Im neuen Roman des Autors der "Brenner-Krimireihe" geht es um eine Coming of Age Geschichte aus der österreichischen Provinz der 70er Jahre, kurz nach der Ölkrise. Der 13-jährige Ich-Erzähler jobbt in den Ferien an einer Tankstelle und muss eine bittere Lektion in der Sprache der Liebe lernen, insbesondere als eine junge Frau im wunderschönen Dialekt des Nachbardorfs ihren Mann den Satz nachruft: " Gib dem Fräulein ein Trinkgeld!". Denn der junge Mann, der noch gar keiner ist, hat ein Problem: Er hat Übergewicht, das er unter seinem roten Shell-Overall zu verbergen versucht, weswegen er, Gipfel pubertärer Peinlichkeit, mit seinen beatleslangen blonden Haaren manchmal für eine junge Frau gehalten wird. Leider auch von der zauberhaften Elsa aus dem übernächsten Nachbardorf. Elsa ist deutlich älter und bereits vergeben, und zwar an den lässigsten, attraktivsten und auch gefährlichsten Mann im Ort, den Tscho.
Der Tscho ist sein Rivale und der beste Skifahrer vor Ort und ein cooler Fernfahrer, also eine ganz andere Gewichtsklasse als der pummelige und schüchterne Internatsschüler.
Da Fernfahrer häufig unterwegs sind nimmt dieser Sommer gleich zwei unwahrscheinliche Wendungen: Der Junge folgt einem radikalen Diätplan – jede Woche ein Kilo –, und zwischen ihm und Elsa entwickelt sich eine zarte – ja, was: Beziehung? Freundschaft? Liebe? Was genau, hängt eben von der Sprache ab.
"Do you love me?", fragt Elsa einmal den wie vom Schlag getroffenen Jungen, der ihr Englisch beibringt, weil sie doch auf die Schwesternschule gehen will. "Was?" – "Do you love me out?" – "Was meinst du"‘ – "Ob du mich auslachst!"– "Laugh", korrigierte ich sie halb erleichtert und übte mit ihr den feinen Unterschied zwischen ‚lachen‘ und ‚lieben‘."
Dieses "halb erleichtert" umfasst den Schmerz des verliebten Mannes und die Angst des verschüchterten Jungen gleichermaßen, denn der Tscho kommt irgendwann auch von der längsten Auslandstour zurück. Umso beunruhigender dann die Einladung des bedrohlichen Rivalen, ihn bei der nächsten Fahrt quer durch Jugoslawien bis nach Thessaloniki zu begleiten, als Dolmetscher am Zoll...
"Junger Mann" ist auf den ersten Blick eine konventionelle "Coming of Age"-Geschichte und ein "Road-Novel", doch die Beiläufigkeit, mit der die größten Fragen des Lebens verhandelt werden, sind m.E. doch unkonventionell, um nicht zu sagen herausragend.
Ein sensationelles, kleines Buch, das erstens gut zu unterhalten weiß, manche Passagen einem laut lachen lassen und einen noch lange nachdenken läßt. Es zeigt auch, was Jugend-Provinz-Geschichten alles können, Ein Zitat aus dem, hervorragenden, Prolog zeigt die Klugheit dieses Büchleins "Rückwärts durch die Knie betrachtet, war die Welt immer am interessantesten."...