Lauras Großmutter Änne hat oft von den goldenen Sommern in Schlesien erzählt. Über die Menschen von damals wollte sie jedoch nie sprechen. Als Änne schwer erkrankt, scheint es Laura auf einmal zu spät für all ihre unausgesprochenen Fragen. Auf der Suche nach Antworten fährt sie zum ehemaligen Gutshof ihrer Familie und taucht immer tiefer ein in die Vergangenheit. Dabei stößt sie auf schmerzliche Wahrheiten, die das Bild der Frau, die ihr so vertraut war, erschüttern. Und plötzlich geht es nicht mehr nur um Fragen nach dem Früher, sondern auch um Lauras eigenes Glück.
Wow, wow, wow! Ein unerwartetes Highlight! Familiengeschichte, Flüchtlingsdrama, Spannungsroman und Kriegserzählung - dieses Buch lässt sich nicht nur einem Genre zuordnen.
Warme und vielschichtige Charaktere, fließende Erzählstränge auf zwei Zeitebenen, dunkle Familiengeimnisse und menschliche Tragödien. Geschwisterliebe, Sommergefühle und herrliche Landschaftsbeschreibungen- Ich habe Alles an diesem Buch geliebt und kann es von Herzen weiter empfehlen!
Die Handlung von „Die Verlorene“ hatte ich mir etwas anders vorgestellt. Ich dachte, dass es thematisch mehr um die Vertreibung aus Schlesien gehen würde. Tatsächlich war dies nur ein Randdetail und ich wurde überrascht mit einem komplexen Familiendrama, welches mich durch seine Tragik sehr berührt hat.
Luise und Änne sind Zwillinge und haben eine sehr enge Bindung zueinander. Die Familie lebt auf einem Gutshof und der Alltag läuft auch während des Krieges mehr oder weniger weiter. Die beiden Schwestern leben in einer Art Symbiose zusammen, bis bei Änne Epilepsie diagnostiziert wird. Aus Angst vor den Behörden muss die junge Frau von nun an ein Leben im Verborgenen führen. Während ihre Schwester erwachsen wird, ist sie zur Beobachterin verdammt.
„Die Verlorene“ ist eine intensive Geschichte über Liebe, Verrat, Verlust und Schuld. Der Roman zeigt, wie weit manche Taten die Zukunft beeinflussen können. Änne war mir als Charakter nicht sympathisch, trotzdem konnte ich ihre Beweggründe in Teilen nachvollziehen und habe mit ihr mitgelitten. Bei Luise ist es mir deutlich leichter gefallen, sie zu mögen. Der größte Plottwist lag zwar für mich lange im Voraus auf der Hand, dennoch hat die endgültige Auflösung dadurch nicht an Wucht verloren. Parallel dazu gibt es auch noch einen Handlungsstrang, der in der Gegenwart spielt, mit Ännes Tochter und Enkelin im Zentrum. Dieser Teil der Geschichte war allerdings eher Mittel zum Zweck und trägt nicht wirklich zur Entwicklung der Handlung bei. „Die Verlorene“ war anders als gedacht und trotzdem so gut, wie erhofft. Das war ein richtig tolles Buch und ich vergebe 5 Sterne.
Das Buch erzählt die Geschichte von Laura, die nach dem Tod ihrer Großmutter Änne nach Schlesien reist, um die Geheimnisse ihrer Familie zu lüften. Änne hat ihr oft von den "goldenen Sommern" erzählt, aber nie über die Menschen von damals gesprochen.
Miriam Georg hat es geschafft, die damalige Kriegszeit und das Setting auf dem Gutshof so atmosphärisch und bildlich zu beschreiben, dass ich mich direkt dorthin versetzt gefühlt habe. Es war so erfrischend, eine andere Perspektive auf den Zweiten Weltkrieg zu bekommen!
Was mich am meisten begeistert hat, war die Darstellung der Schwestern-Dynamik in der Vergangenheit. Die Charaktere sind unglaublich gut gezeichnet und die Beziehung der Schwestern ist so komplex und vielschichtig, dass man sich ständig fragt, wer eigentlich im Recht war. Ich hatte so viele widersprüchliche Gedanken und Emotionen.
Die Gegenwart war für mich etwas schwächer, da die Charaktere nicht ganz so tiefgründig waren wie in der Vergangenheit. Trotzdem hat mich die Geschichte nicht losgelassen, und das emotionale Ende hat mich dann nochmal so richtig überrascht und zum Nachdenken gebracht. Es hat viele Aspekte der Geschichte in einem neuen Licht erscheinen lassen.
Eine sehr gelungene, tiefgründige und emotionale Familiengeschichte, die ich euch nur wärmstens empfehlen kann!
Laura erreicht eine schlimme Nachricht: Ihre Großmutter Änne ist schwer gestürzt und liegt im Krankenhaus. Sofort macht sich Laura auf den Weg und merkt, dass sie noch viele offene Fragen hat, die sie so gern stellen möchte. Doch dafür ist es leider zu spät. Als die Enkelin sich dran macht, den Nachlass ihrer Großmutter durchzusehen, entdeckt sie Papiere, die neue Fragen auf das Leben ihrer Großmutter und Mutter in Schlesien werfen.
"Die Verlorene" war mein erster Roman von Miriam Georg und er hat mich sehr berührt. Die Autorin beleuchtet das Leben von Deutschen in Schlesien zu Zeiten des 2. Weltkrieges und verbindet dies mit dem Schicksal von 2 Frauen, die mit vielen offenen Fragen zurückbleiben. Die Sprecherin Tanja Fornaro verleiht diesem Roman mit ihrer einfühlsamen Stimme genau die richtige Stimmung zwischen Spannung, Mitgefühl und AHA-Effekten.
Der Roman erzählt abwechselnd von Laura, die anstelle ihrer Mutter die Geschichte der Familie erforscht und von Änne und Louise, zwei Schwestern, die vom 2. Weltkrieg zunächst wenig mitbekommen, bis er direkt vor ihrer Hoftür steht. Durch die Rückblenden hat man als Lesende einen Wissensvorsprung, was mich an wenigen Stellen irritiert hat. Denn ich wusste bereits, was los ist, während Laura und ihre Mutter noch ahnungslos waren.
Der Erzählstil ist ruhig, einfühlsam und unaufgeregt. Das hat mir sehr gut gefallen.
Ingesamt ein toller Roman über eine schwierige Zeit. Eine klare Empfehlung!
Die Verlorene von Miriam Georg gehört dank Netgalley Änne bekommt ein Paket mit dem Bild ihrer Zwillingsschwester, stürzt von einem Hocker und stirbt kurz danach. Damit hinterlässt sie ihrer Tochter und Enkelin einen Berg Fragen, denn diese wissen nur von einem verstorbenen Bruder. Die Enkelin, selbst schwanger, macht sich auf den Weg zur alten Heimat der Familie um Wahrheiten auszugraben. Gelungene Mischung aus Rückblenden und Erforschen in der Jetztzeit. Viel Ungeklärtes und Unbekanntes aus der Vergangenheit, nachvollziehbare Gründe und überraschende Begegnungen, die manche Frage beantworten. Wie immer, wenn die Geschichte aus der Jetztzeit aufgerollt wird, meint man das Wesentliche zum Ausgang schon zu wissen, wird hier aber doch wieder überrascht! Es hat sich gelohnt. #DieVerlorene #MiriamGeorg #NetGalleyDE! #KathrinliebtLesen #Bookstagram #Rezension
Ich weiß jetzt schon, dass es eines der Highlights 2026 werden wird. Wie schafft es Miriam Georg nur, einen immer wieder so zu fesseln und wirklich mit jedem Roman, besser zu werden. 5 Sterne reichen nicht aus
Gegen Mitte des Buches konnte ich nicht mehr aufhören zu lesen. Das Ende hat mich wirklich überrascht! Ein tolles Buch über die Zeit während und nach des zweiten Weltkriegs in Schlesien.
Ich habe das Buch wahnsinnig gerne gelesen. Nach ihren bisherigen Geschichten ist dieses Buch eine für mich überraschende Abwechslung. Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen. Einmal wird die Gegenwart erzählt. Änne stürzt in ihrem Haus und verletzt sich schwer. Sie fällt in ein Koma und verstirb kurz darauf. Schon Ännes Krankengeschichte wirft bei Laura und ihrer Mutter Ellen erste Fragen auf, denn es scheint einige Unstimmigkeiten zu geben, die sich beide nicht erklären können. Laura findet im Nachlass ihrer Großmutter einige persönliche Dinge, die nicht zu den wenigen Informationen passen, die Änne ihnen im Laufe ihres Lebens über ihre Vergangenheit erzählt hat. Es tauchen weitere Fragen auf. Ellen, die als Nachkriegskind von jeher eine eher schwierige Beziehung zu ihrer eigenen Mutter hatte, fühlt sich jetzt erst recht von ihrer eigenen Mutter um Erklärungen betrogen. Laura versucht, ihre Mutter mit ihrer Großmutter nachträglich auszusöhnen und entwickelt auch selbst ein großes Interesse an ihrer eigenen Familiengeschichte. Sie macht sich auf die Suche nach dem Leben von Änne.
Die zweite Ebene erzählt die Geschichte der Familie Thomke, die in Schlesien ein Gut besitzt. Im Focus stehen hier die Zwillingstöchter Änne und Luise. Die beiden Mädchen haben eine sehr enge Beziehung zueinander. Während Luise ein lebensfroher Mensch ist, dem die Zuneigung der Menschen problemlos zuzufliegen scheint, ist Änne "anders". Sie ist nicht nur ruhiger, zurückhaltender und weniger nahbar, sie umgibt ein wenig eine ablehnende Aura. Sie wird häufig abgelehnt, fühlt sich ausgeschlossen und missverstanden. Ihre Beziehung zu ihrer Schwester ist einem Maße eng, die schon als krankhaft bezeichnet werden kann. Die Familie erlebt den Krieg in Schlesien, den Einmarsch der Roten Armee und die Neuordnung der Landesgrenzen nach dem Krieg.
Den Teil der Vergangenheit fand ich unheimlich stark geschrieben. Die Beschreibungen des Gutes mit all seinen Tieren, der Landschaft und dem Leben der Familie und mit den Fremdarbeitern sind so detailliert beschrieben, dass man das Gefühl hat als stiller Beobachter hinter einem Fenster zu stehen und dem Treiben zuzusehen. Die Ängste während des Krieges, die Unsicherheiten darüber, wie es weitergehen soll und was es zu tun gilt um das Überleben zu sichern. Georgs Stil passt hier einfach perfekt. Es ist hoch emotional und mit viel Fingerspitzengefühl geschrieben. Das Schicksal der Menschen ging mit beim Lesen unheimlich nahe. Die Figuren sind toll ausformuliert ohne überladen zu sein und wirken auf mich lebendig. Das zieht sich konsequent bis zum Ende und verdeutlicht die Dramatik in all seinen Facetten.
Den Gegenwarts-Teil fand ich schwächer. Aus der Geschichte von Änne und Luise kann man leicht ableiten, woher die Probleme zwischen Ellen und ihrer Mutter herführen. Die Interaktion zwischen Laura und Ellen empfand ich dagegen ziemlich blass. Es bleibt für mich oft oberflächlich, die Dialoge zwischen beiden wirken auf mich recht leblos. Lauras Recherche vor Ort zeigt zwar die Schwierigkeiten, die mit den Nachkriegswirren einhergehen. Sie stolpert aber für mein Empfinden von einem Glückstreffer zum nächsten, ohne selbst viel dazu beizutragen, bis dann eher zufällig Antworten findet.
Das Ende und die Auflösung, da hadere ich ein wenig mit mir. Auch hier ist mir zu viel Zufall im Spiel, es wirkt wenig glaubwürdig und ist mir dann insgesamt zu überzogen. Andererseits gibt es Aspekte, die auf mich dennoch authentisch wirken und den leicht negativen Eindruck des Ende dann doch etwas abmildern. Sehr gefallen dagegen hat mir, dass die Autorin bewusst einen Schlussstrich gezogen hat, der nicht allzu romantisiert ist.
Würde ich für das Buch eine Leseempfehlung aussprechen? Unbedingt! Die Kritik über das Ende ist wirklich meckern auf sehr hohem Niveau. Die Geschichte ist gefühlvoll, mitreißend und ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie Miriam Georg Details aus den ersten Kapiteln im Verlauf des Buches wieder aufgreift und in die Geschichte einarbeitet.
In dem Roman Die Verlorene versucht die junge Laura herauszubekommen, warum ihre vor kurzem verstorbene Großmutter Änne niemals von ihrer Vergangenheit in Schlesien gesprochen hat. Was ist damals geschehen ...
Änne, die Großmutter, ist zu Hause gestürzt und auf den Kopf gefallen. Sie liegt nun im Krankenhaus und ist nicht mehr ansprechbar. Die 93-Jährige mochte nie über ihre Flucht aus Schlesien sprechen und ihre Tochter Ellen war einfach noch zu klein, um sich überhaupt daran zu erinnern. Und so nimmt die alte Dame ihre Erinnerungen mit ins Grab. Ihre Enkelin Laura findet eine Kiste mit niemals abgeschickten Briefen und in der Küche ein Gemälde, das aus Polen ohne Absender der Großmutter Änne kurz vor ihrem Sturz zugestellt wurde. Laura möchte mehr wissen und macht sich auf die Suche nach Spuren aus der Vergangenheit. Sie reist nach Polen, in die alten schlesischen Gebiete, zu einem Ort, der auf keiner Landkarte verzeichnet ist.
Schlesien 1943: Änne lebt auf dem Dachboden den großen Gutshof in Schlesien. Sie darf den Dachboden nur bei Nacht verlassen, ihre Familie versorgt sie mit Nahrungsmitteln und allem anderen Wichtigen. Wenn sie auf die Toilette muss, dann darf sie den Nachttopf benutzen und nur selten ins Bad. Keiner darf wissen, dass das 17-jährige Mädchen dort oben versteckt ist, während ihre Zwillingsschwester Luise ein ganz normales Leben auf dem Gestüt führen kann. Aber warum musste das Kind sich dort oben verstecken? Sie neidet ihrer Schwester das freie Leben und muss mitansehen, wie sich Luise in den Kriegsgefangenen Karl verliebt.
Die Verlorene liest sich sehr angenehm und man fühlt sich von der Geschichte mitgenommen. Ich habe immer wieder meine Schwierigkeiten mit Geschichten, die in den Zeiten hin- und herspringen. Aber Miriam Georg hat diesen Drahtseilakt wirklich gut gemeistert. Allerdings sind mir ihre Umschreibungen manchmal ein wenig zu lang, zu ausgeschmückt. Sie erzählt aber sehr flüssig und nimmt den Leser auf eine aufregende Erforschung der Vergangenheit mit. Warum Änne auf dem Dachboden leben muss, wird allerdings erst in der Mitte des Buches klar. Ebenso wie Laura erfährt man nur zögerlich, was damals geschah. Warum Änne mit ihrer Tochter Elena/Elli Schlesien am Ende verlassen hat und wer das Gemälde geschickt hat, das zum Tode Ännes führte, bleibt auch bis zum Schluss ein Geheimnis
Spannende 512 Seiten laden dazu ein, ein bisschen die Geschichte Schlesiens zu studieren. Ich gebe ja zu, dass dieser Landstrich mir immer wieder durch die Lappen gegangen ist. Dass dort Menschen vertrieben wurden, dass dort die einheimischen Polen ihre Sprache nicht mehr sprechen durften, ist mir komplett verloren gegangen. Aber das kann ich ja ändern, mich mehr mit der Geschichte Schlesiens vertraut machen. Die Verlorene ist eine Familiensaga, die mitnimmt, die sich manchmal spannend wie ein Krimi liest. Von uns bekommt dieser Roman gerne 🐭🐭🐭🐭 eine wunderbare und manchmal nachdenkliche Unterhaltung.
Miriam Georg hat sie sich von ihrer eigenen Familiengeschichte und durch ihre Ausbildung zur Systemischen Therapeutin inspirieren lassen. Für "Die Verlorene" hat sie hier ein bisschen ihre eigene Familiengeschichte verarbeitet. Ihr Großvater hatte vor Jahren seine Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg in zwei Romanen verarbeitet, die aber niemals veröffentlicht wurden. Und auch ihre Großmutter stammt aus dem Sudetenland und wurde selber vertrieben. Miriam Georg ist 1987 geboren. Sie schrieb die Hamburg-Dilogien "Elbleuchten", "Das Tor zur Welt" und "Im Nordwind"
Als ihre Großmutter schwer erkrankt scheint es zu spät für all die Fragen die Laura quälen. Denn trotz der Erzählungen von Änne über die Sommer in Schlesien, sprach sie kaum über die Menschen ihrer Vergangenheit. Geheimnisse über die Vertreibung und die Flucht nach Deutschland mit ihrer kleinen Tochter Ellen liegen wie ein Schleier über der Familie. Kurzerhand entschließt Laura sich nach Polen zu fahren und das Gut zu suchen in dem ihre Großmutter aufwuchs. Doch ihre Suche nach der Vergangenheit bringt Wahrheiten an Licht, die alles erschüttern was Laura je zu wissen glaubte. Und plötzlich geht es nicht mehr nur um das Früher sondern auch um Lauras eigenes Glück.
Eine Geschichte, die mir den Atem geraubt hat, mich vergessen ließ das ich las und mich in eine Zeit entführte, die ich nur noch aus Erzählungen oder dem Schweigen kenne, das noch heute tiefe Gräben zieht. Die Autorin verwebt Gegenwart und Vergangenheit zu einer Erzählung über Krieg,Vertreibung und Verlust aber auch Stärke und den Mut die Wahrheit zu suchen. Verworrene Erzählungen, Lügen und Geheimnisse begleiten Laura auf ihrer Suche nach der wahren Geschichte ihrer Großmutter in Schlesien. Doch sie hat auch mit einem eigenen Problem zu kämpfen, dessen Grund tiefer in der Vergangenheit verwurzelt liegen könnte als sie ahnt. Durch Schweigen und Hass, Unverständnis und Lügen getrennt, beschließt Ellen schlussendlich sich ebenfalls auf die Suche zu begeben, doch kann sie die Wahrheit mit ihrer Mutter versöhnen? Änne, eine Frau voller Geheimnisse. Über ihre Kindheit spricht sie nicht, nur selten erzählt sie von einem Hof mit Pappelwald und den Pferden. Doch ihr Tod offenbart seltsame Ungereimtheiten. Bringt ein Foto Licht ins dunkle? Eine junge Liebe voller Hoffnung, ein Geheimnis, dass die Familie für immer zerreißt. Voller Spannung und Gefühl zog mich die Geschichte immer weiter in Bann und ich konnte sie kaum aus der Hand legen. Der bildliche aber leichte Schreibstil ließ mich schnell in das Geschehen eintauchen und ließ den Figuren Raum sich zu entwickeln. Besonders die Frauen in dieser Geschichte sind sehr nah und eindrücklich. Da aus verschiedenen Perspektiven und verschiedenen Zeiten berichtet wird bekommt jede ihre eigene Stimme. Zweifel, Ängste innere Kämpfe und die Zerrissenheit sind sehr ergreifend beschrieben und zeichnen Figuren mit denen man Mitfühlt und Leidet. Eine Geschichte, deren Bilder mich in Atem hielten, einige Szenen konnte ich kaum lesen, so sehr haben sie mich bewegt. Eine Empfehlung für alle, die Historische Geschichten lieben und sich in einer Familiengeschichte verlieren wollen.
„Die Verlorene“ ist Miriam Georgs persönlichstes Buch, wie sie im Nachwort verrät. Es ist nicht autobiographisch und doch erzählt es viel von ihrer Familie. Von ihrem Großvater etwa, der mit gerade mal zweiundzwanzig Jahren auf der Krim stationiert und dann Jahre in russischer Gefangenschaft war, der als anderer Mensch heimgekehrt ist. In kleinen Schnipseln hat er ab und an erzählt, das meiste aber für sich behalten, wie so viele, die über ihre traumatischen Erlebnisse nicht sprechen konnten.
Miriam Georg hat mich sofort ins Buch gezogen und auch jetzt, nachdem ich um die ganze Geschichte weiß, bin ich noch bei ihnen. Bei Änne, die im hohen Alter gestorben ist, die von Schlesien erzählt hat, über ihre Familie jedoch hat sie geschwiegen. Laura, ihre Enkelin, findet in einer Pferdeskulptur aus Ännes Nachlass ein Bild, das ihre Großmutter in jungen Jahren zeigt, auf der Rückseite jedoch liest sie den ihr unbekannten Namen Luise. Was hat es damit auf sich? Kurzerhand beschließt Laura, auf den ehemaligen Gutshof der Familie zu fahren, der im heutigen Polen liegt. Ellen, ihre Mutter, will nicht mit, kommt aber ein paar Tage später dann doch nach – die beiden Frauen graben tief in der Vergangenheit. Was sie zutage fördern, ist so unglaublich und doch so erschreckend real…
…der Blick zurück beginnt 1941 auf der Krim mit Karl, der sich vor dem Feindesbeschuss in einen Schützengraben rettet. Mit einem Brief, den er immer wieder hervorholt. „Komm heim“ - geheimnisvolle Worte. Waren es tröstliche Worte? Worte voller Sehnsucht?
Zwei Zeitebenen sind es, die sich abwechseln. Wobei ich die Erzählung um die Kriegsjahre noch ein Stück weit intensiver empfinde. Das Leben auf dem Gutshof der Familie und der Helfer in Haus und Hof, die auch aus Kriegsgefangenen bestehen, ist hart. Es gilt, eine Krankheit zu vertuschen, denn die Deutschen fackeln nicht lange. Die Vernichtung lebensunwerten Lebens schwebt im Raum und nicht zuletzt treibt sie auch die Furcht vor den Russen um. Das Traumata um diese Kriegsjahre ist greifbar. Es geht um Vertreibung und Verlust - nicht nur von Hab und Gut - und um familiäre Geheimnisse, die ein Leben lang nicht angesprochen werden.
Diese beiden Erzählebenen nähern sich immer mehr an. Ich bin tief erschüttert, fühle mit ihnen, begreife das ganze Ausmaß dieser dramatischen, so traurigen und der so eindringlich erzählten Geschichte erst ganz zum Schluss so richtig, der so einiges vom meinem Denken, von meinen vorschnellen Urteilen, zurechtrückt. „Die Verlorene“ ist ein Roman, der im Gedächtnis bleibt und trotz aller Tragik ist es ein wundervolles, ein sehr lesenswertes Buch.
Wenn Lauras Großmutter Änne über ihre Vergangenheit in Schlesien erzählt, dann nur über die goldenen Sommer, nie über ihre Familie und Freunde. Außer ihrer Tochter Ellen und ihrer Enkelin scheint die alte Dame niemand mehr zu haben. Laura hat immer wieder versucht, mit ihrer Großmutter über ihre Vergangenheit zu reden. Jetzt gibt es keine Gelegenheit mehr dazu, denn Änne ist nach einem Sturz in ihrem Haus gestorben. Als Laura und Ellen beginnen, ihren Besitz durchzusehen, stoßen sie auf ein altes Foto von Änne. Aber auf der Rückseite steht ein anderer Name.
Miriam Georg erzählt Ännes Geschichte auf zwei Zeitebenen. In der Gegenwart versuchen Ellen und Laura, das Rätsel um die Vergangenheit ihrer Mutter und Großmutter zu lösen, aber auch das schwierige Verhältnis untereinander zu kitten. Änne hat die Versorgungsvollmacht nicht ihrer Tochter, sondern ihrer Enkelin übertragen. Für Ellen war das nur ein weiterer Beweis, dass ihre Mutter sie nie wirklich geliebt hat. Sie ist darüber so verbittert, dass sie nicht realisiert, wie sie mit ihrer eigenen Tochter das macht. Auch Laura fühlt sich durch das Verhalten ihrer Mutter oft zurückgewiesen.
In der Vergangenheit wird die Geschichte der jungen Änne und ihrer Familie erzählt. Das Mädchen auf dem Bild ist ihre Zwillingsschwester, die für Änne der wichtigste Mensch in ihrem Leben ist. Anfangs habe ich vieles, was sich auf dem Hof abgespielt hat, nicht verstanden. Änne musste ihre Tage in einem Zimmer unterm Dach versteckt verbringen, aber warum? Ich hatte auch den Eindruck, als ob die Eltern, zumindest der Vater, sie ablehnten. Vielleicht nicht sie, aber das enge Verhältnis, das sie zu ihrer Schwester hatte.
Deswegen hat sie mir auch leidgetan, aber auf der anderen Seite war Änne kein einfacher Charakter. Die Liebe zu ihrer Schwester grenzt an Besessenheit. Sie kann niemand anderen an Luises Seite ertragen und unternimmt alles, damit es nur sie und ihre Schwester gibt. Dabei überschreitet sie Grenzen und das alles im Namen der Liebe zu ihrer Schwester. Auf der anderen Seite ist sie auch diejenige, die den und seine Bewohner während des Kriegs rettet. Ihr Charakter hat viele Facetten, aber keine von ihnen hat sie für mich zu einer angenehmen Person gemacht.
Trotzdem fand ich den Handlungsstrang, der in der Vergangenheit spielt, stimmiger als den in der Gegenwart. Da haben die Charaktere nur halbherzig agiert und sich von den Ereignissen tragen lassen, anstatt proaktiv zu sein. Trotzdem nähern sich die Vergangenheit und die Gegenwart einander an und verbinden sich zu einem stimmigen Ganzen.
Nach dem Verlust ihrer Großmutter Änne werden Lauras Fragen über Ännes Vergangenheit immer größer. Laura findet alte Erinnerungen, die sie schließlich nach Schlesien führen und Laura erkennt, dass die Geschichte ihrer Großmutter komplexer ist, als sie jemals vermutet hätte.
Die Verlorene von Miriam Georg spielt auf zwei Zeitebenen. Wir befinden uns einerseits in Schlesien in den 1940ern und 2019 in Frankfurt und Schlesien. Während wir die 1940er aus vielen Perspektiven erleben, aber vorwiegend aus Ännes, erleben wir die 2019 primär aus Lauras Perspektive.
Der Einstieg fiel mir für ein Buch der Autorin ungewöhnlich schwer und ich habe lange gebraucht, um vor allem mit den Charakteren aus 2019 warm zu werden. Ihre Gedanken und Handlungen waren für mich nicht ganz greifbar und teilweise selbst in späteren Verlauf zu sehr auf den Zufall basiert. Dieser muss gewiss bei einer solchen Reise auch mitspielen, aber dennoch fehlte mir ein geplantes Verhalten, das zu Ergebnissen führt.
Gleichzeitig sorgte der Inhalt aus 2019 dafür, dass ich mir bereits nach 100 Seiten ziemlich sicher war, wie sich die Geschichte um Änne auflösen wird und war dementsprechend am Ende auch zu keiner Zeit überrascht. Ein Effekt der bei historischen Romanen natürlich nicht zwingend erforderlich sein muss, aber die Geschichte hätte ihn durchaus hergegeben.
Das sind dann aber auch schon die wenigen Kritikpunkte die ich habe, ansonsten mochte ich auch Die Verlorene wieder sehr gerne und dabei besonders die 1940er Jahre in Schlesien, die eindrücklich waren und die aufzeigen, was kleine Entscheidungen für Generationen bewirken können. Besonders stark empfand ich die wenigen Szenen aus der Perspektive Karls, im Zusammenhang mit dem Nachwort konnte ich mir auch erschließen warum dies so ist und kann an dieser Stelle auch nur empfehlen, dass auch das sehr starke und persönliche Nachwort gelesen werden sollte.
Miriam Georg schafft es mit Die Verlorene ein Bewusstsein für die eigenen Vorfahren und ihr Erlebtes zu erschaffen, dafür dass sie mehr als „Mutter, Vater, Großmutter, Großvater“ sind und dass sie ihre ganz eigene Geschichte besitzen, mit Träumen, Hoffnungen, aber auch Schicksalsschlägen und öffnet damit ein Ohr für genau das: Den Mensch hinter der Mutter, dem Vater, der Großmutter und dem Großvater zu sehen und beim nächsten Treffen Fragen zu stellen, an die man vor der Lektüre vielleicht nicht gedacht hat.
Die verlorene Geschichte der Großmutter „Die Verlorene“ ist ein berührender und tiefgründiger Roman, der gleich mehrere Generationen miteinander verwebt und sich behutsam einem lange verdrängten Familiengeheimnis nähert. Im Mittelpunkt steht Laura, die nach dem Tod ihrer Großmutter Änne beginnt, deren Vergangenheit zu erforschen. Bisher wusste sie nur von Ännes Erinnerungen an die Sommer in Schlesien, doch über die Menschen und das Leben damals hatte Änne stets geschwiegen. Erst als Laura Briefe und Dokumente entdeckt, beginnt sie, den Spuren ihrer Familie zu folgen, und stößt auf eine Geschichte, die weit mehr verbirgt, als sie je geahnt hätte. Der Roman bewegt sich geschickt auf zwei Zeitebenen: In der Gegenwart begleitet man Laura auf ihrer emotionalen Reise nach Polen, wo sie versucht, das ehemalige Gut der Familie zu finden und Antworten auf die vielen offenen Fragen zu bekommen. In der Vergangenheit erleben wir Ännes Kindheit und Jugend auf dem Gutshof, geprägt vom Zweiten Weltkrieg, gesellschaftlichen Zwängen und persönlichen Tragödien. Miriam Georg gelingt es, die Zeitgeschichte authentisch und lebendig einzufangen. Die bedrückende Atmosphäre während der Nazizeit, das zunehmende Misstrauen, die Angst und das Schweigen. All das wird eindrucksvoll und zugleich sensibel beschrieben. Besonders stark ist die Darstellung der weiblichen Perspektive: Die inneren Konflikte, das Schweigen über Schuld und Verlust und die Kraft, trotz allem weiterzumachen, ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch. Die Charaktere sind fein gezeichnet, besonders die drei Frauen – Änne, ihre Tochter Ellen und Enkelin Laura – wirken vielschichtig und glaubwürdig. Man kann sich gut in ihre Gedanken und Gefühle hineinversetzen. Auch das langsame Aufdecken der Geheimnisse wird spannend und mit viel Fingerspitzengefühl erzählt. Keine plötzlichen Wendungen, sondern ein leises, stetiges Annähern an die Wahrheit. „Die Verlorene“ ist mehr als ein Familienroman. Es ist ein Buch über Erinnern und Schweigen, über generationsübergreifende Traumata und die Suche nach Identität. Die Autorin verarbeitet dabei auch eigene familiäre Erfahrungen, was dem Roman zusätzliche Tiefe und Authentizität verleiht. Ein fesselndes, emotionales Buch, das lange nachwirkt. Wer Geschichten mag, in denen sich Vergangenheit und Gegenwart zu einem dichten Geflecht verweben, wird „Die Verlorene“ kaum aus der Hand legen können. 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.
Mit dem Buch " Die Verlorene" hat die Schriftstellerin Miriam Georg den Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, wie hier Schlesien ein Denkmal gesetzt. Ich finde , es ist ihr mit diesem Roman ein großer Wurf gelungen. Das Buch berührt und setzt das Thema Flucht, was ja auch bei uns ein großes Thema ist noch mal in einen wichtigen Kontext.
Geschrieben ist das Buch auf zwei Zeitebenen. 2019 und 1944/45.
2019. Änne die Mutter von Ellen und Großmutter von Laura stürzt bei dem Versuch mit einer Leiter das obere Fach ihres Schranlkes zu erreichen. Da Änne schon hoch betagt ist, ist dieser Stürz für sie lebensgefährlich. Sie fällt ins Koma und verstirbt. Ellen, die immer ein etwas distanziertes Verhältnis zu ihrer Mutter hatte, weil sie auf viele Fragen von Ellen keine Antwort gab, ist schockiert, auch deshalb, weil sie nun keine Antworten bekommt. Als Laura, Ännes Enkelin, ein Bild findet und die Geburtsurkunde von einer Elena, beschließt sie dem Geheimnis ihrer Großmutter auf den Grund zu gehen und nach Schlesien zu reisen auf den Pappelhof, dem Geburthaus ihrer Großmutter.
In Rückblicken erfahren wir nun Ännes Geschichte und die ihrer Familie, vor allem aber auch vieles über ihr enges Verhältnis zu ihrer Schwester Luise.
Was für ein Buch ! Selten hat mich ein Buch so berührt und mitgenommen, wie " Die Verlorene". Sicherlich hat man schon viele Bücher über diese Zeit gelesen und auch Fluchtgeschichten gehört, doch dieses Buch vereint sehr viel. Die Situation von Menschen , die anders waren und die daraus resultierenden Konsequenzen, die Situation von Menschen, die nach der Kapitulation ihre Heimat verloren ohne dafür verantwortlich zu sein und bedingungslose Geschwisterliebe. Miriam Georg hat als Grundlage für dieses Buch Manuskripte ihres Vaters genutzt, um diesen Roman zu schreiben, denn ihr Vater hatte seine Geschichte aufgeschrieben, fand jedoch keinen Verlag, weil nach dem Krieg niemand mehr etwas von Krieg und Flucht lesen wollte. Ihr Vater wäre sicher sehr stolz auf sie, wenn er dieses Buch lesen würde, denn es ist ein Buch das nicht nur ein Denkmal für die Menschen aus den Ostgebieten ist, sondern auch ein Buch das dem Leser lange im Gedächtnis bleiben wird, weil es die Vergangenheit lebendig hält, was ich als sehr wichtig empfinde.
Viele Kinder aus den letzten Kriegsjahren kennen nicht ihre komplette Familiengeschichte. Teils wachsen die Kinder ohne Vater oder bei Adoptiveltern auf und erfahren die Wahrheit erst Jahre später. So auch in „Die Verlorene“ von Miriam Georg.
Lauras Großmutter Änne stirbt nach einem Sturz. In ihren Nachlass finden sich Dokumente, die Laura und ihre Mutter Helen stutzig machen. Die Enkelin begibt sich auf Spurensuche in Schlesien… Im Schlesien der 1940er Jahre lebt Änne mit ihrer Zwillingsschwester Louise und den Eltern. Zwangsenteignung, Tod, Armut und Kriegsgefangene als Arbeitskräfte stehen auf der Tagesordnung. Doch was sind das für Anfälle, die Änne hat? Und warum muss sie sich verstecken? Ich finde den Roman sehr beeindruckend. Es gelingt, eine Brücke zwischen den damaligen Schlesien und Deutschland in der Gegenwart zu bauen. Änne und Laura sind starke Protagonistinnen auf der Suche nach Wahrheit, was damals wie heute ein relevantes Thema ist. Georg gelingt es, die beiden Zeitebenen durch Themen wie Familie, Schwangerschaft, Generationskonflikte und Ähnliches zu verweben. Jede Zeit stellt die Probleme auf ihre Weise dar, aber im Kern sind sie ähnlich.
Schlimm finde ich persönlich, dass Änne sich damals verstecken musste und selber nie erfahren hat, warum. Sicher, Kinder mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen wurden damals getötet, aus heutiger Sicht versteht man das Versteckspiel, aber Änne war sich über ihre Krankheit nicht selber bewusst. Sie hatte nicht die Möglichkeit, sich behandeln zu lassen- auch später nicht, als es Therapie gab.
Ein weiterer für mich wichtiger Aspekt ist der Fakt, dass generell nicht aufgearbeitet wurde. Laura und Helen wissen gar nichts über die Jugend ihrer Mutter und Oma. So viel Wirrwarr ist zwar nicht unüblich, allerdings sehr belastend. Auch für Änne muss es eine Qual gewesen sein, nie darüber zu sprechen. Sie kannte es vermutlich durch das Versteckspiel nicht anders, allerdings führen mir gerade solche Geschichten vor Augen, wie drastisch es damals war. Ich mochte den Roman sehr gerne. Nicht zu aufgeregt, aber mit der nötigen Distanz und Tiefe wird von einer Familie berichtet, die exemplarisch für viele steht. Ich gebe fünf Sterne.
Klappentext: Lauras Großmutter Änne hat oft von den goldenen Sommern in Schlesien erzählt. Über die Menschen von damals wollte sie jedoch nie sprechen. Als Änne schwer erkrankt, scheint es Laura auf einmal zu spät für all ihre unausgesprochenen Fragen. Auf der Suche nach Antworten fährt sie zum ehemaligen Gutshof ihrer Familie und taucht immer tiefer ein in die Vergangenheit. Dabei stößt sie auf schmerzliche Wahrheiten, die das Bild der Frau, die ihr so vertraut war, erschüttern. Und plötzlich geht es nicht mehr nur um Fragen nach dem Früher, sondern auch um Lauras eigenes Glück.
„Die Verlorene“ ist wieder eine große Familiengeschichte von Miriam Georg. Die Autorin hat mich schon mit einigen Romanen begeistert. Auf das neue Werk habe ich mich schon gefreut.
Im Mittelpunkt stehen Laura und Änne, ihre Großmutter. Die Geschichte hat zwei Zeitstränge. Einmal begleiten die Leser*innen Laura, die sich mit der Familiengeschichte beschäftigt. Laura erzählt ihre Geschichte in einem sehr ruhigen Ton, bleibt dabei eher blass. Die Hauptfigur ist zweifelsfrei Änne. Sie führt uns in die Vergangenheit und erzählt ihre Geschichte. Aufgewachsen ist Änne auf einem Gutshof in Schlesien. Sie bekommt ein Paket mit alten Bildern. Interessiert tauchen bei Laura Fragen auf. Laura möchte die alte Heimat ihrer Großmutter besuchen. Dort erfährt sie ungeahnte Wahrheiten. Es zeichnet sich nach und nach ein ganz anderes Bild von ihrer Großmutter auf.
Miriam Georg kann einfach Geschichten erzählen. Ihre Charaktere sind immer richtig lebendig. Die Zeit der Handlung fängt die Autorin immer gut ein. Kleinigkeiten, wie übliche Alltagsgegenstände aber auch die Landschaften und der Gutshof versetzten die Leser*innen in eine vergangene Zeit.
Miriam Georg erzählt fesselnd und gleichzeitig berührend. Mich hat die Geschichte von Änne sehr berührt. Man konnte zwar nicht jede Handlung der Frau nachvollziehen, muss aber immer die Zeit im Auge bezahlten. Flucht und Vertreibung lassen die Personen nicht immer so handeln wie man es auf dem Sofa vielleicht erwartet.
Miriam Georg wurde von der Geschichte ihrer Großmutter zu „Die Verlorene“ inspiriert. Die Autorin teilt hier auf wunderbare Weise ihre persönliche Geschichte mit den Leser*innen.
Mir ist die Autorin schön von anderen historischen Romanen bekannt. Immer spannend und gut recherchiert geschrieben. Bei diesem Buch hat sie sich selbst übertroffen. Jede Figur vor allem die Frauen stehen neben mir beim Lesen., als ob sie mir zusehen wie meine Emotionen über mein Gesicht gleiten. Freude bei dem Gedanken endlich schwanger zu sein, auch die Angst davor. Die Angst vor der Entdeckung, die Sorge um die Familie, das Grauen vor dem Krieg und seine Folgen. Es ist als ob das Buch mich eingesogen hat und ich alles erlebe was Louise, Änne, Laura, Ellen und die anderen mit gemacht haben. Es geht nicht nur um die Jahre des Krieges sondern auch um die Folgen für die Generationen danach. Vor allem die Sprachlosigkeit unserer Großmütter die die schlimmste Opfer und Folgen ertragen mussten. Ich könnte auch nicht darüber reden. Daher müssen wir Jüngeren eigentlich Verständnis haben, das ist schwierig denn wir fühlen uns verletztt von dem Schweigen, der ungewollten Lieblosigkeit der Altvorderen.. Die Autorin erzählt in zwei Zeitebenen die Kriegsjahre in Schlesien bis zum Ende ist dort wenig zu spüren, außer dass die Männer an der Front sterben, und die Verfolgung anders Denkender, Juden oder Menschen mit Handicap verfolgt werden, ist hier bis auf die viele Arbeit fast eine heile Welt, die Kinder werden sogar aus den Städten dorthin in Sicherheit gebracht. In der Gegenwart 2019 versuchen Laura und ihre Mutter Ellen das Leben von Änne ihrer Großmutter und Mutter nach ihrem Tod nach zu vollziehen. Unmöglich weil ihnen Änne anscheinend Lügen erzählt hat, wenn sie denn überhaupt gesprochen hat. Auf der Reise in das heutige Polen klären die beiden die vielen Fragen und finden Erklärungen für Ännes Verhalten. Die Autorin hat sehr viel Empathie in ihr Buch gelegt. Zwischen den Zeilen steht sehr viel Verständnis auch für die Fehler die die eine oder andere Person macht. Sie werden nicht entschuldigt sondern so verstanden, dass wäre die Situationn eine andere gewesen, wäre nichts passiert.
Ich lese immer sehr gerne historische Romane, die mich in eine andere Zeit führen und mich berühren können. Die Autorin kannte ich schon von anderen Büchern und ich habe sie immer sehr gerne gelesen, daher war ich sofort neugierig auf das neueste Werk von ihr. Ich wurde wiedermal nicht enttäuscht sondern habe ein paar sehr bewegende und besondere Stunden mit der Geschichte verbracht!
Die Story dreht sich um Lauras Großmutter Änne, diese hat oft von den goldenen Sommern in Schlesien erzählt. Über die Menschen von damals wollte sie jedoch nie sprechen. Als Änne schwer erkrankt, scheint es Laura auf einmal zu spät für all ihre unausgesprochenen Fragen. Auf der Suche nach Antworten fährt sie zum ehemaligen Gutshof ihrer Familie und taucht immer tiefer ein in die Vergangenheit. Dabei stößt sie auf schmerzliche Wahrheiten, die das Bild der Frau, die ihr so vertraut war, erschüttern. Und plötzlich geht es nicht mehr nur um Fragen nach dem Früher, sondern auch um Lauras eigenes Glück.
In die Geschichte habe ich ohne Probleme reingefunden, denn der Schreibstil ist locker- leicht und deshalb hat sich schnell ein angenehmer Lesefluss ergeben. Die Seiten sind nur so dahingeflogen, weil ich immer wissen wolle die Geschichte weitergeht. Die Autorin hat es geschafft Schlesien lebendig und bildhaft zu beschreiben, das Hofgut inmitten von Natur und grünen Wiesen muss einfach wunderschön sein und ich hatte es richtig vor meinen inneren Augen. Auch die Geschichte um Änne und Luise in der Vergangenheit wird sehr berührend und bewegend erzählt. Man erlebt mit ihnen die letzten Kriegsjahre mit, mit Zwangsarbeitern auf dem Hof und später auch nach Kriegsende die Schrecken der Russen und Polen. Aber auch die Gegenwart konnte mich in den Bann ziehen und ich habe die Charaktere in der Geschichte richtig lieb gewonnen. Es gibt einige Spannende Wendungen mit denen ich nicht gerechnet habe und die Geschichte insgesamt konnte mich von Anfang bis Ende sehr gut unterhalten.
Fazit: Eine berührende Familiengeschichte auf zwei Zeitebenen, die überzeugen kann!
Die Verlorene ist ein unglaublich fesselnder Roman von Bestsellerautorin Miriam Georg. Änne, die Mutter von Elena und die Großmutter von Laura, hat zwar von ihrer alten Heimat Schlesien erzählt, aber nie von den Menschen dort. Als Änne im Sterben liegt, findet Laura in ihrem Schrank eine Kiste mit Briefen. Sind es Liebesbriefe an Elenas Vater, der im Krieg geblieben ist? Nach dem Tod von Änne beschließt Laura nach Schlesien zu fahren, um mehr über ihre Großmutter Änne zu erfahren. Sie spürt, dass es Geheimnisse gibt. Was sie aber dann dort erfährt, lässt sie und ihre Mutter Elena an allem zweifeln, was ihre Mutter je erzählt hat. Aber warum hat ihre Mutter entweder eisern geschwiegen, oder ihnen Lügen erzählt? Was ist damals in Schlesien passiert? Was Laura und ihre Mutter erfahren, schockiert sie sehr. Doch Elena kann endlich verstehen, warum ihr Verhältnis zu ihrer Mutter immer etwas schwierig war. Die Verlorene hat mich unglaublich gefesselt. Die Geschichte ist am Anfang geprägt vom schwierigen Verhältnis der Frauen. Der überwiegende Teil der Geschichte erzählt von Ännes Kindheit in Schlesien, ihrer Familie und den Kriegsjahren. Die Geschichte nimmt stetig an Spannung zu und irgendwann konnte ich das Buch nicht mehr zur Seite legen. Mit über 500 Seiten ist das Buch auch eine längere Lektüre, aber es wird nicht langweilig. Die Geschichte ist sehr emotional geschrieben und beim Lesen war ich immer wieder erstaunt, welche Strapazen die Frauen im Krieg ausgehalten haben und wie sie mit Schicksalsschlägen und Gewalt umgingen. Obwohl ich schon einige Romane gelesen habe, die während der Kriegsjahre spielen, hat mich dieser Roman sehr berührt. Die Stärke, die diese Frauen während des Krieges zeigen mussten, lässt sich heutzutage fast nicht mehr nachvollziehen. Besonders gut gefallen hat mir auch die Veränderung in der Beziehung von Elena und Laura. Ein Buch, das ich nur empfehlen kann und das für mich ein absolutes Lesehighlight ist!
Ich durfte dieses Buch im Zuge einer Leserunde bereits vorab lesen und es war mein erstes Buch der Autorin. Ich hatte das Buch bereits auf meiner Wunschliste und wollte es unbedingt lesen und hab mich sehr gefreut, als ich die Gewinnbenachrichtigung bekam. Es geht um eine unglaubliche Familiengeschichte, wo nichts so ist, wie es scheint. Der Schreibstil ist wunderschön und lebendig und ich mochte auch das Setting sehr, obwohl das Buch aus zwei Zeitebenen geschrieben wurde und eine davon, die Vergangenheit im 2. Weltkrieg spielt. Die Stimmung der Geschichte ist zunehmend düster und sehr bedrückend, gleichzeitig ist es super spannend und interessant zu Lesen und ich habe beim Lesen wirklich die volle Breitseite an Emotionen durchlebt. Wut, Trauer, Entsetzen, Hoffnung, Schock und das teilweise alles gleichzeitig. Es geht um Änne und ihre Familie und um Ellen und Laura, Mutter & Tochter. Änne ist ein sehr spezieller Charakter und sie hat mich die meiste Zeit einfach nur fassungslos gemacht mit ihrem Verhalten. Ich finde die Geschichte unglaublich berührend und authentisch, ich kann es noch gar nicht so richtig in Worte fassen, was ich für dieses Buch und diese Geschichte empfinde. Am Anfang war ich etwas skeptisch, weil es mich sehr stark bedrückt hat, aber relativ schnell hat die Geschichte so einen Sog auf mich gewirkt, dass ich das Buch am liebsten inhaliert hätte. Ein Buch über starke Frauen, Familiengeheimnisse, das Leben im Krieg und einfach nur eine absolute Leseempfehlung! Ich fand es absolut grandios und vorallem erinnert diese Geschichte daran: unsere Großeltern sind nicht nur Großeltern, sondern sie haben alle ein eigenständiges Leben vor uns geführt. Wir sehen nur einen Teil davon und wie gerne würde ich jetzt mit meinen über ihre Vergangenheit reden. Leider ist mir das nicht mehr möglich. Ich glaube diese Geschichte wird mich noch sehr lange beschäftigen. Absolutes Must Read!
Tragische, erschütternde Familiengeheimnisse auf zwei Ebenen erzählt
Dass Lauras Großmutter Änne in Schlesien aufwuchs und nach dem Krieg ihre Heimat verlassen musste, weiß Laura bereits. Aber was Änne sonst noch über ihre Familie erzählt, mag irgendwie nicht so recht zusammenpassen. Als Laura auf Fotos eine bisher unbekannte Schwester Ännes entdeckt, kommen Fragen auf, die Änne leider nicht mehr beantworten kann. Also reist Laura nach Polen, um das Gut zu suchen, auf dem Änne aufwuchs. Ob sie dort Antworten finden wird?
Miriam Georg schreibt auf zwei Ebenen. Sie schildert Ännes Geschichte (von 1943 an) vor ihrer Flucht aus Schlesien und Lauras aktuelle Situation 2019, wie diese mehr über Ännes Vergangenheit erfahren möchte. Der Schreibstil liest sich angenehm, flüssig und leicht.
Änne ist eine unbequeme Hauptfigur. Sie hat es von Anfang an schwer mit anderen Menschen und wirkt sehr unzugänglich. Doch für ihr Verhalten gibt es einen nachvollziehbaren Grund. Und der Schein, dass sie eine Einzelgängerin ist und niemanden sonst braucht, trügt. Eine bestimmte Person bedeutet ihr alles… Mit Laura hatte ich so meine Schwierigkeiten. Ich empfand sie als schwer fassbar, „blass“ und spröde, fand keinen Zugang zu ihr.
Wieder einmal erzählt Autorin Miriam Georg eine hochdramatische, historische Geschichte. Ännes schweres Schicksal ist berührend und wird absolut mitreißend dargestellt. Änne gibt trotz vieler Rückschläge nicht auf, zeigt in ihrem Unglück stets bemerkenswerte Stärke. Die Geschichte um Laura hat mich allerdings weniger überzeugt, im Vergleich zu Ännes Perspektive empfand ich Lauras als deutlich schwächer. Wie die beiden Handlungen zusammengeführt werden, war für mich zwar nachvollziehbar, der doch recht überraschende, unglaubliche Schluss wirft allerdings Fragen auf. Insgesamt ein toller, packender Schmöker, aber nicht ganz so stark, emotional und dramatisch wie Georgs vorherige Romane.
Mit 'Die Verlorene' hat Miriam Georg uns einen wirklich unterhaltsamen und zugleich bewegenden Roman vorgesetzt. Er vereint vieles, was ich besonders schätze: eine vielschichtige Familiengeschichte, zwei Handlungsstränge auf unterschiedlichen Zeitebenen sowie einen Roman über Frauen und ihre Schicksale.
Der erste Handlungsstrang spielt im Jahr 2019 in Frankfurt. Laura stößt auf ein lange verborgenes Familiengeheimnis und macht sich daran, dessen Ursprung auf die Spur zukommen. Nach anfänglicher Skepsis lässt sich auch ihre Mutter Ellen auf diese Suche ein - ein Prozess, der für beide weitreichende Folgen hat.
Die zweite Zeitebene führt zurück ins Jahr 1943 nach Schlesien, auf den Pappelhof. Dort wachsen die Zwillingsschwestern Änne und Luise auf einem Pferdehof auf und erleben trotz der Kriegswirren zunächst eine behütete Kindheit und Jugend. Doch eine Krankheit zwingt Änne plötzlich dazu, im Verborgenen leben zu müssen. Ihr einziger Halt ist Luise - während sich für diese das Leben weiterdreht. Als schließlich der Kriegsgefangene Karl auf den Hof kommt, nimmt das Schicksal seinen Lauf ...
Ich mochte beide Handlungsstränge sehr gerne. Normalerweise fesselt mich vorallem die Vergangenheit, doch hier war ich ebenso gespannt auf die Entwicklung in der Gegenwart. Besonders eindrücklich fand ich die Darstellung vererbte Traumata und zu beobachten, wie sich die zunächst kühle Ellen Schritt für Schritt öffnet. In der historischen Ebene geschieht naturgemäß mehr, und mit beiden der Schwestern konnte ich intensiv mitfühlen. 'Die Verlorene ' ist ein Roman, der vieles vereint: Enteignung, Kriegstraumata, (Geschwister-)Liebe, Verlust und Mutterschaft - getragen von starken Frauenfiguren und sehr bildhaften Beschreibungen. Ich habe das Buch gelesen als auch gehört und konnte der Sprecherin Tanja Fornaro ausgesprochen gut lauschen.
Ein rundum gelungener Roman, den ich uneingeschränkt empfehlen kann. 📚✨️
Wow – was für ein Buch! Geschichtlich sehr interessant, spannend bis zum Ende, völlig unvorhersehbar, eine berührende Familiengeschichte – und dabei wunderbar geschrieben. Hier passt einfach alles! Laura hatte ein inniges Verhältnis zu ihrer Großmutter. Als diese in ihrem Haus einen Unfall erleidet, entdeckt Laura einen Karton mit Briefen und Gegenständen aus der Vergangenheit, die viele Fragen aufwerfen. Leider verstirbt ihre Großmutter kurz darauf – ohne ihr noch etwas erzählen zu können. Lauras eigene Schwangerschaft weckt in ihr den Wunsch, mehr über ihre Wurzeln zu erfahren. So reist sie nach Schlesien, der Heimat, aus der ihre Oma einst vertrieben wurde, in der Hoffnung, Antworten zu finden … In Rückblenden entfaltet sich eine vielschichtige Familiengeschichte. Miriam George hat viele Erlebnisse aus ihrer eigenen Familiengeschichte in diesen Roman einfließen lassen. Es gelingt ihr auf eindrucksvolle Weise, die Situation und Stimmung des Jahres 1944 – dem Ende des Krieges – lebendig und authentisch einzufangen. Wie haben die Menschen damals gelebt? Was haben sie durchgemacht? Welchen Ängsten waren sie ausgesetzt? All diese Fragen werden feinfühlig und bewegend beantwortet. Die Familiengeschichte ist unglaublich spannend – man fliegt förmlich durch die Seiten und kann das Buch, vor allem zum Ende hin, kaum noch aus der Hand legen. Besonders beeindruckend ist, wie die Autorin es schafft, schreckliche Ereignisse anzusprechen, ohne ins Detail zu gehen. So wird beispielsweise eine Vergewaltigung nicht explizit beschrieben, sondern nur deren Nachwirkungen thematisiert – was ich als sehr angenehm und respektvoll empfunden habe. Der Roman ist berührend, aber nie kitschig. Hier stimmt einfach alles! Ich spreche eine große Leseempfehlung für dieses hervorragende Buch aus.
Eine lang verborgene Familiengeschichte, die unter die Haut geht In diesem Roman nimmt uns die Autorin mit auf eine bewegende Reise in die Vergangenheit – genauer gesagt in die Zeit des Zweiten Weltkriegs in Schlesien. Nach dem Tod ihrer Großmutter Änni stößt Laura auf Hinweise, dass die überlieferte Familiengeschichte nicht der Wahrheit entspricht. Spontan begibt sie sich nach Schlesien, um den Geheimnissen ihrer Familie auf den Grund zu gehen.
Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt: einmal im Jahr 2019 und dann im Jahr 1943. Diese zwei Welten könnten unterschiedlicher nicht sein. Als Lesende taucht man sowohl in die Nachwirkungen des Krieges als auch in die beklemmende Atmosphäre der damaligen Zeit ein.
Die Charaktere sind mit viel Feingefühl und Tiefe gezeichnet – niemand bleibt flach oder klischeehaft. Jeder von ihnen trägt sein eigenes Päckchen mit sich, das ihn formt und seine Entscheidungen beeinflusst. Besonders beeindruckend ist, wie spürbar die Nachwirkungen des Krieges noch in der Gegenwart sind. Stück für Stück setzt sich das Puzzle zusammen und offenbart, was damals wirklich auf dem Pappelhof geschehen ist.
Der Schreibstil ist fesselnd und atmosphärisch – einmal begonnen, fällt es schwer, das Buch wieder aus der Hand zu legen. Am Ende gibt es eine komplexe und unerwartete aber stimmige Abrundung der Geschichte, auch wenn ich während des Lesens immer wieder eine leise Vorahnung hatte. Die geschichtlichen Hintergründe mit dem Gebiet Schlesien wurden auch super in die Geschichte eingearbeitet, ohne dabei zu viel Platz weg zu nehmen
Wer historische Familienromane liebt, wird mit diesem Buch eine außergewöhnlich berührende und spannende Geschichte entdecken. Auch da man merkt, dass die Autorin hier einen Teil ihrer persönlichen Familiengeschichte mit hat einfließen lassen. Eine absolute Leseempfehlung!
"Die Verlorene" beginnt im Jahr 2019, wo Laura nach dem Tod ihrer Großmutter Änne, die zu den Vertriebenen aus Schlesien gehörte, einige Sachen findet, die sie dazu bringen, Nachforschungen der Familiengeschichte anzustellen und dafür sogar selbst in die ehemalige Heimat ihrer Großmutter zu fahren. Da ihre Großmutter nie davon erzählen wollte, möchte sie wissen, was damals passiert ist. Es wird immer gewechselt zwischen dem Handlungsstrang 2019, wo Laura mehr und mehr über die Vergangenheit ihrer Großmutter herausfindet und zwischen der Geschichte ihrer Großmutter und deren Familie 1943-1946 auf ihrem Gutshof in Schlesien.
Obwohl der Roman 500 Seiten hat, war er tatsächlich die ganze Zeit über spannend und durch den angenehmen Schreibstil sehr schnell zu lesen. Beide Handlungsstränge waren interessant und gut geschrieben. Ich wusste vorher tatsächlich nicht so viel über die Geschichte der Ostgebiete des Deutschen Reiches, sodass ich beim Lesen auch einiges gelernt habe, obwohl ich schon viele Romane, die in dieser Zeit spielen, gelesen habe. Die Geschichte hat zwar aufgrund des Themas viele traurige und tragische Momente, ist aber durch die Erzählweise distanziert genug, sodass es trotzdem emotional erträglich ist und gleichzeitig werden die furchtbaren Sachen angemessen behandelt und aufgearbeitet. Das hat mir wirklich gut gefallen. Teilweise finde ich aber einige Wendungen der Geschichte ein bisschen vorhersehbar bzw. klischeehaft und nicht wirklich glaubwürdig, was schade ist, da das Buch auch ohne diese Wendungen spannend und wirkungsvoll/ dramatisch genug wäre. Das ist aber mein einziger Kritikpunkt und ich werde auf jeden Fall nach weiteren Romanen der Autorin Ausschau halten.
Für Fans von historischen Romanen ist "Die Verlorene" auf jeden Fall absolut zu empfehlen!
„Die Verlorene“ ist ein sehr persönlicher Roman der in Berlin-Neukölln lebenden Autorin Miriam Georg.
Die Handlung beginnt im Jahr 2019 in Frankfurt. Lauras dreiundneunzigjährige Großmutter Änne stürzt und kommt ins Krankenhaus. Schon als Laura ein paar Sachen aus ihrem Haus holen möchte, wird ihr klar wie wenig sie über Änne, die ursprünglich aus Schlesien stammt, weiß. Nach ihrem Tod begibt Laura - und wenig später auch ihre Mutter Ellen - nach Polen auf Spurensuche.
Die Ereignisse werden im Wechsel in der Gegenwart und der Vergangenheit zu Beginn der 1940er Jahre erzählt. So erfahren wir gemeinsam mit Laura und Ellen nach und nach mehr über Änne, ihr Leben, den Hof der Familie, ihre Zwillingsschwester Luise, den Ereignissen zur Zeit des Zweiten Weltkrieges und kurz danach.
Die Charaktere werden lebendig, authentisch und sehr einfühlsam beschrieben. Es wird deutlich warum Änne gegenüber ihrer Tochter immer so verschlossen war und weshalb ihr ihre Eigenständigkeit so wichtig war.
Der Schreibstil liest sich angenehm und da Gegenwart und Vergangenheit stetig wechseln, entwickelt das Buch einen Sog, man möchte einfach in beiden Zeitebenen erfahren, wie es weitergeht.
Miriam Georg hat sich durch ihre eigene Familiengeschichte zu dem Roman inspirieren lassen. Die Kapitel, die sie aus Karls Perspektive geschrieben hat, beruhen auf Aufzeichnungen ihres Großvaters. Man merkt immer wieder, dass sie ausgiebig recherchiert haben muss und die Kombination aus historischen Ereignissen und persönlichen Schicksalen ist ihr gut gelungen.
Mich hat dieser Roman sehr berührt und ich finde es wichtig, dass auch dieser Teil der Zeitgeschichte nicht vergessen wird.