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Mutters Sprache

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Zwei Frauen, ein Säugling, eine Reise hinter den Polarkreis.

Lisa kann besser stoßlüften als ihre Nachbarn. Nach zwanzig Jahren in Deutschland will sie
nicht mehr an ihr altes Leben im hohen Norden denken. Doch seit sie Mutter ist, kommen die Erinnerungen hoch. Als ihre Hebamme überstürzt nach Russland aufbricht, ergreift Lisa die Gelegenheit und begleitet sie. Es beginnt eine Reise durch ein Land, in dem Werbung für den Krieg neben der für Waschpulver läuft. Dort müssen sich die beiden Frauen ihrem Begehren stellen – und ihrer Vergangenheit.
.

Ein Roman über den brutalen Sog der Mutterschaft und die Sehnsucht nach einem Ort, an den man niemals zurückkehren wollte.

282 pages, Hardcover

Published August 19, 2025

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About the author

Wlada Kolosowa

5 books11 followers

Ratings & Reviews

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Community Reviews

5 stars
38 (52%)
4 stars
24 (33%)
3 stars
8 (11%)
2 stars
1 (1%)
1 star
1 (1%)
Displaying 1 - 11 of 11 reviews
Profile Image for Ileana (The Tiniest Book Club).
272 reviews49 followers
December 20, 2025
Der neue Roman von Wlada Kolosowa (wer den Vorgänger „Der Hausmann“ noch nicht gelesen hat, hoppi galoppi) ist ein warmes, ehrliches Buch über Mütter und Mutterschaft. Alleinerziehende Mütter, Mütter wider Willen, Mütter, die verschweigen, frischgebackene Mütter, deprimierte Mütter, verliebte Mütter, pflegende Mütter: Kolosowa, die ihre Deadline sowas von eingehalten und den Roman acht Tage vor Geburt ihres Kindes beendet hat, erzählt von ihnen mit Witz und Tempo.

Im Mittelpunkt steht Elisaweta, kurz Lisa: ihr Neugeborenes lässt sich nur mit russischen Wiegenliedern beruhigen, die Lisa mehr schlecht als recht aus ihrer eigenen Kindheit in der arktischen Siedlung Nikel erinnert. Lisa existiert gerade nah an der postnatalen Depression, zum Glück ist da Aljona, ihre Hebamme, zu der sie sich nicht nur platonisch hingezogen fühlt. Auch Aljona stammt aus Nikel und sie plant eine Reise dorthin. Lisa schließt sich ihr an, denn sie möchte ihrer Großmutter die Urenkelin vorstellen, und bald sind die beiden mit Baby Eva auf dem Weg von Görlitz in den Oblast Murmansk.

Auf ihrer Reise erhalten sie Einblicke in das heutige Russland nach dem Angriff auf die Ukraine, ein „Land des bezuschussten Gebärens und Sterbens“. Gewiss kein sicherer Ort für Lisas und Aljonas aufkeimende Liebe.

Auch Aljonas Geschichte kommt zum Tragen: sie hat als Leihmutter für reiche Russ*innen gearbeitet. Die dritte Zeitebene begleitet Lisas Mutter Taja, die das Ende der Sowjetunion mit zunächst unerfülltem Kinderwunsch nach dem dramatischen Tod ihres Mannes erlebt.

In „Mutters Reise“ ist stets eine große Liebe und viel Verständnis für die Charaktere spürbar, das macht das Lesen leicht, trotz teilweise schwieriger und komplexer Themen. Wlada Kolosowa kann richtig gut erzählen!
Profile Image for Nilufar.
38 reviews
February 24, 2026
dieses Buch über Sprache, spricht leider nicht meine Sprache.
Profile Image for Sarah.
181 reviews15 followers
January 20, 2026
4,5 Sterne

"Das Leben war voller nicht hochgegangener Landminen: Lungenkrebs, eine Explosion unter Tage, eine zu scharfe Kurve auf der vereisten Landstraße."

"Ihre Geschichte sollte eine Projektionsfläche bleiben. Eine makellose Verliebtheit, konserviert in der Unmöglichkeit ihrer Fortsetzung."

"Deutsche Rucksäcke waren wie deutsche Familienhäuser, in denen alle ihr eigenes Zimmer hatten: die Hefter im hinteren Fach, die Schulbücher im vorderen, Labello in der kleinen Reißverschlusstasche links, die Stifte im passenden Federmäppchen."

"Warum war es für sie immer so selbstverständlich gewesen, dass Beziehungen mit Männern die erstrebenswertere Alternative war?"

"Wenn man das Gehirn von Frauen im Magnetresonanztomografen beobachtete, konnte man tatsächlich feststellen, dass es während der Schwangerschaft umgebaut wurde. Die Bereiche für Empathie arbeiteten effizienter, reagierten intensiver, wenn man den Frauen Fotos von Kleinkindern zeigte."

"Als sie heute auf die Gwardejskaja Straße trat, hatte der Himmel das perfekte Blau eines abgestürzten Windows-Betriebssystems."

"»Du denkst wahrscheinlich, dass man aus Liebe niemanden verletzen kann?« »Nein«, sagte die Mutter leise. »Ich glaube das Gegenteil: Richtig weh tun kann man nur aus Liebe.«"

"Es war so praktisch, Frauen abwechselnd als das schwächere und das stärkere Geschlecht darzustellen, je nachdem was Männern gerade besser in den Kram passte."

"Tajas Gedächtnis wirbelte ein altes russisches Sprichwort hoch, wie ein Sediment, das durch eine Turbulenz im Wasser aufgewühlt wurde: Syn do poroga - a dotsch do konza. Der Sohn bleibt ein Sohn, bis er zur Türschwelle tritt, die Tochter bleibt bis zum Schluss."
Profile Image for Evi T.
18 reviews
March 31, 2026
Wahnsinnig tolles Buch über viele Facetten des Mutter- und Frauseins!
Profile Image for Frau Feli.
47 reviews
March 29, 2026
Tolles Buch! Habe ich sehr gerne gelesen. Was die Sprache angeht - es hätte gerne noch mal lektoriert werden können, zum Teil fand ich die Sprache nicht so flüssig. Aber sehr interessante Charaktere und auch das Leben und die Gesellschaft in Russland und Deutschland sind sehr eindrücklich beschrieben.
Profile Image for Karina.
260 reviews3 followers
January 7, 2026
Ich liebe es, wie mein Lesejahr 2026 beginnt. 😏
Gleich zum Auftakt steige ich mit einer Cover-Schönheit ein - und dann ist es auch noch inhaltlich ein Volltreffer.
Ich bin echt zufrieden.

In 'Mutters Sprache' von Wlada Kolosowa begleiten wir drei Frauen mit russischen Wurzeln auf ihrem Weg zur und durch gewollte wie ungewollte Mutterschaften. Der Roman erzählt von Tragödien und Entwurzelung, von queerer Sehnsucht, tiefer Liebe und stellt immer wieder die großen Fragen: Woher komme ich? Und wo gehöre ich hin?
Dabei werden sowohl die politische Lage in Russland als auch das Thema Mutterschaft ohne Beschönigung und fernab der rosarote Brille beleuchtet.

Lisa ist frischgebackene Mutter - und plötzlich beginnt ihre bis dahin so fest verankert 'deutsche' Fassade zu bröckeln. Die lange verdrängten russischen Wurzeln kommen wieder zum Vorschein. Ihre Hebamme Aljona spielt dabei eine entscheidende Rolle: Sie vermittelt Lisa ein Gefühl von Heimat und weckt zugleich eine bislang unbekannte Begierde. Aus unterschiedlichen Motiven heraus begeben sich die beiden gemeinsam auf eine Reise zurück nach Nikel, Lisas Geburtsort jenseits des Polarkreises - dorthin, wo um Soldaten geworben wird.

Parallel dazu erfahren wir von Aljonas Vergangenheit, und auch Taja, Lisas Mutter, konfrontiert uns mit ihrer eigenen Geschichte - eine die sprachlos macht. Umso schmerzhafter ist es, dass Taja diese Sprachlosigkeit gegenüber ihrer Tochter und deren Herkunft bewahrt.

Dieser Roman spiegelt eindrücklich die Zerrissenheit mehrerer Generationen von Frauen wider, denen durch politische Umstände und nicht zuletzt durch patriarchale Strukturen und Denkweisen ihre Identität genommen wurde.

Ein beeindruckendes Buch, dem ich aus voller Überzeugung eine ganz klare Leseempfehlung ausspreche.
Profile Image for Maximilian Kathan.
4 reviews
December 21, 2025
Mir gefällt die Sprache der Autorin, wenn sie Alltag beschreibt, sehr nah am Leben und sehr unverblümt.
Die ersten 150 Seiten haben mich wirklich gepackt und ich war sehr interessiert.
Auch die Erzählstruktur mit den Drei Hauptpersonen hat mir gut gefallen, auch dass die Identität der 3 nicht sofort klar war, jedoh waren auch viele Momente, welche mich gestört haben.
Als Sascha starb (Mann von Tajka) fand ich die Emotionalität sehr stumpf und schwach beschrieben, kann sein, dass dies gewollt war, jedoch fand ich es tu wenig.
Was beim einen zu wenig war, war beim anderen zu viel, ich finde den Plottwist am Ende absolut unnötig und nicht passend für das Buch.
Trotzdem packend und mitreißend zu Zeiten.
This entire review has been hidden because of spoilers.
2 reviews
October 15, 2025
Eine extrem einfühlsame Geschichte darüber, was es bedeutet Mutter zu sein und Tochter, vor allem aber Frau. Die Charaktere sind alle unheimlich nah- und fehlbar und man begleitet sie gern auf ihrer inneren und äußeren Reise.

Mehr als eine Nebenrolle spielt Russland - das heutige und das vergangene. Die Autorin schafft es, das Land durch unheimlich gut beobachtete Details auch Leuten begreifbar zu machen, die noch nie dort waren. Und es gelingt ihr auch die Erfahrung einer verlorenen und fremden Heimat spürbar zu machen.

Besonders toll: Die Ehrlichkeit in allem - in dem, was die Charaktere fühlen und tun, in der Sprache und in dem, was sich daraus ergibt.
Profile Image for Lisa.
16 reviews
November 10, 2025
da steckt so viel drin - Muttersein und nicht-sein wollen, Familientraumata und Schweigen, queerness und Liebe, Reiselust, Russland früher und heute, Ostdeutschland, Identität und Lügen und am Ende dem Leben trotzen. ganz großes Kino ❤️‍🔥
Profile Image for Valerie.
317 reviews11 followers
March 2, 2026
Mein Buch des Jahres 2025

„War Erwachsensein nicht genau das? Zu akzeptieren, dass all die Formen, die das Leben, die man selbst hätte einnehmen können, sich zu einer einzigen verfestigt hatten?“

Taja, Aljona, Lisa. Drei Frauen, deren Leben kapitelweise beschrieben wird, abwechselnd, die einzige scheinbare Gemeinsamkeit ist ein Bezug zu Russland.

„Sie hatte nicht nur Leben auf diese Welt geholt, sondern auch Leid, dachte sie. Sie war dafür verantwortlich, dass es mehr Schmerz auf diesem Planeten gab. Dann schob sie den Krankenhauskittel hoch. Das Baby bewegte den Mund blind zu ihren Brüsten.“

Taja lebt in Nikel, einer kleinen Polarsiedlung in Nordwestrussland nahe der finnischen Grenze. Sie ist Geologin, kommt mit ihrem Mann nur schwer über die Runden und wünscht sich ein Kind. Aljona lebt in einer kleinen Datscha nahe Petschenga und verdient ihr Geld als Leihmutter. Sie hofft, so genug Geld zu verdienen um Russland zu verlassen.
Lisa lebt in Deutschland und hat gerade mit ihrem Partner das erste Kind, eine Tochter, bekommen. Das Wochenbett verlangt ihr viel ab. Einziger Lichtblick ist ihre Hebamme, die regelmässig vorbeikommt…

„Deswegen bekamen Menschen also Kinder, auch wenn alles um sie herum zusammenbrach, dachte Lisa, oder gerade dann erst recht. Sie zwangen einen ins Hier und Jetzt, zwangen einen aus der Versenkung in die Vergangenheit oder die Zukunft, zwangen zum Leben für jemand anderen als sie selbst.“

Was für ein meisterhafter Roman. Unglaublich poetisch und klug verwebt die Autorin hier die Erzählstränge, bis am Schluss alle Fäden zusammenführen. Manches wird nie klar ausgesprochen und ist dennoch eindeutig, manches Kapitel liess mich sprachlos zurück. Umso beeindruckender finde ich es, dass die Autorin das Buch kurz vor der Geburt ihres zweites Kindes noch beendet hat. Ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen und bin sehr gespannt, was von der Autorin noch kommt! Ein Roman-Highlight in 2025!


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