Spannendes Eassy, dass zum Mitdenken anregt. Treffend fasst es Alberto Toscano im Nachwort zusammen: „Wie Herzog prägnant formuliert, zeigt sich „sexy Rassismus" in „libidinös aufgeladene [n] Botschaften, die Gefühle von Angst, Wut und Abneigung schüren oder, andersherum, ein erregendes Dominanzgefühl gegenüber rassifizierter Vulnerabilität". Zwar bestehen unterschiedliche Entwicklungslinien für die Erotisierung von Rassismus und die Stigmatisierung von Behinderung, doch ein Verständnis davon, wie sich Rassifizierung (und Genderzuschreibungen) in Behinderung einweben, kann die Überlappung bis ins Detail der „affektive [n] Naht - zwischen tödlicher Niedertracht gegenüber Menschen mit Behinderungen und dem Versprechen transgressiver libidinöser Lust" sichtbar machen, die Herzog ins späte 19. Jahrhundert
zurückverfolgt.“ Ebenso: „Das Problem, das Herzog anspricht und erkundet und das sie uns als Aufgabe stellt - nämlich die „multifunktionale Wirkmacht sowohl der Erotisierung einer behaupteten Überlegenheit als auch die erneute Insistenz auf eine Re-Hierarchisierung von menschlichem Wert" -, ist zentral für jegliche analytische und politische Auseinandersetzung mit den Formen der gegenwärtigen Reaktion.“
Dieses Essay unterstreicht eindrucksvoll, dass „antifaschistische Wissenschaft notwendig ein kollektives Unterfangen“ bleibt, um die Mechanismen, über die libidinöse Abwertung und erotisierte Überlegenheit passieren, besser zu verstehen und vor allem Gegenmaßnahmen zu entwerfen, in einer Zeit, in der der faschistische Körper, von abwertenden Zuschreibungen bis zu hin zu wellnessideologischem Selbstoptimierungszwang allgegenwärtig sind. Auch die, wenn auch kurze, theo-biopolitische Auseinandersetzung fand ich wertvoll und wird sicherlich dafür sorgen, dass ich mich mehr ins Thema einlesen werde.
Man muss wissen, dass es sich um ein kurzes Essay handelt und gar nicht erst versucht, Anspruch auf Vollständigkeit zu haben. Das sollte man vor dem Kauf wissen. Es ist dennoch äußerst lesenswert.