Ein Roman für alle, die schönes Briefpapier lieben und die nach Entschleunigung suchen.
In dem Briefladen, in dem die Zeit stillstand, umgeben von schönsten Dingen, lernt Hyoyeong nach einem schweren Schicksalsschlag, das Leben wieder zu spüren. Sie hört die Geschichten von Menschen, die ihre Hoffnungen, Ängste und Träume zu Papier bringen, und lernt dabei nicht nur neue Freund*innen kennen, sondern auch, wie man zu sich selbst zurückfindet.
Inhalt: Hyoyeongs Schwester Hyomin ist nach einem persönlichen Schicksalsschlag abgetaucht und hat ihr eine schwere Bürde hinterlassen: Plötzlich steht Hyoyeong allein in der Verantwortung für ihre Familie. Um den Lebensunterhalt zu sichern, nimmt sie eine Stelle im Briefladen eines ehemaligen Kommilitonen an. Dort begegnet sie den unterschiedlichsten Menschen – ihren Hoffnungen und Ängsten, ihren unerfüllten Träumen – und entdeckt dabei die stille, verbindende Kraft des geschriebenen Wortes.
Buchgestaltung: Das Cover wirkt ruhig und passt hervorragend zur entschleunigten Grundstimmung und natürlich auch zum Thema des Romans. Die Kapitelanfänge sind hübsch gestaltet und ich finde es toll, dass hier etwas Koreanisch für die Nummerierung genutzt wurde. Das Buch enthält zudem ein praktisches Lesebändchen, was ich sehr begrüße.
Mein Eindruck: Der Schreibstil ist bildhaft, mit vielen verschiedenen Emotionen zwischen den Zeilen. Er wirkt aber auch poetisch und trotzdem klar. Hier merkt man das Potential der Autorin. Sebastian Brings Übersetzung aus dem Koreanischen ist gut gelungen. Im Anhang findet man sogar Erklärungen der koreanischen Begriffe, die sich nicht direkt übersetzen lassen.
Das Abtauchen von Hyoyeongs Schwester Hyomin, sowie die unausgesprochenen Spannungen zwischen den Schwestern, wecken große Neugier. Darin erkenne ich prägnante, äußerst interessante Facetten der koreanischen Gesellschaft, mit unausgesprochenen menschlichen Emotionen in einer stark leistungs- und aufstiegsorientierten Gesellschaft. Zu Beginn fließt Hyoyeongs Beziehung zu ihrer Schwester nur sporadisch in die Handlung ein, bleibt jedoch als Thema präsent.
Das zweite zentrale Thema ist das Briefeschreiben und -lesen: Die Briefe sind geschickt in die Erzählung eingebettet und eröffnen Einblicke in die Gedanken, Sorgen und Hoffnungen ganz unterschiedlicher Menschen. Dabei kommen Stimmen aus allen Altersgruppen zu Wort. Besonders berührend ist der generationenübergreifende Austausch – man spürt, wie bereichernd es für die Figuren ist, einander zuzuhören und neue Perspektiven einzunehmen. Diese Offenheit und gegenseitige Aufmerksamkeit verleihen dem Roman eine große Wärme. Die Briefe stammen laut Nachwort aus einem Briefladen in Seoul, den gibt es also tatsächlich. Die Autorin durfte diese für ihre Geschichte nutzen - eine wirklich schöne Idee.
Obwohl es eine Protagonistin gibt, steht diese nicht dauerhaft im Mittelpunkt. Vielmehr rücken immer wieder jene Personen in den Fokus, die Briefe schreiben oder lesen. Dadurch entsteht ein vielstimmiges Erzählen, in dem sich individuelle Lebenswelten miteinander verweben. Die Charaktere der Figuren werden glaubwürdig beschrieben. Zum Anfang des Buches gibt es zudem eine kleine Übersicht zu den Charakteren, was sicherlich hilfreich ist für Personen, die Schwierigkeiten haben koreanische Namen auseinander zu halten oder sich zu merken. Die Charakterentwicklungen empfand ich als angemessen.
Das Buch lädt zu einem meditativen, langsamen Lesen ein. Der Spannungsaufbau zeigt sich emotional und enthält das Auflösen des Grunds für das Abtauchen von Hyoyeongs Schwester sowie der Entwicklung der schwesterlichen Beziehung. Ich hätte mir gewünscht, dass diese Auflösung eher Stück für Stück in die Erzählung einfließt und nicht alles auf den letzten 60 Seiten passiert. So hätte man noch einen stärkeren Spannungsbogen, sowie eine stärkere Verbindung der zwei Themen schaffen können. Die nachdenkliche Erzählweise hat mich aber trotzdem gut unterhalten. Beim Lesen habe ich begonnen, über einzelne Begriffe und ihre Bedeutung intensiver nachzudenken – etwas, wofür im Alltag oft keine Zeit bleibt. Gerade diese vermittelte Achtsamkeit macht den Reiz dieses Romans aus: Der Briefladen entfaltet eine entschleunigende Wirkung, nicht nur auf seine Kund*innen, sondern auch auf die Leser*innen selbst.
Fazit: Der Roman bietet eine gefühlvolle Erzählung über zwischenmenschliche Beziehungen in einer schnellen und leistungsorientierten Gesellschaft. Er ist für Leser*innen geeignet, die sich für Geschichten mit einem eher langsamen und emotionale Spannungsaufbau begeistern können, und gerade selbst das Bedürfnis nach mehr Achtsamkeit in sich tragen.
Meinung: Manchmal reicht ein Blick auf ein Cover und ein Titel, um zu spüren: Dieses Buch wird etwas mit mir machen. Genau so ging es mir hier. Schon bevor ich die erste Seite aufgeschlagen habe, war da diese leise Vorfreude und sie wurde nicht enttäuscht. Hyoyeong steht an einem Wendepunkt in ihrem Leben. Sie ist müde, suchend, braucht einen Neubeginn. Diesen findet sie in einem kleinen Briefladen in Seoul einem Ort, an dem die Zeit langsamer zu laufen scheint und Menschen einander auf eine ganz besondere, stille Weise begegnen. Das anonyme Briefsystem, bei dem Fremde einander schreiben, ohne sich zu kennen, ist das Herz dieser Geschichte. So unscheinbar und doch so tief berührend. Seite für Seite hatte ich das Gefühl, mitten in diesem Laden zu stehen, umgeben von Worten, Gedanken und leisen Hoffnungen. Der Schreibstil ist sanft, feinfühlig und unglaublich atmosphärisch. Er schreit nicht, er flüstert und gerade dadurch geht er direkt ins Herz. Ich habe mich vollkommen fallen lassen können. Die Charaktere wirken echt und nah, mit all ihren Sorgen, Ängsten und kleinen Sehnsüchten. Niemand ist perfekt, jeder trägt etwas mit sich, und es war wunderschön zu sehen, wie sich manche von ihnen langsam verändern und wachsen. Besonders geliebt habe ich den Aufbau mit Briefen, Tagebucheinträgen und Textpassagen. Jeder Brief fühlte sich an wie ein kleiner Blick in eine fremde Seele manchmal traurig, manchmal hoffnungsvoll, aber immer ehrlich. Die Atmosphäre des Buches ist so warm und tröstend, dass ich mir beim Lesen immer wieder gewünscht habe, dieser Briefladen würde wirklich existieren. Ein Ort, an den man nach einem anstrengenden Tag gehen kann, um kurz innezuhalten, durchzuatmen und sich weniger allein zu fühlen. Dieses Buch war für mich wie eine Umarmung. Absolute Leseempfehlung.
"Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand" von Baek Seungyeon ist eine Hommage an das Briefe schreiben. In diesem Buch treffen verschiedene Protagonisten aufeinander, ohne dass sie sich wirklich kennen. Es entstehen Verbindungen, die ohne handgeschriebene Worte niemals möglich gewesen wären. Man bekommt einen Einblick in die tiefsten Gedanken und Gefühle der Protagonisten. Durch Briefe entstehen Nahbarkeit und ein ganz besonderes Gefühl.
Der Schreibstil von Baek Seungyeon ist absolut unaufgeregt und vermittelt die Gefühle und Emotionen der Protagonisten auf eine ganz sanfte Weise. Durch diesen Stil entwickelt sich ebenfalls eine Atmosphäre – besonders im Briefladen – die zum Verweilen einlädt. Es fühlt sich zwischenzeitlich so an, als würde sie uns Lesern einen Brief schicken, in dem sie unterschiedliche Leben zusammenführt und zeigt, dass einfache geschriebene Worte unglaublich stark sind. Mit Hyoyeong wurde zudem eine Protagonistin geschaffen, die mitten im Leben steht, aber absolut nicht weiß wohin mit sich und ihren Gefühlen. Besonders im Fokus: die Beziehung zu ihrer Schwester, die alles andere als einfach ist. Auch wenn nicht jede Szene leicht zu lesen ist und beim Lesen das Herz ein bisschen gebrochen wird, so wird es insbesondere, was die Beziehung der Schwestern angeht, ganz sanft wieder zusammengefügt.
"Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand" ist, eine Empfehlung für alle, die sich nach gemütlichen und unaufgeregten Lesestunden sehnen und ganz tief in die Welt der Briefe eintauchen möchten. Setzt euch hin, genießt dieses Buch und schreibt Briefe. Findet Brieffreunde, wenn es euch möglich ist und denkt daran, dass jeder seine eigene Geschichte zu erzählen hat, mit eigenen Gefühlen und Gedanken.
Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand ist ein Roman der südkoreanischen Autorin Baek Seungyeon. Auf 368 Seiten erzählt das Buch die Geschichte von Hyoyeong und ihrem Weg, nach einer Tragödie ihr Leben neu aufzubauen.
Hyoyeong und Hyomin sind Schwestern und standen sich schon immer sehr nahe. Als Hyomin jedoch wegen Betrugs von zu Hause wegläuft, ist Hyoyeong gezwungen, ihre Karriere aufzugeben und die Verantwortung für ihre Familie zu übernehmen. Sie findet Arbeit in einem Briefladen, wo sie auf die unterschiedlichsten Kunden trifft, und ihr Leben verändert sich allmählich.
Ich war zunächst etwas enttäuscht, als ich das Buch erhielt, da die Ränder nicht beschnitten waren. Da es sich aber um ein Leseexemplar handelte, nahm ich es an. Der fesselnde Inhalt entschädigte mich jedoch vollkommen; es ist eine wundervolle Geschichte! Der Roman entfaltet sich ruhig und ohne dramatische Wendungen, ist aber dennoch berührend und herzerwärmend. Der Schreibstil der Autorin ist prägnant und flüssig, leicht lesbar und voller Emotionen, und die Charaktere sind brillant gezeichnet; die ganze Geschichte wirkt sehr authentisch.
Nachdem ich das Buch gelesen habe, möchte ich es meinen Freundinnen empfehlen und mir auch Brieffreunde suchen.
Mich hat das Cover vom ersten Moment angesprochen. Es strahlte direkt eine ruhige und entspannte Atmosphäre aus. Als ich das Buch in den Händen gehalten habe, ist mir direkt die Aufmachung der Seiten aufgefallen. Durch die verschiedenen Längen der Seiten, wirkt der Buchschnitt wie einzelne Briefe.
Nach dem Klappentext und der Leseprobe war ich direkt in voller Freude auf die Geschichte.
Leider ist "Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand" nur ein mittelmäßiges Buch. Mit den vielen Charakteren bin ich leider nicht warm geworden. Es gab keine Person, die mich so richtig mitreißen und berühren konnte. Die Geschichte der Hauptprotagonistin Hyoyeong ist zwar bewegend und interessant, aber dass ich so richtig mit ihr mitfühlen kann, ist leider nicht geschehen.
Die Idee der Geschichte finde ich richtig gut, aber sie hat ihre Längen und plätschert so vor sich hin, ohne eine richtige Story zu verfolgen. Ich habe einfach auf mehr gefühlvolle Brieffreundschaften gehofft. Manche Briefe, besonders vom Absender "Fliege", haben mir sehr gut gefallen.
Es ist ein Wohlfühlbuch, was man zwar gut lesen kann, aber für mich nicht unbedingt muss.
Ein wundervolles Buch, das Briefen wieder mehr Bedeutung verleiht. Als das Buch bei mir ankam, dachte ich zunächst, die Seiten seien eine Fehlproduktion, bis ich erkannte, dass sie einen Stapel aus vielen einzelnen Briefen darstellen. Diese Gestaltung ist eine wirklich schöne Idee und passt perfekt zum Inhalt des Buches. Auch die Gestaltung des Covers lädt dazu ein, das Buch in die Hand zu nehmen und in die herzerwärmende, cozy Geschichte einzutauchen.
Die Kraft der Briefe, mit deren Hilfe man wieder ins Leben zurückfinden kann, selbst wenn es zuletzt nicht so verlaufen ist, wie man es sich gewünscht hätte, hat mich sehr berührt.
Der im Buch beschriebene Penpal-Service motiviert und inspiriert mich dazu, selbst Briefe zu schreiben: an Freunde und Familie oder, wie im Buch anonym an Fremde, um Brieffreundschaften zu finden.
Es ist eine Wohlfühlgeschichte, die etwas wieder in den Vordergrund rückt, das bei vielen vielleicht schon lange in Vergessenheit geraten ist. Briefe können eine große Kraft haben und Menschen helfen wieder zusammenzufinden. Ein tolles Buch!
Ein wirklich schönes und beruhigendes Buch, auch wenn ich sagen muss, dass ich am Anfang etwas gebraucht habe um gefesselt zu werden von diesem Buch. Die erste Hälfte des Buches ging für mich nämlich etwas zu schleppend voran und daher dauerte es eine Weile bis ich das Buch beendet habe. Die zweite Hälfte fand ich dafür richtig spannend und auch sehr schön, auch wenn das Ende für mich etwas abrupt kam. Hätte mir etwas mehr zwischen Hyoyeong und ihrer Schwester gewünscht, vor allem da es ja viel darum ging und das ja auch der Grund war, warum Hyoyeong überhaupt im Letter Shop arbeitete. Trotzdem fand ich es ein gutes Buch, vor allem wenn man ein cozy Buch lesen möchte, nachdem man sich gut fühlt. Außerdem muss ich sagen, dass ich das Cover des Buches wirklich sehr schön finde, es wird auf jeden Fall sehr schön in meinem Bücherregal aussehen.