»Dein Bauchgefühl irrt nie!« – Klar. Und Einhörner sind die besseren Haustiere.
Psychologische Mythen sind allgegenwärtig. Viele wirken plausibel, doch die Forschung Darin steckt jede Menge Bullshit. Von »Wir nutzen nur 10 Prozent unseres Gehirns« bis »Mein Ex ist ein krasser Narzisst« – die Liste ist endlos.
Dieses Buch ist Ihr Bullshit-Detektor für psychologische Alltagsweisheiten. Wissenschaftlich fundiert, verständlich erklärt und mit einer Prise Humor werden die beliebtesten Irrtümer der Pop-Psychologie auf den Prüfstand gestellt. Es Lügner erkennt man eben nicht immer an der Körpersprache, Rache ist ganz und gar nicht süß – und Alkohol macht uns höchstens peinlich, aber ganz sicher nicht authentisch.
Für alle, die Psychologie ernsthaft verstehen wollen – ohne sich von Bullshit täuschen zu lassen.
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In diesem Buch erfahren
- Warum Ihr Bauchgefühl nicht die Glaskugel ist, für die Sie es halten.
- Wieso positives Denken nicht Ihr Leben rettet – aber vielleicht das Konto vonMotivationsgurus füllt.
- Warum Sie sich an Details erinnern, die nie passiert sind.
- Warum Werbung Sie beeinflusst – auch wenn Sie felsenfest überzeugt sind, dass sie das nicht tut.
- Weshalb nicht jeder Ex ein Narzisst ist (sorry!).
- Warum Sie schon jetzt 100 Prozent Ihres Gehirns benutzen – auch montagmorgens.
- Wieso Körpersprache beim Lügenlesen so zuverlässig ist wie Horoskope.
- Warum »gesunder Menschenverstand« oft alles andere als gesund ist.
- Und weshalb echte Psychologie spannender ist als jeder Insta-Coach.
Als Psychologin werde ich immer wieder gefragt, welche psychologischen Sachbücher ich eigentlich empfehlen kann. Da komme ich dann meistens kurz ins Rudern, da ich selbst interessanterweise beinahe nie psychologische Sachbücher lese. Das überrascht meistens mein Gegenüber, doch durch mein Studium, die vielen gelesenen Fachbücher und meine tägliche Arbeit sind die meisten Sachbücher zu dem Thema für mich häufig entweder nicht interessant, redundant oder ich möchte mich in meiner Freizeit schlichtweg nicht auch noch damit auseinandersetzen. Ab und zu macht mich ein Titel aber dann doch neugierig, weil er entweder ein Thema abdeckt, in dem ich mich weiterbilden möchte, weil er extrem viel verspricht und ich testen möchte, wie fundiert das Ganze tatsächlich ist, oder weil er nach einer spaßigen Art und Weise klingt, gelerntes nochmal aufzufrischen. "Bullshit-Bingo Psychologie" war eine Mischung aus alldem, da das Buch verspricht, psychologische Mythen, mit denen man häufig konfrontiert wird, zu entlarven.
Auf 206 Seiten greifen die beiden Autoren eine breite Palette an typischen Psycho-Behauptungen auf – von der Idee, wir würden nur zehn Prozent unseres Gehirns nutzen, über die vermeintliche Diagnose „Mein Ex ist ein krasser Narzisst“ bis hin zu Fragen wie, ob Rache wirklich süß ist, ob man Lügner zuverlässig an ihrer Körpersprache erkennt oder wie stark Werbung unser Verhalten tatsächlich beeinflusst. Die Auswahl ist abwechslungsreich gestaltet und greift viele Themen auf, die im Alltag immer wieder auftauchen und diskutiert werden. In unterhaltsam aufgebauten und gut strukturierten Kapiteln werden damit komplexere psychologische Zusammenhänge verständlich zu vermitteln, ohne zu stark zu vereinfachen. Gerade für Leserinnen und Leser ohne fachlichen Hintergrund bietet das Buch aus meiner Sicht also einen leichten Einstieg in die kritische Auseinandersetzung mit verbreiteten Annahmen.
Allerdings hatte ich stellenweise den Eindruck, dass einige der behandelten Mythen und Fragen etwas aus der Zeit gefallen wirken oder inzwischen so gut bekannt sind, dass ihr Erkenntnisgewinn begrenzt bleibt. Hier hätte eine etwas bewusstere Auswahl oder eine stärkere Fokussierung auf aktuellere oder subtilere Irrtümer dem Buch sicher nicht geschadet. Auch der Ansatz, nach jedem Kapitel einen "Bullshit-Faktor" anzugeben, um den Wahrheitsgehalt der Aussage numerisch von 1-100 Prozent anzugeben, kann diskutiert werden. Wie von Jochen Metzger und Jens Schröder betont, ist dieser Bullshit-Faktor lediglich das Ergebnis einer Schätzung. Ob jede von den beiden Wissenschaftsjournalisten formulierte Einschätzung einer strengen wissenschaftlichen Prüfung standhalten würde, ist aber fraglich. Auch stellt sich die Frage, ob nach einer differenzierten Aufschlüsselung im Kapitel am Ende überhaupt ein allgemeiner Faktor geschätzt werden muss, wo es doch immer "darauf ankommt", wie die beiden Autoren im Kapitel zuvor ausführlich dargelegt haben. So tippen sie meines Erachtens wieder in die vereinfachende Pauschalurteil-Falle, der sie doch eigentlich zu entkommen versucht haben. Nichtsdestotrotz gebe ich dem Buch einen geringen Bullshit-Faktor und empfehle es als unterhaltsames und lehrreiches Buch für Psychologie-Fans.
Fazit
Ein unterhaltsames und zugleich lehrreiches Buch, das insbesondere für psychologisch interessierte Leserinnen und Leser einen niederschwelligen, humorvollen Zugang zu wissenschaftlichem Denken bietet. Es ersetzt keine vertiefte Fachliteratur, erfüllt aber seinen Anspruch, Alltagsmythen kritisch zu beleuchten und dabei zum Hinterfragen scheinbar selbstverständlicher Aussagen anzuregen.
Viele Beispiele sollen die beschriebenen psychologischen Effekte anschaulich machen. Leider sind die meisten davon mehr als zehn Jahre alt und entweder längst Allgemeinwissen oder schlicht nicht mehr besonders relevant. Denn wie viele Leute hören heute noch regelmäßig Radio? Haben Kinoblockbuster wie Skyfall dreizehn Jahre später tatsächlich noch denselben gesellschaftlichen Stellenwert? Und gibt es im Jahr 2025 wirklich noch Menschen, die an den seit über zwanzig Jahren widerlegten Mythos subliminaler Werbebotschaften glauben?
Wenn es, wie bei den genannten Beispielen, um Neuromarketing, Nudging oder den „Mere-Exposure-Effekt“ geht, hätte ich mir eine zeitgemäßere Auseinandersetzung gewünscht, etwa anhand von suggestivem Influencer Marketing oder Ragebait im Internet.
Bei einem so angriffslustigen Titel wie Bullshit-Bingo Psychologie hatte ich nicht erwartet, dass die Auseinandersetzungen derart gemütlich und altbacken ausfallen und dabei auf jegliche aktuelle Gesellschaftskritik verzichten. Dass die Autoren offenbar selbst nicht hinter dem Titel ihres Buches stehen, machen sie bereits im Vorwort deutlich. Dort entschuldigen sie sich gleich dreimal für das harsche Wort Bullshit und äußern großes Verständnis für entsprechende Verrisse (bitte sehr!).
Das wirkt wie ein klassischer Fall von großer (Buch-)Klappe und nichts dahinter. Wenn ich mich bewusst für ein Buch mit dem Titel Bullshit-Bingo entscheide, möchte ich nicht, dass gleich auf der ersten Seite zurückgerudert wird, sondern mit Inbrunst und scharfer Argumentation überzeugt werden, warum viele psychologische Mythen tatsächlich Bullshit sind. Ironischerweise hat mir das Buch auf diese Weise dennoch ein sehr aktuelles und entwaffnendes Beispiel dafür geliefert, wie anfällig ich selbst für irreführende Werbestrategien bin …
Grundsätzlich anschaulich beschrieben. Manche Kapiteln hätten noch mehr vertieft werden können, klarer. Einfach - schnell zu lesen. But not that special.