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Die Riesinnen: Roman

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„Die Riesinnen‹ saugen einen auf der ersten Seite ein, und am Ende dieses Drei-Generationen-Porträts großer Frauen wird man atemlos ausgespuckt. Wüst, wild, bewegend und voller Poesie.“

„Mager ist sie, wie ein Kleiderhaken, zurechtgebogen zu Menschenform. Dünn und stark und Keine ist größer als sie, im Dorf nicht, und auch nicht im nächsten. Dazu die Kupferwollehaare, die wütend nach dem Himmel greifen. Wer sie sieht, weiß, wer sie ist, man weiß es sofort, und sie hasst es, hasst es, hasst es. Vielleicht hätte sie es, an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit, auch lieben können, aber das geht nicht, nicht hier.“

Wittenmoos, ein kleines Dorf im Schwarzwald, ist die Heimat dreier Frauen. Groß und dünn überragen sie alle anderen und wollen so gar nicht in die Dorfgemeinschaft passen. Und doch sind sie hier verwurzelt und müssen ihren eigenen Weg in den engen Grenzen des Dorfes finden. Liese, die still und unerbittlich die Metzgerei führt. Cora, ihre Tochter, die Wütende, die ausbrechen wird und lernen muss, dass Heimkehr keine Niederlage ist. Und Eva, Coras Tochter, die den Wald so sehr liebt und sich dessen erst bewusst werden muss. In dunkler, satter, aber auch zarter Poesie erzählt Hannah Häffner mit stilistischer Präzision, feinem Humor und einer subtilen Beobachtungsgabe die Geschichte dreier Frauen, die sich von den 60er Jahren bis in unsere Zeit spannt. Ein lange nachhallender Roman über die Sehnsucht nach Freiheit und Wurzeln, über Mütter und Töchter und über die Kraft der Natur.

Kindle Edition

Expected publication February 25, 2026

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Hannah Häffner

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Profile Image for Sarah.
153 reviews13 followers
December 23, 2025
"Der Himmel ist wasserfarbenblau und wolkenlos, die Wälder sind zackenscharf gezeichnet, die Wiesen noch sommergrün. Ein Tag, der warm sein müsste, wenn man aus dem Fenster blickt, der einen aber mit seiner klaren, frischen Luft erwischt und frösteln lässt, wenn man vor die Tür geht."

"Es riecht feucht und nach mehreren Sommern gleichzeitig. Nach dem vergorenen Laub und den rottenden Nüssen der letzten Jahre, nach den dunkelgrünen Blättern und den jungen Flechten der letzten Wochen."

"Das Leben hat ein Davor und ein Danach verpasst bekommen, und das Danach ist so groß, so unendlich, dass ihr Kopf es einfach nicht begreifen will."

"Der Winter ist so kalt, so lang, dass man ihn gerade noch übersteht, ohne verrückt zu werden. Das ist übrigens die größte Lüge: der Geruch von Tauwetter, den man tief in der Kehle wahrnimmt, metallisch und gläsern zugleich, verbranntes und wieder feucht gewordenes Holz. Er ist eine Verheißung von Glück, das es nicht geben wird, denn auch wenn der Schnee fort ist, ist alles, was darunter zum Vorschein kommt, nicht besser als das, was davon zu Beginn des Winters zugedeckt wurde. Es ist alles so, wie es vorher war, auch wenn sich jetzt alles ändert."

"Die Farben fallen von den Wänden. Erst die dunklen, dann die kräftigen, dann die blassen, bis nur noch Weiß über ist. Fallen zu Boden und zerbrechen."

"Sie will schon gehen, da fällt ihr noch etwas ein. »Und wag es nicht«, sagt sie. »Wag es nicht, zurückzukommen.« Sie glaubt nicht daran, dass Menschen wiedergeboren werden. Aber sicher ist sicher."

"Sie müsste weinen. Sie müsste so viel weinen, dass sie sich gar nicht traut, damit anzufangen. Morgen vielleicht."

"Wer sie sieht, sieht nur eine schmale Frau im braunen Rock, sieht nicht die Angst, die sich ihr durch die Beine nach oben bis in die Innereien zieht und dort auseinanderläuft wie Tinte."

"In der ersten Nacht in einem frisch gehäuteten Leben schläft niemand. Die Dunkelheit drückt sich herein, quillt auf bis in die Ecken."

"Sie will nie, dass es Ärger gibt. Unfrieden, so nennt sie es. Kein Unfrieden, bitte, als wäre das Gegenteil ganz automatisch Frieden."

"Heimat ist ein Wort, das ihr nicht über die Lippen kommt, aber in den Knochen steckt es ihr schon."

"Wenn sie doch wachliegt, kommen die Gedanken wie von selbst und trampeln sich eine Ruhstatt, wie ein Hund im hohen Gras. Dort liegen sie, breit und träge, bewegen sich nicht mehr fort."

"Nichts Großes. Es sind Dinge, die schon tausendfach gewesen sind, in Hunderten Häusern, Hunderten Leben, nur nicht in ihrem."

"Vielleicht wird jetzt alles anders. Ganz selten wird wirklich alles anders, dafür ist die Welt schon zu alt, aber manchmal passiert es eben doch."

"Sie hat ihr Leben, und sie hat das Leben, das hätte sein können. Das reicht."

"Manche Dinge haben keine erste Sekunde."

"Das Haus steht unverändert, was hat Cora auch erwartet. Nichts ist anders, die Gefühle von früher stehen knietief in den Straßen, nicht eine Kränkung ist versickert. Alles ist noch da, in den milchigen Pfützen, in den Hofeinfahrten."

"»Nein«, sagt sie. Es ist kein gehässiges Nein, sondern ein schönes, rundes. Eines, das für sich steht."

"In Stuttgart geht es nur bergauf oder bergab, so fühlt es sich an, dazwischen gibt es nichts."

"Sie telefonieren und schreiben sich Nachrichten, als wären sie noch die Gleichen wie früher, dabei ist es nur offensichtlich, dass sie längst andere sind. Alles, woran sie sich festhalten, sind die Dinge, wie sie einmal waren. Sie sind voneinander fortgewachsen, und was bleibt, ist die Gewohnheit, Freunde zu sein. Sich einmal im Jahr zu treffen und sich Dinge zu erzählen, die auch Punkte auf einer Liste sein könnten. Die wirklich wichtigen Dinge aber geschehen abseits davon. Bevor man es bemerkt, weiß man nicht mehr, was der andere denkt und fühlt, erzählt selbst nicht mehr, was man denkt und fühlt, nur dieses Bedauern, das in der Kehle kratzt, das haben sie alle gemein."

"Hinterher hat die Sehnsucht Boden unter den Füßen.
Hinterher ist David noch David, aber in einer anderen Dichte."

"»Es ging ihm doch gut«, sagt sie, als wäre das eine Garantie dafür, dass es ihm für immer gut geht. Als könnten die Dinge, die doch bekannt dafür sind, sich stetig zu ändern, sich plötzlich nicht mehr ändern, nur weil ihr nicht der Sinn danach steht."

"Es ist so still hier. So still, dass es die Geräusche im Kopf erstickt, alles, was man denkt oder denken könnte. So still, dass das Blut leiser fließt, aus Solidarität, und der Körper, so er denn noch wächst, es leiser tut, die Zellen geräuschlos teilt."

"Jetzt müssen ein, zwei Tage ins Land gehen, bevor das Danach beginnen kann."

"Alles, was zwischen ihnen steht, zwischen ihnen stehen müsste, scheint nicht wichtig, wie so vieles seine Bedeutung verliert, wenn ein Ende, welcher Form auch immer, naht."

"Manchmal schaffen es Gedanken, jahrelang schon wahr zu sein, bevor jemand sie ausspricht. Wenn man sie dann ausspricht, ist die Bestürzung groß, aber in der Realität haben alle diese Wahrheit schon so lange in sich getragen, dass sie niemanden mehr überraschen und nicht viel mehr Schmerz verursachen kann, als sie es all die Zeit über getan hat."

"Der Franz versteckt seine Einsamkeit nicht. Er macht sie auch nicht zum Kern seines Wesens, sie ist einfach da, bei ihm, und er lebt mit ihr, wie man mit einem alten Windspiel lebt, das irgendwann mal jemand in den Garten gehängt hat."

"Man muss einen Ort nicht lieben, um ihn nicht loszuwerden; wohin man gehört, entscheidet man schließlich nicht selbst. Man steuert seine Wurzeln nicht, sie suchen sich selbst ihr Stück Erde, und man muss dann damit leben."

"Als sie die Zusage hat, fühlt es sich nicht an, als fielen plötzlich alle Teile an ihren Platz, so ist es ja nie im Leben. Es ist immer so, dass ein paar Teile schon da liegen, andere komplett fehlen und manche gar nicht zu diesem Puzzle gehören. Aber es fühlt sich zumindest so an, als hätte sie die Eckstücke gefunden."

"Niemand hat ein Anrecht darauf, allein zu sein, nicht hier, nicht anderswo, das erklärt wohl eine Menge der Dinge, die Tag für Tag passieren."
Profile Image for Buchdoktor.
2,367 reviews190 followers
Review of advance copy
January 3, 2026
Als Lieselotte, Bernhards auffallend große rotblonde Frau, ihre Schwangerschaft wahrnimmt, ist sie alles andere als begeistert. Von ihr wird erwartet, dass sie einen Nachfolger (m) für die Metzgerei zur Welt bringt; ein Kind jedoch wird „Liese“ endgültig an Mann und Schwiegereltern ketten. Als Bernhard, der noch ohne Meisterprüfung angestellt im Familienbetrieb arbeitet, tödlich verunglückt, hinterlässt er Lieselotte allein die gemeinsame Hypothek auf ihrem neu gebauten Haus. Liese, über die nur vage zu erfahren ist, dass sie vor der Ehe „im Krankenhaus“ gearbeitet hat, will unbedingt die Metzgerei im beschaulichen Wittenmoos besitzen, obwohl sie für eine Rolle als Juniorchefin bisher rein gar nichts gelernt hat. Bernhard besprach nichts, von ihm konnte sie nichts lernen. Leider wird Margret auf ihre Rolle als Schwiegermutter reduziert, so dass auch wir als Leser:innen von ihr als Seniorchefin nichts lernen können. Ohne Meisterprüfung darf in Deutschland kein Handwerksbetrieb geführt und kein Nachwuchs ausgebildet werden. Lieselotte müsste mit einem angestellten Metzgermeister zusammenarbeiten, was schwer vorstellbar scheint. Dass sie ohne diesen Kniff dennoch nach kurzer Einführung einen Betrieb mit 11 Angestellten übernimmt und weiter kein Wort über die Übergabe verloren wird, ist als Basis des Drei-Generationen-Romans völlig unrealistisch.

Lielos Tochter Cora, die Anfang der 1960er bereits wütend geboren wird, wächst zu einer ebenfalls großen, mageren und wilden Person heran. Schon früh wird für Cora der nahe Wald Zufluchtsort. Wie auch an den aus zerbombten Städten Zugezogenen und dem schweigsamen Franz arbeitet das Dorf sich an Coras Außenseiterrolle ab. Mit manchen Leuten redet man hier einfach nicht. Zeitlich lassen sich die Ereignisse anhand der Wyhl-Proteste (ab 1972) einordnen, die Lieselotte damit konfrontieren, wie weltfremd sie bisher gelebt hat. Cora, der aufgrund exzellenter Schulleistungen alle Türen offenstehen würden, will zunächst Europa per Interrail durchstreifen und bringt mit Eva die dritte Generation herausfordernder, rothaariger Töchter zur Welt. Erst Eva wird Wittenmoos als Heimat annehmen können und die richtigen Entscheidungen treffen.

Fazit
Von einem Roman über drei Frauen-Generationen, die in einem Schwarzwald-Dorf mit Ausgrenzung durch die Dorfgemeinschaft konfrontiert sind, hatte ich mir zugleich drei realistische weibliche Berufs-Biografien versprochen. Weder Margret noch Lieselotte bieten das jedoch. Das Ausgangsszenario („Ich will die Metzgerei haben“) finde ich zu unrealistisch und auf Fragen, die sich aus dieser Idee ergeben, bleibt die Autorin die Antworten schuldig. Figuren und Sprache konnten mich daher nur kurzfristig fesseln. Auch dass Eva mit ihrer Rückkehr ins Heimatdorf den Handlungsbogen am Ende schließen wird, konnte mich mit dem Roman nicht mehr versöhnen.
Profile Image for Jannehanne.
70 reviews
Review of advance copy
January 11, 2026
„Die Dunkelheit ist sprichwörtlich und wild. Sie türmt sich in den Wolken, die über dem Tal liegen, und streckt sich weit bis an die Zipfel des Himmels."
Was für ein schöner Einstieg in den Roman! Mit poetischer, zum Teil leicht verspielter Sprache beschreibt Hannah Häfner das Leben von drei Frauengenerationen im Schwarzwald. Es geht um Außenseitertum, Angenommensein in der Familie, Heimat suchen und finden, weibliche Selbstbestimmung. Besonders beeindruckend fand ich die Schilderung und Beschreibungen der Natur. Aber auch die drei Figuren Liese, Cora und Eva wachsen einem zunehmend ans Herz, so unterschiedlich sie auch sind. Es gibt Sätze, an denen bleibt man hängen, die berühren etwas in einem, sodass man sie manchmal dreimal lesen möchte:
„In Wittenmoos ändern sich selten Dinge, darum geht es ja gerade. Das große Sichdrehen braucht eine Achse. (...) Ein Ort, an dem man hingehört, auch wenn man ihn sich nicht ausgesucht hat. Geh, und alles hinter dir zerfällt, bleib, und du musst bleiben, wer du bist, weil es sonst nicht funktioniert. Was ist Heimat, wenn nicht eine Zuflucht vor einer Angst, die du ohne sie nicht hättest?" (S. 102)
„Alles, was für immer sein soll, (...) nimmt einem die Luft. Lass es für heute sein, für ein Jahr vielleicht. Ein Jahr kannst du tragen. Ein Jahr darf schrecklich sein, und mies. Das macht noch kein mieses Leben." (S. 287)
Alle drei Frauen verlassen, wenn manchmal auch nur sehr kurz, ihr Dorf. Gerade was sie dort erleben, verändert noch mal in unterschiedlicher Weise die Perspektive auf ihre Heimat im Schwarzwald:
„In Wittenmoos hat sie nie über die Dinge nachdenken müssen. Ihre Freunde waren einfach da – und einfach ihre Freunde, da gab es nichts zu denken und nichts zu fürchten, auch nicht die Einsamkeit, nicht einmal ihre Schatten." (S. 270)
Es ist ein Roman, der sich trotz seiner poetischen Sprache ausgesprochen flüssig liest und sehr zugänglich ist, bei dem viele Bilder im Kopf entstehen und der einen immer wieder berührt und zum Nachdenken bringt. Ich bin aufgrund des Einstiegs mit hohen Erwartungen in das Buch gegangen. Zwischendrin flachte für mich die Spannungskurve etwas ab. Dennoch habe ich das Lesen des Romans aufgrund seiner wunderbaren Sprache wirklich genossen bzw. mich immer auf den Moment im Alltag gefreut, wenn ich „Die Riesinnen" als Leserin weiter begleiten konnte.
Profile Image for Majca.
203 reviews8 followers
Review of advance copy
January 1, 2026
Heimat ist ein Wort, das ihr nicht über die Lippen kommt, aber in den Knochen steckt es ihr schon.


3.5 ★
Auf den ersten Blick schien dieser Roman perfekt auf mich zugeschnitten: angefangen bei dem bezaubernden Cover über die bewusst literarische, ausschweifende Sprache bis hin zu der auf drei Frauen fokussierten Geschichte vor atmosphärischer Kulisse.

Entsprechend hoch waren meine Erwartungen. Und im Grunde wurden sie auch erfüllt. Der Roman hält, was er verspricht, und hat meinen persönlichen Geschmack dennoch verfehlt.

Die Sprache ist poetisch, doch zunehmend entstand der Eindruck, dass die Sätze zu sorgfältig gearbeitet und gesetzt wurden. Weil jeder Absatz so viel will, so bemüht ist, bleibt wenig Raum für den Text Wirkung zu entfalten oder Zwischentöne zuzulassen. Ein höchst subjektives Empfinden natürlich, aber für mich laß sich der Roman dadurch oft wenig natürlich und auf Dauer ehr ermüdend.

Auch mit den Figuren habe ich teilweise gehadert. Die Geschichte der Großmutter Liese, die den Roman eröffnet, war berührend. Ihre Unfreiheit, ihr unerschütterlicher Wille und stiller Mut werden eindrücklich erlebbar gemacht. Die später hinzutretenden Perspektiven von Cora und Eva blieben für mich hingegen auf Distanz. Ihre Selbstreflexionen und Umgang mit Beziehungen und Herkunft erschienen mir zu verklärt und auf ein klares narratives Ziel hin ausgerichtet. Ihre dazu teils selbstgerechten Haltungen machten sie für mich zunehmend unsympathisch und anstrengend zu lesen.

Am Ende ist es ein Roman mit großer sprachlicher Ambition und klarer thematischer Setzung, der mich dennoch emotional ehr ermüdet als berührt hat. Vieles ist fein beobachtet und sorgfältig komponiert, doch in seinem starken Willen zur Bedeutung ließ der Text mir zu wenig Freiheit.
Leser:innen, die eine stark komponierte, sprachlich dichte Erzählweise schätzen und sich gerne von klar gesetzten Gedanken und Themen führen lassen, werden in diesem Roman jedoch vieles finden, das überzeugt.

Vielen Dank an Vorablesen und Penguin Verlag für das Rezensionsexemplar. Meine Meinung wurde davon nicht beeinflusst.
Profile Image for that library bookworm.
3 reviews
Review of advance copy
January 11, 2026
Drei Frauen über drei Generationen, die nur ihr kleines Häuschen, ihre Heimat, nur sich haben. Und eine gemeinsame Geschichte, die fast schon liederhaft und poetisch erzählt wird.
Es ist eine berührende Geschichte über Heimat, Selbstfindung, Familie, Freiheit. Und über ein Dorf in das die Riessenberger-Frauen bzw. die Riesinnen, wie sie genannt werden, nicht so recht reinpassen wollen. Aber das stört sie wenig.
In jeweils fünf Kapiteln erfährt man mehr über ihr Leben, ihre Gedanken, ihre Gefühle.

Die drei Frauen könnten unterschiedlicher und doch zugleich ähnlicher nicht sein.
Liese, die nie ihr Dorf "Wittenmoos" verlassen hat, obwohl sie gern würde. Sie lernt sich durchzusetzen, kann aber dennoch nicht davon loslassen, was die anderen Bewohner über sie denken könnten.
("Wer sie sieht, weiß, wer sie ist, man weiß es sofort, und sie hasst es, hasst es, hasst es. Vielleicht hätte sie es, an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit, auch lieben können, aber das geht nicht, nicht hier.")
Cora, die schon seit ihrer Geburt ungestüm war und auch ewig bleibt. Die, die sich mit den anderen Kindern nicht so richtig anfreunden kann. Die, die einfach fort möchte und die Welt erkunden.
("Sie müsste Angst bekommen, das Letzte, was sie braucht, ist jemand, der sie hält, irgendwo.")
Eva, die schon immer eins mit dem Wald war und mit dem Stadtleben nicht überein kommt.
( "Sie liebt diesen Wald, hat ihn nicht einmal loslassen können, als sie es versucht hat. Warum sieht sie dann nicht einfach ein, dass es ohne ihn nicht geht?")

Interessant fand ich die unterschiedlich dargestellten Gefühlswelten bzgl. dem Thema Schwangerschaft. Vor allem zwischen Liese und Cora, die ganz anders auf ihren Babybauch reagieren.
Mit Cora konnt ich mich am meisten identifizieren. Die Angst vor der Schwangerschaft, den Drang die Welt zu sehen, aus ihrem Dorf rauszukommen, ihre eigene Heimat zu schaffen...einfach einen Platz zu finden, wo man hingehört.

Letzendlich lässt sich sagen, dass der Roman eine herzliche Geschichte über eine kleine Familie ist, die zusammenhält, sich immer wieder findet und einen akzeptiert, wie man ist.
Profile Image for Karolin Senftleben.
71 reviews
Review of advance copy received from Unabhängige Rezensentinnen und Rezensenten
January 12, 2026
Die Riesinnen ist ein vielschichtiger, poetisch erzählter Roman über drei Frauen aus drei Generationen, Liese, ihre Tochter Cora und deren Tochter Eva, die in einem kleinen Dorf im Schwarzwald leben und mit Erwartungen, Konventionen und ihrer eigenen Identität ringen.

Die Geschichte beginnt in den 1960er‑Jahren mit Liese, die sich in einer traditionellen, engen Dorfgemeinschaft behaupten muss. Sie übernimmt nach dem Tod ihres Mannes eine Metzgerei, kämpft für ihre Tochter und setzt sich gegen althergebrachte Rollenbilder durch. Cora, ihre Tochter, trägt den Kampf gegen die Beschränkungen ihrer Umgebung in sich, erlebt Enttäuschung, Ausbruch und Rückkehr, und schließlich Eva, die jüngste Generation, versucht ihren Platz zwischen Liebe zur Natur, Sehnsucht nach Freiheit und familiären Wurzeln zu finden.
Hannah Häffner erzählt diese Familiengeschichte mit *stilistischer Präzision und poetischer Sprache*, die gleichzeitig ruhig und eindringlich ist. Die Figuren wirken lebensecht, ihre inneren Konflikte und die Veränderungen über Jahrzehnte hinweg werden fein beobachtet und sensibel dargestellt. Die Atmosphäre des Dorfes, die Wechsel der Zeiten und die Kraft der Natur bilden ein dichtes Erzählgeflecht, das lange nachhallt.

Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der Sehnsucht nach Freiheit und persönlichen Wurzeln, auf dem Ringen um Selbstbestimmung und Zugehörigkeit, Themen, die in allen drei Lebensentwürfen der Frauen tief verwoben sind. Der Stil ist häufig lyrisch und lässt Raum für Interpretation, was das Lesen zu einem sehr persönlichen Erlebnis macht.

Fazit: Die Riesinnen ist ein berührender, poetischer Generationenroman über weibliche Stärke, Verletzlichkeit und den Weg zu sich selbst. Wer ernste, literarische Familiengeschichten liebt, wird hier eine eindrucksvolle Lektüre finden.
146 reviews
Review of advance copy
January 11, 2026
"Die Riesinnen" ist ein drei-Generationen-Portrait der Riessberger Frauen: Großmutter Liese, Mutter Cora und Tochter Eva, die in verschiedenen Zeiten mit verschiedenen Drängen und Wünschen heranwachsen und die eins eint: die Heimat im Schwarzwald und die tiefe Verwurzelung in Wittenmoos - für jede der drei Frauen auf ganz eigene Weise.
Inhaltlich möchte ich mich gar nicht zu den einzelnen Figuren und ihren Geschichten äußern, um das Leseerlebnis nicht im Voraus zu beeinflussen. Ausgehend vom Klappentext habe ich einen Heimatroman mit Frauen als Protagonistinnen erwartet, der mir Einblicke in die verschiedenen Generationen und Geschehnisse gibt. Was ich nicht erwartet habe, ist ein Roman, der mich von der ersten Seite an komplett in seinen Bann gezogen hat und mich das Buch innerhalb kürzester Zeit durchlesen lässt.
Hannah Häffner hat ein ganz besonders Sprachgefühl vermittelt. Einerseits durch die sehr anschaulichen landschaftlichen Beschreibungen des Waldes und des Dorfes Wittenmoos, andererseits durch die akkuraten Schilderungen der Bewohner*innen, der Verhaltensweisen und der Eigenheiten, die zu jedem Zeitpunkt nachvollziehbar und spürbar waren. Mir gefällt, wie einige Konflikte in Dialogen kommuniziert werden, viel mehr jedoch ungesagt und unbesprochen bleibt und trotz allem zwischen den Zeilen stattfindet und innerhalb der Leser*innen zum Tragen kommt.

Ein fantastischer Roman mit tollen Protagonistinnen, den ich als sehr eindringlich empfand. Ich habe jede Seite genossen, geradezu in mir aufgesaugt und habe es bedauert, als ich die letzte Seite hinter mir hatte. Ich beneide alle, die diese Leseerfahrung noch vor sich haben, denn ich würde sie gern noch einmal so empfinden.
Profile Image for Yellowistheone.
13 reviews
December 21, 2025
Dieses Buch hat mich von Anfang an mitgerissen. Die eindringliche Sprache, die klaren Sätze - die Erzählerinnen sagen nur das Nötigste, es ist der Schwarzwald, immerhin, aber die Autorin schafft es, mit diesem Nötigsten ein unwahrscheinlich lebendige und dichte Erzählung zu schaffen.
Wie Frauen es schaffen, aus dem was ihnen bleibt, was sie sich zusammenkratzen, etwas Wunderbares zu machen und wie sie dabei lieben und zusammenhalten, das hat mich berührt. Die Figuren sind ganz toll herausgearbeitet, menschlich und deswegen stark und schwach zugleich aber niemals entschuldigend. Die Geschichte der drei Generationen von Frauen, die ihre Wurzeln nicht leugnen wollen und können und hadern damit, aber auch wieder gar nicht, spannt über ein halbes Jahrhundert.
Ich habe das Buch nicht aus der Hand legen können, wollte weiterlesen und wissen, was passiert, aber auch diese Sprache weiter lesen dürfen.
Von mir eine ganz klare Leseempfehlung, eines der besten Bücher, die ich dieses Jahr lesen durfte. Danke an den Verlag für das Leseexemplar.
200 reviews
Review of advance copy
December 27, 2025
ruhiger Roman über starke Frauen

„Die Riesinnen“ von Hannah Häffner ist ein ruhiges, aber dennoch sehr eindrucksvolles Buch.
Liese, Cora, Eva - drei Frauen, die in einem Dorf leben, und herausstechen. Das Buch hält viele Schicksalsschläge bereit, aber auch viel Kraft.
Schon nach dem ersten Teil merkt man, dass es nicht nur um eine Geschichte geht, sondern um Gefühle, die viele Menschen kennen. Die Riesinnen stehen für Sorgen, Ängste und innere Lasten, die manchmal so groß werden, dass sie einen überwältigen.
Teilweise finde ich das Ausgangsszenario der Frauen für das Buch aber nicht ganz gelungen - es wirkt daher etwas unglaubwürdig.

Hannah Häffner hat einen sehr besonderen Schreibstil, der das Buch für mich auch sehr besonders gemacht hat. Die Sprache ist ruhig, poetisch und leicht zu lesen. Die Stimmung im Buch ist oft melancholisch, aber nicht hoffnungslos. Ich habe mich beim Lesen immer wieder nachdenklich gefühlt und musste über mein eigenes Leben nachdenken.
Displaying 1 - 9 of 9 reviews

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