Ihr wolltet die Hölle, ihr werdet die Hölle bekommen. So begann die israelische Armee nach den menschenverachtenden Anschlägen der Hamas vom 7. Oktober 2023 ihren Krieg gegen den Gazastreifen. Ein Krieg, der trotz seiner Gewalt, seiner Dauer und seiner globalen Auswirkungen hinter verschlossenen Türen stattfindet. Kein ausländischer Journalist oder Reporter hat Zugang zur palästinensischen Enklave. Unabhängige Berichterstattung aus Gaza scheint unmöglich. Im Dezember 2024 gelang es Jean-Pierre Filiu, etwas mehr als einen Monat in den Gazastreifen zu reisen. Er kannte dieses Gebiet, seine Städte und Menschen, deren Sprache er spricht. Vor Ort wurde der Historiker zum Ermittler und setzt uns mit diesem Buch in Kenntnis über die Geschehnisse, wie er sie erlebte, und den täglichen Kampf der Menschen um Überleben und Würde. Vor dem, was in Gaza geschieht, dürfen wir unsere Augen nicht verschließen.
Jean-Pierre Filiu (1961) is a French professor of Middle East studies at Sciences Po, Paris School of International Affairs, an Orientalist and an Arabist.
Der vor allem persönliche Bericht aus Gaza ist erschreckend und lässt vor allem die humanitären Missstände deutlich werden.
Doch der Titel des Buches ist ziemlich irreführend, denn von der Profession eines Historikers ist in dem Buch kaum was zu merken, da es einfach einseitig argumentiert und natürlich emotional (wie auch nicht, wenn man dort live vor Ort ist; dann hätte es aber einen anderen Titel benötigt). Wenn von "russischem Roulette der Bombenangriffe" (43, 165) gesprochen wird, fast ausschließlich von israelischer Propaganda (Ausnahme: 147), es behauptet wird, dass es keine Beweise gibt, dass Terroristen in Gaza sich in Krankenhäusern aufgehalten haben, Israel gegen den Gazastreifen und nicht gegen die Hamas Krieg führt (51) usw., wird deutlich, wohin die Reise gehen soll. Gleichzeitig wird nur Israel kritisiert, obwohl das Töten von Abertausenden Palästinenser zur Hamas Strategie gehört, was der Autor sogar erwähnt und anmerkt, dass die Hamas ihr Ziel erreicht hat (78, 149). Israel ist mittlerweile weltweit isoliert und der Autor behauptet aber, dass Israel einen einzigartigen Sieg an der Medienfront errungen hat (95).
Natürlich spricht auch er von einem Genozid und im gleichen Moment, dass die Verletzten in Krankenhäusern in Gaza durch den Krieg mittlerweile genau so hoch sind wie die Zahl der Verletzten durch innerpalästinensische Gewalt (110f.) und das die Hamas "Tausende Zivlilisten im Namen des Sieges gegen den zionistischen Feind zu opfern" (149) bereit ist.
Pflichtschuldig muss der Autor natürlich auch die Hamas kritisieren, obwohl er die Sympathie für diese verstehen kann (82). Diese Kritik kommt bezeichnenderweise aber erst weit im zweiten Teil des Buches vor S.135ff., worin deutlich wird, dass zum großen Teil nur die eine Seite der Konflikttreiber sein soll.
Über die Darstellung des Krieges 1948 von einem Historiker braucht man gar nicht erst anfangen (165f.)
In seinem informativen wie erschütternde Bericht setzt Jean-Pierre Filiu sich detailliert mit dem Kriegsgeschehen Israels gegen Gaza auseinander. Er beschreibt die große, humanitäre Not der Bevölkerung in Gaza, die Grausamkeit, die diese durch israelischen Beschuss und ständige Evakuierungsaufforderungen durch Israel erleben sowie die Unermessliche Zerstörung. Es darf nicht verschwiegen bleiben, dass ein gewisses Maß an Verbitterung im Report mitschwingt, jedoch wird klar, welch unermesslich Verbrechen, insbesondere an der Zivilbevölkerung in Gaza verübt wird. Ein sehr interessant, geschriebenes Buch, dass sich doch mehr wie ein Tagebuch des Grauens liest.