Eines Tages erscheint ein grünes Rollo an Theos Zimmerfenster und reißt den Zehnjährigen in eine grüne Parallelwelt. Diese grüne Welt weist (alb-)traumhafte Züge auf und nur zum Teil Parallelen zur Realität. Der Wechsel zwischen den Welten wird auch optisch deutlich gemacht: Die Handlung in der grünen Parallelwelt ist auch grün gedruckt, was mich ein bisschen an die "unendliche Geschichte" erinnert.
Nach einer turbulenten Zeit in der grünen Welt kehrt Theo über ein weiteres grünes Rollo in die Realität zurück und lebt sein Leben, bis 40 Jahre später das grüne Rollo wieder auftaucht und ihn abermals in die Parallelwelt zieht, die sich stark verändert hat.
Die Geschichte von Theo ist mitreißend und wunderbar verspielt, ohne zu kindisch zu werden. Zwar weist die Traumwelt Züge einer Kinderwelt auf, wird aber mit Theo selbst erwachsener.
In einer Art Epilog wird das Geheimnis um Theos Parallelwelt aufgelöst. Darüber war ich zuerst enttäuscht, weil es auch seinen Reiz hat, die "Erklärung" dem Leser selbst zu überlassen. "Als Krimi-Autor kann Heinrich Steinfest wohl nicht ohne rationale Erklärungen" habe ich zunächst gedacht. Allerdings ergänzt der Epilog die Geschichte um eine weitere Ebene und macht ihn noch vielschichtiger.
Durch Heinrich Steinfests ironischen Blick auf die Welt und seine brillante Sprache in Kombination mit der spannenden und etwas märchenhaften Story war "Das grüne Rollo" für mich eine perfekte Urlaubslektüre. Trotzdem nur vier von fünf Sternen, vor allem wegen des Epilogs (insbesondere des allerletzten Satzes) und etwas langatmigen und unpersönlichen Passagen im Mittelteil.