.B. dass die Mafia den Büffelmozzarella-Markt kontrolliert).
Das Gelesene hat mir viel zu denken gegeben, mich gleichzeitig entschleunigt und teils traurig gemacht - vor allem im Hinblick auf die aktuellen weltlichen und politischen Geschehnisse, sowie die Entwicklungen rund um KI. Es war schön, in eine alternative Welt einzutauchen, in der Menschen erst lernen mussten, dass sie auch glücklich sein können und dürfen statt dauerhaft gestresst, dass ihr Wert als Mensch nicht durch ihre Produktivität bestimmt wird, dass die Welt nicht von reißerischen Nachrichten und korrupten Politiker:innen regiert wird. Schön wäre es.
Insgesamt gibt es nur 4 Sterne, weil das Buch sich teils doch sehr zäh und lang gezogen hat und ich länger gebraucht habe, die Geschichte zu Ende zu lesen. Aber es lohnt sich!!
Vielen dank an NetGalley und Kiepenheuer & Witsch für das Rezensionsexemplar im Austausch für meine ehrliche Meinung.
Obwohl hier von außen betrachtet für die Figuren und deren Welt alles ziemlich viel besser ist als in GRM und RCE, ist das Lesegefühl ein ähnliches. Alles wirkt schwer, trübe, gleichzeitig gedehnt und durch bewusste Überfrachtung mit aberwitzigem Inhalt berauschend. Berg gelingt es, eine vermeintliche Utopie zu erzählen, die sich aber nicht wie eine solche anfühlt. Das liegt zum Beispiel an der sachlichen Kälte, mit der die Erzählfigur diese darstellt, und für mich auch an der offensichtlichen Übertreibung, mit der hier immer wieder gearbeitet wird. So ganz klar wird es aber nicht, woher dieses unangenehme Gefühlt kommt, das man beim Lesen hat - und gerade das ist das Interessante an diesem Buch.
„La Bella Vita - PNR“ von Sibylle Berg ist ein starkes politisches Buch, das eine sozialistische Revolution und kollektive Verantwortung in den Fokus rückt. Es überzeugt durch utopische Visionen, die eine Abkehr von Leistungsgesellschaft und Kapitalismus fordern. Gleichzeitig bleibt es eher essayistisch und reflektierend, weniger eine fesselnde Erzählung. Wer jedoch an gesellschaftlicher Kritik, utopischen Ideen und einer tiefen Auseinandersetzung mit Kapitalismus interessiert ist, findet hier wertvolle Impulse, auch wenn die emotionale Bindung einer klassischen Geschichte fehlt.“
"Es ist immer leichter, Negatives zu beschreiben und damit auf der richtigen Seite zu stehen, bei den Kritischen, Mutigen, bei den Erweckern. Und nun sind alle munter. Vielleicht müssten Künstler eine kurze Pause machen, um zu begreifen, was gerade passiert."
Das Leben ist trotz wunderschöner äusseren Umstände traurig. Ich traue der Utopie die sie beschreibt nicht ganz und will trotzdem in ihr Leben. Um so schwerer die Tatsache das wir in der Distophie von GRM Leben und die Revolution von RCE erst noch organisieren müssen. Spüre grosse Liebe für diese Kinder vielleicht auch weil sie gar nicht am glücklichsten sind in der neuen Welt die sie möglich gemacht haben.