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NEMESIS' TÖCHTER: 3000 Jahre zwischen Female Rage und Zusammenhalt

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Ein feministisches Plädoyer für die Anerkennung weiblicher Wut von Platz-1-SPIEGEL-Bestseller-Autorin Tara-Louise Wittwer alias @wastarasagt 

Seit Jahrhunderten werden Frauen unterdrückt. Frauen, die in irgendeiner Weise Stärke ausgestrahlt, sich selbst ermächtigt und zur Wehr gesetzt haben, werden belächelt, verurteilt und dämonisiert. Und all diese Frauen leben in uns weiter - ihre Angst, ihre Freude, ihre Liebe. Und ihre Wut. All diese Mütter, Großmütter und Urgroßmütter. Alle Frauen der Geschichte, die große Opfer auf dem steinigen Weg zur Gleichberechtigung bringen mussten. 

Auf der Suche nach den Ursprüngen von Female Rage taucht Tara-Louise Wittwer (Sorry, aber …) in die europäische Geschichte ein und erzählt die ungehörten Geschichten der Frauen, die sich gegen das männliche Narrativ der Schwäche und Passivität gestemmt haben. Von den Sagen der Antike, bis zur Realität des 21. Jahrhunderts, von Giulia Tofana, der legendären Giftmischerin, bis zu den unbekannten Heldinnen des Alltags. 

Die SPIEGEL-Bestseller-Autorin bringt tiefsitzende, über Generationen vererbte patriarchale Narrative ans Licht, mit denen nur ein Ziel verfolgt Frauen zu schwächen, zu verunsichern und mundtot zu machen. Wir leben in einer Gesellschaft, die Frauen systematisch Unrecht tut und verhindern will, dass sie sich gegenseitig stärken. Doch die Zeit der Pick-me-Girls ist vorbei und Frauen müssen sich miteinander solidarisieren.

Tara-Louise Wittwer zeigt, was Frauen erreichen können, wenn sie zusammenhalten, damit ihre Wut irgendwann heilen kann.

222 pages, Paperback

First published October 1, 2025

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Tara-Louise Wittwer

6 books474 followers

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Displaying 1 - 30 of 785 reviews
Profile Image for wastarasagt.
1 review1,136 followers
November 2, 2025
Keine Ahnung hab echt lang dran geschrieben ich geb mir jetzt einfach 5 Sterne
Profile Image for Chiara.
86 reviews
November 1, 2025
Wow, Tara hat es geschafft so viele wichtige Themen in ein einziges Buch zu packen, dass jedes davon für sich allein ein ganzes Buch hätte sein können. Trotzdem wirkt nichts überladen – im Gegenteil: Es ergibt ein starkes, klares Gesamtbild weiblicher Wut und Geschichte.

Ihre Bezüge zur Mythologie (z. B. die Furien, „the kindly ones“ – wunderbar auch wie bei The Sandman dargestellt) geben der Wut eine historische Einordnung.

Mich hat das Konzept, Zeit in „Müttern“ zu rechnen ziemlich perplex gemacht. Super logisch und genial – es bringt das, was sonst abstrakt bleibt, was einem „lange her vorkommt“ dann doch auf den Punkt der einen emotional anspricht.

„Die strukturelle Vereinzelung ist das, was uns schwächt.“

Auch die gesellschaftlichen Spiegelungen – von „Chill Girl“-Jugend bis hin zum Satz „Du bist wie deine Mutter“ (warum ist das eigentlich immer nur negativ konnotiert?) haben mich viel nachdenken lassen. Und wisst ihr was? Ich bin wütend!!! Sie zeigen, wie tief Misogynie in unseren Alltagsstrukturen sitzt. Auch so oft unbewusst.

Ich musste an Bücher wie „Herumtreiberinnen“ von Bettina Wilpert oder an die Magdalenenwäschereien in Irland denken – Orte und Geschichten, die zeigen, wie Frauen weggesperrt und zum Schweigen gebracht wurden. Wie kann es sein, dass so viele von uns davon nie gehört haben?! Und das gar nicht lang her ist?
(Ich selbst auch erst nachdem ich danach suche und mir von der Büchergilde das Buch von Bettina Wilpert als Quartalsbuch zugeschickt wurde! (Danke dafür!! Ich habe das Gefühl dass es eine Frau ausgesucht hat).

Seid laut und seid gern die unangenehme Person. :-)
Profile Image for Konsti.
57 reviews2 followers
November 27, 2025
Ich wollte es mögen, aber am Ende war es mir doch zu unfokussiert, wollte alles mögliche an Themen wenigstens tangieren, blieb dann aber in der Folge oberflächlich und entfernte sich doch immer wieder recht weit vom eigentlichen Thema der Female Rage.

Ich hatte schon sehr früh im Buch das Gefühl, pretty much verstanden zu haben, als was die Autorin Female Rage definiert, bis es als Begriff im Versuch der genaueren Erklärung an so vielen - teils sehr interessanten - Beispielen so hyperplastisch ausgedehnt wurde, dass es irgendwie alles und nichts zu meinen scheint. Jede Ungerechtigkeit, jede Reaktion darauf, jeder Antrieb im Streben nach Gleichberechtigung jeder Bewegung jemals. Dazu die wirklich sehr anstrengend repetitive Polemik bei der Darlegung von ungerechten Verhältnissen oder problematischer Sozialisierung der binären Geschlechter am Beispiel von männlichem Fehlverhalten - mir kam es vor, als hätte die Autorin sehr lange am Buch geschrieben und vergessen, stilistisch-humoristische Mittel schon sieben bis acht Mal auf exakt gleiche Art in den bisherigen Kapiteln benutzt zu haben. Ständig verwendet sie die Phrase, irgendein Jens, Daniel, Phillip oder Peter aus - hier bitte nach Provinz klingender Stadtname einfügen - würde ihr in Situation X Statement Y als Kommentar an den Kopf werfen (hier nun zutiefst sexistisch Kommentar einfügen), um dann zu erklären, warum das natürlich Quatsch ist. Ich fand das nach dem zweiten Mal weder erkenntnisreich noch witzig, sondern unangenehm, weil es zum einen dieser Art Kommentare viel Raum gab und es auf der anderen Seite so wirkte, als müsse sich die Autorin vor sich selbst oder einem fiktiven, präventiv mit eingeplantem Hater-Publikum rechtfertigen. Ich fand das schade, weil es ihren Takes die Wucht nahm.

Gegen Ende wurde es mir dann auch zu self-centered, als seitenweise dargelegt wird, wie der eigene Erkenntnisgewinn zu einer nun viel progressiveren Haltung der Autorin geführt hat. In mir entstand der Eindruck, dass es vielleicht doch mehr um die persönliche Entwicklung der Autorin ging, als um den inhaltlichen Gegenstand, der viel mehr begründete, dass sie dieses Buch schreiben konnte, kombiniert mit interessanter Recherche und ihrer Sicht auf aktuelle feministische Diskurse. Wer ihren Content auf TikTok verfolgt und sie als Persönlichkeit kennt und mag, wird daran sicherlich Gefallen finden können. Ich, der nur als Autorin von Tara zu hören bekam, war jedoch insgesamt eher weniger begeistert.
Profile Image for Sonja Bee.
290 reviews20 followers
January 18, 2026
Muss ich gar nicht viel sagen.
Tara spricht mir aus der Seele und liefert viele Fakten, Quellen und Anekdoten zum Thema Female Rage. Dieses bisher unbenannte Gefühl welches Frauen seit Generationen in sich tragen.
So lässt sie viele weibliche historische Figuren im neuen Licht erscheinen und gibt zusätzlichen Input für die Gegenwart und den Kampf des Feminismus gegen das Patriarchat.
Profile Image for Bine.
841 reviews111 followers
November 5, 2025
Ein echt tolles, und vor allem wichtiges Buch, man mag fast schon sagen, ein Buch unserer Generation. Tara schreibt in diesem Buch am Ende des Tages den aktuellen feministischen Diskurs in unserer (Medien-)Gesellschaft auf, gespickt mit einigen historischen Beispielen, ja Ursprüngen, aus dem sich female rage entwickelt, geradezu aufgebaut hat.

An dieser Stelle kommt aber auch mein größter Kritikpunkt: Ich finde, das Buch wird seinem Marketing nicht gerecht. Sowohl Cover als auch Titel und Klappentext versprechen eine gründliche historische Aufarbeitung von female rage, aber allein, wenn man die Dicke des Buches betrachtet, wird klar, dass dieses Buch das nicht bieten kann. Ich war schon enttäuscht, als ich bemerkt habe, dass dieses Buch sich hauptsächlich um die aktuell patriarchalisch geprägte Gesellschaft dreht und die Begebenheiten aus der Geschichte immer nur kurz angeführt werden, nur um dann direkt wieder die Gegenwart zu thematisieren. Ich wäre sooo gerne tiefer in die Geschichte eingestiegen, also leider kein Buch für wirklich Geschichtsinteressierte, sondern eher eine gute Einführung oder ein Überblick über den feministischen Diskurs an sich.

Gerade weil ich diesen online aktiv verfolge, hat mir das Buch nicht besonders viel Neues aufgezeigt, außer eben einige historische Bezüge, von denen ich gerne mehr gehabt hätte. Ich habe es zum Beispiel sehr geliebt, wenn Tara uns in eine historische Figur imaginiert hat, aus ihrer Sicht geschrieben hat. Das fand ich wahnsinnig stark und auch gut geschrieben. Ein fiktionales Buch von Tara würde ich auf jeden Fall in die Hand nehmen, ich denke, sie hat das Zeug dazu.

Dennoch: Tara hat ihre Message sehr klar rübergebracht, wenn auch leider durch einige (wahrscheinlich unvermeidliche) Wiederholungen ihrer Forderungen, Thesen und Anklagen. Das fand ich zugegebenermaßen etwas lästig, denn die Wiederholungen haben nicht gerade zu einer guten, schlüssigen Struktur beigetragen. Oft hatte ich das Gefühl, einen ständigen „Stream of Consciousness“ zu lesen. Strukturell etwas schwach, aber gleichzeitig, sehr authentisch, zugänglich und echt unterhaltsam (ich wette im Hörbuch noch viel mehr als Buch).
Am Ende will ich noch positiv hervorheben, wie Tara ihr Umdenken zum Thema Sexarbeit thematisiert. Sowas zeugt von Stärke und Reflektionsfähigkeit und ich stimme ihr in dem Thema vollkommen zu.

Also all in all: Hat nicht ganz meine Erwartungen erfüllt und ist trotzdem ein sehr gutes Buch für das, was es ist. Nur passen mal wieder Marketing und Inhalt nicht ganz zusammen, das kann man der Autorin aber nicht vorwerfen. Für mich schwierig zu bewerten, ich kann aber keine schlechte Bewertung geben, eben weil es ein gutes Buch ist!
Profile Image for Livi.
13 reviews1 follower
November 16, 2025
Habe das Buch gelesen, weil ich an dem historischen Abriss weiblicher Wut interessiert war, der im Titel versprochen wird. Leider wird das Thema nur gestreift, stattdessen kreist die Autorin um Hasskommentare im Internet und um sich selbst. Kapitelweise werden bekannte feministische Diskurse wiedergegeben, dadurch war leider kaum ein neuer Gedanke im Buch. Sprachlich ist der Text sehr an Social Media-Lingo angepasst („Frauen sollen gefallen, oder Jonas???“), muss man aushalten können.
Profile Image for Jill.
160 reviews186 followers
January 4, 2026
so gut! vor allem die historischen teile haben mir mega gut gefallen. ein muss für alles. vieles hat man sicherlich schon gehört, aber man kann es nie oft genug hören.
Profile Image for Ex Libris.
108 reviews2 followers
October 7, 2025
Tara-Louise Wittwer spürt in „Nemesis’ Töchter“ der Geschichte weiblicher Wut nach – nicht als schriller Schlachtruf, sondern als analytischer Blick auf Strukturen, Narrative und die Kraft des Zusammenhalts. Das Buch schlägt eine Linie durch 3000 Jahre, macht Female Rage sichtbar und verankert sie in konkreten Beispielen von der Antike bis heute – mit spürbarem Schwerpunkt auf der europäischen Tradition.

Wittwers größte Stärke ist die Balance aus pointierter Sprache und ernsthafter Recherche. Sie erklärt, ohne zu dozieren; sie mobilisiert, ohne zu moralisieren. Besonders eindrücklich gelingt ihr, wie sie Mythenbilder und historische Zuschreibungen aufbricht, um die Mechanismen dahinter freizulegen: Wer benennt „Hysterie“? Wer profitiert davon, wenn weibliche Wut pathologisiert statt politisiert wird? Dass sie diese Fragen mit Witz und Wärme stellt, macht das Buch enorm zugänglich – und genau deshalb wirksam.

Kritisch bleibt: Der Fokus auf Europa öffnet zwar einen klaren, gut sortierten Parcours durch Quellen und Beispiele, blendet aber Stimmen aus dem Globalen Süden und nicht-westliche Genealogien feministischer Kämpfe teilweise aus. Zudem wiederholen sich gegen Ende Argumentationsmuster und einige Übergänge wirken eher wie energiegeladene Threads als wie stringent gebaute Kapitel. Wer sich eine stärkere theoretische Schärfung des Begriffs „Female Rage“ (z.B. eine präzisere Abgrenzung zu Zorn, Trauer oder Ohnmacht) wünscht, wird an einzelnen Stellen nach noch mehr Tiefbohrung verlangen. Das mindert den Erkenntnisgewinn jedoch kaum – im Gegenteil: Die Lesbarkeit ist ein Feature, kein Bug.

Besonders überzeugend ist der solidarische Grundton. Wittwer widmet die Wut nicht dem Gegeneinander, sondern dem Füreinander – und zeigt, wie aus Emotion politisches Handeln werden kann: im Alltag, in Sprache, in unseren Beziehungen. So entsteht ein Buch, das ebenso bildet wie bestärkt. Wer feministische Sachbücher schätzt, findet hier eine Stimme, die mit Elan Brücken baut zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Popkultur und Politik, persönlicher Erfahrung und struktureller Analyse.

Fazit: Ein notwendiges, nahbares und inspirierendes Buch – mit kleinen Lücken in der globalen Perspektive, aber einer großen Einladung, weibliche Wut als Ressource zu verstehen.
Profile Image for le.lyssa.
176 reviews603 followers
November 20, 2025
"Ja, eine Selbstjustiz ist keine Lösung. Aber was ist es dann?"

Ich habe schon viele feministische Bücher gelesen und bin vorher auch immer etwas zurückhaltend, da man das Rad ja nicht neu erfinden kann und oftmals gleiche Gedankengänge wiederholt werden - so ist es bei "Nemesis' Töchter" aber nicht.
Tara sucht mit uns den Ursprung von Misogynie: Wo und wann fing es an? Und viel wichtiger: Welche Frauen haben vor uns gekämpft und ihr Leben verloren - welche Namen dürfen wir nicht vergessen?
Mit einer Prise Humor, Wut, und Zusammenhalt beweist Tara, dass sie einer der wichtigsten und stärksten (feministischen) Stimmen in Deutschland ist und sie für den Kampf der Gleichberechtigung unverzichtbar ist.
Profile Image for Stefanie Lebert.
9 reviews
January 12, 2026
Das Buch war echt unterhaltsam & hat Spaß gemacht zu lesen, ich mochte den humorvollen und flüssigen Schreibstil. Hier aber meine anscheinend unpopular opinion:

Inhaltlich war (abgesehen vom Thema Hexenverbrennungen) allerdings nicht viel Neues und/oder Relevantes dabei - ich glaub, ich hab schon so viel feministische Literatur im Regal, dass sich viele Themen gefühlt wiederholen 😅 Wir (vor allem Taras Zielgruppe) wissen doch inzwischen alle, wie krass Frauen in den vergangenen Tausenden von Jahren diskriminiert wurden und wieviel Gewalt sie erleben mussten. Ich würde mir wünschen: richten wir unseren Blick nach vorne!

Ich bin und bleibe kein Fan von Pauschalisierungen und Überspitzungen aka „Männer sehen Frauen nicht als Menschen sondern Gebärmaschinen“. Was soll das bringen im Diskurs? Ich bezweifle, dass auch nur eine einzige Person durch dieses Buch ihre Standpunkte hinterfragen würde. Stattdessen entfacht es nur weiter den Graben zwischen den Geschlechtern.

Tara erzählt oft anekdotisch und zynisch von z.B. sexistischen Kommentaren unter ihren Beiträgen, die natürlich überhaupt gar nicht ok sind - aber aus meiner Sicht ist das echt eine spezielle Bubble und null repräsentativ. Wir sind doch gesamtgesellschaftlich schon so viel weiter!

Vielleicht hat sich aber auch einfach nur mein persönlicher Blick auf die Dinge entschärft, weil ich seit einigen Monaten nicht mehr auf Instagram bin, und weil ich beruflich ein Projekt zum Abbau von toxischer Männlichkeit mit jungen Männern hatte, was mich hoffnungsvoll stimmte. Meine eigene female rage ist also offensichtlich etwas abgeflaut, das ist mein persönliches Fazit aus dem Buch - und was das für mich bedeutet, darüber werd ich bestimmt noch länger nachdenken.

Zum Abschluss was Positives: Den Aufruf zu weiblichem Zusammenhalt und weiblicher Verbundenheit fühl ich zu 100% 🫶
Profile Image for Vita Wirt.
400 reviews294 followers
November 17, 2025
3.5 ⭐️
Wichtiger und guter Inhalt, auch wenn vieles bereits bekannt war. Für alle, die gerade erst in das Thema Feminismus einsteigen, aber ein wirklich solider Einstieg.
Profile Image for ZeldaSambucca.
24 reviews1 follower
January 9, 2026
Unter dem Titel habe ich mir etwas komplett anderes vorgestellt. Ich hatte mich auf eine Zeitreise durch die Entwicklung von Female Rage und Zusammenhalt eingestellt, allerdings wurde darauf nur sporadisch eingegangen und es ging vor allem auch viel um die persönlichen Erfahrungen der Autorin, was natürlich überhaupt nichts schlechtes ist, allerdings habe ich was ganz anderes erwartet. Für mich persönlich war einfach wenig Neues dabei, das Buch richtet sich eher an Einsteiger*innen der feministischen Literatur. Manchmal hat mir der rote Faden gefehlt und es wurde zu viel hin und her gesprungen. Der Schreibstil an sich war recht angenehm und nahbar, sodass das Buch recht kurzweilig war.
Profile Image for Leah.rhr.
26 reviews62 followers
October 26, 2025
In Nemesis’ Töchter geht es um weibliche Wut, um Schwesternschaft und darum, wie tief gesellschaftliche Erwartungen an Frauen eigentlich sitzen. Tara-Louise Wittwer zeigt, warum Wut nicht nur berechtigt, sondern auch befreiend sein kann.

Sie schreibt so, wie man sie aus Social Media kennt: direkt, humorvoll, nahbar, aber trotzdem mit Tiefgang. Sie selbst nennt sich eine „Einstiegsfeministin“ und genau das spürt man. Feminismus wird greifbar und verständlich erklärt, ohne ihn zu vereinfachen. Das Buch ist offen, einladend und bringt viele Themen auf den Punkt.

Besonders gut gefallen haben mir die Kapitel „Decentering Men“ und „Male Loneliness Epidemic“. „Decentering Men“ ist für mich ein wichtiger Teil meines eigenen Lebens, und die Kapitel haben viele Gedanken noch einmal zusammenhängend formuliert, die ich schon aus Social Media oder von anderen feministischen Inhalten kenne. Da mein Algorithmus auf TikTok und Instagram sehr feministische Inhalte ausspuckt, waren viele Punkte für mich nicht völlig neu, trotzdem fand ich es sehr wertvoll, alles in einem zusammenhängenden Text zu lesen. Ich habe mich oft wiedererkannt: „Ja, das kenne ich, genau diese Studie habe ich gesehen, genau diese Diskussion verfolgt“. Gerade dieses Zusammenfassen und Einordnen fand ich sehr gut.

Auch wenn für mich vielleicht viele Punkte aus dem Buch nichts Neues waren, bestärkt das nochmal, dass es ein wirklich gutes Einstiegsbuch in feministische Literatur ist. Es ist nahbar, sehr zugänglich und deckt viele Themen ab. Ich denke manchmal, „das ist doch klar, so denkt doch schon jeder, so lebt doch schon jeder“, aber genau so ist es nun mal nicht. Für Frauen oder Männer, die an einem anderen Punkt in ihrer eigenen Entwicklung stehen, ist das Buch ein sehr guter Einstieg, weil es auf eine verständliche und persönliche Weise abholt.

Was das Buch für mich besonders macht, ist der Ton: Wittwer schreibt nicht gegen etwas, sondern für etwas. Für Schwesternschaft, für Zusammenhalt, fürs Wütendsein, ohne sich zu schämen.

Ein kleiner Punkt ist mir aufgefallen: Manche Sätze sind ziemlich lang. Es fällt beim Lesen nicht wirklich auf, aber der Lesefluss wird ab und zu ein kleines bisschen gebremst. Das tut dem Gesamteindruck jedoch keinen Abbruch.

Nemesis’ Töchter ist ein starkes, zugängliches und wichtiges Buch. Es macht Mut, laut zu sein, Wut zuzulassen und sie als Kraft zu verstehen. Ich würde es wirklich jedem empfehlen, nicht nur Frauen, auch Männern, die verstehen wollen, was hinter Female Rage eigentlich steckt.
Profile Image for Marleen Hellebrand.
71 reviews
October 2, 2025
Wow?! In einem Atemzug durchgelesen mit Gänsehaut auf den letzten 50 Seiten. Tara bezeichnet sich selbst als „Einstiegsfeministin“ und genau so ist es. Hier wird Feminismus für absolut Jede/n zugänglich und verständlich gemacht. Wie kann man soo gut mit Worten jonglieren, dass man das Buch kaum weglegen kann?! Kapitel über Mütter 10/10. Außerdem gibt sie ihre persönliche Meinungsänderung und Entwicklung zum Thema Sexarbeit preis! Lest es, verschenkt es.. !
Profile Image for Sophie Alb.
76 reviews1 follower
March 11, 2026
Dieses Buch hat meine Wut so befeuert. Teilweise musste ich Pausen machen, weil ich mich so dermaßen aufgeregt habe. Ladies, es gibt noch viel zu tun! Und uns gegenseitig viel mehr zu unterstützen, ist die erste Maßnahme. Let‘s 👏🏽 fucking 👏🏽 go 👏🏽
Profile Image for Lisa.
30 reviews123 followers
October 14, 2025
Must read/listen! Ich bin so wütend. Wir sind wütend.

(Audiobook von der Autorin gelesen 10/10 ✨)
Profile Image for Annie Jo.
266 reviews21 followers
June 11, 2026
Everyone should read this!! This is the most educational book I’ve ever read and, frankly speaking, everything in this should be general knowledge but it devastatingly isn’t.

Tara, falls du jemals eine Übersetzung planst, call me!

Hier ein paar Ausschnitte aus dem Buch – Wer ist danach nicht lesen möchte, selbst schuld!

Wenn Überlebende sexualisierter Gewalt ihre Täter anprangern, gibt es [...] immer jemanden, der die zu Recht eingeforderten Konsequenzen infrage stellt: »Aber er war doch noch so jung! Er wusste nicht, was er tut! Er hat doch noch so ein tolles Leben vor sich!« Als erschütterndes, aktuelles Beispiel dient ein Gerichtsverfahren, in dem ein 24-jähriger Vergewaltiger aus Belgien im April 2025 zwar schuldig gesprochen, aber seine Strafe ausgesetzt wurde, weil er als »talentiert« gilt und eine »positive Persönlichkeit« hat. Er muss keine Konsequenzen fürchten, seinen zukünftigen Job auszuüben: Gynäkologe.

Female Rage
Female rage ist auch [...] in alltäglichen Situationen von Männern Dinge erklärt bekommen, die eine ähnliche oder durchaus weniger Kompetenz haben, einfach weil sie denken, sie wissen es besser. Weil sie eben Männer sind. Die Tatsache, dass diese Art der Übergriffigkeit oft einfach nur abgewimmelt wird mit »Ich wollte nur helfen« oder »Ich wollte nur nett sein, man kann sich auch anstellen«, ist eine Schuldumkehr: Die Frau, die etwas erklärt bekommt, wird als undankbar und zickig geframed, sie ist kompliziert, sie ist zu schnell genervt, denn der Mann wollte nur nett sein, »und was kann man schon dagegen sagen, man darf ja gar nichts mehr sagen!!!«

Female rage ist, wenn du verstehst, dass dein Äußeres immer bewertet wird. Immer. Egal, wie du aussiehst, egal, wie du dich anziehst. Wenn du zu dick bist, dann wird dir verboten, gewisse Kleidung anzuziehen. Denn nur dünne Frauen dürfen sich zeigen. Aber wenn dünne Frauen sich zeigen, dann wird gefragt, wieso sie sich zeigen, »sind sie etwa Schlampen???« Außerdem, wer will schon eine dünne Frau, »Kurven muss sie haben! Aber nur an den richtigen Stellen.« Dass es angeblich »richtige« Stellen gibt, impliziert, dass der weibliche Körper aus fast nur falschen Stellen besteht und richtig sind immer nur Brüste und Po. Generell die Unterteilung zwischen »richtig« und »falsch« und »zu wenig« und »zu viel« und »zu alt« und »zu jung« wird immer als Maßstab gesehen, als eine Tatsache anstatt als Möglichkeit, anstatt als Konjunktiv, anstatt als persönliche Präferenz.

Female rage ist, wenn du liest, dass weibliche Körper in der Medizin durchgehend ignoriert werden und damit nicht nur erhöhtes Leid, sondern auch erhöhte Sterberaten einhergehen. Ein absurdes Beispiel gefällig? Es gibt fast doppelt so viele Studien zu männlichem Haarausfall wie Studien zu Endometriose. Female rage ist, wenn dir auffällt, dass du deine eigenen Kompetenzen permanent infrage stellst, weil du so darauf konditioniert wurdest anzunehmen, dass du dich irren musst. Female rage ist das Eingeständnis von zu viel Mental Load, weil noch immer nicht anerkannt wird, dass all die Arbeit, das Planen und Organisieren und »noch mal schnell dran denken müssen« echte Arbeit ist: »Aber du hättest mir doch eine Liste schreiben können!!«. Auch das ist Arbeit.

Gleichberechtigung wird für viele Männer erst dann interessant oder relevant, wenn sie verstehen, dass es sie persönlich betrifft. Denn was hat man normalerweise schon davon, wenn man sowieso schon oben an der Spitze ist? Richtig, nichts. Also muss das Totschlagargument »Aber deine Tochter/Schwester/Mutter« her, irgendeine Frau in der Familie, Hauptsache, es betrifft sie in irgendeiner Weise selbst. Als ob Gleichberechtigung erst dann interessant wird, wenn sie am Ende auch einen Vorteil haben. Als ob man sie dazu überreden müsste.

Warum Misogynie und Misandrie nicht vergleichbar sind
Wenn sich der internationale Weltfrauentag nähert, füllen sich die Kommentarspalten online mit »Und wann ist Männertag???«-Kommentaren, von Männern, die tatsächlich bis heute nicht begriffen haben, dass alle anderen 364 Tage Männertage sind, dass wir noch immer in Männerjahren leben, in einer Männergesellschaft, in einer Männerwelt.

Feminismus ist das neue Voldemort, das unaussprechliche Wort, für das man sich schon fast schämen muss, man darf es nur noch flüstern: »Bist du etwa … Feministin?« – weil sonst aus irgendeiner Ecke ein getriggerter Mann gesprungen kommt und dich anschreit: »Und die Unterdrückung der Männer?????«, weil sie selbst bei Unterdrückung und Ausbeutung bitte den ersten Platz haben und nicht abgeben wollen.
Tja, beides geht nicht: aktiv unterdrücken und gleichzeitig die meist unterdrückte Gruppe sein wollen.

Der Mythos vom guten Benehmen
Wenn Frauen in der Geschichte von der Norm abwichen und nicht das taten, was man von ihnen erwartete und verlangte, wurden sie häufig nicht nur dämonisiert und verfolgt, sondern auch weggesperrt, gefoltert oder umgebracht. Leise und angepasst sein ist daher seit jeher eine Überlebensstrategie, die sich bis heute fortsetzt. Wer überleben will, wer ein konfliktfreies Leben will, bleibt still. In den letzten 75 Jahren wurden Frauen in der westlichen Zivilisation in offenen Räumen freier und mussten keine Verfolgung des Staats oder der Kirche fürchten und ja, das war dann der Punkt, an dem mir Moritz in einem Instagram-Kommentar erklären wollte, dass es jetzt doch auch mal gut sei mit der Gleichberechtigung: »Ihr habt ja jetzt schon alles!« Damit meint er, dass man mittlerweile nicht mehr offiziell verfolgt, sondern nur noch sozial geächtet wird.

Frauen wurden nicht nur über Jahrhunderte und Jahrtausende diffamiert, sondern auch – bis heute – infantilisiert. Arthur Schopenhauer sagte im 19. Jahrhundert: »Das Weib ist weder zu großen geistigen, noch körperlichen Arbeiten bestimmt.« Ach ja, die Dichter und Denker. Man muss sie also beschützen, die Weiber, vor zu starker Arbeit, weil das ist so anstrengend für sie. Man muss sie beschützen vor großen Zahlen, lieber kein eigenes Konto. Und das alles nur, weil die weibliche Energie so liebenswert und süß und schützenswert ist! Und wer nicht versteht, wie sehr Männer Frauen eigentlich ehren, der ist eine Hexe, übrigens bis heute – nur 2025 trägt sie keinen Hut mehr, sondern […] geht zum Pilates und wird als Männerhasserin bezeichnet.

Hexen- oder Frauenverfolgung in der frühen Neuzeit
Zwischen 1440 und 1760 wurden sowohl in West- als auch in Mitteleuropa um die 100000 Menschen hingerichtet, mit einem Anteil von über achtzig Prozent Frauen. Die Frage, ob Hexenverfolgungen eben auch Frauenverfolgungen waren, ist demnach also legitim. Die Historikerin Claudia Opitz-Belakhal sagt dazu: »Hexenprozesse und die aus ihnen hervorgegangenen Hinrichtungen können durchaus als ein Instrument zur Unterwerfung von Frauen als vermeintliche subversive Kräfte innerhalb der frühmodernen Gemeinwesen – und damit durchaus auch als Femizide – verstanden werden.« Oder, um es abzukürzen: Frauen, die nicht in die patriarchale Welt gepasst haben, wurden verfolgt, gefoltert, gequält, ermordet, verbrannt, gevierteilt, alles, was man sich vorstellen kann und noch schlimmer.

Alt und aussortiert – Warum kein Ende in Sicht ist
Dass Frauen »ablaufen« können und, sobald sie ein gewisses Alter überschreiten, nicht mehr nützlich sind, gar unbrauchbar, ist ein Bild, das eng verknüpft ist mit der Idee von Reproduktivität: Wenn Frauen Kinder kriegen können, sind sie sinnvoll, wenn man gerne mit ihnen schlafen würde, weil sie so jung und knackig sind, um dann mit ihnen Kinder zu zeugen, sind sie noch besser. Dass Frauen dadurch dehumanisiert und als Baby-Maschine angesehen werden, ist klar – und trotzdem ist die Beauty-Industrie mit einer Macht von bis zu 580 Milliarden Dollar Umsatz bis zum Jahr 2027 die mächtigste und größte der Welt.

The Substance: Von Reinheit und Weisheit zu Bodycount und Body Horror
Die historische Hexenverfolgung und das moderne Ausradieren älterer Frauen folgen dem gleichen patriarchalen Muster. Frauen, die keinen besonderen Zweck mehr für die Gesellschaft zu erfüllen haben – und wie wir jetzt wissen, wird das Leben einer Frau oft mit einer Berechtigung verknüpft und die Berechtigung mit ihrer Reproduktionsfähigkeit –, wurden beschuldigt und systematisch ausgelöscht.

Hexen waren nämlich, wie bereits geschrieben, unter anderem einfach ältere Frauen, die aus der männerdienenden Rolle herausfielen. Mona Chollet geht näher darauf ein, wie vor allem auch ältere Frauen zur Zielscheibe der Hexenverfolgung wurden, da sie nicht mehr fruchtbar oder gefügig waren. »Gefügig« ist hier ebenfalls wichtig, denn nicht nur das Aussehen und die Fruchtbarkeit waren Gründe, wieso eine ältere Frau als verdächtig galt. Sondern auch die Selbstsicherheit, die sie mit sich brachte: Ältere Frauen sind automatisch reifer und gefestigter, was natürlich in einem System, was dies zu unterdrücken versucht, eine Gefahr darstellt. Störrisch wirken sie fast, schlechter zu manipulieren – das ist auch ein Grund, wieso Männer sehr gerne deutlich jüngere Frauen daten. Da wird dann verklärt ein »Ja, aber sie ist so reif für ihr Alter!« gesagt, wenn man eigentlich »Die lässt sich leichter manipulieren und beeinflussen und hat noch keine so hohen Erwartungen an mich« meint. Oder auch, um es in Mona Chollets Worten zu sagen: »Wenn die Hexenverfolgung speziell auf ältere Frauen abzielte, dann deshalb, weil diese ein unerträgliches Selbstbewusstsein an den Tag legten.«

Es geht also nicht nur um Aussehen, sondern auch um Selbstbestimmtheit und Stärke und Weisheit. Junge Frauen werden meist mit einer Reinheit dargestellt, die nicht nur die körperliche Reinheit meint, sondern auch die geistige Reinheit, unschuldiges Denken, unkompliziertes Denken. Während ich das schreibe, zucke ich kurz zusammen, weil ich sehe, wie es momentan hoch im Trend ist, den Bodycount, also die Anzahl, mit wie vielen Leuten Frauen schon geschlafen haben, zu bewerten. Nur ein weiterer dehumanisierender Trend, um die Frau in irgendeiner Weise zu bewerten und zu bepreisen, gestartet von Alphamales mit Podcast-Mikrofonen. Da wird dann auf verdrehte Weise versucht zu erklären, wieso man eine möglichst junge Frau haben will, mit wenig Erfahrung, die dann auch am besten wenig gesehen hat in ihrem Leben, damit »man(n) ihr alles zeigen kann«. Dass diese Männer dann ganz schnell den Schwenk zu Kindern ziehen, bemerken sie kaum. Wie problematisch das ist, ebenfalls nicht.

Ein Beispiel ist ein Auszug eines Podcast-Gesprächs zweier Männer. Ich zitiere direkt aus den Untertiteln, das heißt, ich übernehme Rechtschreib- und Grammatikfehler mit.
Teenagechanning: »Sorry, wenn du als Mann ein Leben lang dafür arbeitest, dein Babygirl alles zeigen zu können und sie sagt Hab ich schon gehabt, ach schon wieder Dubai, da war ich letztes Jahr schon drei mal, ich kenn hier den Portier persönlich, dann sagst du okay schade.«
It’s Cris: »Jaja. Das wars.«
Teenagechanning: »Das lieben wir ja auch an Kindern. Du freust dich doch. Du hast schon als Kind selber Lego gespielt, du warst schon auf dieser coolen Kartbahn, du warst schon in diesem Klettergerüst als Kind selber. Du freust dich deinem Sohn das selber mal zu zeigen.«
It’s Chris: »Ja man, safe.«
Teenagechanning: »Du willst ihn das erste mal selber strahlen sehen, und das ist der Punkt.«

Der Punkt ist in diesem Gespräch vor allem, dass zwei erwachsene Männer ihre zukünftige Freundin mit einem kleinen Kind vergleichen und davon ausgehen, dass eine Erfahrung nur dann wertvoll ist, wenn der Mann einer Frau etwas zum ersten Mal zeigen kann, ihr die Welt erklären kann, ihr die Welt öffnen kann. Dass nur eine Frau etwas entdecken kann, wenn es ihr von einem Mann gezeigt wird. Dass dieser Anspruch sich nicht anwenden lässt auf eine Frau mittleren Alters, sondern zwangsweise mit sehr jungen Frauen geschehen muss, ist allen Zuhörenden klar. Dass der Anspruch auf Dankbarkeit und Vergötterung des Mannes besteht, ebenfalls. Frauen werden auch hier nicht gleichwertig gesehen, sondern wieder als passiver Part, der an der Hand mitläuft und alle zwanzig Meter ein entzücktes »Wow, das hab ich noch nie gesehen, danke, dass du mir die Welt zeigst und erklärst!« ausstößt.

Die Hexen von heute und andere rechte Narrative
Das Bild von Hexen hängt ganz eng mit Antisemitismus zusammen. Hexen waren nie einfach nur Hexen, Hexen waren in den meisten Fällen Frauen und damit Projektionsflächen. Dass Hexen oft kinderlos oder alt oder unabhängig oder laut oder zu schön oder zu hässlich waren, haben wir analysiert. Das Feindbild Frau steht damit – aber dass Hexen auch Stellvertreterinnen für andere, tief verwurzelte Feindbilder waren, ist ebenfalls wahr.

Im Mittelalter wurde beispielsweise Juden in Europa per Gesetz auferlegt, einen spitzen Hut zu tragen, damit man sie sofort erkennt. Der spitze Hut wurde für das Hexen-Narrativ übernommen, ebenso wie das antisemitische Zeichnen einer Hakennase für Juden und Jüdinnen und eben auch die Nase der Hexe.

Die Verteufelung und das Nach-unten-Treten hat sich bis heute nicht verändert in faschistischen Narrativen. Auch die AfD bedient sich solchen Erzählungen. Wenn ich Maximilian Krah auf meiner For You Page bei TikTok habe und er erzählt, dass »alle Ausländer das Geld klauen und die arme eigene deutsche Mutter dann kein Geld mehr für ihre Rente hat«, ist das nur ein weiteres Runterbrechen von komplizierten, gesellschaftlichen Problemen, die einfach gelöst werden sollen durch das Präsentieren eines simplen Feindbilds: »Guck mal, die sind eh schon arm, die wollen dir was wegnehmen. Guck mal, die sehen anders aus, denen gehört das Geld hier nicht. Guck mal, was die essen, das kennst du nicht, willst du etwa, dass es Essen in deinem eigenen Land gibt, was du nicht kennst???«

Weggesperrt und abgewertet: Frauen in Tripperburgen und Magdalenenheimen
Frauen, die offiziell als Sexarbeiterinnen registriert waren, aber auch Frauen, von denen jemand es vermutete – und wir wissen, was bei »Ich vermute, diese Frau tut dieses und jenes und deswegen muss sie auf den Scheiterhau-äh, in die Tripperburg!« rumkommt –, wurden auf offener Straße oder in ihren Wohnungen gejagt, gefangen und verhaftet. Das alles ist unter dem angeblichen Deckmantel des Wohles der Gemeinschaft entstanden, denn diese Frauen wurden als Gefahr für die allgemeine Volksgesundheit stilisiert. Die Männer, die die Dienstleistung der Sexarbeiterinnen in Anspruch nahmen und natürlich ebenfalls Tripper verbreiten konnten, wurden nicht gejagt oder weggesperrt. Das ist ausschließlich tausenden Frauen zwischen 1961 und 1989 passiert, was beweist, dass es eben nicht um das Gesundheitswesen »des Volkes« ging, sondern um die Kontrolle des weiblichen Körpers und ihres Begehrens.

Während die Tripperburgen also staatlich kontrolliert wurden, machte man bei den sogenannten Magdalenenheimen nicht mal einen Hehl daraus, dass es ihnen nur um Moral ging. Magdalenenheime gab es bereits einige Jahrzehnte früher, im 18. und 19. Jahrhundert. Anders als Staats- und Polizeigewalt lag hier (vor allem in Irland, aber auch in anderen katholisch geprägten Ländern) die vorherrschende Macht bei Gott und der Kirche.

In der Bibel findet sich kein einziger Hinweis darauf, dass Maria Magdalena eine Sexarbeiterin war – und trotzdem hält sich das Gerücht in manchen Erzählungen weiterhin sehr hartnäckig. Wie es dazu kam, ist tatsächlich eine relativ witzige Geschichte, wenn ich noch darüber lachen könnte, dass Männer sich »aus Versehen mal vertun« und der Ruf für immer und ewig ruiniert ist, aber gut. In einer Predigt aus dem Jahr 591 erklärt Papst Gregor I., dass Maria Magdalena und Maria von Bethanien eigentlich dieselbe Person sind – und weil Gregor sich nicht so richtig die Mühe gemacht hat, die Frauen voneinander zu unterscheiden (ist ja auch kompliziert, Frauen und so! Mehr als eine??? Puh, ganz schön viel), kam es zu einer Vermischung verschiedener Frauen und »Maria Magdalena, die sündige Hure!« wurde geboren, wohingegen Jesus’ Vertraute, Maria, die wahrscheinlich aus Magdala kam und Jesus sogar mit ihrem Vermögen unterstützte, aus der Geschichte radiert wurde. Übrigens wurde 1969 von der katholischen Kirche offiziell richtiggestellt, dass Maria Magdalena eben nicht »die sündige Frau« war. 2016 wurde sie sogar von Papst Franziskus zur Apostelin des Apostels erklärt. Papst Franziskus, Feminist Icon – im katholischen Sinne … also … ach, egal.

Das letzte bekannte Heim schloss erst im Jahr 1996 in Irland. Da war ich sechs Jahre alt. 2013 kam es zu einer Ankündigung zur öffentlichen Aufarbeitung durch den Regierungschef Irlands und 2022 wurden 32,8 Millionen Euro an die 814 Überlebenden ausgezahlt. Das ist vor allem der Entdeckung eines Massengrabes 1993 geschuldet, in dem 155 tote Frauen in einer der alten Wäschereien geborgen wurden.

Wenn man sich vor Augen führt, dass beide Einrichtungen – Tripperburgen und Magdalenenheime – vor nicht allzu langer Zeit nicht nur akzeptiert, sondern auch staatlich gefördert und sogar eingefordert wurden, ist es nicht verwunderlich, dass Frauen bis heute von [Männern] verurteilt werden, sobald sie sich sexuell freizügig zeigen. Sexuelle Autonomie wurde damals wie heute als Bedrohung gesehen. Eine Bedrohung für die Gesellschaft, aber auch ein persönlicher Affront. Denn Frauen sollten und sollen sexuell verfügbar sein, aber nur dann, wenn der Mann es erlaubt oder in irgendeiner Weise kontrollieren kann. Ob das mit Staatsgewalt erreicht wird oder mithilfe christlicher Moral oder mit Männer-Podcasts, die darüber reden, dass hohe Bodycounts die weibliche Biologie nachweislich verändern würden (nein), bei Männern hingegen nicht, weshalb sie sich sexuell frei ausleben und Frauen aber nicht, sonst sind sie leider wertlose Huren, äh, Magdalenas, äh, ja.

Der Begriff Slutshaming [...] hält sich bis heute. Und auch wenn es vor allem von Männern betrieben wird, gibt es auch Frauen, die denken, dass eine körperliche »Reinheit« irgendetwas über den Wert einer Frau aussagt. Männliche Sexualgeschichten werden gefeiert, weibliche Sexualgeschichten abgewertet und verurteilt. Ob das in einem Heim, in einer Einrichtung oder via Instagram-Kommentar passiert, ist erst einmal zweitrangig. Wichtig ist, dass es passiert, noch immer. »Aber es hat sich doch schon so viel verändert, was wollt ihr denn noch???« Ja, Hendrik, es hat sich verändert, wie verurteilt wird. Nicht, dass verurteilt wird.

Ein roter nie endender Faden: Weibliche Sexualität wird zum Problem erklärt und Männer sind ihre Richter oder Rächer. Aber egal, wie wütend sie werden – sie werden vor allem wütend, weil ihr autonom entscheidet und meist gegen die, die euch dann verurteilen: Euer Wert wird nicht darüber definiert, mit wem ihr schlaft oder nicht schlaft.
Profile Image for Vivi.
51 reviews
November 3, 2025
10/5 ⭐
So ein krass gutes Buch! Definitiv eines der besten feministischen Bücher, die ich gelesen habe! Tara's Buch bietet keinen blinden Hass auf Männer, was ihr ja gerne unterstellt wird, sondern bietet klare, gut recherchierten, ehrlichen und konstruktive Ansätze um mit patriarchalischen Strukturen zu brechen! Sie fordert eigentlich nur das, was uns zu steht: ausgleichende Gerechtigkeit!
Nach dem Buch bin ich (wieder Mal) vor allem wütend, dieses Mal aber nicht auf eine ohnmächtige, ängstliche und beklemmende Art und Weise, sondern auf eine andere Art. Wütend auf eine starke, fordernde, nicht-klein-beigebende, Schwesternschaftiger-Zusammenhalt Art und Weise!
Mist ready für alle, die auch weiter laut und unangenehm sein wollen 🔥
und Tara: ich würde deinen Podcast sofort hören!
Profile Image for Lehcim99.
3 reviews
January 4, 2026
Ist nur eine persönliche Einschätzung aber ich hätte mir unter dem Titel mehr historische Erläuterungen und weniger persönliche und emotionale Ausführungen gewünscht. Jene haben sich wie ich finde auch sehr oft wiederholt, was sie wiederum selbst anspricht und erklärt, dass dies nötig sei. Ich finde es jedoch nicht wenn man bereits feministische Literatur gelesen hat. Dementsprechend haben mir die historischen Anteile sehr gut gefallen, die aktuellen Bezugnahmen und individuellen, emotionalen Ausflüge eher weniger.
47 reviews
October 20, 2025
10 Sterne! Als Hörbuch gehört. Werde das Buch an mein komplettes Umfeld zu Weihnachten verschenken. Sollte jede Person gelesen/gehört haben!
Profile Image for Nele_Liest.
261 reviews
October 22, 2025
es ist noch nicht vorbei, aber wir sind nicht allein.

ein unfassbar starkes plädoyer für schwesternschaft, für female rage, fürs laut und fürs wütend sein. ganz große leseempfehlung, insbesondere für das von der autorin selbst eingesprochene hörbuch, in dem ihre wut, ihre verzweiflung genauso wie ihre hoffnung hörbar werden; insbesondere auch für alle männer, um weibliche wut besser zu verstehen.
Profile Image for Fallendreams.
377 reviews1 follower
December 1, 2025
Female Rage at it's Best!

Am liebsten würde ich das Buch allen Personen um mich herum in die Hände geben und sagen "lies das". Ein notwendiges Buch, um vielleicht auch mal den letzten (Mann) davon zu überzeugen, dass Feminismus keine Wahl, sondern eine Notwendigkeit ist.

Tara-Louise Wittwer greift viele Themen auf, gibt ehemalige Fehlverhalten zu und klärt über so einige Dinge auf. Für den Einstieg in Thema Feminismus wirklich zu empfehlen. Man erwischt sich eventuell bei den Ein- oder anderen Vorurteilen, die das Patriarchat uns unterbewusst eingebläut hat und zusätzlich lernt man(n) noch einiges dazu. Unter anderem habe ich noch einiges über die Hexenverfolgungen gelernt, weshalb ich darüber jetzt noch gerne etwas mehr recherchieren möchte. Es ist geradezu erschreckend, wie oft Femizide in der Geschichte geschehen sind. Das alles nochmal zu lesen hat mich sehr erschrocken, denn irgendwie hat man das nicht ständig auf dem Schirm..

Nach dem Buch festigt sich die Meinung: Ich will nicht schweigen, nicht belächelt werden oder anderes. Ich will, dass man mich ernst nimmt und mir zuhört. Wie Tara bereits im Buch sagte: Ich mache das nicht nur für mich, sondern für alle Töchter, die nach mir kommen.

Fazit
Ich finde, dass solche Bücher Pflichtlektüre sein sollten. Hoffentlich stößt der ein- oder andere auf dieses Buch und kann damit seinen eigenen Horizont erweitern.

Allgemein ist das Buch sehr zu empfehlen. 10/10
Profile Image for Sofia.
278 reviews49 followers
April 14, 2026
Ich bin so wütend und gleichzeitig nicht wütend genug.
Ein großartiger Blick auf Female Rage, der viele Dinge richtig gut auf den Punkt bringt. Toll fand ich auch die mythologischen und historischen Einordnungen von Frauenhass.
Hat auf jeden Fall einiges in mir ausgelöst.
Profile Image for Jessi ❤️ H. Vojsk [if villain, why hot?].
924 reviews1,042 followers
December 1, 2025
Ich liebe Tara und ich liebe ihre Bücher.
Es macht immer so viel Spaß sie zu lesen, während sie dich informieren und du dir Gedanken über wichtige Themen machst. Sie unterhalten dich, während du über spannende, wichtige Themen liest.

Absolut empfehlenswert!
Profile Image for Rojda.
418 reviews4 followers
November 28, 2025
super Lektüre für Einstiegs-Feminist*innen, wie Tara selbst so schön sagt ☺️
Profile Image for Milena Karolina.
10 reviews
February 8, 2026

so viele kluge Gedanken, aber leider für mich zu unstrukturiert und teilweise zu oberflächlich. Alles hängt miteinander zusammen, ja, trotzdem hätte ich persönlich mir gewünscht, dass die Themen geordneter präsentiert werden und den Raum bekommen, den sie verdienen.
Auf einer Seite Frauenverbrennungen (um Wittwers Vorschlag zum Wording direkt umzusetzen), TikTok Trends, antike Mythen und Pick Me Girls in einem Atemzug zu behandeln, nimmt meines Erachtens den Themen ihre Wucht. Trotzdem gehe ich bei allen Ansichten mit und finde es gerade darum etwas schade, dass viele dieser sehr klugen Gedanken und Analysen teilweise nur gestreift und dafür häufig wiederholt wurden. All das musste trotzdem mal gesagt und miteinander verknüpft werden. Für den weiblichen Zusammenhalt gebe ich daher trotzdem gerne 4 Sterne✨
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