Der Limbus ist ein Ort voller Wunder. Dort klammern sich die Psychai – todgeweihte Dämonen – an das Leben, an Begehren, Liebe, Wut, Genuss und Kreativität. Doch der Untergang schwebt stets wie ein Schatten über ihnen – bis eine Melodie der Hoffnung durch den Limbus schwingt.
Musiker Evan steckt in einer Schaffenskrise. Doch als er geheimnisvolle Noten spielt, bieten ihm plötzlich übernatürliche Wesen eine Lösung all seiner Probleme – Cubi, Amore, Grazien, Furien und Musen buhlen um seine Gunst.
Aber die Psychai verfolgen ganz eigene Wer den Wettstreit um Evan gewinnt, besiegt das Schicksal – oder verliert alles.
Der Musiker Evan hält sich mit Aufträgen über Wasser, hat jedoch schon lange keine kreativen Ideen mehr und steckt in einer großen Krise, seit er seine Freunde und seinen Geliebten durch seine Handlungen verloren hat. Als er geheimnisvolle Noten findet und diese aus Neugier spielt, treten plötzlich Psychai in sein Leben – niedere Dämonen, die sich von Liebe, Lust, Kreativität, Wut und Genuss ernähren. Während die fünf Orden um seine Gunst buhlen, gerät Evan in einen Strudel, der sein Leben immer weiter aus dem Ruder reißt. Ich wusste ehrlich gesagt gar nicht, was ich von „Liminal Creatures“ erwarten sollte, außer, dass es eine Geschichte abseits des Mainstreams sein könnte. Und egal, was ich davon hätte erwarten können, ich bin mir sicher, diese Geschichte hätte meine Erwartungen in jedem Fall gesprengt. In diesem Buch fließt die Kreativität frei und ich könnte mir vorstellen, dass da vielleicht ein paar Musen am Werk waren. Die Geschichte folgt Evan, der in einer Schaffens- und Lebenskrise steckt. Zeitgleich geht es jedoch auch um seine frühere Bandkollegin und Freundin Flor, die versucht, sich immer möglichst angepasst zu verhalten und die mit der asexuellen Inkubus Zari eine geheime Beziehung führt. Zari selbst hat erst vor kurzem die Rolle als Führerin der Cubi von ihrer Mutter übernommen und fühlt sich überfordert mit den Anforderungen, die an sie gestellt werden – als plötzlich Evan es schafft, alle Arten von Psychai zu beschwören und ein Wettbewerb um seine Gunst startet. Das mag zunächst etwas verwirrend klingen, doch an dieser Geschichte hat mir unter anderem sehr gefallen, wie gut alle Teile zusammenpassten. Die Charaktere waren eng miteinander verflochten, teils in der Gegenwart, teils durch ihre Vergangenheit und nichts davon fühlte sich überflüssig an. Alles passte nahtlos zusammen und wurde zu einem harmonischen Ganzen, ebenso wie die Melodien des Limbus. Auch der Schreibstil war ein wahres Fest für mich. Von Anfang an habe ich es geliebt, wie dieses Buch geschrieben wurde und ich habe richtig Lust bekommen, mehr von der Autorin zu lesen! Insbesondere auch die Queerness, die hier völlig selbstverständlich Teil der Geschichte war hat mich mehr als begeistert. Bei allem Lob muss ich dennoch sagen, dass ich auch ein paar Kritikpunkte hatte – die meisten waren aber doch eher subjektiver Art. Insbesondere muss ich sagen, dass mir der starke Fokus auf die Sucubi und Inkubi und damit auf Lust und Sex etwas zu viel war. Ich fand es gut, wie hier insbesondere die Verknüpfung von Kreativität und Lust in den Fokus gerückt wurde, aber zum Teil wurde es mir auch einfach etwas zu viel und ich hätte mir gewünscht auch mehr von den anderen Psychai zu sehen, ohne dass immer Lust ein Thema sein musste. Dies wurde im letzten Drittel des Buches besser, aber auch davor hätte ich gern mehr davon gesehen. Zudem hatte ich doch Probleme mit dem Tempo der Handlung auf etwa den letzten hundert Seiten. Hier kam es zu mehreren großen Zeitsprüngen und ich fand die Entwicklung der Charaktere nicht mehr besonders gut eingebaut. Zudem geschahen einige Dinge nur damit sie wenige Szenen später rückgängig gemacht werden konnten – auch wenn in der Handlung dazwischen Monate vergingen, waren es für mich nur wenige Seiten und so fühlten sich manche Dinge einfach unnötig an. Trotz dieser Kritik schaffte es das Buch mich mit einem fulminanten und emotionalen Ende noch einmal einzufangen. Mir wird es auf jeden Fall insgesamt sehr positiv im Gedächtnis bleiben! Fazit: „Liminal Creatures“ ist eine einzigartige Geschichte, die ihresgleichen sucht. Unglaublich gut geschrieben, voll kreativer Einfälle und mit interessanten Charakteren besticht das Buch und konnte mich trotz einiger Kritikpunkte doch von sich überzeugen.
Du bist auf der Suche nach einer Dark-Urban-Fantasy-Story, die anders ist als die Geschichten, die man sonst so liest? Die queer ist, mentale Themen behandelt und einfach so einzigartig ist, dass man sie schwer vergessen kann? Dann herzlichen Glückwunsch, du hast sie gefunden. ‚Liminal Creatures‘ von Iva Moor ist genau das, was du suchst. Queer, tiefgehend, einzigartig kreativ.
Zugegebenermaßen fiel mir mein Start ins Buch gar nicht so leicht. Die Ausgangssituation und die Konstellation der Figuren waren für mich nicht so einfach zu durchschauen. Trotz eines Personenverzeichnisses zu Beginn des Buchs. Limbus, Psychai, Succubi, Musen, Grazien.. Doch das hat sich schnell gelegt und je weiter die Story fortgeschritten war, desto besser habe ich die Zusammenhänge verstanden. Und die Kreativität hinter der Geschichte geliebt! Allerdings muss ich sagen, dass mir anfangs der Fokus zu sehr auf S*x gelegen hat, auf Lust und Begehren. Das hat es für mich ein bisschen einseitig gemacht und die tiefgehenden Thematiken etwas verwässert. Doch das hat sich schließlich auch geändert und ab da konnte ich die Geschichte richtig genießen. Der Cast von ‚Liminal Creatures‘ ist dabei so divers, wie ich mir das von viel mehr Büchern wünschen würde. Bi- und Ace-Repräsentation und Neopronomen fühlen sich so natürlich an, wie es sein sollte. Progressivität in ihrer besten Form. Schon allein deswegen ist dieser Einzelband zu empfehlen. Weiterhin spielt Musik eine große Rolle. Ich habe keinen musikalischen Hintergrund, habe die Beschreibungen aber doch fühlen können. Jede Note, jedes Riff, jede Vocal Line. Und auch die Liebe, die die Protagonisten zur Musik haben, wie sie sich damit ausdrücken können, Ballast von der Seele schreiben, spielen, singen! Nicht nur wegen der Thematisierung von psychischen Erkrankungen, auch wegen der Dämonen und des Limbus sind manche Szenen mitunter sehr hart und ehrlich, und nicht für jede*n die richtige Wahl. Abhilfe schafft, dass vor jedem (!) Kapitel Content Notes stehen, die dich beurteilen lassen, ob du die folgenden Seiten gerade lesen kannst oder ob ein anderer Tag womöglich besser dafür wäre. Das ist ein Bonus, der dem Buch mehr als gerecht wird und zeigt, dass Iva Moor Mental Health nicht nur zwischen den Seiten wichtig ist. ‚Liminal Creatures‘ ist eine Geschichte, die heraussticht. Wegen der Kreativität der Story, der gelebten Queerness, der tiefgehendenen Auseindersetzung mentaler Gesundheit und dem Spaß, den die Geschichte trotzdem bereitet.
Liminal Creatures ist Fantasy der ganz anderen Art. Man ist es ja gewohnt, dass in Büchern Landschaften, Gerüche oder Geräusche beschrieben werden. Hier steht jedoch Musik im Zentrum. Ich hab einen musikalischen Hintergrund und hatte keinerlei Probleme mir das so vorzustellen - ich weiß nicht wie es jemandem geht, der 0 Ahnung von Musik hat. Der Roman ist bestimmt trotzdem klasse, kickt aber natürlich besonders wenn man das beschriebene vorm inneren Ohr hört.
Was das Buch jedoch wirklich herausragen lässt, ist sein queerer Fokus. Selten habe ich ein Werk gelesen, das so selbstverständlich und vielfältig queere Identitäten abbildet: Bi-Representation, Ace-Rep und eine Fülle an Neopronomen fügen sich organisch in die Welt ein. Große Liebe dafür von mir!
Besonders berührt hat mich die Darstellung von Depressionen. Die Worte treffen eine Tiefe und Ehrlichkeit, die ich so bisher in keinem anderen Buch gefunden habe. Es gelang der Autorin, etwas in Worte zu fassen, das für viele schwer erklärbar ist.
Das Magie-System finde ich gut durchdacht und hat mir sehr gefallen. Der große Figuren-Cast wirkt nie überladen, denn viele der Nebenfiguren erhalten eigene Handlungsstränge und wachsen einem schnell ans Herz. Besonders hilfreich ist das Personenregister zu Beginn, das beim Einstieg in die Fülle der Charaktere enorm unterstützt (oder bestimmt auch wenn man länger braucht um das Buch zu lesen, ich hab es innerhalb weniger Tage verschlungen.
Wichtig zu erwähnen sind die Content Notes, die jedem Kapitel vorangestellt sind. Gerade weil das Buch sich in die dunkelsten Winkel der Persönlichkeit vorwagt und Themen wie psychische Erkrankungen oder belastende Erfahrungen aufgreift, sollte man darauf achten. Wer sich in einer akuten depressiven Phase befindet, dem würde ich die Lektüre eher nicht empfehlen. Auch der deutlich spürbare Spice-Anteil, der jedoch stets handlungsrelevant bleibt, macht das Buch weniger geeignet für Lesende, die intime Szenen vermeiden möchten.
Im Kern erzählt Liminal Creatures von Entscheidungen, ihren Konsequenzen und den Schatten, die sie über Jahre werfen können. Es ist düstere, emotionale Fantasy, die mich sehr aufgewühlt hat. Das Ende hat mich mit feuchten Augen zurückgelassen.
Eine absolute Empfehlung für alle, die ernsthafte, atmosphärische und queere Fantasy jenseits des Mainstreams suchen.