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Der ewige Antisemit: Über Sinn und Funktion eines beständigen Gefühls

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German

287 pages, Paperback

Published January 1, 1993

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About the author

Henryk M. Broder

42 books11 followers
Polish born German Jewish Journalist.

Broder is known for polemics, columns and comments in written and oral media.

He wrote for the magazine Der Spiegel as well as its online version and the daily Berlin newspaper Der Tagesspiegel.

Since 2010 he writes for Die Welt. He is co-editor of Der Jüdische Kalender (The Jewish Calendar), a compilation of quotes and texts relating to German Jewish culture, published annually.

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Profile Image for Florian Lorenzen.
158 reviews166 followers
November 6, 2023
Antisemitismus von Links ☹️

Aus historisch nachvollziehbaren Gründen wurde Antisemitismus in den vergangenen Jahrzehnten primär als Phänomen des Rechtsextremismus wahrgenommen. Doch die Reaktionen auf den Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 haben gezeigt, dass antisemitische Argumentationen, Täter-Opfer-Umkehr oder Doppelstandards in Bezug auf Israel auch in progressiven Milieus zu beobachten sind. Einer, der hiervon nicht überrascht sein dürfte, ist Henryk M. Broder. Seine erstmals im Jahre 1986 veröffentlichte Streitschrift „Der ewige Antisemit“ war einer der ersten Kritiken an Antisemitismus von Links und trug zur Gründung der Antideutschen Bewegung bei.

Auch 37 Jahre nach Veröffentlichung ist „Der ewige Antisemit“ äußerst lesenswert – vielleicht lesenswerter als je zuvor. Denn durch den Bedeutungszuwachs der anti-kolonialistischen Bewegung innerhalb der politischen Linken dürften jene Beobachtungen, die Broder Mitte der 80er Jahre anstellte, aktueller denn je sein. Ungeheuer hellsichtig erscheinen einem heute Broders Verweise auf erinnerungspolitische Entlastungsargumentation („Free Palestine from German Guilt“), kritikwürdige UN-Resolutionen und Inhaftnahme von Juden und jüdischen Organisationen als Form von „Israelkritik“. All das wird von Broder in seinem ihm typischen polemischen Tonfall vorgetragen, welcher selbst bei diesem Thema einen gewissen Unterhaltungswert entfaltet.

Bei „Der ewige Antisemit“ handelt es sich allerdings um keine reine Abrechnung mit der politischen Linken. Auch bürgerliche Vertreter kommen ihr Fett weg, ebenso wie die UN und Politiker der Dritten Welt. Im Unterschied zu seinem späteren Wirken, das ich ambivalent bewerte, spielt der Antisemitismus in muslimischen Milieus hier allerdings noch keine große Rolle. Es ist Broder ein erkennbares Anliegen, aufzuzeigen, dass Antisemitismus in vielen verschiedenen Spielarten existiert und nicht einem einzelnen, gar extremistischem Lager zugeordnet werden kann. Auch in dieser Erkenntnis liegt eine tiefere Wahrheit für heutige Diskurse.

Kurzum: Ein wichtiges, hochaktuelles Buch, das – auch wenn es etwas zu lang ist und nach hinten ausfasert – unbedingt gelesen werden sollte!

Review auf Instagram: https://www.instagram.com/p/CzS_PeEAFml
191 reviews9 followers
February 11, 2019
"Der ewige Antisemit" ist ein typisches Broder'sches Meisterwerk, das traurigerweise an Aktualität in den über drei Jahrzehnten seiner Existenz nichts eingebüßt hat. Noch immer gilt es zwar als unfein, aber irgendwie doch hinter vorgehaltener Hand als "verständlich", etwas gegen Juden zu haben - die Klischees von einst sind die Klischees von heute geblieben. Noch immer gilt Israel, bzw. "die Zionisten" als das Schandmal, das den Frieden auf der Welt bisher verhindert hat. Ein zentraler Satz, den Broder in seinem Buch ein ums andre Mal zitiert, und der die geballte Essenz der schwer von der Hand zu weisenden Wahrheit in sich vereint, ist folgender: "Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen!". Er bringt kurz und knapp auf den Punkt, was das gestörte Verhältnis der Deutschen zu ihrer Geschichte ausmacht und warum es Antisemitismus - auch eine ungemein interessante Feststellung - nicht trotz, sondern gerade wegen Auschwitz gibt.
Und doch hat alles schon lange vor dem Dritten Reich begonnen. Wenngleich der Judenhass in der "Endlösung" der Nationalsozialisten seinen (bisherigen?) traurigen Höhepunkt erreicht hat, gab es ihn schon vorher: Pogrome in der Sowjetunion und die für heutige Augen und Ohren unglaublich klingenden Diskussionen in einem Sammelband von Antisemiten und Philosemiten über die Judenfrage Ende des 19. Jahrhunderts sind nur einige der aus heutiger Sicht geradezu dystopisch scheinenden Episoden.
Als eigentlichen Höhepunkt jedoch empfand ich die Darstellung der ungemein gut zusammengestellten historischen Vorkommnisse, etwa die Flugzeugentführung 1976 ins ugandische Entebbe, während der die jüdischen Passagiere aussortiert wurden: Nachdem israelische Soldaten die Geiseln befreiten, war man nicht etwa froh darüber, sondern fand den Schuldigen in Israel, das die "staatliche Souveränität" eines Landes verletzt hätte - man gratulierte einem der schlimmsten Schurken des 20. Jahrhunderts, Idi Amin, gar seine Solidarität aus und verglich die Befreiungsaktion mit den "Blitzkriegen des Hitlerfaschismus". Und zwar von der politischen Linken, was dem Autor schließlich die Augen öffnete und ihn gegen das Argument, es gebe keinen Antisemitismus von links, immunisierte.
Überhaupt wird im Zusammenhang mit dem Thema so viel geheuchelt, dass es einen bei der Lektüre schon schmerzt. An Heuchelei kaum zu überbieten waren natürlich auch die Andeutungen der Sowjetunion, die Juden hätten mit den Nationalsozialisten gemeinsame Sache gemacht, um schließlich Israel als Keil im Nahen Osten gegen die sozialistischen arabischen Bruderstaaten zu treiben.
Doch beim Antisemitismus, da ist sich Broder sicher, handelt es sich um so etwas wie einen Selbstbedienungsladen - wen irgendwo wegen irgendwas der Schuh drückt, der kann es einfach den Juden in die Schuhe schieben.
Es handelt sich um ein richtiges Meisterwerk eines großen Intellektuellen (auch, wenn er sich womöglich gegen diese Bezeichnung sträuben würde), von jemandem, der für sich selbst denkt und kein Blatt vor den Mund nimmt und auch und gerade über Dinge schreibt, die weh tun. In gewohnter Broder-Manier - und das schon 1985 - darf man sich auf angenehme Stunden voller Staunen, Kopfschütteln, Nachdenken, Lächeln und Entsetzen freuen. Ganz groß!
Profile Image for Florian Lorenzen.
158 reviews166 followers
November 6, 2023
Antisemitismus von Links ☹️

Aus historisch nachvollziehbaren Gründen wurde Antisemitismus in den vergangenen Jahrzehnten primär als Phänomen des Rechtsextremismus wahrgenommen. Doch die Reaktionen auf den Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 haben gezeigt, dass antisemitische Argumentationen, Täter-Opfer-Umkehr oder Doppelstandards in Bezug auf Israel auch in progressiven Milieus zu beobachten sind. Einer, der hiervon nicht überrascht sein dürfte, ist Henryk M. Broder. Seine erstmals im Jahre 1986 veröffentlichte Streitschrift „Der ewige Antisemit“ war einer der ersten Kritiken an Antisemitismus von Links und trug zur Gründung der Antideutschen Bewegung bei.

Auch 37 Jahre nach Veröffentlichung ist „Der ewige Antisemit“ äußerst lesenswert – vielleicht lesenswerter als je zuvor. Denn durch den Bedeutungszuwachs der anti-kolonialistischen Bewegung innerhalb der politischen Linken dürften jene Beobachtungen, die Broder Mitte der 80er Jahre anstellte, aktueller denn je sein. Ungeheuer hellsichtig erscheinen einem heute Broders Verweise auf erinnerungspolitische Entlastungsargumentation („Free Palestine from German Guilt“), kritikwürdige UN-Resolutionen und Inhaftnahme von Juden und jüdischen Organisationen als Form von „Israelkritik“. All das wird von Broder in seinem ihm typischen polemischen Tonfall vorgetragen, welcher selbst bei diesem Thema einen gewissen Unterhaltungswert entfaltet.

Bei „Der ewige Antisemit“ handelt es sich allerdings um keine reine Abrechnung mit der politischen Linken. Auch bürgerliche Vertreter kommen ihr Fett weg, ebenso wie die UN und Politiker der Dritten Welt. Im Unterschied zu seinem späteren Wirken, das ich ambivalent bewerte, spielt der Antisemitismus in muslimischen Milieus hier allerdings noch keine große Rolle. Es ist Broder ein erkennbares Anliegen, aufzuzeigen, dass Antisemitismus in vielen verschiedenen Spielarten existiert und nicht einem einzelnen, gar extremistischem Lager zugeordnet werden kann. Auch in dieser Erkenntnis liegt eine tiefere Wahrheit für heutige Diskurse.

Kurzum: Ein wichtiges, hochaktuelles Buch, das – auch wenn es etwas zu lang ist und nach hinten ausfasert – unbedingt gelesen werden sollte!

Review auf Instagram: https://www.instagram.com/p/CzS_PeEAFml
Profile Image for Smeno.
31 reviews14 followers
September 24, 2024
In Anbetracht der aktuellen Situation, ist das ein sehr interessantes Buch um die Debatten über Israelkritik und Antisemitismus etwas nachvollziehen zu können. Die ganzen Argumente sind ja schon sehr alt.

Allerdings muss ich sagen, dass ich das Buch inhaltlich nicht so hilfreich finde. Der Autor ist absolut nicht objektiv. Er neigt dazu gegen die dümmsten Argumente zu argumentieren oder Hintergründe selektiv zu beschreiben, damit sie in sein Bild passen.

Deshalb ist das Buch vielleicht eine gute Bibel wenn man sein sowieso schon vorhandenes Weltbild festigen will. Aber wenn man recht ahnungslos an das Thema herrangeht ist man nach diesem Buch nicht umfassend informiert.

Wozu das Buch allerdings sehr gut geeignet ist, ist die Perspektive der Israelunterstützer zu verstehen.
Ich habe nach der Hälfte abgebrochen.
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