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Hyperreaktiv: Wie in Sozialen Medien um Deutungsmacht gekämpft wird

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Warum ist Online-Kommunikation geprägt von Überreizung, Missverständnissen und gegenseitigem Misstrauen? Wie wird online mit Bildern und ihrer Interpretation Politik gemacht? Und mit welchen Methoden wird in den Sozialen Medien um Deutungsmacht gekämpft?
Die Kulturwissenschaftlerin Annekathrin Kohout erkundet die Sozialen Medien als eine Welt, in der alles auf möglichst starke Reaktionen ausgelegt ist. Nur wer permanent beurteilt, kommentiert, teilt oder mit seinen Beiträgen selbst starke Interaktionen hervorruft, wird hier von den Algorithmen belohnt – mit fatalen Konsequenzen, auch für die Debatte außerhalb der Plattformen.
Anhand persönlicher Erfahrungen, prägnanter Fallbeispiele und theoretischer Reflexionen legt Kohout anschaulich offen, wie in den Sozialen Medien analytische, forensische und investigative Methoden imitiert werden, um gezielt Desinformation zu verbreiten und Stoff für Polarisierung zu bieten. Und sie zeigt, welche Verantwortung jeder einzelne User dabei trägt. Wer einen glaubwürdigen demokratischen Diskurs noch nicht aufgeben möchte, sollte diese Bestandsaufnahme der digitalen Gegenwart dringend lesen.

297 pages, Kindle Edition

Published September 18, 2025

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About the author

Annekathrin Kohout

27 books3 followers

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Community Reviews

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Displaying 1 - 4 of 4 reviews
Profile Image for Desastroeses Hörnchen.
62 reviews20 followers
January 3, 2026
Enorm kluges gut recherchiertes Buch das mich ratlos, peinlich berührt aber auch etwas entlastet zurückgelassen hat. Sehr gut finde ich, dass die Autorin viele Beispiele zur Hyperreaktvität bringt und es wirklich schon in Teilen in einer Diskursanalyse mündet.

Ein Stern Abzug, weil, u damit kann ich einfach partout nicht leben: die Autorin versucht aus der beobachtenden nicht überinterpretierenden Metaeebene heraus zu schreiben ( schafft sie auch gut bis auf die Tatsache, dass sie vergisst dass sie ja selbst biased sein könnte im Rahmen von vor allem eurozentrischer, weißer zitierter Theorie ) OKAY aber beim Rammstein-Teil hätte sie meiner Meinung nach deutlich sagen müssen was war und was ist.
Faktisch hat die Autorin epistemische Gewalt betrieben indem sie nicht erwähnt hat, dass natürlich es FAKT ist, wenn Überlebende sexualisierte Gewalt diese Gewalt als solche benennen und dass es FAKT ist, dass Rammstein gewaltverherrlichende Texte und Videos veröffentlicht haben über Jahrzehnte.

Auch die epistemische Gewalt gegen marginalisierte nicht akademisierte Menschen empfinde ich als wenig reflektiert und diskriminierend.

Die Autorin benennt mehrfach! Wissenschaft, Medizin & Journalismus als grundsätzlich „gute und ethisch handelnde“ intelektuelle Quellen die ja def. meist sachlich interpretieren könnten.

Ganz ganz schwierig. (Beispiel Covidpandemie, der Streit um Deutungshoheit unter trillionen Epidemiolog*innen, Virolog*innen & anderen Bezugsdisziplinen = alle Akademiker*innen, hat dennoch gezeigt, nicht alle sind vertrauenswürdig)

Auch spricht die Autorin diversen Menschen ohne Titeln ja schon zB autididaktisch erlerntes Fachwissen ab, nur weil sie keine Wissenschaftler*innen sind - das geht so aber nicht auf. Erfahrungsexpert*innen müssen zB sprechen dürfen und ihnen muss geglaubt werden wenn sie von Sanismus, Ableismus, Rassismus etc. berichten. Deshalb sind sie immer als Co-Forschende einzubeziehen (eigtl mehr noch)!

Das Thema NS-Medizin und Propaganda kam einfach gar nicht vor. Geht f mich auch gar nicht. Das A-Wort wurde reproduziert u Heidegger unkritisch erwähnt. Uffff. Die ständigen Konflikte zwischen Wissenschaftler*innen um Deutungshoheit und Korruption in bad academia etc. hat sie nicht benannt.

Das mit der „stets korrekt selbstkritischen Wissenschaft“ ist ein Mythos ( siehe Psychiatriegewalt, siehe Philosoph*innen die immer mehr nach rechts rücken etc )

Die Autorin hat vergessen, dass Studien eindeutig belegen, dass man an Universitäten nicht automatisch kritisches Denken lernt, und dass an Universitäten undemokratisches Gedankengut sehr! verbreitet ist, ja, blöd. Also daher sollte man ihre Überhöhung von „Wissenschaftler*innen“ nicht komplett teilen, denn auch da gibts wie überall: kluge und weniger kluge, kritisch denkende Menschen, menschenfeindliche u weniger menschenfeindlich eingestellte Menschen, korrupte u weniger korrupte Menschen etc. Academy is biased.

Ganz generell hat sie nichts konkret zu epistemischer Ungerechtigkeit geschrieben, leider.

Das Buch ist generell fast ausschließlich für ein tatsächlich gut aufgestelltes Bildungsbürgertum geschrieben, was ich schade finde, da die Erkenntnisse u Hypothesen der Autorin wirklich vielen Menschen helfen könnten bezgl Social Media wieder mehr auf sich und auf demokratische Werte zu achten. Auf einen fairen Dialog. Eigtl müsste es das Buch in einfacher Sprache geben, auch für jüngere Leser*innen ohne Zugang zu akademischen Räumen. Das wäre richtig gut.
Profile Image for Alex Matzkeit.
382 reviews33 followers
January 3, 2026
Den ersten Teil des Buchs fand ich okay. Etwas viel Behauptung, Bezug auf die üblichen Verdächtigen, anekdotenhafte Belege auf Basis von eigenen Erfahrungen - vorgetragen mit einer bloggerhaften Koketterie. Nicht unsympatisch, aber eher auf dem Level von "Gut, dass mal jemand allgemein akzeptiertes Wissen aufschreibt."

Mit der "Hyperinterpretation" entwickelt Annekathrin Kohout in der zweiten Hälfte des Buchs aber einen wirklich sehr nützlichen Begriff, den sie auch hervorragend herleitet, ausdifferenziert und in der eigenen Auseinandersetzung damit "stress-testet". Wie sie beschreibt, dass durch Dekontextualisierung und bestimmte Argumentationsmuster online strategischer Diskurs (von links wie von rechts) betrieben wird, und dass die Strukturen dahinter teils von den Plattformen vorgegeben, teils von den Akteuren aktiv bedient werden, hat mir wirklich ein sehr gutes Werkzeug für die zukünftige Auseinandersetzung mit Online-Debatten an die Hand gegeben.

Wie hilfreich der "hyperreaktive Mensch", den sie am Ende beschreibt, als Kategorie wirklich ist, wird die Zukunft zeigen. Aber die Ambivalenz, die es am Ende auszuhalten gilt, und die sie am Sich-Entfalten der Reaktionen auf den 7. Oktober 2023 perfekt illustriert, hat mir gut gefallen.

Drei Zitate

Was einst als Ideal der kritischen Medienrezeption galt – die aufmerksame Analyse von Inhalten, das Hinterfragen von Motiven –, hat sich in ein zynisches »Alles-Durchschauen« transformiert. Der kritische Impuls, der im Idealfall auf Emanzipation zielt, wird in der Hyperinterpretation zu einem Instrument der Machtausübung pervertiert. Die Aufklärung hat die Werkzeuge der kritischen Analyse bereitgestellt, um Manipulationen zu erkennen und Propaganda zu identifizieren. Doch in den Sozialen Medien werden diese Werkzeuge vor allem zur strategischen Positionierung eingesetzt. Wer hyperinterpretiert, ist mit seiner Deutung nicht an Aufklärung interessiert, sondern an Wirkung. (63,6%)

Journalisten adaptieren zunehmend selbst jene Techniken der Hyperinterpretation, gegen die sie eigentlich als Korrektiv wirken sollten. Einerseits sind sie dem Ethos der Faktentreue, Ausgewogenheit und analytischen Differenzierung verpflichtet. Andererseits sind sie eingebunden in eine mediale Ökonomie, in der Aufmerksamkeit zur primären Ressource geworden ist – und Hyperinterpretation die effizienteste Technik zu ihrer Generierung. (74,5 %)

Personen, denen ich einst vertraut hatte oder die ich zumindest in ihren Ansichten ernst nahm, die ich für seriös hielt, denen ich ein gewisses Ethos beim Erstellen ihrer Postings und Interpretationen unterstellt hatte. Da sie sich [in der Reaktion auf den Anschlag der Hamas am 7. Oktober 2023] als Experten für etwas gerierten, von dem sie keine Ahnung haben konnten, waren sie nun nicht mehr uneingeschränkt glaubwürdig für mich – und im Rückblick war auch das bisher von ihnen Vermittelte zu hinterfragen. (82,4 %)

43 reviews
December 4, 2025
Diesem Buch wünsche ich viele Leser. Ein kluger Blick auf soziale Medien, ihre Mechanismen und unser eigenes Verhalten. Annekathrin Kohout gelingt es, wichtige Dynamiken verständlich, ausgewogen und pointiert darzustellen - eine beeindruckende Leistung. Es wird gar nicht nur Deutungsmacht in sozialen Medien behandelt, sonder auch viele Erklärungen und Beschreibungen digitaler Verhaltensweisen dargestellt.
Nun würde ich mir natürlich den nächsten Schritt wünschen: von der Diagnose zur Behandlung. Wie können wir diesen Phänomenen entgegenwirken, wie können wir damit konstruktiv umgehen? Wir hätten die Mittel: ein großer öffentlich-rechtlicher Medienbereich - doch Talkshows bedienen die neuen Muster eher als das sie zu besserem Umgang einladen, konstruktiver Journalismus, digitale Kompetenzen steigern - doch davon ist in den Schulen wenig zu sehen ... und natürich Vieles mehr.
Dieses Buch macht neugierig auf Lösungen und führt zu den wichtigen Fragen. Deswegen für mich eines der wirklich hilfreichen Bücher des Jahres.
Profile Image for Thekla Wilkening.
2 reviews
January 8, 2026
I loved reading it, easygoing, smart and partly shocking, due to the analysis of our daily social media habbits. The book is an alert to reflect on how we consume, think and understands news and posts. And that makes it a sweet invitation to leave the smartphone behind and grab the next book or paper :)
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