Eine berührende literarische Reflexion über jüdische Erinnerung und Gegenwart: Die Psychologin Marina Chernivsky beschreibt, warum der 7. Oktober 2023 für die jüdische Gemeinschaft einen tiefen Bruch darstellt, der durch soziale Kälte und Antisemitismus noch vertieft wird. Sie schreibt von Zeiten, die nicht vergehen, und Orten, die nachleben. In einer bildhaften Sprache schildert sie, wie die Vergangenheit fortwirkt und welche Herausforderungen die Gegenwart mit sich bringt. Mit Bruchzeiten legt sie ein Buch vor, das autobiographische Erzählungen mit gesellschaftlichen Beobachtungen verwebt. Ein eindringliches Porträt über das Leben in einer Welt, die in Fragmente zerfallen ist und nur aus ihren Bruchstellen heraus verstanden werden kann. Durch den 7. Oktober, so schreibt sie, ist Juden vor Augen geführt worden, was es bedeutet, wenn Hetze, Häme und Opfer-Täter-Umkehr unwidersprochen bleiben.
Gerade habe ich das Buch zu Ende gelesen und ich bin tief bewegt. Es ist kein leichtes Buch, aber ein unglaublich wichtiges. Ich habe es schon immer geliebt, Geschichten über jüdisches Leben zu lesen, die über die üblichen politischen Debatten und Konflikte im Nahen Osten hinausgehen. Dieses Buch bietet viel mehr als nur eine weitere Analyse. Marina Chernivsky, die als Psychologin und Expertin für Antisemitismus eine einzigartige Perspektive hat, teilt nicht nur ihre eigene Geschichte, sondern gibt auch Einblick in die kollektive Seele der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland und weltweit nach dem 7. Oktober. Sie beschreibt die "Bruchzeiten" – die Risse und Brüche in unserem Verständnis von Sicherheit, Gemeinschaft und Identität – mit einer Klarheit und Ehrlichkeit, die unter die Haut geht. Es ist erschütternd zu lesen, wie tief die alten, historischen Traumata durch die jüngsten Ereignisse wieder aufgerissen wurden. Die Angst um die eigene Sicherheit und die Sicherheit der Familie ist plötzlich wieder eine alltägliche Realität, verstärkt durch den schrecklichen, anhaltenden Antisemitismus, mit dem Jüdinnen und Juden konfrontiert sind. Die Geschichte der Verfolgung scheint sich auf quälende Weise zu wiederholen, und das Buch zeigt eindrücklich, wie sich diese neue Welle der Angst in das Leben einfügt. Und ja, das Buch berührt auch die schmerzhaften Realitäten des Krieges im Gazastreifen. Marina Chernivsky wendet sich diesen Wunden mit derselben menschlichen Tiefe zu, mit der sie die Traumata des 7. Oktobers behandelt. Sie verleugnet nicht das Leid auf der anderen Seite, sondern zeigt, wie die Spirale der Gewalt und der Verlust an Menschenleben beide Seiten zutiefst erschüttern. Diese Ausgewogenheit, die das Leid beider Seiten anerkennt, ohne falsche Gleichsetzungen zu treffen, macht das Buch noch kraftvoller und ehrlicher. Ihre Perspektive als Expertin verleiht dem Buch eine zusätzliche Ebene an Fundiertheit, da sie die psychologischen Mechanismen von Trauma und Angst analysiert und wie diese Gemeinschaften formen. Dieses Buch ist ein Aufruf zur Empathie, zum Verständnis und zum Gedenken. Es ist ein unersetzliches Dokument unserer Zeit. Wer verstehen möchte, was Jüdinnen und Juden heute in Deutschland und weltweit bewegt, für den ist dieses Buch ein absolutes Muss. Es ist ein Herzensprojekt und ich kann es nur wärmstens empfehlen.