»Fuck your work, fuck your man, but never never fuck your sister!«
Eine Frau wandert durch die piemonteser Alpen, ihre kreisenden Gedanken finden keine Ruhe. Da kreuzt die pragmatische Lkw-Fahrerin Anna mit einer Ladung trächtiger Kühe ihren Weg. Aus einem spontanen »Ich fahre mit« wird eine gemeinsame Reise Richtung Türkei. Zwischen Staub und Hitze ringen die ungleichen Frauen um Verstä Ihre Gespräche, unterstützt von einem zuweilen halluzinierenden Handy-Übersetzer, entdecken die Poesie im Alltäglichen. Anna jongliert Mutterrolle und Beruf, während ihre schweigsame Begleiterin sich in Zweifeln verliert. Ein Tag am See bringt kurzzeitige Harmonie, doch der Tod eines Rindes wirft Schatten voraus. An der EU-Außengrenze, wo Kühe und Träume stranden, mündet ihre Odyssee schließlich in einen Akt der Befreiung.
»Dieser Roman ist eine rauschhafte Fahrt. Entlarvend, kraftvoll – und unwiderstehlich.« Katharina Köller
»Diese beiden Frauen sind nicht nur Romanfiguren, sie sind Solidarität, Hoffnung, Rebellion. Wir Königinnen ist ein Feuerwerk an Ideen. So ein Buch hat gefehlt!« Mareike Fallwickl
Das hat mir so viel Spaß gemacht! Die Charaktere, die Unterhaltungen, das Setting. Hatte das Gefühl ich bin die ganze Zeit dabei und schwitze so wie die Protagonistinnen.
Zwei sehr unterschiedliche Frauen treffen zufällig aufeinander und reisen gemeinsam mit einem Viehtransporter Richtung Türkei. Beide stecken auf ihre Weise in einem Leben und in Systemen fest, die sie nicht einfach verlassen können. Aus dem ungewöhnlichen Roadtrip entwickelt sich zunehmend die Frage nach Verantwortung und Ohnmacht: Was können wir überhaupt tun, wenn wir Teil einer „Maschine“ sind, die wir nicht geschaffen haben – und deren Folgen wir trotzdem sehen?
Mit "Wir Königinnen" hatte ich zunächst meine Mühe. Der Roman wird auf dem Klappentext überschwänglich gelobt, aber lange wusste ich nicht so recht, was ich damit anfangen sollte. Es gibt viele interessante Gedanken und Beobachtungen, doch kaum ist einer da, geht es schon weiter zum nächsten. Fast wie im Social-Media-Zeitalter: Vieles leuchtet kurz auf, aber der Text verweilt nicht lange dabei. Manchmal war mir das schlicht zu wenig und zu oberflächlich.
Ab dem zweiten der drei Teile hat sich mein Eindruck langsam verändert. Die Beobachtungen wurden für mich genauer, die Gedanken interessanter, und besonders im letzten Teil beginnt vieles zusammenzuwirken: Arbeit, Grenzen, Bürokratie, Tierleid, Verantwortung und die Frage, wie viel ein einzelner Mensch in einem System überhaupt verändern kann. Dabei werden die Menschen nicht einfach als gefühllos gezeigt. Wenn Leid unmittelbar vor ihnen steht, wollen sie helfen – und trotzdem läuft die große Maschine weiter. Manchmal handelt man vielleicht nicht, weil man glaubt, die Welt verändern zu können, sondern weil es unerträglich geworden ist, nichts zu tun.
Auch sprachlich ist der Roman sehr gegenwärtig, fast hypermodern. Gespräche zwischen den beiden Frauen finden oft in einfachem Englisch statt, Handy-Übersetzungen werden samt ihrer schrägen Fehler direkt übernommen. Daneben gibt es sehr genaue, bildhafte Beobachtungen von Landschaften, Körpern und Situationen. Der Stil passt sich dem Geschehen an: mal schnell und fast stakkatoartig, dann wieder ruhig, genau und intensiv.
Was mir besonders gefallen hat: Der Roman hätte leicht in bekannte Klischees über weiblichen Ausbruch und Befreiung kippen können. Das tut er nicht. Auch die Nähe zwischen den beiden Frauen wird nicht zur großen romantischen oder sexuellen Erlösungsgeschichte. Es geht um wesentlich mehr: Solidarität, Hilflosigkeit, Verantwortung und darum, ob man sich einer Welt, deren Teil man selbst ist, wenigstens für einen Moment widersetzen kann.
Ich habe meine Meinung über dieses Buch beim Lesen mehrmals geändert. Nicht alles hat für mich funktioniert, und manches hätte ich mir vertiefter gewünscht. Aber nach der letzten Seite war das Buch für mich noch lange nicht fertig – eigentlich fing mein Nachdenken darüber da erst richtig an.
"»Is your boss«, ich suche nach dem richtigen Wort, »a dick?« Sie denkt nach, sieht dabei belustigt aus, dann: »A bit. Say, a normal size dick. Everybody is a dick. That is part of the business. He is a dick, l am a dick.«"
"Sie wirft mir einen Seitenblick zu mit einer Runde Mitleid für Leute, die vom entspannten, guten Leben so dünne Haut bekommen haben, dass ihnen schon der kleinste Schnipsel Realität tiefe Schnitte zufügen kann."
Das Cover hat mich sofort überzeugt. Allgemein finde ich, Kühe sind so Tiere über die öfter geschrieben werden sollte (so wie Vögel). Schreibstil gut, ein paar Sätze waren wirklich toll. Insgesamt etwas mäandernd, ein Roadtrip Buch halt. Ich glaube, ein Dreiergespann an Frauen hätte manchmal mehr Spannung hereingebracht als ein Duo.
tw/cw: Leid/Tod von Tieren, Sex, Schusswaffe, Cheating
Roadtrip-Style. Zwei unterschiedliche und unterschiedlich sprachige Frauen und viele Kühe. So geschrieben, dass man hautnah dabei ist. Funktioniert sicher auch super als Theaterinszenierung.
„Wir Königinnen“ von Anja Gmeinwieser ist am 27.02.2026 im Berlin Verlag erschienen und wurde bereits mit dem Literaturpreis Fulda 2026 ausgezeichnet. Der Roman erzählt von zwei sehr unterschiedlichen Frauen, die sich zufällig in den piemontesischen Alpen begegnen: einer rastlosen Wanderin und der pragmatischen Lkw-Fahrerin Anna, die trächtige Kühe Richtung Türkei transportiert. Aus einem spontanen Mitfahren wird ein intensiver Roadtrip durch Europa – voller Gespräche, Missverständnisse und Fragen danach, wie man eigentlich leben will.
Meine Meinung
Ich habe mich sehr auf dieses Buch gefreut, weil allein die Prämisse schon so anders klingt als vieles, was man aktuell liest – und genau das hat der Roman für mich auch eingelöst. „Wir Königinnen“ ist keine klassische Roadnovel mit romantischer Verklärung von Freiheit, sondern eine staubige, manchmal unbequeme Reise durch Themen wie Care-Arbeit, weibliche Erschöpfung, Arbeitsbedingungen, Einsamkeit und Solidarität.
Besonders gefesselt hat mich die Sprache. Der Roman ist voll von Sätzen, die man markieren möchte. Gleich zu Beginn heißt es: „Das hier ist lebensgefährlich ohne Anführungszeichen.“ (S. 12) – und genau dieses Gefühl zieht sich durch das ganze Buch: zwischen Ironie und Ernst, zwischen Überforderung und schwarzem Humor.
Sehr beeindruckt haben mich auch die Gespräche zwischen den beiden Frauen, die oft über einen teilweise halluzinierenden Handy-Übersetzer laufen. Dadurch entstehen gleichzeitig absurde und unglaublich berührende Momente. Einer meiner liebsten Sätze war: „In unserer Familie Mutterschaft kommt immer eine Generation zu spät.“ (S. 50) Dieser Satz trifft so vieles im Kern, worum es in diesem Roman geht: Weitergabe von Verletzungen, verpasste Nähe und die Frage, wie Frauen trotz allem füreinander da sein können.
Auch gesellschaftlich hochaktuelle Fragen werden im Buch verhandelt. So haben mich die Passagen über die Realität von Fernfahrer und Ausbeutung innerhalb Europas noch sehr lange nach dem Lesen beschäftigt: „Wenn Sie billige Arbeitskräfte suchen [...], dann suchen Sie nicht in Deutschland.“ (S. 93) Der Roman schaut hin, ohne belehrend zu werden.
Was man allerdings wissen sollte: Das Buch fordert seine Leser:innen durchaus. Viele Dialoge sind auf Englisch geführt – wenn man damit Schwierigkeiten hat, könnte der Lesefluss leiden. Außerdem ist die Erzählweise stellenweise sehr assoziativ und literarisch. Ich mochte das total, aber es ist definitiv kein „nebenbei“-Buch.
Fazit „Wir Königinnen“ ist ein besonderer Roman, der sich nicht glattliest, sondern Reibung erzeugt – sprachlich wie thematisch. Für alle, die literarische Gegenwartsliteratur mit feministischen Themen, ungewöhnlichen Perspektiven und starken Bildern mögen. Nichts für Leser:innen, die einen klassischen Wohlfühl-Roadtrip erwarten. Vielen Dank an den Berlin Verlag & netgalley.de für das digitale Rezensionsexemplar! Von mir gibt es eine Leseempfehlung.
Die namenlose Wanderin ist nicht auf der Suche nach einem extremen Abenteuer, also stellt sich die Frage, was sie ausgerechnet in diesen abgelegenen Fleck Erde führt. Zufällig trifft sie auf ihrem Weg auf Anna, eine resolute Lkw-Fahrerin, die sich mit vierundzwanzig Kühen auf der Durchreise in Richtung Türkei befindet und eine Pause in den piemonteser Alpen einlegt. Dank Übersetzungs-App und gebrochenem Englisch kommunizieren die beiden Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und es folgt ein unvorhergesehener Roadtrip. Während Anna mit den ausbeuterischen Bedingungen ihres Jobs zu kämpfen hat und versucht, die Beziehung zu ihrer Tochter aufrechtzuerhalten, ist die andere mit ihrer Flucht aus dem alten, geregelten Leben beschäftigt und der Suche nach Befreiung. Ständige Begleiter auf ihrem Weg sind die Kühe, die in der brodelnden Sommerhitze mit dem Leid ihrer zum Gebären gezüchteten Existenz ringen.
Dieses Buch ist so komplex, ich habe das Gefühl, wieder im Deutsch-LK zu sitzen. Ein weiter Sprung, wenn man bedenkt, dass ich dieses Buch hauptsächlich gekauft habe, weil eine Kuh auf dem Cover ist. Jedenfalls lässt der Titel „Wir Königinnen“ den Schwerpunkt des Romans schon erahnen: Weiblichkeit mit all ihren Facetten. Dabei kommen durchaus interessante Gedanken zu Tage, aber es ist gar nicht möglich, sich länger mit diesen zu beschäftigen, da sich die gesamte Handlung recht schnelllebig und gehetzt anfühlt. Makel oder doch ein absichtlicher Geniestreich in Anbetracht des Roadtrip-Settings? Das folgende Wortspiel ist nicht beabsichtigt, aber als Leserin habe ich mich trotz eines vielversprechenden Starts im weiteren Verlauf der Reise nicht mitgenommen gefühlt. Hauptsächlich aufgrund der Oberflächlichkeit, denn ich finde Anna eine durchaus interessante Protagonistin, aber über sie erfährt man einfach zu wenig, geschweige denn über die namenlose Ich-Erzählerin. Ich muss Charaktere kennenlernen, um mit ihnen richtig mitfühlen zu können, und das war hier einfach nicht der Fall. Dieser Roman ist sicherlich eine tolle Wahl für eine Lesegruppe und würde definitiv Debatten anregen, aber für meine individuelle Lesesituation war es eher nichts. Noch ein paar Stichpunkte als Gedankenfutter: - Was kann ein einzelner Mensch im großen System bewirken? - soziales Sicherungsnetz als Privileg - Schwierigkeiten einen Schlussstrich zu ziehen: Anna bei ihrem Boss, die Namenlose bei der Reise - Schwesternschaft - Verzweiflung trifft auf Menschlichkeit - Zusammenhalt über Barrieren hinweg - Was war das?
Wir Königinnen ist ein Roman über die Begegnung zweier Frauen. Das Buch hat einen besonderen, beeindruckenden Anfang. Die Protagonistin befindet sich völlig alleine in einem Dorf in den Bergen. Das sind leicht beklemmende Szenen. Was sie umtreibt, ist nicht ganz klar. Dann begegnet sie einer Truckfahrerin, die Rinder transportiert und sie mitnimmt. Es gibt eine Sprachbarriere, aber durch Handyübersetzerin kommt es zum Austausch in Englisch. Die Dialoge sind überwiegend in Englisch. Das funktioniert zwar und zieht sich konsequent durch das Buch, es nervt aber auch.
Das Buch zieht die Spannung aus der Beziehung, aber auch Gegenüberstellung der zwei Protagonistinnen. Während die Icherzählerin ganz von ihrer inneren Krise gefangen ist, sind es bei der toughen LKW-Fahrerin Anna reale Probleme. Der Job ist ihr stolz, aber er ist auch hart und schwierig. Der Plot ist nicht unbedingt neu. Es entschädigt aber, dass die Autorin viel Stimmungen und Atmosphäre erzeugt.
Manchmal läuft das Leben nicht wie geplant und man muss sich besinnen, wer man ist und was man möchte.
Genauso ergeht es der Protagonistin hier und sie trifft auf eine Frau, die einen Kuh Transport steuert. Daraufhin beginnt ein ungewöhnlicher Roadtrip.
Geschrieben ist das Buch wirklich gut. Man stellt sich Fragen über seine eigenen Prioritäten. Das Thema hat mich mich persönlich leider nicht gepasst. Deswegen waren manche Gedankengänge und Handlungen für mich nicht nachvollziehbar.
Das Lesen zieht sich hin und passt so eigentlich gut zur Stimmung des Buches. Ein ewiges Warten, was da noch kommen möge. Eine Fahrt voller Widrigkeiten. Man muss für dieses Buch englische Grundkenntnisse haben, da die Dialoge meistens auf Englisch sind. Da für beide Frauen Englisch eine Fremdsprache ist, sind die Dialoge einfach. So bleibt das Buch oberflächlich, wie auch die Freundschaft der beiden Frauen. Gepackt hat es mich nicht und lässt mich ratlos zurück.
Hat mich abgeholt und mitgenommen, aber hat mich auch ein bisschen deprimiert. Cool geschrieben, hat sich irgendwie sehr lang und kurzweilig zugleich angefühlt.
Sehr packend und mal ganz anders geschrieben, mit anderem Tempo, und anderen Charaktern -tat gut. Die Google Translate Gesprächs-Passagen waren irgendwie besonders toll -eine ganz eigene Würze.