Jump to ratings and reviews
Rate this book

Fuckgirl

Rate this book
FEMALE REVENGE: eine Künstlerin, ein radikaler Gegenentwurf zur betrogenen Ehefrau und hemmungsloser Sex

Sie ist alles, was man Frauen nie erlaubt hat zu sein: erfolgreich, sexuell souverän, unabhängig – und völlig ungerührt davon, ob man sie dafür bewundert oder hasst. Eine Performancekünstlerin Ende dreißig, die nicht bereit ist, sich zu entschuldigen oder sich gar zu schämen. Nicht für ihre Karriere, nicht für ihren Körper, nicht für ihre Lust oder ihre Entscheidung, keine Kinder zu gebären.

The main character? The opposite of a good girl!
FUCKGIRL lebt in einer einseitig offenen, scheinbar glücklichen Ehe, in der sie den Ton angibt. Als sie herausfindet, dass einer ihrer One-Night-Stands seine Freundin betrügt, schmiedet sie einen Racheplan. Weibliche Solidarität, da ist sie sich sicher, ist das, was wir brauchen. FUCKGIRL ist der Gegenentwurf zur betrogenen Ehefrau, zur ewigen Wartenden, zur Frau, die sich Liebe verdienen muss. Ein radikal feministischer Roman über Selbstermächtigung, Sex und Wut; ein Roman, der Monogamie und Non-Monogamie kritisch betrachtet, über gesunde und toxische Beziehungen reflektiert, Abhängigkeit und Selbstverrat ins Visier nimmt – und der Frage auf den Grund geht: Was kommt nach der sexuellen Selbstbestimmung?

Eine moralische Konfrontation in Romanform
In roher, unverwechselbarer Sprache schreibt Bianca Jankovska über weibliche Verbundenheit, Rachegelüste, eine notwendige Portion Größenwahn und die Abwendung vom alles umfassenden männlichen Blick. Diese Geschichte ist: intensiv, körperlich, kompromisslos – und in ihrem Mut zur Ambivalenz alles andere als gefällig.

315 pages, Kindle Edition

Published February 26, 2026

Loading...
Loading...

About the author

Bianca Jankovska

5 books9 followers
Bianca Jankovska (@groschenphilosophin) wusste schon mit 13, dass sie schreiben will – und blieb dabei. Ihre Texte vermischen essayistische Reflexion und literarische Inszenierung, führen Lesende in intime Räume von Familie, Beziehungen, Sexualität bis Trauma. Nach dem Studium der Publizistik und Politikwissenschaften folgte eine kurze Karriere als Journalistin in verschiedenen Medien und Anstellungsformen. 2018 veröffentlichte sie ihr erstes Buch „Das Millennial-Manifest“, 2020 folgte „Dear Girlboss, we are done“. 2024 erschien „Potenziell furchtbare Tage“ im Haymon Verlag. Heute spricht Jankovska noch immer am liebsten über feministisches L(i)eben und Popkultur auf ihrem substack (fuckgirl.substack.com) und auf ihrem YouTube-Kanal „Groschenphilosophin“. „Fuckgirl“ ist Bianca Jankovskas Debütroman.

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
90 (24%)
4 stars
134 (36%)
3 stars
111 (30%)
2 stars
27 (7%)
1 star
7 (1%)
Displaying 1 - 30 of 52 reviews
Profile Image for Meike.
Author 1 book5,586 followers
March 26, 2026
This one really wins the "flashy title" competition, but does it have more to offer? Narrator "Fuckgirl" falls in love with "Loser" (yes, the names of the characters and the characters themselves are archetypes, standing for a certain type of person), they lead a monogamous relationship until Loser betrays her - we meet Fuckgirl when she's approaching 40, and working as a successful performance artist. She's married to "Mann" who accepts that she's having sex with other people, some of whom we learn about as well: "Journalist", a BDSM enthusiast and foot fetishist, and "Daddy", a man who cheats on his girlfriend. As the story progresses, Fuckgirl realizes that she's not really seeking sex, but something else...

While one might assume the whole archetype endeavour renders the text shallow, it's in fact rather challenging in the sense that it will most certainly trigger strong reactions in readers, as Fuckgirl, who has to suffer all types of BS from men, is anything but a sympathetic character herself. She frequently talks about herself like an insufferable fuckboy and/or toxic guy, which is the whole point, but still achieves the intended effect to upset readers: Oh, I'm a free-spirited artist, my husband is rewarded by spending time with me, the super-interesting person! I take revenge on all the fuckboys by putting myself first! I take the liberty to punish the cheating boyfriends of strangers, because I love justice and am no narcissist, like, at all! *BARF* And of course there are also some takes taken directly from the brain of a 14-year-old leftist like "oh no, how can you fuck a cop?!" *YAAAAWN*

At the core, Fuckgirl is a woman hurt by the partriarchy, and the male behaviors depicted are way too recognozable to I bet every woman everywhere. She is seeking ways to resist, but here's the catch: How do you take revenge on a system, when you can only attack individuals? How do you punish fuckboys without becoming one with a vagina? And how much do you want to hurt on the individual level in the name of this crusade? Maybe a woman can't truly be a Fuckgirl, because it forces her to deal with too many fucked-up men.

I have to admit that I needed to read the complete thing to truly appreciate it - after around 80 pages, I got so frustrated I had to talk to a friend about the question whether the author has lost her marbles as the main character is apparently unable to honestly look at herself, which, as it turns out later, is not the case (sorry, Bianca, I was unfamiliar with your game). But the structure does amount to a certain degree of rage bait, and although it's often amusing, it's not helping the first 3/4 of the book. It's just not that interesting to read about a delusional narrator who deems herself some kind of sex Robin Hood.

So overall, this is an uneven experience that relies a little too much on its own flashiness, but it's a great read to discuss.

...and you can listen to the podcast gang discuss the novel (in German) here: https://papierstaupodcast.de/podcast/...
Profile Image for Anika.
999 reviews350 followers
April 20, 2026
Eines ist für mich ganz klar: Weibliche Solidarität ist und bleibt das wichtigste Mittel für eine bessere Welt - wenn Frauen die viel zu lange indoktrinierte Rivalität zueinander überwinden, ist so viel möglich! Wie man da hingelangt, nun ja, die Methoden der titelgebenden Figur Fuckgirl sind da sicher teils diskussionswürdig irl, als Roman hat mir das aber zu sehr großen Teilen sehr viel (Schaden)Freunde bereitet. Das Themengemisch aus u.a. toxischen Beziehungen, weiblicher Schamgefühle, gesellschaftlichen Grenzen, Beziehungsmodellen und eben female solidarity geht voll auf die Zwölf und lässt auch kaum einen Kink aus, be aware! Ein unbequemes Buch mit einer unbequemen Protagonistin: Das ist spannend, kurzweilig und bietet viel Stoff für anregende Diskussionen. Extrapunkte für den Humor, der meinen Geschmack gut getroffen hat.

Mehr zum Buch in unserer ausführlichen Besprechung @ Papierstau Podcast: #344: Die Penissaison ist eröffnet.
Profile Image for Madame F.
312 reviews4 followers
March 5, 2026
Ich habe Fuckgirl mit Neugier begonnen und mich über weite Strecken zum Durchhalten aufgefordert. Nicht, weil das Buch sprachlich sperrig wäre oder sich thematisch scheuen würde – im Gegenteil. Es ist laut, deutlich, programmatisch. Es will sehr viel. Und bleibt für mich dennoch überraschend flach.
Die Protagonistin arbeitet sich an einer Reihe von Männern ab, die weniger Individuen als Chiffren sind: der Loser, der Daddy, der Journalist, der Mann. Schon in dieser Benennung liegt das Programm. Niemand hat einen Namen. Niemand soll einzigartig sein. Die Figuren stehen für Prototypen, für Strukturen. Das ist als literarischer Kunstgriff erkennbar: eine Entindividualisierung, die den Blick auf Muster lenken soll. Doch genau hier verliert der Text für mich an Tiefe. Wenn Figuren Projektionsflächen bleiben, entsteht Distanz, wo vielleicht Erkenntnis entstehen sollte. Ich konnte keine emotionale Verbindung aufbauen, weil niemand da war, der mir als Mensch begegnete.
Das gilt auch für die Protagonistin selbst. Ihre Wut, ihre Enttäuschung, ihr demonstratives Ausstellen sexueller Souveränität – all das ist nachvollziehbar als Reaktion auf männliche Zumutungen. Aber wenn Identität primär über Abgrenzung organisiert ist, bleibt sie immer auch abhängig von dem, wogegen sie sich richtet. Verneinung funktioniert nur, indem sie das Verneinte permanent mitführt. Die Männer sind zwar entpersonalisiert, aber sie bleiben das Zentrum der Erzählbewegung. Ihre Bestrafung ist der Schlachtplan. Ihre Enttäuschung der Triumph. Doch was entsteht jenseits davon? Wo ist die positive Vision, das Neue? Wo ist das, was wirklich jenseits des Patriachats stehen könnte?
In diesem Zusammenhang stellt sich für mich auch die Frage nach der viel beschworenen weiblichen Solidarität im Text. Sie erscheint vor allem als Rückversicherung im Modus der Vergeltung: Wir halten zusammen, wenn wir enttäuscht wurden. Aber wie tragfähig ist perspektivisch eine Solidarität, die sich aus der gemeinsamen Kränkung speist, aber keine andere Richtung kennt?
Psychologisch betrachtet bleibt vieles an der Oberfläche. Die Männer sind Prototypen, aber auch die Protagonistin bleibt in ihrer Innenwelt erstaunlich unerschlossen. Ihre Beziehungen wirken wie Experimente, in denen Bedürfnisse getestet und wieder verworfen werden. Doch Bedürfnisbefriedigung lässt sich nicht primär über andere organisieren. Wer andere zur Bühne der eigenen Leere macht, wird von deren Unzulänglichkeit zwangsläufig enttäuscht werden. Das offene Beziehungskonzept scheitert hier nicht an moralischen Fragen, sondern an einer impliziten Erwartung: dass andere Menschen das eigene Selbstwertkonto auffüllen sollen.
Interessant fand ich deshalb das Ende. Dort gelingt der Protagonistin zumindest ansatzweise eine Verschiebung des Blicks. Weg von der permanenten Bewertung der Männer, hin zur Frage nach der eigenen Rolle im Geschehen. Die Erkenntnis, dass grenzenlose Bedürfnisbefriedigung über andere nicht funktioniert, ist vielleicht die ehrlichste Passage des Buches. Plötzlich wird sichtbar, dass das vermeintlich radikale Konzept selbst eine große Performance war: ein Gegenentwurf, der doch wieder von den alten Koordinaten abhängig bleibt.
Fuckgirl möchte provozieren, entlarven, umdrehen. Es stellt Monogamie, romantische Ideale und männliche Selbstverständlichkeiten infrage. Das ist wichtig. Aber für mich bleibt es bei der Umkehrung der Vorzeichen. Die Tiefe, die entsteht, wenn Figuren nicht nur Träger einer These sind, sondern innere Widersprüche, Ambivalenzen und Verwundbarkeit zeigen, habe ich vermisst.
Vielleicht liegt genau darin mein Unbehagen: Das Buch weiß sehr genau, wogegen es ist. Aber ich bin mir nicht sicher, ob es weiß, wofür.
Profile Image for Franziska.
92 reviews21 followers
May 10, 2026
Fuckgirl von Bianca Jankovska ist provokant und wirft viele spannende Themen rund um Feminismus, Sexualität und Beziehungen auf. Manchmal aber fast zu viele auf einmal. Ich verstehe, dass die Überzeichnung und die unsympathische Hauptfigur bewusst so angelegt sind, trotzdem hat mich das irgendwann eher genervt als abgeholt. Viele Gedanken fand ich interessant, aber am Ende fehlte mir eine klare Entwicklung im Buch oder eine Erkenntnis am Ende.

Danke an Netgalley und den Haymon Verlag für das kostenlose Rezensionsexemplar!
Profile Image for Sarah.
202 reviews15 followers
March 5, 2026
3,5 Sterne

„Triggerwarnung: Heterosexualität“


„Lesson Nr. 3: Männer, die Frauen mögen

Es gibt Männer, die lieben Frauen; und es gibt Männer, die mögen Frauen. Wenn ich an die Männer in meinem bisherigen Leben denke, brauche ich keine Sekunde, um sie einer der beiden Kategorien zuzuteilen. Frauen zu lieben, ist leicht. Es ist leicht, sie zu objektifizieren, zu sexualisieren, sie zu sich nach Hause einzuladen, mit oberflächlichen Gesten zu beeindrucken, zu ficken. Es ist leicht, sich selbst neben einer schönen Frau zu sehen, sich mit ihr zu schmücken und mit ihren physischen Attributen anzugeben. Blonde, brunette, black, thin, thick, curvy, tall, petite. Schöne Frauen sind Status. Aber kein Mann muss dafür irgendjemanden mögen. Till Lindemann mag keine Frauen, Til Schweiger mag keine Frauen, Marc Terenzi und Dieter Bohlen mögen ganz sicher keine Frauen. Thomas Gottschalk mag keine Frauen, wie wir in hundert Jahren TV-Geschichte hautnah beobachten konnten. Boris Becker und Matthias Schweighöfer tun so, als ob sie Frauen mögen würden, Oliver Pocher versucht es erst gar nicht. Bei Christian Ulmen bin ich nicht sicher, kann es mir aber vorstellen, genauso wie bei Daniel Brühl. Uwe Ochsenknecht mag keine Frauen, Jimi Blue Ochsenknecht mag keine Frauen, Wilson Ochsenknecht mag sie vielleicht. Lars Eidinger möchte, dass wir denken, dass er es tut. Frauen zu mögen scheint viele Männer eine große Überwindung zu kosten. Es fällt ihnen schwer, Bücher von Frauen zu lesen, Podcasts von Frauen zu hören oder Serien zu konsumieren, die von Frauen geschrieben wurden. Es ist ihnen unangenehm, sich mit den Memoiren einer Frau in die U-Bahn zu setzen, wo kämen wir da hin, wenn sich Männer uneigennützig mit den Büchern von Frauen auseinandersetzen würden, mit ihrem Innenleben, ihren Bedürfnissen, ihren Meinungen. Männer, die keine Frauen mögen, mögen Frauen nicht auf Augenhöhe. Männer, die keine Frauen mögen, haben keine freundschaftlichen Beziehungen zu Frauen, die auf nichts weiter hinauslaufen als das. Männer, die keine Frauen mögen, setzen sich nicht für Frauenrechte ein, sie laufen nicht bei Demos zum Recht auf Schwangerschaftsabbruch mit und sie interessieren sich nicht für die vier Zyklusphasen. Männer, die keine Frauen mögen, unterstützen ihre Freundinnen nicht bei Kunstprojekten, sie kaufen keine Tickets für die Shows ihrer Freundinnen, und sie haben keine weiblichen Schriftsteller in ihrem Bücherregal (Joanne K. Rowling und Agatha Christie zählen nicht). Männer, die keine Frauen mögen, sind immer sehr verwundert, wenn man sie auf diesen Fakt anspricht. Sie wissen nicht, wie es so weit kommen konnte, und fuchteln wild mit den Armen. Als ob sie die Bücher nicht selbst da reingestellt hätten. Männer lieben Männer eben immer noch am meisten.“

„Keine Frau sollte im Patriarchat, das uns einen Wage Gap, Sexismus, Partnerschaftsgewalt, Diskriminierung und die Motherhood-Penalty beschert hat, auch noch für einen weißen Mann bezahlen und sich vorrangig um sein Wohlbefinden kümmern müssen. Das ist wirklich nicht zu viel verlangt.“

„Ich wünschte, alle Männer müssten einmal als heterosexuelle Frau auf Dating-Apps suchen. Egal was. Nähe, Sex, Beziehung, good dick. Dann würden sie nicht mehr sagen, dass wir einfach nur ein „schlechtes Händchen" hätten, dass es ganz einfach unser Versagen wäre, unsere Choice.“

„Wenn ich sterbe, dann will ich auf mein Leben zurückblicken und sagen können, dass ich gelebt habe, dass ich mir die fettigen Ravioli mit Spinatkäsefüllung um 20 Uhr gegönnt habe, und nicht den Salat, dass ich ausgeschlafen habe, um mit meinem Partner zu kuscheln, statt ins Gym zu rennen. Dass ich glücklich war.“
Profile Image for Fiona.
180 reviews55 followers
April 24, 2026
In zwei Tagen hab ich dieses Buch verschlungen – and I’ve had the best time!! Es geht um die titelgebende Protagonistin ›Fuckgirl‹, die all die Dinge verkörpert, die Frauen so lange verwehrt waren: sie ist laut, selbstbewusst und erfolgreich, nimmt Platz ein, ist hungrig, unabhängig und sexuell selbstbestimmt. Sie weiß, was sie will und nimmt es sich auch. Und sie nimmt sich nicht zurück – schon gar nicht für einen Mann. ›Fuckgirl‹ lebt mit ›Mann‹ in einer offenen Beziehung, in der nur sie sich mit anderen sexuell auslebt, denn anders als ›Mann‹ glaubt sie nicht an Monogamie. Stattdessen trifft sie sich mit zahlreichen Männern, darunter ›Daddy‹, der seine Frau betrügt, was ›Fuckgirl‹ zu Racheplänen verleitet, und ›der Journalist‹, der diverse Fetische hat. Durch die Begegnungen mit diesen Männern lernt ›Fuckgirl‹, was sie braucht bzw. nicht braucht, wer sie ist und wer sie sein möchte.

Warum ist dieses Buch so gut? Zum einen ist es wahnsinnig witzig, schonungslos ehrlich und gleichzeitig klug. Der Roman spielt mit patriarchalen Konzepten und provoziert bewusst. Es geht um Sex und (sexuelle) Selbstbestimmung, um Macht, Abhängigkeit, toxische Männlichkeit und Girlhood. ›Fuckgirl‹ ist das Gegenteil eines Good Girls und stolz darauf. Mit am besten fand ich die Blog-Einträge mit ›Fuckgirls‹ Lessons. Ich habe den Roman unglaublich gerne gelesen und kann ihn insbesondere allen empfehlen, die gerne wütende, feministische Bücher lesen, sarkastischen Humor mögen und und Ikkimel hören.
Profile Image for tollpatschki.
153 reviews7 followers
April 5, 2026
hat irgendwie weirdly wenig mit mir gemacht außer mich manchmal (vor allem im mittelteil) zu nerven, die parts über weibliche komplizinnenschaft haben mir aber gefallen
Profile Image for Markus Amadeus Cosma.
74 reviews16 followers
August 2, 2026
SPONTANE IMPULSE [fortlaufender Posten]:

"Fuckgirl" - Ideologie als Prosaersatz, oder: Die Groschenphilosophie als Debütroman... FUCK!!! ;-)

Man schlage das Buch auf. Man lese den ersten Satz. Dann klappe man es wieder zu und frage sich in aller Ruhe: Haben wir es hier wirklich mit einem Stück erzählender Kunst zu tun - oder mit einem militanten Substack-Post, dem jemand im Nachhinein Kapitelüberschriften verpasst hat?

Die Antwort ist, leider, zu eindeutig für jeden Zweifel.
Bianca Jankovskas Debütroman beginnt mit einer programmatischen Triggerwarnung: "Triggerwarnung: Heterosexualität." Das ist, man muss es zugeben, witzig - für etwa drei Sekunden. Dann folgen 300 Seiten, die beweisen, dass der Witz bereits auf der ersten Seite sein ganzes Pulver verschossen hat.

Die Prämisse: Fuckgirl - namenlos, Performancekünstlerin, Ende dreißig - lebt in einer einseitig offenen Ehe mit einem Mann, der schlicht "Mann" heißt. Sie darf schlafen, mit wem sie will. Er nicht. Ihr Ex heißt "Loser", ihr verheirateter Liebhaber "Daddy", ein Wiederbegegnungsbekannter "Journalist". Als sie herausfindet, dass einer ihrer One-Night-Stands seine Freundin betrügt, schmiedet sie einen Racheplan (Frage: Was für eine Art von - durchdramatisierter! - Rache soll das sein, wenn die Hauptfigur dieselben Werte und Präferenzen repräsentiert wie das Objekt ihrer Rache?! Absurd! Aber leider nicht auf dem Niveau von Bruno Schulz oder Franz Kafka...).

Weibliche Solidarität, erklärt sie uns mit der Überzeugungskraft einer PowerPoint-Präsentation, sei das, was die Welt brauche.

Halten wir inne. Nicht weil jedes Detail im Buch komplett uninteressant wäre - sie sind es, im Kern, nicht zwingend an jeder Stelle - sondern, weil man an dieser Stelle die Frage stellen muss, die der Roman sich selbst nie stellt: Was macht ein Schriftsteller aus einem solchen Stoff? Also... Was macht Jankovska daraus?

Die Antwort ist (wie so oft): gnadenlos ignorantes und mit pornographischer Explizitheit verbal ejakuliertes Zeitgeist-Sprech. Seitenweise, unermüdlich, mit der Begeisterung eines Menschen, der gerade entdeckt hat, dass Ideologie eine ausgezeichnete Prosaersatzstrategie ist, um leere Seiten füllen zu können. Die Figuren heißen nicht zufällig "Mann", "Loser", "Daddy", "Journalist" - sie sind keine Menschen, sie sind Funktionen. Wandelnde Thesen. Nicht bewusst entmenschlicht, aber ohne die entsprechende stilistische und ästhetische Rahmung schlicht lächerlich. Pappaufsteller in einem pseudofeministischen (weil eben nur als behaupteter Überbau oder im Modus maximal infantilen Trotzes vorhanden!) Bullshit-Bingo, der sich für einen Roman hält. Bei Balzac, trägt jede Nebenfigur ein Schicksal in sich; selbst der unbedeutendste Gläubiger im Hause Goriot ist eine Welt für sich. Hier trägt die Hauptfigur keines. Nur: Hedonistische Freiwilligkeit und Entgrenzungssucht, für die lediglich die Reise- und Aufenthaltskosten zu Buche schlagen - wenn überhaupt.

Denn was (der / die / das?) "Fuckgirl" tut - schlafen / kopulieren, rächen, räsonieren, kopulieren / schlafen - vollzieht sich in einem dramaturgischen Vakuum. Szene folgt auf Szene nach dem Prinzip additiver Anhäufung: kein innerer Zwang, keine psychologische Verdichtung, keine Fallhöhe. Und erst recht nicht im Modus einer "narrativen Höllenmaschine". Der "Racheplan" gegen den untreuen One-Night-Stand entfaltet keine moralische Ambiguität, wirft keine Fragen auf, öffnet keinen Abgrund. Ja, er macht nicht einmal Spaß! Er illustriert auf hanebüchene Art eine bestimmte Art von These. Das ist der Unterschied zwischen Propaganda und Literatur - und es ist, in diesem Fall, eine Kluft wie sie größer nicht sein könnte.

Besonders aufschlussreich: Die Autorin hat erklärt, den Roman für "Lily Allen, Betty Broderick und meine Großmutter" geschrieben zu haben - sowie für "jede Frau, die schon einmal von einem Mann als verrückt bezeichnet wurde". Noch Fragen? Das ist, als Haltung, ansatzweise verständlich, weil eben nur bedingt kontextsensitiv (nochmal: dieses Buch soll ein "ROMAN" sein, ein flexibles Medium, ja, aber eben doch kein Containerbegriff, für alles, was man darunter je subjektiv verstehen könnte oder möchte!). Als poetisches Programm ist solch eine "Haltung" letztlich verheerend. Denn Literatur, die für eine Zielgruppe als soziologistisch aufgeblähte Vertretung von diskriminierten Klassen geschrieben wird, ist keine Literatur - sie ist Bestätigung. Ja, ein Bestätigungsfehler. Und (nicht ästhetisierte!) Bestätigungsfehler sind das absolute Gegenteil von Kunst.

Und... Die Sprache? Ja, was ist mit der Sprache? Da bleibt man häufig genug sprachlos: Man sucht vergeblich nach einem Satz, der Widerstand leistet oder Reibung im Kopf erzeugt, einer, der überrascht, der eine Wendung vollzieht, die man nicht hundert Seiten früher bereits ahnte. Was als "rohe, unverwechselbare Sprache" vermarktet wird, ist in Wahrheit: Instagram-"Prosa" mit vor Kitsch triefendem Selbstermächtigungsanspruch. Glatt, gefällig, sofort konsumierbar - und ohne jedes Eigengewicht, das in der Phantasie des Lesers nichts als Phantasielosigkeit hinterlässt. Wo Franziska von Reventlow einen einzigen Satz braucht, um eine Seele in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit aufscheinen zu lassen, benötigt Jankovska drei Seiten, um uns mitzuteilen, dass "mentale Energie für die Interpretation von Gemeinheiten abgebaut statt für die Abschaffung des Patriarchats" verwendet werde. Das ist kein Prosasatz. Das ist ein Tweet, eine Statusmeldung, ein geistiges Armutszeugnis.

Der eigentliche "Skandal" liegt - wie stets in diesen Fällen - nicht im Buch selbst, sondern in seiner Rezeption. "Provokant." "Radikal feministisch." "Eine moralische Konfrontation in Romanform." So das Verlagsecho, so der Chor der Wohlgesinnten. Kaum jemand fragt, ob hier überhaupt in irgendeiner Form Literatur vorliegt. Ob die eingeschriebene und ausbuchstabierte Form irgendeinem Anspruch gewachsen ist. Ob ein Roman, der seine Figuren nach ihrer ideologischen Funktion benennt, überhaupt den Namen Roman verdient. Die Verwechslung von Relevanz und Größe, von Haltung und Kunst, von Thema und Form - sie feiert hier ihre nächste starke Auflage. Für den Müllkorb der Kunstgeschichte.

Conclusio mit dem Holzhammer: "Fuckgirl" ist kein Roman. Es ist ein Kraut-und-Rüben-Manifest in Romanverkleidung - die Berliner-Blase-Groschenphilosophie als Belletristik, der Substack als Hardcover. Und das wäre verzeihlich, wenn es wenigstens ein wenig Unterhaltungswert evozierte. Aber selbst dafür denkt und fühlt es zu wenig. So wenig wie seine Hauptfigur -
Profile Image for eunice.
56 reviews1 follower
June 14, 2026
Es liest sich eher wie ein Essay oder ein Substack-Artikel als wie ein richtiger Roman (ah, ich habe erst später herausgefunden, dass eine Ansammlung von Substack-Artikel sind). Die Kapitel sind sprunghaft, sprachlich simpel und schnell zu lesen, aber dabei weder besonders tiefgründig noch wirklich atmosphärisch. Insgesamt wirkt es eher wie eine Sammlung von Takes und Beobachtungen mit wenig tatsächlichem Romananteil.

„Fuckgirl“ ist unangenehm, wahrscheinlich auch mit Absicht, aber mich konnte das leider nicht wirklich abholen. Weibliche Solidarität wird zwar angesprochen, ist aber nach den ersten 60 Seiten eigentlich schon wieder erledigt und spielt danach kaum noch eine Rolle.

Man wird außerdem ständig aus der eigentlichen Geschichte rausgenommen, damit der gesellschaftliche Kontext erklärt und eingeordnet werden kann. Dadurch fühlt es sich immer wieder mehr wie ein Artikel als wie ein Roman an. Es wird viel erklärt und analysiert statt erzählt oder beschrieben und trotzdem bleibt alles erstaunlich oberflächlich.

Der Schreibstil ist dabei sehr nüchtern und klar.

Und am Ende habe ich mich auch gefragt: Was genau soll daran feministisch sein, den Journalisten zu daten und einfach wegzuschauen, wenn er andere Frauen degradiert?
Profile Image for Adelina.
2 reviews
June 13, 2026
das buch hat für mich okay angefangen und dann hat es sich immer weiter von dem entfernt, was ich erwartet habe.

mit der versprochenen weiblichen verbundenheit und solidarität hatte das buch für mich nicht viel zu tun. spätestens ab der hälfte spielt das thema nahezu keine rolle mehr. außer der protagonistin und vielleicht noch „mama“ gibt es kaum weibliche figuren, die ausgearbeitet werden.

ab dem kapitel „hatefuck“ war ich dann komplett raus. für mich beißt sich der radikalfeministische anspruch des romans mit einer protagonistin, die selbst beschreibt, wie schnell ihre politischen und moralischen überzeugungen in vergessenheit geraten, sobald ein misogyner mann auftaucht, mit dem sie schlafen möchte.
91 reviews
May 22, 2026
Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Vom Schreibstil 9,5/10.
Ich glaube ich bin mit der falschen Erwartung rangegangen hier eine Lit Fic über ein glückliches nicht-monogames Paar zu lesen. Aber hier ist niemand glücklich und ich kann verstehen wieso. Jeder, der Männer wie den Loser, den Journalisten oder den Daddy kennt weiß was einen hier erwartet.

Andererseits habe ich manchmal diese Momente, in denen ich mich nach einem Single-Leben zurücksehe. Ich denke dieses Buch hat die Sehnsucht erstmal kuriert. Abschließend kann man nur Mitleid mit dem netten Mann haben und das kann ja auch nicht das Ziel feministischer Literatur sein.
7 reviews6 followers
April 2, 2026
Another entry added to the postdigital tale of the „Millenial Kränkung“. Partly aesthetically pleasing, but mostly yesterdays discourse.
Profile Image for Lisa Sophie.
163 reviews1 follower
February 28, 2026
Ich habe etwas gebraucht, um in die Geschichte hineinzufinden. Die langen Absätze und der Schreibstil waren etwas gewöhnungsbedürftig. 
Die wechselnde Erzählung, von Ereignissen aus der Vergangenheit und dem Jetzt war interessant und der Aufbau gut gemacht.
Angesprochene feministische Themen sind verständlich erklärt, authentisch und wichtig.
Manche Ansichten der Protagonistin fand ich allerdings zu extrem beziehungsweise übertrieben, wobei dies vielleicht bewusst von der Autorin so geschrieben ist.
Das Ende kam für mich unerwartet und war erfrischend. 

Vielen Dank an den Verlag "Haymon" für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars über NetGalley. Diese Rezension ist meine freie Meinung in eigenen Worten.
Profile Image for Joikyo.
66 reviews
April 12, 2026
Auf die fresse Feminismus. Prima.
Ich liebe, dass kein Charakter Namen hat. Es sind immer "der Journalist", "online Freundin", "Loser" oder "Mann". Sie stehen exemplarisch für Menschen in unserem Leben und "Fuckgirl" für uns, Frauen denen nie beigebracht wurde sich selbst zu lieben. Nur Männer auszuhalten und später eine moderne feministische Beziehung zu führen. Aber nicht herauszufinden, was man eigentlich braucht.
Eine Antwort darauf, was jetzt ein guter Beziehungsansatz ist, hat das Buch nicht. Aber das ist auch genau der Punkt. Irgendwann nach der Hälfte hat sich nur alles ein wenig lost angefühlt. "Fuckgirl" ist ja auch lost und an sich find ichs gut, wie sich das überträgt aber puh. Ist irgendwie anstrengend einer coolen Frau dabei zuzuschauen, wie sie sich für guten Sex sexistische Kommentare wieder und wieder vom selben Typen gibt.
Trotzdem ganz arg prima.
Profile Image for readwithxBianca.
130 reviews1 follower
August 11, 2026
Ich wollte es mögen aber ging nicht. Schon allein, dass da keiner ein richtigen Namen hat ging mir aufn Sack . Ich musste mich echt durchzukämpfen weil so wenig passiert . Ja und das Ende war auch eher unbefriedigend
4 reviews1 follower
May 16, 2026
Ich fande es nach so 150 Seiten bisschen langatmig und man wusste nicht wohin das einne überhaupt führen soll. Aber das Ende war irgendwie total ergreifend und unerwartet. Hätte es mir schon früher gewünscht
Profile Image for Parppim.
88 reviews
May 25, 2026
Der Anfang war so vielversprechend und dann war‘s lahm
Profile Image for juliamariaz .
19 reviews
July 17, 2026
Ich check die Idee und fühls trotzdem nicht

Ich weiß nicht, was ich von „Fuckgirl“ halten soll- am Anfang fand ich’s kurz ganz spannend, gegen Ende hin hat’s mich abgefuckt (vielleicht war das auch die Agenda).

Der Roman versucht zu angestrengt, radikal zu sein, zumindest für mich war die Protagonistin dadurch leider nicht mehr relatable genug, um mit ihr zu sympathisieren - was insgesamt auch am Aufbau ihrer Persönlichkeit basierend auf Stereotypen (wie die jedes anderen Charakters im Roman) liegen könnte und was ich als Idee an sich durchaus kreativ finde. Vielleicht hätte die selbe Message für mich anders aber besser funktioniert, auch, wenn ich nicht weiß, was die Message wirklich sein soll.

Denn Fuckgirl kämpft sich durch den Dating- Pool und propagiert Feminismus in Form von offenen Beziehungen, während sie gleichzeitig unglücklich ist, ebenso wie in ihrer Ehe, was sie sich am Ende alles eingesteht.

Vielleicht will der Roman also sagen, dass offene Beziehungen und Beziehungen im Allgemeinen und Menschen und Leben komplex sind und dass Frauen es sowieso nicht richtig machen können.

Obwohl ich die Kritik am heteronormativen Lebensstil extrem nachempfinden kann habe ich das Gefühl, dass der Roman mehr eine Reaktanz in mir hervorgerufen hat als mich für seine Ideen zu öffnen.
(Vielleicht war’s mir auch zu heterosexuell.)
((Darf man so??))

Vielleicht noch eine Sache die ich gut fand: Thematisierung von Solidarität unter Frauen. (Hoffe jetzt bin ich aus dem Schneider)

Naja, ich wollte eh mal ne schlechte Review schreiben, was mir als people pleaser extrem schwer fällt (merkt man das?) , aber guess here’s it (und das hat auch nix mit der Autorin als Person zu tun, ich schwöre, bitte verzeihen Sie mir).





((Wahrscheinlich lösch ich das alles panisch wenn ich sie mal wo in ner U-Bahn treffe))
Profile Image for Lisa.
19 reviews
April 1, 2026
Vom Stil und der Form her war es ein Fest zu lesen!🔥

Mir hat nur gefehlt, dass für die politische Dimension der Themen der Verdienst queerer Menschen/ Autor*innen mehr gewürdigt wird. Viele haben sich schon vorher intensiv mit Hetero-Fatalismus und Beziehungskonzepten, oft als Grundlage ihrer Arbeit, auseinander gesetzt. Die Protagonistin zieht in ihrer Analyse irgendwie nicht die (offensichtliche) Verbindung.
Profile Image for Jule.
435 reviews22 followers
April 15, 2026
Schreibstil, Inhalt, Textform, Humor, Erzählung, Thema hat mich alles abgeholt. Ich wurde sehr gut unterhalten, tolle Lektüre.
2 reviews
July 28, 2026
Ich mochte die Protagonistin und die Darstellung ihres Lebensentwurfs und ihrer Gedanken und Gefühle. Ein Gegenentwurf zur traditionellen und konventionellen heteronormativen und monogamen Beziehung. Leider verliert sich die Fantasie zunehmend. Ich mochte den Schluss auch leider nicht. Man muss nicht darüber nachdenken, alles wird aufgeklärt.
7 reviews
May 26, 2026
Diesem Buch eine Bewertung zu geben fiel mir sehr schwer. Für 2 Sterne kann es zu viel, für 3 Sterne möchte es zu viel.

Der Roman gliedert sich in mehrere Abschnitte. Sie alle hängen irgendwie zusammen, können aber keinen Spannungsbogen aufbauen.

Der Klappentext und das Cover halten leider nicht, was sie versprechen. Das Buch will zu viel. Es werden zu viele Themen aufgemacht, zu viele Probleme unserer Zeit angesprochen, ohne näher darauf einzugehen. Zu viel möchte die Autorin auch mit ihren in jedem Satz eingebauten Anglizismen - es wirkt überladen.

Gut fand ich, dass die Hauptfiguren keine Namen hatten, sondern mit "Journalist", "Loser" und "Mann" ein Muster und eine gesamte Personengruppe beschreiben.
49 reviews1 follower
June 12, 2026
Irgendwie unterhaltsam, aber ich finde sie absolut unsympathisch. Wir Frauen sollten gleichgestellt sein - keine Frage. Aber das andere Extrem (Frauen sind so viel besser und Männer müssen so viel gut machen) ist meiner Meinung nach ebenso unangenehm und unpassend. Wer denkt sie wer sie ist? Neben ihr hätte ich Angst vor dem was ich sage, weil sie vermutlich alles direkt in den falschen Hals bekommt.
Profile Image for ~•verena•~.
559 reviews9 followers
Review of advance copy received from Netgalley
February 24, 2026
5 ⭐️
Alle Beziehungen innerhalb meiner Familie waren toxisch...

- Fuckgirl, S. 1

Zum Inhalt:
Fuckgirl ist darstellende Künstlerin, Ende 30, in einer offenen Ehe lebend. Sie ist hetero und dementsprechend schwierig ist es für sie als Frau einen Mann zum Sex zu finden, der nicht komplett patriarchatsverseucht ist - man kennt's. 💁‍♀️
Als sie nach einem Treffen erfährt, dass der Typ verheiratet ist und ein Kind hat, sagt sie der Mutter Bescheid, inklusive Nachrichtenverläufe und Hilfsangebot.
... Ich werde mich nie raushalten, ich werde anprangern und anzeigen, ich werde Beweise festhalten und mitliefern, ich werde jeder Frau die Chance geben, sich selbst zu überlegen, was sie mit dieser Information anfangen möchte. Ich werde nicht verschonen, wegsehen, Frieden wahren.
Ich werde offenlegen.
Was ist das Schlimmste, was passieren kann? Dass wir für unseren Mut beschimpft werden? Dass keine Antwort folgt? Dass uns nicht geglaubt wird? Dass wir als „verrückt" gelten, weil wir die Zeichen nicht mehr ignorieren wollten?

Das Schlimmste, was passieren kann, ist, bei einem lügenden Loser zu bleiben.
Das ist die wahre Blamage.


- Fuckgirl, S. 60

Zeitgleich erfahren wir aus Fuckgirls Vergangenheit (Beziehung mit Loser), ihrem familiären Background (kurz: aufgewachsen am Land, wo Frauen ihre Männer einfach hinnehmen) und was sie sonst noch erlebt in ihrem Alltag (zB Ehe, Urlaub, Fetisch-Partys).

Wow, was für ein Buch!
Fuckgirl ist ein rasantes Buch, dass aber auch einige nachdenkliche, philosophische Gedanken und sarkastische, laugh out loud Stellen hat. Es gibt keine Namen, nur Bezeichnungen der Personen wie zB Andere Frau, Mann, Fuckgirl... Man gewöhnt sich recht schnell daran und ich finde es gibt dem Buch ein gewisses Etwas.
Ich habe selten ein Buch gelesen, dass den Zeitgeist so sehr trifft!
... Es macht mich wütend, dass wir uns als heterosexuelle Frauen nicht gemeinsam auf ein Bare Minimum geeignet haben. Dass wir in den hunderten Uni-Seminaren über Femismus keine universelle Landkarte des Ertragbaren etablieren konnten, dass wir da jedes Mal aufs Neue selbst in die Verhandlung müssen; vereinbaren sollen, wie schlecht er uns behandeln darf, bevor wir gehen...

- Fuckgirl, S. 83

Fuckgirl hat mir an so vielen Stellen aus der Seele gesprochen. Über die Themen die hier verhandelt werden, habe ich mir auch schon einige Gedanken gemacht - unsere ganze Generation hat das.
Zitate wie...
... Es war mir nicht mehr wichtig, ob ich dem Mann gefiel.
Der Mann musste mir gefallen...


- Fuckgirl, S. 86

... oder...
... Ich werde übermorgen vierzig. Und obwohl die biologische Uhr, entgegen dem, was überall fälschlicherweise behauptet wird, in diesem Alter noch lange nicht stehenbleibt, merke ich doch, wie es unwahrscheinlicher wird, dass ich mich noch dazu aufraffen kann, ein Kind zu gebären...

- Fuckgirl, S. 220

...oder...
... Ich habe keine Lust, jemandem meine wertvolle Pussy ins Gesicht zu halten, der sie gar nicht richtig liebt...

- Fuckgirl, S. 224

... hit close to home so hard!

Ich glaube ich habe in einem Roman selten so viele Stellen markiert. 😅
... Ich bin rar. Wenn Mann von der Arbeit nach Hause fährt, weiß er, dass er seinen Abend mit jemandem verbringen darf, zu dem er aufblickt. Ich bin seine Goddess, seine Königin, sein wichtigster Mensch, seine beste Freundin - vorausgesetzt, ich bin da...

- Fuckgirl, S. 152

... Männer weinen gerne im Internet, wenn Frauen sie nach ihren Schwänzen beurteilen, dabei beurteilen sie uns unser ganzes Leben lang nach allem Äußerlichen. Sie wollen, dass uns ihre kleinen, schlaffen Penisse nichts ausmachen, aber verlassen uns für 25-Jährige, wenn wir älter werden...

- Fuckgirl, S. 160


Nachdem ich Potentiell furchtbare Tage "nur" ganz ok fand, hat mich Fuckgirl zum Bianca Jankovska Fan gemacht, und ich kann es kaum erwarten weitere Bücher von ihr zu lesen!

... Wenn ich sterbe, dann will ich auf mein Leben zurückblicken und sagen können, dass ich gelebt habe, dass ich mir die fettigen Ravioli mit Spinatkäsefüllung um 20 Uhr gegönnt habe, und nicht den Salat, dass ich ausgeschlafen habe, um mit meinem Partner zu kuscheln, statt ins Gym zu rennen. Dass ich glücklich war...

- Fuckgirl, S. 226

THIS!

... Männer dezentrieren, meinen Körper rückerobern. Lernen, wer ich ohne Mann als Back-up war. Wie ich mich selbst gut behandle...

- Fuckgirl, S. 286

and THIS!​
3 reviews
July 31, 2026
Der Begriff Fuckboy ist längst Teil unseres Sprachgebrauchs. Doch wie oft sprechen wir eigentlich über das weibliche Pendant? Gibt es auch eine Fuckgirl? Bianca Jankowska beantwortet diese Frage mit einem Roman, der mutig, direkt und überraschend tiefgründig ist.

Im Mittelpunkt steht eine namenlose Protagonistin, die konsequent nur als Fuckgirl bezeichnet wird. Auch die anderen Figuren tragen keine klassischen Namen, sondern Bezeichnungen wie Mann, Daddy, Loser oder Journalist. Dieser erzählerische Kniff hat mir besonders gefallen, denn er spielt bewusst mit Klischees und Schubladendenken und zeigt gleichzeitig, wie schnell wir Menschen über Rollenbilder definieren.

Nach außen führt Fuckgirl eine scheinbar ganz normale Ehe. Tatsächlich lebt sie mit ihrem Mann eine offene Beziehung, die auf Ehrlichkeit, Vertrauen und klaren Absprachen basiert. Im Laufe der Geschichte begegnet sie verschiedenen Männern, die sie auf unterschiedliche Weise prägen. Der Daddy, der Loser und der Journalist stehen dabei nicht nur für unterschiedliche Menschen, sondern auch für verschiedene Perspektiven auf Liebe, Begehren und Beziehungen.

Immer wieder wird deutlich, dass Fuckgirl ihre Sexualität bewusst und selbstbestimmt lebt. Sie probiert sich aus, sucht neue Erfahrungen und nimmt sich das, was sie möchte – immer im Rahmen von Offenheit und gegenseitigem Einverständnis. Manche Männer fühlen sich gerade von ihrer Dominanz angezogen und lassen sich auf diese Dynamik ein. Gleichzeitig hinterfragt sie sich immer wieder selbst: Macht sie dieses Leben wirklich glücklich? Ist sexuelle Freiheit allein genug oder wünscht sie sich doch mehr?

Gerade dieser Kontrast hat mich besonders fasziniert. Zwischen den intensiven und oft sehr direkten Begegnungen zeigt Bianca Jankowska immer wieder den ganz normalen Alltag ihrer Protagonistin. Da sitzt sie mit ihrem Mann im Griechenlandurlaub, denkt über ihren Job nach, führt alltägliche Gespräche oder genießt einfach gemeinsame Momente. Genau diese Gegensätze machen die Figur so authentisch. Es prallen zwei Welten aufeinander: eine selbstbewusste Frau, die ihre Sexualität kompromisslos auslebt, und gleichzeitig ein Mensch, der sich nach Nähe, Zuneigung und emotionaler Verbundenheit sehnt.

Ein weiteres Highlight sind die immer wieder eingestreuten „Fuckgirl-Blogs“. Diese kurzen Einschübe lockern den Roman nicht nur auf, sondern vertiefen seine Botschaft. Hier greift Bianca Jankowska gesellschaftliche Themen, persönliche Gedanken und Erfahrungen auf und stellt insbesondere die Bedeutung weiblicher Selbstbestimmung und feministischer Solidarität in den Mittelpunkt.

Besonders spannend finde ich die zentrale Aussage des Romans: Die Protagonistin verkörpert vieles von dem, was Frauen gesellschaftlich lange nicht zugestanden wurde – Erfolg, sexuelle Selbstbestimmung, Unabhängigkeit und den Mut, sich nicht ständig nach den Erwartungen anderer zu richten. Gleichzeitig macht das Buch deutlich, dass hinter dieser Stärke auch Verletzlichkeit steckt.

Was mir ebenfalls gefallen hat: Der Roman bewertet nicht. Er zeigt unterschiedliche Lebensmodelle, ohne sie als richtig oder falsch einzuordnen. Stattdessen lädt er dazu ein, den eigenen Blick auf Beziehungen, Sexualität und gesellschaftliche Normen zu hinterfragen. Gleichzeitig erinnert er daran, dass gegenseitiger Respekt und klare Grenzen immer die Grundlage jeder Beziehung sein sollten.

Nebenbei habe ich beim Lesen viele neue Begriffe und Sichtweisen kennengelernt. Dadurch wirkt das Buch stellenweise fast wie eine moderne Aufklärung über Beziehungskonzepte und Sexualität – vor allem aber gibt es Frauen eine starke, selbstbewusste Stimme.

Bianca Jankowska schreibt ehrlich, direkt und ohne Scheu. Ihr Stil provoziert, ohne jemals oberflächlich zu sein. Vielmehr regt Fuckgirl dazu an, über Rollenbilder, Freiheit und Selbstbestimmung nachzudenken.

Mein Fazit: Fuckgirl ist weit mehr als ein Roman über Sexualität. Es ist ein Buch über Freiheit, Identität, gesellschaftliche Erwartungen und den Mut, seinen eigenen Weg zu gehen. Provokant, klug, emotional und überraschend vielschichtig – für mich eine klare Leseempfehlung.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for Tutankhamun18.
1,551 reviews33 followers
April 4, 2026
Der Schreibstil hat mir sehr gefallen und wie die Geschichte zwichen Fiktion und Manifest wechselt.


Zitate:

“Ich lernte fleißig. Wer in toxischen Beziehungen lebt, muss viel Zeit für die Unterdrückung seiner Gefühle und die hermeneutische Deutung des Gesagten aufwenden, ohne dabei etwas an der eigenen Situation zu verändern. Der Alltag orientiert sich an zweideutigen Aussagen und unklaren Handlungen, sie werden zum fixen Bezugspunkt des Alltags, des Selbst, zur Routine, zum Gefängnis.”

“In einer gesunden Beziehung gibt es keine ständigen Missverständnisse. Es ist ganz oft: die Abwesenheit von.
Die Abwesenheit von Missgunst, die Abwesenheit von Abwertung, die Abwesenheit von krankhafter Dominanz.
Die Abwesenheit des beklemmenden Gefühls, dass etwas nicht stimmt.
Ich kann meine Bedürfnisse ansprechen, ohne damit zu rechnen, von der anderen Person abgewiesen, verlas-sen, provoziert oder mit Schweigen bestraft zu werden; ich muss nicht plötzlich vor lauter Ekel aus der Badewanne steigen, weil er sagt, dass mich ohnehin keiner leiden kann. Es ist kein Problem, wenn sich Pläne ändern und ich doch merke, dass ich mehr Abstand oder Nähe brau-che. Ich werde nicht erpresst - „komm schon, bitte" -, über Nacht zu bleiben, obwohl ich am nächsten Tag um acht Uhr arbeiten muss.”

“Ich wünschte mir eine Krankheit, bei der ich als Heldin aus der Geschichte hervorgehen könnte, weil ich mich so aufopferungsvoll um ihn kümmerte, während er mich im Gegenzug, als Dank dafür, ruinierte.”

“Es ist keine Krankheit, die bei ihrer Entdeckung beide Parteien überrascht. Das Hauptsymptom besteht aus Lügen, einer von beiden wusste also schon lange vorher Bescheid.”

“Damals war mir die Hauptstadt fremd wie ein neuer Lover, den ich erst zwei, drei Mal bei Tageslicht gesehen hatte.”

“Wenn mich Daddy nach meinem Alltag fragt, muss ich lügen und das ist sehr anstrengend. Wie machen das Männer die ganze Zeit? Ich kann ihm nicht sagen, woran ich genau arbeite, sonst könnte er mich googeln. Ich kann ihm nicht sagen, wie ich heiße, sonst könnte er mich googeln.
Ich kann ihm nicht sagen, in welchem Viertel ich wohne, sonst könnte er mich stalken. Ich kann ihm nicht sagen, was mich beschäftigt, sonst könnte er mich kennen, und diese Angelegenheit ist wahrlich nicht auf Langfristigkeit ausgelegt.”

“Ich würde gerne wissen, was Mama an diesem Typen fand, aber das fragen sich alle meine Freundinnen bis heute, wenn sie an Loser denken. Wahrscheinlich fand sie so viel an ihm, denke ich, weil sie sich selbst noch nicht gefunden hatte.”

“Wurde uns mit der sexuellen Befreiung der Frau nicht genau das vermittelt, dass wir von nun an Sex haben könnten wie Männer? Jederzeit, mit x-beliebigen Personen, hart, no strings attached - ohne dafür verurteilt zu werden?
Aber irgendwie wurde dabei außer Acht gelassen, dass Frauen in unserer hypersexualisierten Gesellschaft weiterhin eine marginalisiertere Gruppe darstellen. Eine Gruppe, die anfälliger ist für Geschlechtskrankheiten, eine Gruppe,
- die im Falle des Falles die Kosten von Abtreibungen zu tragen hat und nicht auf den Support eines Mannes, den sie kaum kannte, zählen kann.
Unter all diesen Gesichtspunkten scheint die progressive darunterliegende Politik der Nicht-Monogamie, die mich als Frau weg vom Eigentum eines Mannes hin zu einer multipel befriedigten Sexgöttin katapultieren sollte, sicherlich zumindest teilweise gescheitert, und jetzt weiß Internetgirl gar nicht mehr, ob sie das Gespräch mit ihrem Mann überhaupt nochmal suchen soll, was mich zu einem ganz anderen Problem bringt.”




Profile Image for Urban.
121 reviews4 followers
April 6, 2026
Als alter, weißer, dann auch noch hetero Mann habe ich kurz gezögert, eine Rezension von Fuckgirl zu verfassen. Vielleicht sollte ich besser schweigen.

Aber was soll`s: Ich hab die Lektüre genossen, weil meine Neugierde auf den Roman nicht enttäuscht wurde. Ein schneller read, der die weibliche Perspektive auf Beziehungen (in der Hetero-Welt) der heutigen feministisch-engagierten jüngeren Frauengeneration bietet.

Die Takes:

Vieles ist gleich geblieben, denn wer findet schon Männer toll, die Drogen nehmen, ihre Partnerin betrügen oder nur ihrem sexuellen Fetisch hinterherlaufen. Das ist für mich das Absprungbrett und ja, es verwundert, dass Männer heute anscheinend immer noch leichter damit durchkommen als vor der Jahrtausendwende. Sonst wäre das Ding ja als Stoff für einen Roman durch.

Erfrischend ist dagegen das Beziehungsmodell von Fuckgirl und ihrem Mann: Ehe, kinderlos und sie darf sich sexuell ausleben, während er - gut beobachtet! - mit 40 Jahren auf den Longevity-Zug aufspringt und sexuell nicht mehr so aktiv zu sein scheint. Hier wurde im Roman aber eine Chance vergeben, hätte ich doch gerne gewusst, wie ihr Mann mit seiner Sexualität umgeht. Dass er mit 40 einfach keinen Drive mehr hat, erscheint mir nicht realistisch. Oder sind heutige Männer so, zumindest einige? Rückzug aus der Sexualität? Warum? Da der Roman die weibliche Perspektive ausrollt, muss sich ihr Mann mit einer Statistenrolle begnügen, wie auch die übrigen Männer Schablonen sind. OK.

Fuckgirl wiederum lernt im Roman, dass sexuelle Freiheiten per se auch nicht zu mehr Befriedigung führen müssen. Schon gar nicht, wenn es einem nicht um Sex als solchen geht, sondern um die Ausschöpfung der Möglichkeiten, die das Patriarchat früher den Männern vorbehalten hatte. Vielleicht sind ihre Batterien erschöpft nach zehn Jahren sexuellen Freiheiten mit Homebase zu Hause? Andere Frauen brechen mit 40 aus dem Käfig aus, Fuckgirl scheint mit 40 zur Erkenntnis zu kommen, dass sich der Ausbruch nicht gelohnt hat.

Der heilige Gral der perfekten Bedürfnisbefriedigung liegt also für Frauen nicht im Kopieren des Verhaltens der Männer. Aber was dann? Tiefere Beziehungen? Ihre Ehe schmeißt sie am Ende hin, wie so viele Frauen um die 40, und das obwohl ihr Mann ihr gut tut, ehrlich ist, sie unterstützt etc. Aber er war halt von Anfang an nicht der Typ zum Verlieben, sondern eher der Fels in der Brandung. Dass sie das jetzt aufgibt, scheinbar um sich noch einmal richtig verlieben zu können, scheint mir oldschool und wie ein Schritt zurück. Man hätte die Beziehung doch auch für Poly öffnen können, und damit noch eine Schippe mehr Progressivität drauflegen können. Anstatt zehn Jahre Ehe wegzuschmeißen, hätte das eine gemeinsame Weiterentwicklung dargestellt. Aber vielleicht wäre Poly als Thema zu vielschichtig, um es am Ende des Romans nur schnell einmal anzureißen.

Der Roman verhandelt die üblichen Themen der Hetero-Beziehungswelt in erfrischend frecher Tonalität, durchaus mit Humor, und mit ganz groß "Feminismus" auf die Fahne geschrieben. Eigentlich will der Roman rausschreien: Leute, wir haben das Jahr 2026 und das Patriarchat hat immer noch alles fest im Griff! Vor allem die Einstellung der Männer, so scheint es. Aber ist dem wirklich zu 100% so? Ihr Mann scheint ja eine Ausnahme zu sein.

Fazit für mich: Toll zu lesen, aber ein wenig mehr Differenzierung und Subtilität hätten den Roman noch auf ein weiteres level gehievt.

Profile Image for Marie On.
Author 1 book3 followers
July 7, 2026
Glücklich waren sie nicht miteinander, waren sie nie. Fuckgirls Vater verachtete ihre Mutter, ihre Kochkünste genau wie ihre Kleidung und ihre Freude an Fernreisen. Er hingegen hatte Phasen, da war er schon mittags besoffen. Dann saß ihre Mutter mit Fuckgirl und ihren beiden jüngeren Schwestern im Kinderzimmer auf dem Bett, um ihm aus dem Weg zu gehen.

Mit der ihm gebührenden Erwartungshaltung setzte er sich nach der Arbeit auf die geblümte Küchenbank, ließ sich von Mutti das Essen aufwärmen und servieren. Er wäre nie auf den Gedanken gekommen, sich selbst ein Essen zuzubereiten, das ihm womöglich noch schmeckte, obwohl sie arbeitete, sich um die Kinder kümmerte und den Haushalt schmiss. ER verdiente eben mehr.

In ihrer ersten gesunden Beziehung, zwanzig Jahre später, vermisste Fuckgirl kein Genörgel, kein Dominanzgehabe, keine emotionale Erpressung -ach komm, bleib doch noch, es ist so still ohne dich. Und doch war es, als fehlte ihr etwas. Etwas Unbestimmtes, das Sicherheit gibt, weil man es kennt. Sie konnte ihre Bedürfnisse aussprechen, ohne abgewiesen, verlassen, provoziert oder mit Schweigen bestraft zu werden.

Im Grunde ist sie Künstlerin geworden, um ihren Vater zu enttäuschen, der sich so gefreut hätte, wenn sie einer akademischen Linie wie Betriebswirtschaft gefolgt wäre, etwas mit dem sich viel Geld verdienen ließ und das sie zwang, sich ordentlich zu kleiden. Es verging dann auch kein Tag, an dem er sie nicht mit seinen Ratschlägen unterstützte. Fortan wurde jede Familienfeier zum Anlass genutzt, über ihre Fehlentscheidungen zu lästern. Fast möchte sie ihnen sagen, dass sie in ihrer Ehe das einseitige Vergnügen pflegt, fremde Männer zu daten und sich big dicks reinzupfeifen, aber sie zögert noch mit derlei Offenbarungen.

Fazit: Die Autorin Bianca Jankovska hat in ihrem Romandebüt alles gegeben, was das Feminist*innenherz begehrt. Schon ab Seite 11 war mir klar, dass ich jeden ihrer klugen Sätze unterschreiben werde. Ihre Protagonistin schenkt mir einen Blick in ihre Herkunftsfamilie, der mir aus meiner eigenen bekannt ist. Ich lerne ihren ersten festen Freund kennen, genannt „Loser“, der ihr Vertrauen missbraucht. Sie wollte es wirklich, dieses Zweierding aus großen Gefühlen, das zu einer eigenen Familie führt. Danach macht die erfolgreiche, unabhängige Performancekünstlerin alles anders. Ihr geerdeter Ehemann, weder sexuell attraktiv noch in irgendeiner Weise leidenschaftlich, wird ihr Fels in der Brandung, der sie auffängt, wenn sie frustriert von einem Fuckdate kommt. Sie trifft Männer die verantwortungslos, selbstgefällig, illoyal, egoistisch und empathielos sind. Dieser Roman ist ein feministisches Manifest, weil er alles infrage stellt, was meine und die nächsten Generationen für richtig erachten. Ganz nebenbei analysiert die Protagonistin dieses attraktive, leidensfähige Frauenbild, das wir alle internalisiert haben, weil das Patriarchat einst ausgetrieben immer neue Anspruchsfrüchte trägt. Zum Schluss reflektiert sie ehrlich ihre wirklichen Bedürfnisse, frei von Selbstbetrug. Was für ein intelligenter, selbstbewusster Roman, zugegeben unbequem, ein bisschen schmutzig, ein wenig gehässig und streckenweise urkomisch. Es ist befreiend über das zu lesen, was ich selbst gut kenne und es so aufgeräumt und klar begreifen zu dürfen, ohne Bagatellisierungen (so is er halt) Selbstzweifel (liegt vielleicht an mir) und den ganzen weiblichen Quatsch.
Profile Image for Seitenmusik.
474 reviews25 followers
March 5, 2026
„Und so wird die begrenzt vorhandene mentale Energie für die Interpretation von Gemeinheiten abgebaut statt für die Abschaffung des Patriarchats. Es ist eine Lose-Lose-Rechnung, auf ganzer Linie." Dieser Satz aus Bianca Jankovskas Debütroman „Fuckgirl", erschienen am 5. März 2026 im Haymon Verlag, trifft den Kern dessen, worum es in diesem Buch geht & und er fällt bereits auf Seite 9. Eine Performancekünstlerin Ende dreißig, toxische Beziehungsmuster als Normalzustand kennenlernt & schließlich ihr eigenes Regelwerk entwirft: eine einseitig offene Ehe, in der sie den Ton angibt. Als sie herausfindet, dass einer ihrer One-Night-Stands seine Freundin betrügt, entwickelt sie einen Racheplan und der Roman wird zur Abrechnung, die weit über diesen einen Mann hinausgeht.

Meine Meinung

Was mich von der ersten Seite an gepackt hat, ist der Schreibstil. Jankovska schreibt essayistisch, provokativ, manchmal fast monologisch und trotzdem nie unstrukturiert. Der Roman ist in Lessons unterteilt, die die Ich-Erzählerin wie Blog-Einträge kommentiert, ergänzt durch Fließtext, der zwischen Analyse und rohem Erleben hin- und herpendelt. Diese Struktur hat mich anfangs kurz auf die falsche Fährte gelockt: Eine Figur, bei der ich lange mitgegangen bin, entpuppte sich als etwas völlig anderes, als ich dachte. Das war handwerklich sehr gut gemacht und hat mich als Leserin auf eine angenehme Art überrumpelt.

Zunächst irritierend aber am Ende durchaus logisch und raffiniert fand ich, wie das Buch Figuren konsequent namenlos lässt. Es gibt keine Namen, nur Funktionen und Rollen: Fuckgirl, Mann, Loser, Mama, die Andere, der Journalist. Ich habe gemerkt, das ist keine literarische Spielerei, sondern eine politische Entscheidung. Denn die Figuren sind austauschbar, weil das System, das sie hervorbringt, austauschbar ist. Gleichzeitig ist Fuckgirl selbst damit mehr als eine Figur. Sie ist ein Typ, ein Entwurf, eine Möglichkeit.

Das Buch ist manchmal schmerzhaft direkt, etwa wenn es um die Weitergabe von Gewalt über Generationen geht, oder wenn es fragt, was Liebe ist, wenn man nur gelehrt wurde, Traumata zu tolerieren: „Als Liebe wurde ihr beigebracht, Traumata in Kauf zu nehmen. Als Liebe wurde ihr beigebracht, nicht zu fragen, ob sie etwas Besseres verdient." (S. 61) Das trifft, weil es keine Ausnahme beschreibt, sondern eine Regel.

Einen Moment gab es allerdings, bei dem ich nicht mitgegangen bin: Jankovskas Argumentation bzw. die der Protagonistin rund um Dickpics hat mich herausgeworfen. Der Versuch, diese zu normalisieren oder zu entdramatisieren, hat mir (bei allem Verständnis für die Grundhaltung) gefehlt, weil er die realen Machtdimensionen hinter unerwünschtem Bildmaterial meiner Meinung nach zu schnell beiseite schiebt. Das ist einer der wenigen Momente, in denen ich das Gefühl hatte, dass die Provokation um ihrer selbst willen kommt.

Fazit

„Fuckgirl" ist ein Debütroman, der sich traut, unbequem zu sein. Er ist für alle, die Gegenwartsliteratur wollen, die Feminismus nicht als Haltung, sondern als Analysewerkzeug begreift; für alle, die Bücher mögen, die ihnen nicht schmeicheln, sondern zurückstarren. Von mir gibt es eine große Empfehlung. Vielen Dank an der Stelle an den Haymon Verlag sowie netgalley.de für das digitale Rezensionsexemplar.
Profile Image for F.M. Winkel.
Author 10 books2 followers
May 4, 2026
》 𝐇𝐢𝐠𝐡𝐥𝐢𝐠𝐡𝐭 5 ⭐


Das Cover spricht mich so sehr an, man kann das Buch gar nicht nicht in die Hand nehmen. Die neongrüne Farbe, der Titel, das starke Retro-Bild. Ich liebe alles daran ♡

Schon auf den ersten Seiten dachte ich mir, endlich mal wieder ein feministisch-literarischer Roman, der sich etwas traut, sei es mit Schreibstil oder Inhalt.
Der Stil ist direkt, ungeschönt, fesselnd, aufrüttelnd. Es macht wütend, manchmal etwas hilflos, dann wieder empowernd. Man merkt, dass die Geschichten auf wahren Erlebnissen verschiedener Frauen beruhen, zunächst habe ich es für autobiografisch gehalten.

Die Protagonistin erlaubt sich, sich zu nehmen, was sie will und ihr zusteht. Sie ist offen, unabhängig und souverän. Spricht an, wenn ihr etwas nicht passt, supportet Frauen und würgt toxic Fckboys eins rein. Besonders hat mir gefallen, wie sie der betrogenen Mutter die Screenshots des Fremdgängers geschickt hat. Das bekomme ich in meinem Umfeld auch öfter mit - das moralische Grübeln zuvor war sehr authentisch dargestellt und die Einsicht, dass nicht die girls in den dating apps die Ehe zerstören, sondern einzig der Mann, der sich heimlich mit anderen trifft. Der Prota ging es nicht darum, gemocht zu werden, sondern konsequent zu handeln. Dafür habe ich sie geliebt.

Spannend fand ich, dass die Charaktere keine Namen haben, sondern als Funktionen wie Fckgirl, Mann, Loser, Daddy, Journalist etc bezeichnet werden und damit repräsentativ fungieren.
Ich habe öfter gelesen, Mann würde unsympathisch wirken, aber für mich war er wie Möbelinventar, irgendwie einfach nur da, ohne Emotionen auszulösen.

Das Buch klärt auf über verschiedene Beziehungstypen, Dating, Feminismus und rüttelt darüber wach, was sich viele Frauen gefallen lassen, um angebliche Harmonie vorzutäuschen. Oder was man von einem ONS verlangen darf und sollte.
Ich habe den Struggle der Prota gefühlt, ihre Wünsche, ihre Ängste, ihr Denken, und bin der Meinung, das Buch hat viel mehr Aufmerksamkeit verdient. Zwischen den Kapiteln gibt es passende Lyrics-Zeilen. Ich habe es definitiv nicht das letzte Mal gelesen. Ich liebe diese Form weiblicher Solidarität ♡
Displaying 1 - 30 of 52 reviews