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Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft

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Eine erste Liebe zwischen Festhalten und Vernichten, Aussterben und Weiterleben

Es brennt. In den Wäldern und auf den Screens. Die 15-jährige Era lebt mit ihrer Mutter am Waldrand und versucht dem schleichenden Prozess der Zerstörung etwas entgegenzusetzen, indem sie das Aussterben der Vögel dokumentiert. In einem Stream beobachtet sie ihre Mitschülerin Maja und deren Schwester Merle, die auf der benachbarten Lichtung Festplatten in die Luft jagen. Maja ist die Tochter zweier Momfluencerinnen, die versucht, die Erinnerungen an eine öffentliche Kindheit auszulöschen. Während Era Notizbücher führt, Zeichnungen anfertigt und all das Wissen, auf das sie Zugriff hat, zu ordnen versucht, bildet Maja eine zerstörerische Gegenkraft. Dennoch sind Era und Maja verbunden in ihrer Suche nach Intimität und analogen Reizen. Während die Turteltaube ausstirbt, verlieben die beiden sich ineinander. Aber nicht nur die Vögel sind Als ein großflächiger Brand den Wald zerstört, verlieren auch die Mädchen einen bedeutenden Teil ihres Lebensraums.

Souverän und klug überzeugt Sironic mit einer neuen literarischen Stimme.

»Eine wilde, witzige, weise Expedition in unsere Zukunft.« Julia von Lucadou, Autorin von »Die Hochhausspringerin«

»Ein dichtes und vielschichtiges Debüt, dessen rund 200 Seiten in Nullkommanichts weg gelesen sind, aber umso länger nachhallen und zum Nachdenken anregen.« Alexandra Friedrich, NDR

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First published March 25, 2025

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About the author

Fiona Sironic

2 books3 followers

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Community Reviews

5 stars
212 (16%)
4 stars
475 (36%)
3 stars
472 (35%)
2 stars
135 (10%)
1 star
19 (1%)
Displaying 1 - 30 of 213 reviews
Profile Image for Alexander Carmele.
493 reviews482 followers
September 19, 2025
Intensives Setting, zu vorschnell abgehandelt, mit Lovestory verkittet.
(Shortlist Deutscher Buchpreis 2025)

Inhalt: 2/5 Sterne (weder Lovestory noch Klimahorror)
Form: 2/5 Sterne (Intensität durch Syntax und Rhythmus)
Erzählstimme: 1/5 Sterne (völlige Diffusion)
Komposition: 1/5 Sterne (Motive durchdringen sich nicht)
Leseerlebnis: 2/5 Sterne (zu unentschieden als Lovestory)
--> 8/5=1,6 Sterne

In Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft dominiert klar das Aufklärungs- und Debattierinteresse, den Fokus der Öffentlichkeit auf die Folgen von den Sozialen Medien und der Klimakatastrophe zu lenken. Das Literarische tritt oft bei dieser Form von Text in den Hintergrund, das darin bestünde, mittels formalästhetischen Innovationen den Gegenstand in der Vorstellungskraft des Publikums zu entfalten statt nur zu benennen, hinzuweisen, ja, zur Diskussion zu stellen:

Auch als die Feldränder im Sinne des Umweltschutzes stückweise wiederhergestellt wurden, konnte sich der Bestand kaum erholen. Manche der Lerchen, die sich bis zu diesem Zeitpunkt in die Wälder geflüchtet hatten, fielen den Bränden zum Opfer. Der Rauchgeruch, der sich festsetzte, machte den Lebensraum fremd. Andere Nester wurden überschwemmt, als die Flüsse über ihre Ufer traten. Im Garten der Villa: 72 h Livestream gegen’s Artensterben. Jede Spende zählt!

Verquickt wird der Apokalypse-Horror mit einer moribunden Liebesaffäre zwischen Era und Maja. Era, eher eine normale Teenagerin mit einer Akademikerin als Mutter und einer Klimaaktivistin als Tante, verliebt sich in Maja, die Datenschutzaktivistin, die demonstrativ auf einem Stream Datenträger in die Luft sprengt, oder einen Laptop verwittern lässt, oder direkt alles verbrennt:

Der Kanal heißt FOAMO. Der Name ist ein Kofferwort aus dem Akronym Fomo und dem englischen Wort Foam; es kreuzt also die Angst zu verpassen mit dem Schaum. Ich verfolge den Stream seit einer Weile und weiß zu Beginn der Geschichte noch nicht so genau, warum.

Era weiß es aber schon. Sie ist verknallt in Maja, mit ihrer Strahlkraft, fühlt sich zu ihr hingezogen und die Dinge kommen ins Laufen, auch wenn Maja zuerst denkt, Era will ihr nachspionieren. Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft handelt also von zwei Teenager-Mädchen, die sich verlieben und zwar in einer Welt, die ein Desaster nach dem anderen zeitigt. Insgesamt bleibt der Roman tief dem Jugendbuch verbunden. Die Erzählstimme unterscheidet weder Zeiten noch Modi, noch interessiert sie sich für die Umstände und Handlungsbögen und Motive ihrer Figuren. Alles bleibt sehr holzschnittartig.

Der Tyrannosaurus Rex, der jahrelang als dunkel geschuppter König der Kreidezeit und gefährlicher Jäger galt, hatte jetzt über eine lange Lebensphase hinweg weiche Federn und soll gegurrt haben. Damit war der Dinosaurier kein Jungsspielzeug mehr. Es gab einen Aufschrei unter Incels und anderen Maskulinisten, die die Aktualisierung des Dinosaurierspielzeugs als besonders krassen Terrorakt der Feminazis aus der Paläontologie empfanden, allerdings fühlte sich auf der imaginierten Gegenseite niemand angesprochen.

Für sich genommen überzeugt das Setting und Vieles an dem Roman hätte sich entfalten können, wäre er länger und hätte er sich ausführlicher und eindringlicher mit seinen Hauptfiguren beschäftigt statt stets auf Dinosaurier und Pokémons zu sprechen zu kommen. Es wirkt zu skizziert, zu hastig auf den Markt geworfen, zu unbetreut in der narrativen Spannung ernstgenommen. Leider. So hängt es zwischen Mascha Unterlehberg Wenn wir lächeln und Caroline Wahls Windstärke 17 unentschieden herum mit Blick zu Sibylle Bergs RCE: #RemoteCodeExecution, und teilt Stärken wie Schwächen allenthalben.


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Details – ab hier Spoilergefahr (zur Erinnerung für mich):
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Inhalt:
●Hauptfigur(en):
●Zusammenfassung/Inhaltsangabe:
Die Ich-Erzählerin Era (E) verfolgt den Livestream im FOAMO (Fear of Missing out + Foam) Kanal von Maja (MA) und Merle (ME), die Dinge in die Luft sprengen, und verliebt sich in MA. Die Ich-Erzählerin mag Vögel. Ihre Mutter schreibt eine Dissertation, und ihre Tante, eine Klimaaktivistin. Auf einem anderen Stream lassen sie einen Laptop langsam verwittern. E sammelt Vogelstimmen, betrauert deren Aussterben. MA leidet an Paranoia und fühlt sich von E zuerst gestalkt (sie gehen in dieselbe Schule). MA leidet darunter, dass ihre Mütter einen Kanal über sich und ihre Kinder in Selbstvermarktung betrieben haben. Es kommt zu Waldbränden, einer von ihnen, kurz vor dem 16. Geburtstag der E, vertreibt diese mit ihrer Mutter aus dem Haus, zur Tante. MA und E haben das erste Date in einer Raststätte. MA will sichergehen, dass E ihnen nicht nachspioniert. (Die Schwestern stehen unter Verdacht einen Teil der Waldbrände verursacht zu haben). Tante zieht ins Gewächshaus. E fragt ihre Mutter nach den Mommy Channel von Alice und Emily (MA und ME Mütter). E hat Geburtstag, bekommt einen feuersicheren Safe von ihrer Mutter. MA und ME nehmen E auf. Sie begleitet sie zu den Sprengungen. MA bittet E mit zur Geburtstagsfeier ihrer Mutter Alice/Alissa zu kommen. In der Villa der Mütter zeigt MA das Archiv, das sie nach und nach zerstört, weil sie nicht ihr Leben auf den Datenträgern gespeichert haben will. E erzählt MA vom Archiv, wo es Backups der ganzen Daten gibt. Vom Archiv hat MA vorher nicht gehört. Es findet eine Feier in einem Hotel statt, mit vielen Gästen. MA und E hauen ab, schleichen sich in die Weinstöcke, und kommen sich näher. Plötzlich will MA mit E abhauen, ME hat gepetzt, von ihren Sprengungen den Müttern erzählt. Sie fliehen ins Gewächshaus. Wieder Waldbrände. Der Verdacht fällt auf MA und ME. E und ihre Mutter verlieren alles bei dem Waldbrand. MA geht stiften. Keiner weiß, wo sie ist. Erinnerungen an den Tod des Großvaters. Auf dem Mommy Channel wird MAs Verschwinden bekanntgegeben. Die Suche beginnt. E und ihre Mutter bekommen eine Notunterkunft. Die Schule geht wieder los. Die Tante erhält einen Brief für E. Er ist von MA. Der Mommy Channel wird aufgelöst. Die Mütter von MA und ME trennen sich. Die Waldbrände und Probleme führen dazu, dass FOAMA Mode wird, und nun schwärmen Mädchen herum und sprengen Dinge und legen Feuer. MA meldet sich. E meldet sich bei ihrer Tante ab und fährt zu MA. Dort werden sie ein Paar, aber MA will E verstecken. Probleme mehren sich. Gelder werden gestrichen. Die Mutter verliert ihren Job, zieht zur Tante. Die engen Verhältnisse führen zu Problemen zwischen MA und E. MA feiert achtzehnten Geburtstag. E bekommt mit, dass MA großangelegte Terroranschläge auf die Archive ausübt, mit anderen zusammen. E zerstört die Privatsphäre von MA und liest in deren Tagebuch. MA verantwortlich für den großen Waldbrand, der E und ihrer Mutter alles genommen hat. Die Tante holt E ab. Terroranschläge finden auf das Archiv statt. E verfolgt dies in den Nachrichten. Sie erhält einen Brief von ME, die sich MA angeschlossen hat. MA ist bei einem Anschlag verschwunden. ME hört auf, nachdem sie zwei Wochen gewartet hat. E versucht Dinge zu sichern, bevor alles verloren geht.
●Kurzfassung: Zwei Mutter-Tochter-Beziehungen. Die eine belässt ihre Tochter in Freiheiten, die andere monetarisiert sich selbst in einem Mommy Channel. Die beiden Töchter verlieben sich ineinander, aber die eine hat Privatsphärenproblem und Flucht- und Zerstörungsimpulse. Die Story zeigt, wie die beiden Töchter zusammenkommen, aber Liebe nicht reicht, und die eine sich einer Datenterrorgruppe anschließt, um Archive in die Luft zu sprengen, und wahrscheinlich dadurch das Leben verliert.
●Charaktere: (rund/flach) kaum zu sagen, da viel viel zu jung (unter 18 Jahre).
●Besondere Ereignisse/Szenen: blöde Idee mit Tyrannosaurus Rex; überflüssige Szenen mit ausgestopften Tieren des Onkels; über Pikachu, über Pokemons
●Diskurs: Klimakatastrophe, Artensterben, Datenschutz, Internet/Influencing
… das Buch besitzt wenigstens eine Art postapokalyptische Atmosphäre, eine Art Imaginationskraft durch die Waldbrände, das Fliehen, das Explodieren. Es besitzt aber kaum deskriptive Elemente, fast alles nur Zwischenmenschliches. In diesem Sinne ein Coming-of-Age Roman mit disruptiven Elementen. Leider kaum Spannungsbögen, kaum einfallsreiche Dialoge.
--> 2 Sterne

Form:
●Wortschatz: Englisch-Deutsch-Mischung. Seltsame Verwendung des Schrägstriches, alles ziemlich hastig geschrieben, Jugendsprache.
●Type-Token-Ratio: (Musil >0,25 - Genre < 0,1) – im Grunde zu kurz 0,17 – kein Genrebuch
●Satzlängen-Verteilung-Median: 12,2 Wörter pro Satz, STAB 10
(bei Musil: 28 Wörter mit Standardabweichung (STAB) 19 Wörter)
●Anteil der 1000 häufigsten Wörter: 79,2 (Musil/Mann <70% - Genre >80%)
●Verhältnis Nominal-/Verbalstil: Anteilsmäßig viel erzählt, wenig Dialoge.
●Stimmige Wortfelder: ja
●Satzstrukturen: simpel
●Wiederkehrende Motive/Tropen: Dinosaurier, Vögel, Vogelstimmen
●Innovation: die Schrägstrichverwendung, die harte, knappe Sprache, das sehr Zerzauste, Unwirkliche, Inkohärente, nicht ärgerlich, aber auch nicht verdichtend-dichterisch.
--> 2 Sterne

Erzählstimme:
●Eindruck: Era spricht aus einem Jetzt heraus, zu dem sich die Situation entwickelt, klassische Ich-Erzählung. Das Jetzt befindet sich in dem Unterschlupf, in welchem Maja und sie leben und wo sie sich trennen. Erzählweise durchweg präsentisch – protokollierend.
●Erzählinstanz (reflektiert, situiert, perspektiviert?): ja, situiert und perspektiviert, aber nicht sich im Ganzen reflektierend, die Gesamtlage zu unübersichtlich, sie im Gewächshaus, im Unterschlupf, wieder in der Wohnung, in der Villa, wieder im Gewächshaus
●Erzählverhalten, -stil, -weise: beteiligt, nachdenklich, selbstverteidigend
●Einschätzung: glaubwürdig in seiner Naivität, aber unterkomplex vom Gegenstand her, wird der Problematik gar nicht gerecht, Klimakatastrophe, Artensterben, Terror und Datensicherheit betreffend, wirkt wie Hintergrundrauschen einer Teenagerlovestory, die daneben geht. Allein aber dass alles in Präsens geschrieben wird, ist nachlässig und undifferenziert.
--> 1 Stern

Komposition:
●Eindruck (szenisch/deskriptiv/Tempiwechsel): das Buch behandelt die zwei Seiten der Archivierung, der Verlust der Privatsphäre, das Aufzeichnen, aber auch Aufheben im Falle des Verschwindens. Maja rebelliert gegen das Objektwerden in der Aufzeichnung, und Era sammelt die Vogelstimmen der ausgestorbenen Vögel. Leider kaum Dynamik.
●Extradiegetische Abschnitte: nein
●Lose Versatzstücke: zu viel über Pokemon und Dinosaurier
●Reliefbildung: nein, kaum szenerische Gestaltung
●Einschätzung: das Buch verhandelt seinen Gegenstand zu oberflächlich, hätte sich entscheiden sollen zwischen Lovestory und Umwelt-Klima-Horror, beides zusammen wirkt ungereimt und ungetaktet.
--> 1 Stern

Leseerlebnis:
… äußerst leichte Kost, würde es für ein Teenager-Buch halten, erste Liebe, das Entdecken der eigenen Sexualität. Hier die Faszination einer Teenagerin für eine Datenschutzaktivistin, die zunehmend krasser gegen die Ausbeutung der Privatsphäre kämpft. Insgesamt sehr reduziert, wenig World-Building, fast keine Vorstellung von dem Außen, keine Introspektion, wie sieht das Gegenüber die Protagonistin, schwerfällig, sehr verkopft, über reflektiert.
●Gelangweilt: nein
●Geärgert: nein
●Amüsiert: nein
●Gefesselt: nein
●Zweites Mal Lesen?: nein
… das Buch besitzt kein sprachliches Relief durch die absurde Form des präsentischen Verfolger-Kamera-Erzählens. Die Annäherung der beiden überzeugt, und das Sich-Verstecken, der Versuch, ein Zuhause zu finden, überzeugt auch, nur erscheint das zu wenig gestaltet.
--> 2 Sterne

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Profile Image for Steffi.
1,127 reviews275 followers
July 16, 2025
Ein Titel wie eine Inhaltsangabe. Anfangs tat ich mich schwer damit. Da war ein bisschen zu viel Jugendsprech, kurze, simple Hauptsätze. Ich hegte YoungAdult-Verdacht.

Dann wird es aber wirklich spannend; inhaltlich und sprachlich komplexer. Die Geschichte spielt einige Jahre nach unserer Zeit und ist eine knallharte Dystopie. Der Klimawandel hat die Lebensverhältnisse komplett verändert: Die Städte sind unbewohnbar, die Wälder brennen ständig, Vogelarten sterben quasi stündlich aus und die Menschen ernähren sich hauptsächlich von proteinreichen Pülverchen. Hinzu kommt, dass die digitalen Medien, insbesondere Social Media, in eine tiefe Krise geraten sind. Granfluencer brechen reihenweise depressiv zusammen und die Kinder von Momfluencern begehren gegen die mediale Inszenierung und Monetarisierung seit ihrer Geburt auf. Der Frust entlädt sich in den titelgebenden Explosionen – verbrannt werden dabei häufig die digitalen Datenträger, auf denen sich Aufnahmen der ausgenutzten Kinder befinden.

Das ist am Ende doch eine sehr dichte, gut erzählte, neu erzählte Geschichte, die mich in den besten Momenten an Sibylle Bergs GRM Brainfuck erinnert, auch wenn Sironic da natürlich insgesamt nicht rankommt.

Ich mag auch das sehr gelungene, farbenfrohe, glänzende Cover, auch wenn ich befürchte, dass es nicht schadstofffrei verbrennen würde. 😉🔥
Profile Image for Elena.
1,045 reviews422 followers
October 5, 2025
Die 15-jährige Era lebt mit ihrer Mutter in einem kleinen Haus am Waldrand. Ihre Freizeit verbringt sie damit, vom Aussterben bedrohte oder bereits ausgestorbene Vögel in einem Heft zu dokumentieren, um dem Verschwinden etwas entgegenzusetzen. Dabei schaut sie sich oft den Stream ihrer Mitschülerin Maja an, die im Wald gemeinsam mit ihrer Schwester Festplatten in die Luft jagt. Während Era etwas bewahren möchte, möchte Maja, dass sie vergessen wird - denn ihre Kindheit und Jugend ist als Tochter zweier bekannter Momfluencerinnen gläsern. Zwischen den beiden Mädchen entwickelt sich eine zarte Liebesgeschichte, doch die Welt um sie herum brennt.

Fiona Sironics Zukunftsszenario in "Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft" ist für mich gar nicht so weit hergeholt, vieles findet bereits jetzt statt (Waldbrände, Kinder im Internet, das Speichern persönlicher Daten), doch sie zeigt, wo all das, was gerade im Gange ist, Enden könnte. So ist dieser dystopische Text auch eine Auseinandersetzung mit unserer Gegenwart und bietet einen spannenden und sehr bedrückenden Rahmen für einen queeren Coming-of-Age-Roman. In nur 200 Seiten ergründet die Autorin das Zusammenleben in einer von der Klimakatastrophe unlebsam gewordenen Welt - für mich durch den ungewöhnlichen Stil nicht besonders zugänglich, aber trotzdem lesenswert.
Profile Image for nettebuecherkiste.
699 reviews182 followers
November 25, 2025
4,5 Sterne
Era lebt in einer nahen Zukunft, in der der Klimawandel bereits große Auswirkungen auf das Leben hat, mit ihrer Mutter in einem Tiny House im Wald. Maja kennt sie vom Sehen an der Schule. Maja und ihre kleine Schwester Merle sind die Kinder zweier erfolgreicher Mumfluencerinnen, haben jedoch begonnen, sich gegen ihre eigene „Verwertung“ in den sozialen Medien aufzulehnen. Sie klauen heimlich Datenträger, auf denen ihre Mütter den bisher produzierten Content gespeichert haben, und sprengen sie im Wald in die Luft. Nachdem Era sie dabei beobachtet hat, freundet sie sich mit Maja an.

Fiona Sironics Debütroman hat mich mehr deprimiert als die meisten anderen Dystopien, die ich bisher gelesen habe. Und das ist keine Kritik, sondern ein Lob. Die Darstellung dessen, was uns in den nächsten 30 Jahren erwarten könnte, ist so realistisch, dass ich mich selbst frage, ob ich wie Eras Opa irgendwann in der Sommerhitze einfach tot umfallen werde. Nicht, dass ich solche Gedanken nicht schon vorher gehabt hätte, aber das Buch stellt das Leben in der Klimakatastrophe unwiderstehlich anschaulich da. Ich hoffe, diese Aussagen halten euch jetzt nicht davon ab, das Buch zu lesen, denn ich will es euch im Gegenteil empfehlen. Es gibt durchaus positive Aspekte, wie das Wohnprojekt „Gewächshaus“, das so voller Pflanzen ist, dass man es darin trotz der Glasflächen aushalten kann, und das seine Bewohner mit Obst- und Gemüseanbau miternährt.

Wir erfahren nicht viel über das politische System, aber es ist offensichtlich, dass es den Bach runtergeht mit dem Lebensstandard. Das zweite große Thema des Buchs ist die Kritik an den sozialen Medien und Influencern, die ihre eigenen Datenschutzrechte und die ihrer Kinder dem „Fame“ und dem Geld opfern. Die Reaktion der nachwachsenden Generation in Sironics Geschichte fand ich sehr spannend. Sprachlich ist das Buch sehr einfach gehalten, weist aber durchaus ein paar Ideen für künftige Entwicklungen auf. Die Charaktere hätten für mich etwas deeper sein können, was ich aber nicht als großen Schwachpunkt sehe.

Was mir auch gefallen hat, ist die Benennung der Kapitel nach ausgestorbenen Vogelarten (mit wenigen Ausnahmen), denn Eras Opa war Tierpräparator und Era besitzt eine Sammlung seiner Werke. Darin hat das Buch mich ein wenig an „Schwere Lasten“ von Annett Gröschner erinnert, die Ähnliches mit Blumennamen macht.

Sehr lesenswerte, fesselnde Climate Fiction mit Gesellschaftskritik und queerer Repräsentation.
Profile Image for Zeilenbrecherin.
168 reviews12 followers
November 25, 2025
ahhh, ich habs geliebt und durchgesuchtet. Thematisch voll mein Ding. Ein dystopischer Zukunftsroman, der trotz allem irgendwo hoffnungsvoll ist anstatt nur belehrend und ermahnend und der ohne Machtmissbrauch in der Politik auskommt.

Fokussiert wird sich diesbezüglich zum einen auf das Klima (Erderwärmung, Artensterben), zum anderen auf die Auswirkungen vom uns allzu gut bekannten world wide web, das nie vergisst. Das alles ist wunderschön in eine young adult/coming of age Storyline verpackt. Zu meiner großen Freude kommen auch nur weibliche Figuren vor!

Der Roman ist im Präsens verfasst, was mich grundsätzlich nicht stört. Es ist in dem Fall aber nicht stimmig, da die Protagonistin selbst aus ihren Erinnerungen erzählt. Es wird in dem Buch gegendert, das passt in die fiktive Welt hinein und stört aufgrund des wenigen Gebrauchs den Lesefluss nicht.
Profile Image for Uralte  Morla.
374 reviews146 followers
May 19, 2025
Maja ist wütend. Wütend, weil sie von ihren Müttern seit ihrer Kindheit im Internet vermarktet wurde. Wütend, weil sie keine Kontrolle über ihr Leben hat. Wütend, weil sie nicht weiß, wo sie Halt finden soll.
Also sprengt sie mit ihrer jüngeren Schwester Sachen in die Luft. Genauer gesagt: Die Festplatten, auf denen Videos von den beiden gespeichert sind.
Im anonymen Livestream teilen die Jugendlichen ihre Aktionen und ziehen damit die Aufmerksamkeit von Era auf sich.
Era ist eher traurig als wütend. Weil die Natur um sie herum stirbt, sie einer Vogelart nach der nächsten beim Verschwinden zusehen muss. Weil die Hitze und Trockenheit immer heftigere Waldbrände hervorrufen, die den Lebensraum aller bedrohen.
In dieser Welt, die keine Sicherheit mehr bietet, geben sich Maja und Era gegenseitig Halt und Geborgenheit. Zwischen ihnen entwickelt sich eine zarte Liebesgeschichte.
Doch Majas Wut bleibt und sie trifft radikale Entscheidungen, die die vermeintliche Harmonie wieder ins Wanken bringt.

Fiona Sironic hat mit "Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft" einen Dystopie geschrieben, die erschreckend nahe an unserer Gegenwart klebt und leider so oder sogar noch schlimmer jederzeit Realität werden könnte. Sie zeigt sehr drastisch die Folgen des menschengemachten Klimawandels. Außerdem kritisiert sie massiv die Momfluencer-Bubble, die ihre Kinder im Netz zeigt, indem sie die psychischen Folgeerscheinungen herausarbeitet.
Klug verknüpft sie diese Stränge mit einer wirklich berührenden Liebesgeschichte und schreibt alles in einer modernen, einen ganz eigenen Sog entwickelnden, Sprache. Überhaupt besticht der Roman durch seine Atmosphäre, die gleichzeitig bedrückend und faszinierend ist. Und Queerness ist so selbstverständlich ein Teil der Geschichte - so wünsche ich mir das immer!
Ein Buch mit hohem Weltschmerzfaktor (hab mehrmals geheult, auch, weil das Ende mich zerstört hat), aber genau deswegen auch so wichtig! Eine Leseempfehlung!
Profile Image for Sandra.
209 reviews51 followers
September 19, 2025
Fiona Sironic hat mit ihrem Buch einen Blick in eine mögliche Zukunft geworfen, auf die wir zusteuern könnten. Im Zentrum der Geschichte steht die Jugendliche Era, die eine Faszination für die Onlinestreams ihrer Mitschülerin Maya entwickelt und dann auch mehr und mehr eine Faszination für Maya selbst.

Die Zukunft, die die Autorin hier zeigt, scheint ziemlich genau so zu sein, wie es aktuell in düsteren Prognosen zum Klimawandel vorhergesagt wird. Immer mehr Wälder brennen, immer weniger Lebensraum für die Menschen bleibt, immer größere und längere Hitze, immer mehr Wasserknappheit, Naturkatastrophen usw.

Einerseits gut, dass hier ein möglichst realistisches Bild gezeichnet wird, andererseits, hatte es dadurch als dystopisches Konzept an sich, für mich, nichts aufrüttelndes. Hier hätte es richtig gute Figuren gebraucht mit viel psychologischen Tiefgang, dann hätte das Buch, glaube ich, echt mehr bei mir auslösen können. 

Sehr gut haben mir die sich durchziehende Thematik der Dinosaurier (insbesondere der gefiederte T-Rex) und der Vögel (rettet Stadttauben und die Kakapos bitte!) gefallen. Auch der Schluss ist, meines Erachtens, gut geglückt.
Profile Image for troubleshooterrr.
19 reviews9 followers
December 14, 2025
maaaaan ich war so bereit das hier richtig zu mögen aber ich fürchte es ist eine komplette mess.
konzeptuell klingt alles hieran megacool. Ein sci-fi ökohorror-Text mit richtig literarischem anspruch, der anscheinend jedes wichtige Thema der Gegenwart verhandeln wird? Bitte!

Tatsächlich haben wir hier inhaltlich sehr viel cooles: eine Klima-apokalypse. Organisierte rebellengruppen. Eine queere liebesgeschichte. experimentelle einschübe. Man merkt, dass das auf 200 Seiten alles eng werden könnte.

Mein Hauptproblem ist aber, dass hier der selbe überakademische autofiktion-ton verwendet wird, den all die hildesheim-peers so gern benutzen. Und darunter bricht alles zusammen.

Jeder plotpoint wird halbherzig anskizziert, jede Charakterentwicklung bestenfalls behauptet. Jetzt ist sie verliebt. ah. Jetzt nicht mehr. oh. Jetzt doch wieder. Zwischen repetitiven pseudoavantgardistischen Fingerübungen rinnt beim lesen ein plot durch die Finger, dessen sillhouette man als ziemlich cool identifizieren könnte. Aber ganz ehrlich? Ich habe mich die ganze Zeit gefühlt, als säße ich im Nebenzimmer eines großartigen Buches.

Dass jede einzelne Idee supercool ist, macht es irgendwie nur noch frustrierender, dass dieser Schnellhefter an Skizzen nie richtig zum Leben erweckt wurde.
Profile Image for Dunja Brala.
630 reviews51 followers
September 16, 2025
Als ich im Sommer in Südfrankreich im Urlaub war, hat mir alles richtig gut gefallen – bis auf eines: ständig brannte es irgendwo in der Nähe. Viele Menschen verloren ihre Häuser. An so etwas kann man sich nicht gewöhnen, doch für die Einwohner der kleinen Orte rund um Narbonne gehört diese Gefahr zum Alltag. Ich habe mich oft gefragt, ob der Klimawandel mich irgendwann damit auch in meiner Heimat konfrontieren wird.

In der dystopischen Gegenwart von Era ist die Gefahr ständiger Waldbrände real geworden. Sie führt zu einer hohen Arbeitslosenquote und extremer Wohnungsnot. Die allgegenwärtige und durch große Hitze ausgelöste Feuergefahr ist unberechenbar und verleiten ihre überforderte Mutter dazu einen feuersicheren Safe anzuschaffen, damit sie die Dinge, die ihr wichtig sind, darin lagern und vor plötzlich Feuer schützen kann. Sie legt ihre Aufzeichnungen über ausgestorbene Tiere, insbesondere Vogelarten hinein. Die Tiere sind schon lange, verschwunden und täglich kommen neue hinzu. Die Dokumentationen aber können nun alles überleben. Doch Era hat noch eine andere Leidenschaft, Maja! Sie beobachtet wie diese mit ihrer jüngeren Schwester Merle im Wald Festplatten mit Datenmaterial in die Luft jagt und das ganze Live streamt. Auf den Datenträger finden sich Aufzeichnungen aus dem Lebens von Maja und Merle. Beide sind die Töchter eines Influencerinnen Ehepaar, das sein Leben professionell vermarktet und damit zu großem Reichtum geraten sind. Sie leben in schierem Luxus, doch vieles ist, wie man sich denken kann, mehr Schein als Sein. Maja lehnt sich dagegen auf. Sie weigert sich nicht nur Teil dieser Daily Vlogs zu sein, sondern möchte auch jegliches gespeicherte Datenmaterial vernichten. Die beiden verlieben sich ineinander. Es entsteht eine Beziehung, ganz zart, doch auch sehr fragil. Die zerstörerische Lebensrealität macht es ihnen nicht leicht gut zueinander zu sein.

Sironic hat ihr Werk mit Figuren gefüllt, die anders sind. Sie strampeln gegen Vernichtung an, und die Kraft, die sie dafür aufbringen müssen, ist förmlich spürbar. Beeindruckend fand ich auch die Darstellung von Merle, die den großen Knall braucht, um sich selbst erden zu können. Das Thema der mangelnde Privatsphäre von Kindern, die sich nun gegen ihre Eltern auflehnen, die alles von Ihnen ungefragt der Öffentlichkeit preisgeben, wird in Zukunft noch Gerichte beschäftigen. Denn Kinder haben ein Recht an ihrem Bild. Und auch wenn Eltern dieses Recht stellvertretend wahrnehmen, bedeutet das nicht, dass sie unverantwortlich handeln dürfen. Sie müssen immer das Interesse der Kinder im Auge haben. Ich kenne nicht wenige, die aus voller Überzeugung ihre Kinder im Netz zeigen (auch hier in unserer Buch Bubble) , und sie damit der Bewertung durch Ihnen völlig fremde Personen ausliefern. Dabei spielt es keine Rolle, dass das Geld und Klicks generiert und die Kinder vielleicht sogar fröhlich in die Kamera lächeln. An Maja ist eindrücklich dargestellt in welche Richtung es kippen kann, wenn sich der Verstand zur Gänze entwickelt und man alt genug ist sich seines Lebens selbst zu ermächtigen.

Die Sprache, die die Autorin anwendet, hat es mir nicht leicht gemacht. Sie ist gleichzeitig frisch und modern, doch auch sperrig. Ich hatte große Probleme, mich in die Gedanken der Protagonistinnen einzufühlen. Sironic versucht scheinbar ihren eigenen Stil als Markenzeichen zu etablieren. Sie benutzt zum Beispiel des Öfteren „ /„ statt dem Wort „Oder“ und nennt die Mutter, der ich Erzählerin Era Mama (ohne Artikel) während Eras Tante immer als „die Tante“ genannt wird. Ohne diese gewöhnungsbedürftigen Stilmittel wäre der Plot genauso gut konstruiert. Insgesamt hatte ich aber nicht das Gefühl eines glatten Leserflusses, und das hat mir den Inhalt schwerer zugänglich gemacht.

Ich kann durchaus nachvollziehen, warum die Jury das Buch auf die Shortlist gesetzt hat, ist es doch mit einem gesellschaftskritischen Thema gefüllt und in experimentellem sprachlichen Gewand gekleidet.

Ich empfehle das Buch allen, die etwas Neues ausprobieren möchten und bereit sind, sich auf neue sprachliche Finessen einzulassen.
Als Kinderschutzbeauftragte und Multiplikatoren für Partizipation von Kindern und Jugendlichen kann ich nur einmal mehr sagen: Kinder aus dem Netz!
Profile Image for Rosa.
80 reviews24 followers
August 27, 2025
#longlistlesen Nummer 2

„Es geht nicht darum, dass wir uns nicht jetzt sofort alles erzählen wollen. Wir eröffnen uns die Möglichkeit einer gemeinsamen Zukunft. Wir wirtschaften sorgsam mit unseren Geschichten.“

Keine leichte Rezension für mich, weil ich das Buch wirklich gerne mögen wollte. Eines der vielen Themen, die in diesem Buch angesprochen werden, ist so einzigartig und spannend, und eigentlich genau das, was mich ungemein interessiert, verliert sich aber in vielen anderen Themen, die nur unzureichend angeschnitten wurden.

Im Grunde geht es in dem Buch um zwei sehr verschiedene Mädchen.
Era möchte bewahren - sie dokumentiert mit seltener Hingabe alle von der Klimakrise ausgerotteten Tiere, und treibt sich jeden Tag ewig im Archiv herum, wo das gesamte „alte“ Internet gesammelt wird, um dort so viel wie möglich über die Welt zu lernen, die sie nie erlebt hat.
Maja will zerstören. Sie ist die Tochter zweier Momfluencerinnen, die Majas gesamte Kindheit zu ihrem eigenen Profit ins Internet geladen haben. Ihr Ziel ist es, die Archive auszulöschen, in der sich die Dokumentation ihrer geraubten Kindheit befindet.
Zu Beginn bilden die zwei eine Allianz, aber schon bald wird klar, dass sie im Grunde gegenteilige Ziele verfolgen.

Das Buch hat für mich am allermeisten geschienen, als es um die Momfluencer Angelegenheit ging. Die Kinder unserer Influencer sind im Augenblick noch nicht alt genug, um zur Sprache zu bringen, was für eine Grausamkeit ihnen von Seiten ihrer Eltern widerfährt, die sie zwingen, im Internet erwachsen zu werden. Deshalb fand ich die Erforschung dieses Phänomens extrem spannend. Die Autorin verknüpft die Ausnutzung der Kinder für unsere Unterhaltung recht geschickt mit der Ausnutzung unseres Planeten - aber dennoch bin ich mit dieser Geschichte nicht recht warm geworden. Der Backdrop der Klimakatastrophe las sich sehr anstrengend und hat mich sehr an Jasmin Schreibers Endling erinnert - aber vielleicht ist es auch ein Zeugnis für die Fähigkeiten der Autorin, die Welt in der Klimakrise so lebensnahe herüberzubringen, dass ich keine Lust hatte, mich damit zu beschäftigten.

Ich gebe 3.5 Sterne, weil ich die Idee und den Kontrast sehr mochte - wenngleich es für mich an der Umsetzung ein wenig gescheitert ist.
Profile Image for Vic.
30 reviews2 followers
August 20, 2025
Ich weiß nicht so ganz, wie ich in Worte fassen soll, wie ich mich beim Lesen gefühlt habe. Das Buch hat mich immer wieder sehr emotional gemacht und genau die Beklommenheit vermittelt, die Era zunehmend spürt. Irgendwie konnte ich die Explosionswut und Majas Vorliebe für Sprengstoff aber auch verstehen und fand die Verknüpfung mit dem Stricken und Netzen total schön, aber auch seltsam. Seltsam auf eine gute Art.
Profile Image for Antonia.
54 reviews16 followers
February 8, 2026
Große Empfehlung für wenn’s euch eh grad net soo gut geht und ihr schon relativ desillusioniert auf die Zukunft blickt, euch dann nochmal so ne verkappte Klima Dystopie zu Gemüte zu führen. Das Buch will sehr viel auf einmal und hätte meiner Meinung nach vielleicht besser als Sachbuch oder auch Kolumne funktionieren können, weil der Fokus nicht so richtig auf den Figuren und deren Beziehungen zu liegen scheint, sondern eher auf diesen Prophezeiungen, in welcher Hinsicht und wie konkret die Welt in den nächsten 100 Jahren immer weiter verkommen wird
Profile Image for Anna.
627 reviews41 followers
October 17, 2025
Deutscher Buchpreis Longlist #16

Mein persönliches Ranking Platz 5 von 20 - und damit auf der exklusiven Anna Shortlist!

Vielleicht wichtiger: Jetzt auch auf der offiziellen Shortlist!

„Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft“ ist kein unmittelbarer Knaller, auch wenn der Titel das vielleicht vermuten lässt. Dass es für mich ein fünf Sterne Roman wird, wusste ich erst, als ich das Buch am Ende zugeklappt habe – und ich war überrascht, wie gut ich es fand.

Der Debütroman nimmt eine ganze Reihe Themen in den Blick, die auch im Klappentext und den Werbematerialien im Vordergrund stehen: Da gibt es Merle und Maja, zwei Momfluencerinnen-geschädigte Schwestern (Achtung: moderne Medien- und Kulturkritik), die am Samstag in den Wald gehen und Sachen in die Luft jagen, um Kontrolle über ihr Leben zurückzugewinnen. Da gibt es die aufkeimende Liebesbeziehung zwischen Maja und Era (Achtung: queere Liebesgeschichte), unserer Hauptfigur, die zunächst dem Stream der beiden gebannt folgt, dann aber feststellt, dass das in-die-Luft-Jagen im Wald direkt vor ihrer Haustüre stattfindet. Da gibt es die Klimakatastrophe (Achtung: Klimaroman), die nicht nur das Leben in Städten immer unmöglicher und große Waldbrände zum Alltag gemacht hat, sondern auch verantwortlich ist für ein massives Artensterben, dem langsam auch die Menschen, die sich kaum noch fortpflanzen, zum Opfer fallen. Und da ist weibliche Wut (Achtung: feministisches Schreiben), die transformiert, indem sie zerstört – oder vielleicht einfach nur noch zerstört, weil Transformation nicht mehr möglich ist.

All das ist Teil dieses Romans, aber seine besondere Stärke zieht er aus der Darstellung einer Endzeit, einer auf ihr Finale zulaufenden Klimakatastrophe, die für die Mädchen vollkommener Alltag geworden ist. Die Zeit des sich-Festklebens, des das-Klima-noch-retten-Wollens sind vorbei, auch wenn Eras Tante sich noch an diesen Teil ihrer eigenen Jugend erinnern kann. Stattdessen sind die Mädchen damit konfrontiert, dass sie als Kinder Teil eines auslaufenden Lebensmodell sind. Geschwister gibt es nur noch selten, und die Zukunft, die sie planen sollen, existiert kaum über einen Sommer hinaus.

Den Umgang, den Era und Maja damit finden, ist sehr unterschiedlich: Während Maja immer mehr zerstören will, immer weiter dafür sorgen muss, dass ihre gestreamte Kindheit und überhaupt alle digitalen Daten verschwinden, führt Era Listen mit ausgestorbenen Vögeln und hört sich im Archiv den Gesang derer an, die es in Wirklichkeit gar nicht mehr gibt. Sie hält an dem fest, was einmal war, und Maja will sprengen, was noch übrig ist – und beide tun das, weil die Zeit, in der sie leben, sonst nicht auszuhalten wäre. Auch die Beziehung zwischen ihnen ist weniger eine Lösung als der Versuch, einen Nagel in den Strom der Zeit zu schlagen und einen Ort zu finden, der noch ihnen gehört.

Sironic hat hier einen erstaunlich leisen und subtilen Roman verfasst, der es schafft, ein Portrait eines Zukunftsmomentes zu zeichnen, in dem eigentlich alles schon entschieden ist, die Menschen aber weiterleben müssen. Es ist natürlich eine Klimadystopie - aber eine, in der durchaus utopische Flecken aufleuchten. Mir hat das sehr gut gefallen, und ich bin froh, dass Era, Maja und ihre Familien auf der Shortlist gelandet sind.
Profile Image for Fiona.
142 reviews29 followers
October 8, 2025
Fiona Sironics Debütroman »Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft« ist nominiert für den Deutschen Buchpreis 2025 (Shortlist), konnte mich aber nur teilweise überzeugen. Der Titel ist ne klare 10/10, die Geschichte dahinter, trotz sehr spannender Ansätze, aber leider nicht ganz…

🔖darum geht’s:
Es brennt. In den Wäldern und auf den Screens. Die 15-jährige Era lebt mit ihrer Mutter am Waldrand und versucht dem schleichenden Prozess der Zerstörung etwas entgegenzusetzen, indem sie das Aussterben der Vögel dokumentiert. In einem Stream beobachtet sie ihre Mitschülerin Maja und deren Schwester Merle, die auf der benachbarten Lichtung Festplatten in die Luft jagen. Maja, Tochter zweier Momfluencerinnen, versucht, die Erinnerungen an eine öffentliche Kindheit auszulöschen. Auf der Suche nach Intimität und analogen Reizen verlieben sich Era und Maja ineinander. Aber nicht nur die Vögel sind bedroht: Als ein Großbrand den Wald zerstört, verlieren auch die Mädchen einen bedeutenden Teil ihres Lebensraums…

Der Roman ist eine Dystopie und behandelt teilweise schon beängstigend reale Themen. Die Idee und das near-future-Szenario waren wirklich interessant, allerdings die Umsetzung nicht so ganz gelungen. Zwar mochte ich den experimentellen Schreibstil, aber dadurch war die Geschichte eher schwer zugänglich und zum Teil auch ein bisschen verwirrend. Schön fand ich den queeren coming-of-Age-Ansatz, aber auch hier hätte ich mir noch mehr Tiefgang gewünscht. Oft ging mir alles zu schnell, sodass ich bis zum Schluss keine richtige Beziehung zu den Figuren aufbauen konnte. Extra Punkte gibt es aber für die ganzen Pokémon Referenzen 🤭

Fazit: Ein hochaktueller und besonderer Roman, der aber eher schwer zugänglich und leider etwas hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben ist. Dennoch lesenswert.
Profile Image for Verena Gangkofer.
50 reviews7 followers
September 24, 2025
3.5
Die Geschichte handelt in einer undefinierten Zukunft - nicht weit weg von der aktuellen Zeit. Die Mutter der Protagonistin Era (passender Name) hat sich in ihrer Kindheit mit ihrem Vater um den Internetzugang gestritten - klingt also nach aufgewachsen in den frühen 90er Jahren. Der benannte Opa ist er einzig männliche Charakter des Romans - er kommt sonst komplett mit weiblichen Figuren aus. Era nennt die beiden Mütter ihrer Freundinnen Maja und Merle auch 'normale Eltern' im Gegensatz zu ihren, bei der der Vater wohl recht früh das Interesse am Nachwuchs aufgegeben hat und verschwand.
Zentrales Thema ist das Nicht-Vorhandensein von Zukunft und das gleichzeitige Auslöschen der Vergangenheit eingebettet in die Folgen des Klimawandels. Era, die versucht die Erinnerung an ausgestorbene Vogelarten zu erhalten und alles zu dokumentieren steht ihrer ersten Jugendliebe Maja gegenüber, die versucht ihre durch ihre Momfluencer-Eltern öffentlich präsentierte Kindheit aus dem Gedächtnis und sämtlichen Archiven zu entfernen.
Aber das allein reicht ihr nicht... mehr möchte ich nicht spoilern
Profile Image for Anna.
9 reviews
July 10, 2025
Ich konnte leider nichts mit dem Schreibstil anfangen und somit auch keine emotionale Beziehung zu den Protagonist*innen aufbauen. Ich habe einfach nicht verstanden, was mir das Buch erzählen will. Die Kritik an den Momfluencerinnen ist sicher berechtigt, aber in einer solch dystopischen Welt so irrelevant, dass ich nicht nachvollziehen konnte, wieso dem Thema so viel Bedeutung gegeben wird. Vielleicht war es die Intention der Autorin, aber es hat mich nur frustriert zurückgelassen. Auch das Sprengen hat sich wie ein Gimmick angefühlt. Sterne für das Gendern und den Versuch, eine Welt zu erzählen, die uns bevorstehen kann.
26 reviews1 follower
August 13, 2025
Das Buch ist wild. In jeglicher Hinsicht. Ob ich alles darin verstanden habe? Nö. Mit Sicherheit nicht. Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich überhaupt was verstanden habe. War ne wilde Reise und hat mir sehr gut gefallen, auch wenn Einiges im Buch nicht sonderlich logisch erscheint.
Profile Image for Julie J..
644 reviews36 followers
February 12, 2026
ENGLISH VERSION BELOW

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Fiona Sironics „Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft“ hat für mich diese seltsame Mischung aus „irgendwie richtig stark“ und „nicht ganz rund“. Die nahe Zukunft wirkt erschreckend plausibel: Waldbrände, Artensterben, ein digitaler Raum, der nichts vergisst – und mittendrin Era, die bedrohte Vögel sammelt wie Beweise gegen das Verschwinden, und Maja, die Speicherträger sprengt, um Kontrolle zurückzugewinnen.
Das ist als Idee extrem gut, und viele Bilder bleiben hängen.
Gleichzeitig hatte ich Anlaufprobleme mit dem Stil, und ich habe mir oft mehr Hintergrund gewünscht: Wie genau sind wir von „jetzt“ in diese Welt gerutscht? Welche Mechanismen halten eine Gesellschaft im Mangel überhaupt noch so halbwegs stabil? Der Roman bleibt da bewusst skizzenhaft – was Tempo macht, aber auch verhindert, dass manche großen Themen wirklich ausgerollt werden.
Und die Liebesgeschichte zwischen Era und Maja hat mich nicht überzeugt; stellenweise wirkte das Teenie-Drama für mich lauter als das, was die Dystopie eigentlich an Druck erzeugt.

Unterm Strich: ein kurzer, bedrückender, gedankenreicher Text mit starken Motiven– aber eher als Entwurf mit Wucht als als vollständig überzeugender Roman.


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Fiona Sironic’s Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft left me with that odd mix of “this is genuinely powerful” and “it doesn’t quite come together.” Its near-future scenario feels unsettlingly plausible: wildfires, mass extinction, a digital world that never forgets—and at the center, Era, who records endangered (and already extinct) birds like evidence against disappearance, and Maja, who blows up storage devices to claw back control.
As a concept, it’s incredibly strong, and a lot of the imagery sticks.
At the same time, I struggled to get into the style at first, and I often wished for more background: how exactly did we slide from “now” into this world? What keeps a society even remotely stable under scarcity? The novel deliberately stays sketch-like here—which gives it momentum, but also means some of its bigger ideas never fully unfold.
And the love story between Era and Maja didn’t convince me; at times the teen drama felt louder than the pressure the dystopian setting is actually capable of generating.
In the end: a short, haunting, thought-provoking book with strong motifs—but more like a forceful draft than a fully convincing novel.
Profile Image for Aki.
1,044 reviews
November 12, 2025
Ich habe am Anfang etwas gebraucht um in die Geschichte hineinzukommen. Also wie ist das Setting und so weiter. Außerdem hatte ich Probleme die Stimme der Sprecherin mit der Hauptfigur zu verbinden. Ich finde das hat etwas nicht ganz für ich gepasst. Das hat sich aber später aufgelöst.

Ich finde das Setting super toll erzählt. Die Beschreibung, wie sich Deutschland mit dem Klimawandel verändert und gleichzeitig die Veränderung des digitalen Raums...super spannend und wunderbar an so "Kleinigkeiten" wie den Vögeln, die aussterben festgemacht.

Auch gut fand ich, dass die Beziehung zwischen Mara und der Protagonistin nicht zu sehr ins "Romantische" übergegangen ist. Ja die Beziehung ist ein wichtiger Teil der Geschichte, aber eben nur ein Seitenstrang und nicht ein Liebesgeschichte.

War sehr am Überlegen wegen 5 oder 4 Sterne, aber ich glaube das Hörbuch hat für mich nur 4 Sterne. Vielleicht wären es 5 Sterne, wenn ich es physisch gelesen hätte.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for Kira.
21 reviews
January 19, 2026
seltsam, gelangweilt, beklommen, frustriert, spannend, emotional, wütend
Profile Image for Nadja.
28 reviews1 follower
February 16, 2026
2,5 Sterne. Spannendes, dystopisches Setting, hat mich allerdings nicht abgeholt.
Profile Image for Vanmeera.
131 reviews2 followers
Read
January 21, 2026
Der Roman spielt in einer dystopischen und wohl aktuell nicht unrealistischen Zukunft. Es gibt ständig Waldbrände, immer mehr Vogelarten sterben aus, man isst vor allem Pülverchen und es gibt kaum Hoffnung auf Besserung. In dieser Welt lebt die 16jährige Era, die sich mit Maja und Merle anfreundet. Maja und Merle sind Töchter von Momfluencerinnen und im Streit mit ihren beiden Müttern, da sie nicht wollen, dass ihr Privatleben so öffentlich ist. Daher jagen sie jeden Samstag Festplatten ihrer Mütter in die Luft. Es entwickelt sich eine Liebesgeschichte zwischen Era und Maja, die aber nicht immer leicht ist.
Das Buch hat mich sehr deprimiert, aber es war doch zu spannend, um es nicht zu Ende zu lesen.
8 reviews
September 2, 2025
4-5*. futuristisch. aussterbende vögel, das internet, momfluencerinnen und ihre töchter, die wut der frauen und eine erste liebe zwischen sprengstoff, bränden und einer in klimaerwärmung untergehenden welt oder so ähnlich. lese es vielleicht nochmal.
Profile Image for Lisi.
199 reviews6 followers
December 8, 2025
2,5 - dafür, dass es den deutschen Buchpreis 2025 gewonnen hat, fand ich es leider ziemlich unfertig. Ich hab das Gefühl es wurden ganz viele Themen aufgemacht: Klimawandel, Artensterben, finanzielle Ungleichheit & damit entstehende Privilegien, Datensicherheit und -schutz, Influencer, Mommy Bloggers und die erste Liebe. Ich finde nichtmal, dass diese Themen nicht auch alle gerne in einem Buch sein können- aber dafür fand ich es dann einfach zu kurz. Für mich ist besonders die Liebesgeschichte irgendwie echt hinten runtergefallen. Ich konnte der Beziehung leider nicht viel abgewinnen, weil neben all dem anderen so wenig Platz dafür blieb. Sprachlich fand ich das Buch ganz gut, es hat mich wirklich belastend und mir sehr sehr viel Weltschmerz beschert, was ja erstmal keine Kritik ist. Aber trotzdem geht es mir jetzt erstmal nicht gut damit, es gelesen zu haben. Es hat mich in eine Art Ohnmacht versetzt, was ich dann irgendwie doch immer gefährlich finde beim Thema Klimawandel- aber das kann natürlich auch an mir selbst lieben. Ich mochte die Faszination der Hauptcharakterin mit Voegeln und das Konzept der Wohngemeinschaft der Tante- darüber hätte ich gerne mehr erfahren. Ich weiß nicht so ganz ob ich es empfehlen würde, aktuell glaube ich eher nicht/ nur spezifischen Menschen. Aber ich muss auch selber nochmal meine Gedanken sortieren und dann vlt nochmal schauen.
Profile Image for yaleslittlelife.
147 reviews
October 19, 2025
hatte sehr hohe erwartungen, die leider nicht erfüllt wurden :/ das nahe zukunftssetting konnte mich am meisten begeistern. die charaktere und die story an sich haben mich leider gar nicht richtig packen können
Profile Image for Janina.
880 reviews82 followers
April 6, 2025
Coole und für mich relativ glaubhafte Nicht-so-ferne-Zukunftsvision. Schreibstil okay, passendes Cover. Der Inhalt war interessant - ich mochte die erwähnten Tiere, der Fokus auf Frauen, die Tagebuch-Szenen, aber die Charaktere an sich haben mich nicht so überzeugt oder gepackt.

tw/cw: Tod, Aussterben, Arsen, Feuer/Brand, Hitzetod, erwähnt Hungernot/Hitze/Waldbrände, Explosion/Implosion, Klimaangst, erwähnt Trolle, Wassernot, Klimaaktivismus, Aggression etc.
Displaying 1 - 30 of 213 reviews

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