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Die Geopolitik globaler Lieferketten

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Ob Kobalt, Lithium oder Gold: Mehr als 60 Rohstoffe werden allein für die Produktion eines Smartphones benötigt. Die Güterversorgung Deutschlands und Europas ist hochgradig abhängig von weitverzweigten Lieferketten, die Kontinente miteinander verbinden und an denen vom Rohstoffabbau bis zum Verkauf des Endprodukts zahlreiche Akteure mitwirken. Lange Zeit schien die immer weiter fortschreitende wirtschaftliche Verflechtung der Welt selbstverständlich zu sein. Doch in den vergangenen Jahren wurden damit einhergehende Verwundbarkeiten zunehmend deutlich. So führte, nachdem im Zuge der Covid-19-Pandemie bereits die Störanfälligkeit von Lieferketten sichtbar wurde, der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine drastisch vor Augen, was einseitige Abhängigkeiten in der Rohstoff- und Güterversorgung bedeuten können. Zugleich hat das Bewusstsein über die Verletzung von Menschenrechten und die Verschmutzung der Umwelt entlang globaler Lieferketten zugenommen und Diskussionen um deren rechtliche Regulierung entfacht.

Die Politikwissenschaftlerin Melanie Müller leuchtet das komplexe Geflecht hinter diesen Entwicklungen aus: Wer sind die relevanten Akteure und worin besteht ihre Gestaltungsmacht? Wohin führen die zunehmende „Geopolitisierung“ von Lieferketten und der geopolitische Wettbewerb zwischen den USA und China? Welche Strategien gibt es, um Lieferketten nachhaltiger zu gestalten und eine gerechtere Wertschöpfung zu ermöglichen? Wie wirken sich das deutsche und europäische Lieferkettengesetz aus? In diesen Fragen spiegelt sich, wie die Autorin zeigt, die Aushandlung über die zukünftige Gestalt globaler Lieferketten.

270 pages, Paperback

Published February 27, 2025

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Profile Image for Bernhard.
121 reviews
March 30, 2026
Vorweg: Es ist eine gute, wertvolle Einführung in die Thematik und in die Geopolitik globaler Lieferketten.

Besonders erwähnenswert ist, dass das Buch verhindert, in eine rein eurozentrische Betrachtungsweise zu fallen, oder die angloamerikanische Sicht anzunehmen. Stattdessen betrachtet das Werk auch den globalen Süden und behandelt dieses Thema vorbildlich.

Das Werk startet mit einem allgemeinen Überblick über Lieferketten, arbeitet sich dann über die historische Perspektive bis hin zu recht aktuellen Herausforderungen vor, sozusagen als dreiteilige Bestandsaufnahme.
Danach wechselt das Werk in das Thema Gouvernance und fragt sich, wer die Gestalter und Mitwirkenden und Leidenden von Lieferketten sind, welche positiven und negativen Effekte das mit sich bringt und wie es um legale und illegale Lieferketten bestellt ist. Abgeschlossen wird es mit der rechtlichen Perspektive und einem kurzen Ausblick in mögliche Zukunftsszenarien.

All das ist sehr faktenbasiert, und entsprechend vorsichtig gewichtet. Dabei ist es der Autorin gelungen, dieses komplexe Thema, v.a. die besonders komplexen Gebiete wie die europäischen oder das deutsche Lieferkettengesetze, anschaulich zu erläutern, ohne zu sehr ins Detail zu gehen.

Was das Werk nicht leisten kann, ist spezielle Auskünfte zu einzelnen Lieferketten zu geben. Beispielhaft ist das an Kaffee und Schokolade illustriert. Das kann ein Werk dieses Umfanges aber natürlich nicht umfänglich leisten, doch gerade beim Schwerpunkt auf die Geopolitik wäre der Zusammenhang von Militär und Lieferketten spannend gewesen. Dieses Thema wäre gerade aufgrund der höheren Dringlichkeit in einer vernetzten und zunehmend kriegerischen Welt erhellend gewesen.
Genauso wenig kann das Werk unterschiedliche, politische Haltungen zu Lieferketten analysieren und bewerten.
Am Rande taucht immer mal wieder die Perspektive der Globalisierungskritik auf, wird aber nicht durchgehend durchgehalten. Das wäre in allen Kapiteln spannend gewesen oder hätte an der einen oder anderen Stelle etwas mehr Fleisch auf den Knochen vertragen, bspw. bei der Degrowth-Bewegung.

Das tut dem Werk aber keinen Abbruch, sondern ist mehr dem Rahmen geschuldet. Ich kann die Lektüre dieses Werkes empfehlen.
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