Die Entstehungsgeschichte ihres ungewöhnlichsten Als Lucian Freud, Enkel Sigmund Freuds, die Queen bittet, ihr Porträt malen zu dürfen, ist er fast 80 Jahre alt und in einer persönlichen Krise. Queen Elizabeth II hat nach dem Unfalltod von Lady Di ein massives Imageproblem. Obwohl Freud als unberechenbar gilt, willigt sie ein und sitzt ihm von Mai 2000 bis Dezember 2001 in monatlichen mehrstündigen Sitzungen Modell. Der Roman erzählt, was hinter verschlossenen Türen geschah. Die Begegnung von zwei der prominentesten Briten wird zur Exkursion in sorgsam gehütete Geheimnisse. Und zum Abenteuer einer radikal neuen Erfahrung und Selbsterfahrung. Ein faszinierender Beziehungsroman, profund recherchiert und subtil imaginiert.
»Singer schreibt für leidenschaftliche Leser.« Elke Heidenreich
Zwischen Mai 2000 und Dezember 2001 malte Lucian Freud ein Porträt der Queen. Beides Personen, denen nicht gerade mein Hauptinteresse gilt. Aber ich mochte, wie Alan Bennett mir damals mit Die souveräne Leserin die englische Königin auf amüsante Art nahebrachte und ebenfalls, wie Lea Singer mich in Anatomie der Wolken mit der Beziehung von Goethe und Caspar David Friedrich unterhielt. Also hier nun Freud und Elizabeth II.
Das liest sich sehr kurzweilig. Es werden Gemeinsamkeiten sichtbar zwischen dem Maler mit den vielen Frauen und noch mehr Kindern, raubeinig, unangepasst und gerne mal in eine Schlägerei verwickelt und dem Oberhaupt der englischen Monarchie, immer zurückhaltend, diszipliniert, formvollendet.
Vieles beruht auf realen Begebenheiten, ich habe viel über andere Werke Freuds erfahren, diese und Teile seiner Biografie nebenbei recherchiert. Anderes ist – es handelt sich schließlich um einen Roman – erfunden, so die Behauptung, die Queen sei nicht auf natürlichem Wege gezeugt worden. Was einerseits den Voyeurismus der Lesenden anheizt, aber dennoch nicht willkürlich ist. Denn es geht da in einem Gespräch zwischen Maler und Monarchin gerade um körperliche Nähe. Und diese körperliche Nähe, die im Königshaus nahezu nicht existiert, so behauptet es die Autorin hier, war schon bei ihrer Zeugung abwesend.
Es geht um schwierige Beziehungen zu Müttern, Familie überhaupt, ums Altern, oder darum die Nr.1 zu sein: “Aber rückten Sie denn nach [Francis] Bacons Tod auf Rang eins vor? Nein, auch danach blieb ich auf den hinteren Rängen, bis vor Kurzem war ich noch immer nicht auf Rang eins. Niemand konnte den totem Bacon vom Thron verdrängen. Vielleicht erlebt Ihr Sohn einmal das Gleiche.“
Vielleicht mag ich die Anatomie der Wolken noch ein bisschen mehr, aber die Kunsthistorikerin Lea Singer (eigentlich Eva Gesine Baur) versteht es, bekannte Personen erst fremd erscheinen erscheinen zu lassen, um dann Nähe herzustellen.
Ein außergewöhnlicher Roman! Zwei Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens treffen sich und tauschen sich über Kunst und Wahrheit, Pferde, Wetten, Wolken, ihre Vergangenheit und die Vergänglichkeit aus. Vielleicht ist sogar ein Bruchteil davon wahr. Interessant und unterhaltsam ist das Buch allemal. Lea Singer kann hervorragend über Malerei, Maler und ihre Modelle schreiben, wie sie schon oft bewiesen hat. Der einst berühmteste Maler des britischen Königreichs Lucian Freud darf die Queen malen. Nicht als Akt, aber nackt. Jedenfalls so, wie Freud das Wort versteht. Im Jahr 2000 sind beide alt und einigermaßen exzentrisch, er mehr als sie. Denn sie muss sich hinter einer Maske verstecken. Freud versucht mit seiner Malkunst die Wahrheit hinter der Fassade abzubilden. Dafür sind viele Sitzungen notwendig. Aber erstaunlicherweise ist die „alte Dame“ dazu bereit und wird respektvoll behandelt. Ganz anders als andere von Lucian Freuds Modellen: „𝑊𝑒𝑛𝑛 𝑑𝑢 𝑣𝑒𝑟ℎ𝑖𝑛𝑑𝑒𝑟𝑡 𝑠𝑒𝑖𝑛 𝑠𝑜𝑙𝑙𝑡𝑒𝑠𝑡, ℎ𝑎𝑡𝑡𝑒 𝐿𝑢𝑐𝑖𝑎𝑛 𝑔𝑒𝑑𝑟𝑜ℎ𝑡, 𝑑𝑎𝑛𝑛 𝑚𝑢𝑠𝑠 𝑖𝑐ℎ 𝑒𝑖𝑛𝑒 𝑔𝑒𝑠𝑐ℎä𝑙𝑡𝑒 𝑔𝑒𝑘𝑜𝑐ℎ𝑡𝑒 𝑃𝑎𝑠𝑡𝑖𝑛𝑎𝑘𝑒 𝑎𝑙𝑠 𝐸𝑟𝑠𝑎𝑡𝑧𝑚𝑜𝑑𝑒𝑙𝑙 𝑛𝑒ℎ𝑚𝑒𝑛, 𝑠𝑖𝑒 ℎ𝑎𝑡 𝑑𝑖𝑒 𝐹𝑎𝑟𝑏𝑒 𝑑𝑒𝑖𝑛𝑒𝑠 𝐹𝑙𝑒𝑖𝑠𝑐ℎ𝑠.“ Azurblau ist die Farbe der Queen auf dem Bild, Kleid, Jackett, Handtasche. Auf dem Kopf ein Diadem, offenbar auf Wunsch Freuds. Dafür hat er extra seine Leinwand vergrößert, die dann „ungefähr so groß wie eine Geburtstagsgrußkarte, kleiner jedenfalls als der Deckel einer Zigarrenkiste“ war. Von den „Möglichkeiten, sich im Alter lächerlich zu machen“ (ihre Worte) macht die Queen keinen Gebrauch. Von den Möglichkeiten, ihren Horizont zu erweitern, schon. Dank Lucian Freud und seiner Gabe, seine Modelle aus der Reserve zu locken. Manches bleibt trotzdem ein Geheimnis – obwohl man auch ganz neue Seiten an dem groben Klotz Lucian Freud kennen lernt. Ein schönes kleines Buch für Freundinnen und Freunde der Kunst und Großbritannien-Aficionados. Ein bisschen habe ich mich an die Queen in Alan Bennetts Erzählung „Die souveräne Leserin“ (Wagenbach, 2008) erinnert gefühlt. Mehr auf kultursalon.blog
Ja, es ist Fiktion. Das verstehe ich. Aber es ist für mich zu unrealistisch. Während des Lesens hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, ich würde FanFic auf Ao3 lesen. Vor allem das letzte wahnsinnig kitschige Kapitel hat mir den Rest gegeben.
Ich habe zwar vieles gelernt über das Malen, Künstler, aber auch die Queen - nämlich, dass sie bei ihrem Staatsbesuch in Deutschland eine Wunschliste für Staatsgeschenke an sie hatte. (The audacity!!)
Aber beizeiten hatte ich auch das Gefühl, es wurde übertrieben. Über die Hälfte des Buches ging es um Nacktheit und wie vernarrt Freud darin ist, Menschen nackt zu portraitieren.
Dann wurde sie so dargestellt, als hätte sie in all den Monaten, in denen er sie gemalt hat, eine Obsession für ihn entwickelt und wollte alles über ihn erfahren. Auch das mit dem dreibeinigen Pferd! Hat sie es letztendlich bekommen? Und wenn nicht, hatte er neun zusätzliche Termine? Hab ich das Ergebnis überlesen?
Allgemein fand ich die Sprünge im Buch schlecht. Punkt. Oft, kann es ein literarischer Kunstgriff sein, wenn man keine Anführungszeichen verwendet, oder im nächsten Absatz über ein gänzlich anderes Thema spricht. Aber hier war es oftmals einfach unnötig verwirrend. Es gab wirklich keinen Grund für diese abrupten Sprünge. Dafür musste ich wahnsinnig oft, die halbe Seite nochmals lesen, um zu wissen, wer gerade von was redet. Es kam mir nicht literarisch klug, sondern faul vor.
Lea Singer erzählt in „Eine Frage des Formats“ die außergewöhnliche Begegnung zwischen Lucian Freud, einem der berühmtesten Porträtmaler seiner Zeit, Enkel von Sigmund Freud und deutscher Emigrant in England, und Queen Elizabeth II. Viel Handlung hat das Buch nicht. Es lebt vor allem vom Entstehungsprozess des Queen-Porträts und von den Gesprächen zwischen diesen beiden so gegensätzlichen Personen. Gerade das mochte ich: Lucian Freud versucht immer wieder, hinter die makellose königliche Fassade zu schauen und der echten Elisabeth näherzukommen. Daraus entstehen immer wieder spannende Gedanken über Selbstbild und Außenwahrnehmung, über Vergänglichkeit, Tod und letztlich die Frage, was einen Menschen eigentlich im Kern ausmacht. Als großer Royal-Fan war das Buch für mich ohnehin ein Muss und es hat mich nicht enttäuscht.