Ein persönlicher Aufruf des Bestsellerautors Daniel Schreiber zum aktiven Widerstand gegen eine Kultur des Hasses.
Ohnmacht ist zum politischen Grundgefühl unserer Zeit geworden. Eine Rhetorik des Hasses und der Menschenverachtung hat den politischen Diskurs gekapert. Unser Zusammenleben ist wieder von mehr Gewalt geprägt. Kein Wunder, dass sich immer mehr Menschen vom Glauben an politisches Handeln verabschieden und ins Private zurückziehen. Dabei wissen wir genau, dass es gerade jetzt auf aktiven Widerstand ankommt, auf gemeinschaftliches Handeln. Doch wie kann es gelingen, zu einer politischen Haltung zu finden, die dem sich ausbreitenden Klima des Hasses etwas entgegenzusetzen vermag? In seinem neuen Buch zeigt Daniel Schreiber einen radikalen Weg Die Rückbesinnung auf eine Idee der Liebe als politische Kraft. Anhand politischer, philosophischer und sozialhistorischer Beispiele zeigt er, dass diese Vorstellung die größten politischen Revolutionen angestoßen hat. Ein Buch über Widerstand und Trost – und das Wiederfinden einer eigenen politischen Stimme.
Daniel Schreiber, geboren 1977, ist als Kunstkritiker für verschiedene internationale Zeitungen und Magazine tätig. Er ist Autor der Susan-Sontag-Biografie 'Geist und Glamour' (2007) sowie der hochgelobten Essays Nüchtern (2014), Zuhause (2017) und des Bestsellers Allein (2021). Er lebt in Berlin.
Daniel Schreiber bietet immer wieder Schreibworkshops in einem Hotel mitten im Wald auf dem Land an. In den Pausen streift er durch die Wälder und genießt die Natur bei Wander- und Joggingrunden. Obwohl er dabei versucht, sich ganz auf seine Umwelt zu fokussieren, schweifen seine Gedanken stetig ab zur aktuellen Lage unserer Welt: politischem Rechtsruck, steigender sozialer Ungleichheit, gesellschaftlicher Spaltung und Klimakrise. Es fällt oft schwer, sich angesichts des desaströsen Zustands unserer Welt nicht ins Private zurückzuziehen und somit den Rechtspopulisten und Superreichen die Bühne zu überlassen. Daniel Schreiber plädiert in seinem neuen Essay "Liebe! Ein Aufruf" jedoch dafür, Hass und Spaltung Liebe und Gemeinschaft entgegen zu setzen. Er verbindet dabei die Rahmenhandlung - sein Schreibseminar im Wald samt Spaziergängen in der Natur - mit Werken und Worten großer Denker*innen und Philosoph*innen unserer Zeit wie Hannah Arendt, Erich Fromm und Martin Luther King. Er lässt so seine Gedanken schweifen, wirft einen ungeschönten Blick auf alles, was aktuell schief läuft, setzt diesem aber zugleich ein Aufruf zum Handeln, zum Nicht-Wegsehen, sich miteinander solidarisieren entgegen. "Liebe! Ein Aufruf" bietet zwar keine umfassenden Lösungsansätze für Rechtspopulismus, Klimakrise und Co., macht aber viel Mut beim Lesen, was mir gefallen hat. Ein perfektes Buch zum Jahresabschluss und -anfang!
Schreiber spricht zahlreiche Probleme der modernen Gesellschaft (Hass, Polarisierung, Gewalt & politische Ohnmacht) an und verbindet diese mit einem ganzen Haufen episodischer Evidenz bzw. persönlicher Anekdoten (Alltag als schwuler Mann etc.). Dabei holt er sich Verstärkung in den Werken zahlreicher Denker:innen (Hannah Arendt, Erich Fromm & Martin Luther King), um „die Liebe“ als politische Haltung und Aktionsprinzip stark zu machen. Schreiber sagt vieles, das man ohne Weiteres unterschreiben kann, geht gefühlvoll, vielleicht ein bisschen zu zaghaft, aber immer emphatisch und sympathisch, niemals ironisch oder zynisch zu Werk.
Insgesamt fand ich den Band leider relativ beliebig, unstrukturiert und leider auch oberflächlich-schwammig. Dass man ihm vorwirft, nicht ausreichend konkrete Lösungsansätze zu präsentieren, mache ich ihm dagegen nicht zum Vorwurf. Das war bei gut 130 Seiten Text sicherlich nicht das primäre Ziel. Ich habe den Text gern gelesen und als das verstanden, was er auch sein soll (wenn ich nicht grob danebenliege): einen leidenschaftlichen Appell an gesellschaftlichen Zusammenhalt angesichts von Hass und Spaltung.
Stilistisch war es leider dieses Mal nichts für mich: zu essayistisch, anekdotisch, mit zu wenig Tiefgang. Der Mehrwert der Vermischung von persönlichen Reflexionen bei Spaziergängen, Seminargesprächen und Literaturzitaten hat sich mir bis zuletzt nicht erschlossen.
„Ich möchte dazu aufrufen, sich nicht in Zynismus zurück-zuziehen, sich nicht an die schale Bestätigung zu klammern, dass man alles besser wusste, wenn es zu spät ist.“
Ich habe mich sehr in der Ohnmacht wiedergefunden, die Daniel Schreiber in diesem Buch behandelt. Ohnmacht aufgrund der Ereignisse in unserer Welt, der Spaltung der Gesellschaft und der Abschaffung unserer Demokratie. Noch nie hatte ich so viel Angst vor der Zukunft wie jetzt. Das Gefühl beschreibt Schreiber sehr treffend und analysiert unterschiedliche philosophische, religiöse und politische Konzepte der Liebe um dieser Ohnmacht und Lähmung etwas entgegen zu setzen. Ich bin nach wie vor unentschlossen und spüre auch eine Art Zynismus (wie er ihn auch beschreibt), sobald man im politischen Kontext von Liebe spricht. Trotzdem hat der Essay geholfen sich nicht alleine mit den Gefühlen zu fühlen und lässt auch ein gewisses Gefühl der Dringlichkeit zurück, jetzt handeln zu müssen.
„Ich möchte dazu aufrufen, nicht mehr so zu tun, als wäre all das normal, was in den vergangenen Jahren passiert ist, als würde das Leben schon einfach so weitergehen, als würde uns unser Schweigen und unser Wegschauen beschützen.“
Es ist ein bisschen spooky, wenn man den Ort des Geschehens so gut nachvollziehen kann, weil ich selbst schon Teil eines solchen Schreibworkshops gewesen bin. Ein toller Aufsatz. Ein noch besseres Anliegen und so viele Hinweise für Bücher, die ich jetzt lesen will.
Ich empfand das Buch mehr als Hommage an Hannah Arendt‘ Denken, was mir gefiel.
Die Einschübe zum Workshop wirkten jedoch wie Seitenfüller und nie tief genug. Ich hätte mir da mehr Bezug zu Arendt und Liebe als politische Praxis gewünscht, denn „die Welt ist ein Produkt des Menschen.“
Die Ausschweifungen zu den Spaziergängen war ein guter Versuch das eigene Denken zu reflektieren und nachzuzeichnen und in den Zusammenhang mit anderen Denkenden zu setzen, aber ohne roten Faden (fuer mich).
Einige Passagen lesen sich zudem wie eine Aneinanderreihung von Namen, statt einer Untermauerung der Gedanken. Da fehlte mir die Tiefe und Präzision, die Schreiber sonst in seinen Bücher hat.
"Inzwischen lebten nur noch 6,6 Prozent der Weltbevölkerung in vollständigen Demokratien. Eine Reihe von Ländern, die bis vor Kurzem als solche galten, etwa die Vereinigten Staaten, entsprachen nicht mehr dieser Definition."
"Welche Haltung bleibt uns, um politisch aktiv zu werden? Wie kann es uns gelingen, wieder wirksam gesellschaftlich zu handeln? Immer wenn ich darüber nachdenke, komme ich auf die Liebe zurück, auf die Liebe im Allgemeinen und die Weltliebe im Besonderen."
"Es gibt so viele Formen der Liebe, so viele Ideen sind mit ihrer Beschreibung und dem Nachdenken über sie verbunden, dass sie sich nur schwer auf einen Begriff, auf eine griffige Definition bringen lässt. Und wie die Überlegungen von Hannah Arendt zeigen, wird es noch viel schwieriger, wenn man das politische Potenzial der Liebe erfassen möchte. Doch dieses Potenzial existiert. Die Philosophin Martha Nussbaum etwa geht davon aus, dass wir Liebe nicht nur in unserem persönlichen, sondern auch in unserem politischen Leben zum Überleben brauchen. Damit meint sie natürlich nicht, dass wir für andere Menschen und erst recht nicht für Menschen, mit denen wir uns politisch nicht einigen können, so etwas wie romantische Liebe empfinden sollten. Wir müssten noch nicht einmal Sympathie für sie empfinden, wie wir es für unsere Freundinnen und Freunde tun, erklärt sie. Die Form der Liebe, die sie meint, besteht »lediglich darin, die andere Person als vollkommen menschlich anzusehen, als ein Wesen, das auf irgendeine Weise zum Guten und zur Veränderung fähig ist«. Was nach wenig klingt, ist bei genauerer Betrachtung genau das, was unserem politischen Miteinander seit einigen Jahren abgeht, das, was ich und viele andere Menschen in vermissen. Ohne diese geben, keinen Kompromiss, den politischen Auseinandersetzungen unserer Zeit so schmerzlich Form der Liebe kann es keine Form demokratischer Zusammenarbeit kein sinnvolles Zusammenleben, keine Hoffnung. Ohne diese Form der Liebe kann es nur Zynismus geben. Kann es nur Auseinandersetzungen von Menschen geben, die herrschen, die siegen wollen. Ohne sie ist eine dissoziative Distanznahme von der Welt alles, was uns bleibt."
"Kürzlich hatte ich ein Buch des russisch-amerikanischen Anthropologen Alexei Yurchak gelesen, Everything Was Forever, Until It Was No More, das vom Alltagsleben in den letzten beiden Jahrzehnten der Sowjetunion handelte. Dieses sei von einem grundlegenden Paradox bestimmt gewesen, schreibt er: Es habe sich trostlos angefühlt, so als sei es im Verfall begriffen, und sei dennoch lebendig und voller Versprechen gewesen. Als das System des Staates zusammenbrach, sei man auf der einen Seite völlig überrascht gewesen, weil man dachte, es würde auf ewig so weitergehen. Auf der anderen Seite hatte man schon darauf gewartet, da nur der Kollaps die logische Folge eines Systems sein konnte, das für die große Mehrheit der Menschen nicht mehr funktionierte. Dieses paradoxe Alltagsgefühl bezeichnete Yurchak als »Hypernormalisierung«. Gemeinsam hält man den Schein einer funktionierenden Gesellschaft aufrecht, weil es keine Alternative zu geben scheint. Auch wenn alle wissen, dass es sich dabei weitgehend um Selbsttäuschung handelt, glaubt man daran und hält diese Täuschung für Wirklichkeit.“
"In seinem Buch „Über Tyrannei. Zwanzig Lektionen für den Widerstand“ bringt der Historiker Timothy Snyder dieses Problem mit dem Begriff der »Politik der Unvermeidlichkeit« auf den Punkt. Ich hatte das Buch schon zwei Mal gelesen. Es hatte mich nachhaltig beeindruckt, weil es das Phänomen der rechtspopulistischen Machtergreifung so genau durchleuchtete und mit schmerzhafter Klarheit sowohl deren zugrunde liegenden erwartenden Dynamiken und noch zu erwartenden Folgen erklärt. Snyder zufolge liege ein Problem heutiger Demokratien darin, dass ihnen ihre Zukunft abhandengekommen sei. Dass wir als Gesellschaft keine andere Vorstellung von unserer Zukunft mehr haben als jene, die nur eine endlose Ausweitung unserer Gegenwart darstelle. Von einer Zukunft, die wir schon zu kennen meinen, auch wenn sie für die Mehrzahl der Menschen nicht eintreten wird oder kann. Dieses selbstinduzierte gesellschaftliche Koma führe dazu, dass die Traumata von Faschismus, Nationalsozialismus und Kommunismus, die lange irrelevant gewirkt hatten, wieder in neuen Ausformungen zurückkehrten. Immer mehr Demokratien würden so in eine »verwirrte und zynische Form faschistischer Oligarchie« überführt. Snyder erkennt, wie verführerisch dieses Angebot ist. Wenn man jahrzehntelang untätig geblieben sei, weil der Fortschritt ohnehin unvermeidlich wirke und dennoch nie wirklich eintrat, so der Historiker, erscheine es fast schon logisch, auch untätig zu bleiben, wenn sich die Geschichte zu wiederholen drohte. Erst das Gefühl jener stagnierenden Hypernormalität bereitet, mit anderen Worten, den Boden für den Siegeszug rechtsextremer Bewegungen."
"Letztlich stellt es keine Option dar, die Welt nicht zu lieben, auch wenn diese es einem durch ihre Ungerechtigkeit, durch Krieg, Hass und Gewalt schwer macht."
"Alle schienen an diesem Aufstieg Schuld zu tragen - die Klimaschützerinnen, die Identitätspolitiker, die Feministinnen, die Queeren, die Menschen, die sich für Geflüchtete einsetzten, eine Kanzlerin, die ihre christlichen Werte hochhielt, Menschen mit Lastenfahrrädern, Personen, die versuchten, eine nichtdiskriminierende Sprache zu verwenden, Leute, die zu viel Gutes wollten - nur nicht die Rechtsextremen selbst, nicht ihre hasserfüllte Stimmungsmache gegen Minderheiten, nicht ihre Frauenfeindlichkeit, nicht ihre Aufmärsche, ihre Brandanschläge auf Wohnungen migrantisierter Familien und Unterkünfte geflüchteter Menschen, nicht ihre tätlichen Angriffe auf queere Straßenparaden und die Wahlkampfbüros demokratischer Parteien."
"Es sei eine Illusion, zu glauben, dass es einfach werden würde, einmal verlorene Rechte wieder zurückzuerlangen. Die Halbwertszeit gesellschaftlicher Rückschritte sei so viel länger, als wir uns vorstellen könnten."
"Mir war zudem schmerzlich bewusst, wie wichtig Werte wie Solidarität, Mitgefühl und Respekt im Alltag und in der Politik sind und wie sehr sich Gemeinschaften verändern, wenn sie das Gemeinwohl in den Fokus rücken. Und in mancher Hinsicht machte mir gerade in der derzeitigen politischen Situation die Wahrnehmung zu schaffen, dass ausgerechnet das, was uns am meisten helfen würde, gänzlich zu verschwinden drohte: ein Gefühl von Verbundenheit, das auch durch Nächstenliebe entsteht, wie auch immer man sie begründet. Ein Gefühl des Gemeinsinns."
"Die weltweite Klimapolitik wird in den kommenden Jahrzehnten, wenn sie nicht, wie in Deutschland, noch weiter zurückgeschraubt wird, allen Berechnungen zufolge zu einer Erderwärmung von 2,7 Grad Celsius führen. Schon bis 2049 wird die weltweite Wirtschaftsleistung, so die letzte Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, um 17 Prozent sinken und das weltweite Einkommen um 32 Billionen Dollar reduziert werden. In einer Welt, die sich um knapp drei Grad Celsius erwärmt hat, werden nach derzeitigen Schätzungen 30 bis 50 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten aussterben. Weite Teile der Tropen werden für Menschen nicht mehr bewohnbar sein, anderthalb Milliarden Menschen werden flüchten müssen, wogegen sich die Migration der vergangenen Jahre geradezu unbedeutend anfühlen wird. Zahlreiche Grundnahrungsmittel werden nicht mehr angebaut werden können und es wird zu einer noch nie dagewesenen Lebensmittelknappheit kommen. In den Worten des britischen Anthropologen Jason Hickel wird der Temperaturanstieg nicht mehr kompatibel mit der Zivilisation sein, die wir kennen. Die Menschheit wird unter diesen Bedingungen zwar nicht untergehen, aber ein großer Teil von ihr wird es."
"Liebeskonzepte wie die von Arendt, Fromm, Schweitzer und King stellen die Selbstverständlichkeit unseres heutigen Alltags infrage, die politischen Gepflogenheiten, die dafür sorgen, dass die Gesellschaft, wie sie heute existiert, für immer mehr Menschen nicht mehr funktioniert. Sie sind das wichtigste Argument gegen die rapide Ausbreitung rechtsextremer Haltungen und das wirksamste Mittel gegen gesellschaftliche Spaltung. Sie sind die Grundlage jeder möglichen Allianz gegen den Schulterschluss rechtsextremer und neoliberaler Kräfte, das Fundament für die Bewahrung und Rettung unserer Welt für unsere Nachkommen."
"Ich möchte dazu aufrufen, uns zu vergegenwärtigen, dass das, was wir gerade erleben, kein vorübergehender »Aufstand derjenigen« ist, »die ahnen, dass ihre Zeit vorbei ist«, sondern dass dieses »Zwischenspiel«, so Gabriele von Arnim, dabei ist, »das eigentliche Stück von der Bühne« zu fegen."
"Uns immer wieder daran zu erinnern, dass wir für unsere persönlichen Rechte und Freiheiten kämpfen müssen, da sie uns sonst, wie in den Vereinigten Staaten oder in Ungarn zu beobachten ist, in jedem Fall wieder genommen werden, vor allem wenn wir zu Minderheiten und anderen traditionell benachteiligten Gruppen der Gesellschaft gehören. Die in unserer Verfassung verankerte Unantastbarkeit menschlicher Würde ist nur so lange unantastbar, wie wir für sie kämpfen. Einmal verlorene Rechte sind nur schwer wieder zurückzugewinnen. Die Entmenschlichung bestimmter Menschengruppen ist ein äußerst effektiver Prozess."
"Nur durch das leidenschaftliche Eintreten für eine Vielfalt politischer Pole lässt sich die derzeitige Spaltungslogik eines Kulturkampfes aufhalten, der versucht, rechtsextreme, menschenverachtende Positionen als etwas »Normales« und alle anderen Meinungen als »linksradikal« darzustellen - und der dabei politische Diskursräume so flächendeckend besetzt, dass demokratische Allianzen unmöglich werden."
Ich bin Daniel Schreiber-Fanboy und muss leider sagen: ich fand das hier nicht so. Schwache Rahmenhandlung, die das Kernproblem für mich gut tangierte: wie groß ist die gesellschaftliche Gruppe, die Schreibers Politik der Liebe tatsächlich anspricht? Von wem können wir sie verlangen? Wie wird sie wem systemisch verunmöglicht, und welches System treibt die neoliberale Politik, die Schreiber zurecht kritisiert, denn so voran? Für mein Gefühl wurde sich, im Versuch den Entpolarisierungs-Gedanken in politischer Debattenkultur aufrechtzuerhalten, vor Kapitalismus-Kritik weggeduckt. Mehr noch, es flog das eine oder andere implizite Hufeisen, der Umgang mit den Verortungen linker und rechter Politik durch den beidseitigen Vorwurf der Stimmungsmache gefiel mir gar nicht, weil offensichtlich nicht gleichwertig. Wirkte wie idealistischer Zentrismus, und wo der hinführt, sehen wir ja gerade an fast allen sogenannten demokratischen Parteien. Da hilft dann auch kein Appell an die individualistische Ebene der Weltliebe als Grundlage progressiver anti-AfD-Haltungen - zumindest bei mir nicht.
Großartiges Buch! Greift viele Gedanken vieler Vordenker*innen zum Konzept der Liebe auf. Die Konstruktion ist äußerst gelungen. Die persönlichen Erfahrungen kombiniert mit den bekannten, für den Autor typischen (I’d say), Naturstreifzügen sowie deren Beschreibungen und des Einbindens der aktuellen politischen Lage durch die R€chten & neoliberalen Kräfte bedrohten Welt ist äußerst gelungen. Radikale, politische Liebe und Gemeinsinn it is!
Für mich ein dringendes Buch, das ich jedem Menschen in die Hand drücken möchte!
Ich bin Daniel Schreiber berührt auf seinen Wegen durch Venedig gefolgt, als er über den Verlust seines Vaters nachdenken musste, und ich war gern dabei, als es Schreiber ums Alleinsein ging. Zwischen mir und den Abhandlungen zur Liebe hat es leider nicht gefunkt - zu bemüht und konstruiert wirkten die Passagen vom Schreibseminar, zu wenig persönlich und dringlich die Ausführungen zur Liebe. Schade.
„Liebe! Ein Aufruf“ von Daniel Schreiber @thedanielschreiber ist genau das Buch, das wir im Moment alle brauchen. Denn, seien wir ehrlich: die meisten von uns sind im Moment, was die politische Lage unseres Landes und der Welt betrifft, im besten Falle desillusioniert und im schlimmsten Falle hoffnungslos. Und genau diese apathische Stimmung im Land macht es den demokratiezersetzenden Kräften viel zu leicht. Um dagegenzuhalten, brauchen wir Kraft und Gemeinschaft - und ganz viel Liebe für die Welt und all die Gleichzeitigkeiten, die ihr innewohnen. Daniel Schreibers neuestes Buch ist ein sehr persönliches: er beschreibt, wie das Erstarken der neuen Rechten auch ihn als queeren Menschen schockt und schwächt und wie er diese Position der Ohnmacht, wie er die Rhetorik des Hasses und der Menschenverachtung nicht mehr aushält und sich auf den Weg macht, einen Gegenpol zu finden: bei den Philosoph*innen der Liebe. Von Hannah Arendt über Erich Fromm zu Martin Luther King lernen die Leser*innen so viele Konzepte des liebevollen Widerstandes kennen und verlassen nach 131 Seiten dieses kluge Buch mit der Gewissheit, dass wir dringend eine Politik der Liebe brauchen. Und wenn sie auch nur ein bisschen so ticken wie ich, dann finden sie in den wunderbaren Worten von Daniel Schreiber auch die Kraft und die Motivation, aus dieser allgegenwärtigen Schockstarre auszubrechen und die eigene politische Stimme wiederzufinden. „Liebe! Ein Aufruf“ ist ein Schatz von einem Buch, das man immer wieder lesen wird: kauft es, lest es, verschenkt es!
Jeder kennt es, das lähmende Gefühl, dass sich zunehmend in unserer Gesellschaft breit macht, das alles immer schlechter wird, wir machtlos sind und die Politik sich nicht wirklich um uns kümmert! Da zieht man sich doch lieber ins Privatleben zurück und resigniert. Diesem Gefühl und was man dagegen machen kann, geht Daniel Schreiber in seinem neuen Buch nach.
Das Buch setzt sich eindrucksvoll mit unserer Gesellschaft auseinander. Was läuft falsch? Warum wird Deutschland immer rechtsradikaler? Welchen Gefahren sind wir und die Welt ausgesetzt? Wie gehen wir mit der Situation in den USA und Ungarn um?Was bedeutet die Leugnung des Klimawandels für uns? Können wir mit mehr Liebe und wenn ja mit welcher Art von Liebe die Gesellschaft verändern?
Normalerweise lese ich solche Art von Büchern nicht; umso überraschter war ich, dass ich so gefesselt von der Lektüre war. Von der ersten Seite an war ich gebannt. Oft habe ich mich bei den aufgeführten Beispielen wiedererkannt und sofort kam ein schlechtes Gewissen auf und ich habe mich gefragt, was ich dagegen tun kann? Das Buch gibt viele Denkanstöße, die nachhallen. Ich habe mir viele Passagen markiert, die ich sicher nochmal lesen werden.
Gerne empfehle ich dieses wunderbare Buch weiter, das zum Nachdenken anregt und Lösungsvorschläge gibt.
Erich Fromm: Liebe als Handlung, als Akt und Praxis, als praktische Lebenswirklichkeit. Liebe im Bezug zu jemand anderem oder etwas außer mir selbst.
Martha Nussbaum: Liebe im persönlichen und politischen Bereich notwendig zum Überleben, die andere Person als menschlich ansehen als Wesen, das auf irgendeine Weise zum Guten und zur Veränderung fähig ist. Und das tragen wir in alle Gemeinschaften, in denen wir Teil sind.
Wieder ein beeindruckendes Buch von Daniel Schreiber, wenn auch irgendwie anders als die anderen. Er versucht mit Nachdruck deutlich zu machen, dazu aufzurufen, anderen Menschen respektvoll und wertschätzend zu begegnen. Und mit einer Politik der Liebe, den derzeitigen negativen Strömungen und Entwicklungen entgegenzuwirken. Nachdenklich und bewegend!
It was different from what I expected it to be. I definitely felt seen when the author described the emotional fatigue many people experience due to current events in the world. While I didn’t expect concrete solutions, I was hoping for more encouragement and a deeper exploration of how love can be practiced as a conscious, active force.
Liebt euch! Und lest dieses Buch , damit wir danach wissen wie wir diesen Wahnsinn da draußen mit Liebe begegnen können (und eine gewaltfreie Revolution starten können).
Persönlich, nahbar – Schreibers Essays berühren das Innere, den Kern im Menschen. Er schreibt über Liebe als politische Kraft, gegen Ohnmacht und ein Klima des Hasses, der Ausgrenzung. Und zeigt mithilfe von politischen, philosophischen und sozialhistorischen Referenzen*, dass universelle Liebe oft große politische Veränderungen angestoßen hat. Und dass die Verbesserung der Welt im Kleinen anfängt. Literarischer Trost und Anregung zum aktiven Widerstand! *Albert Schweitzer: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“