Wie erzählt man das eigene Leben so, dass es erträglich bleibt; was lässt man weg? Welche Löcher hat der Stoff, aus dem die Familienlegenden sind? Anne, eine Journalistin, wird mit der Vergangenheit ihrer Künstlereltern konfrontiert, sie muss erfahren, dass ihr Erbe auch stark aus deren Geschichten besteht.
Freitagabend in der Flughafenbar. Anne, die Hauptfi gur des Romans, ihr Freund Jacob und Leo, ein Barbesucher, haben dasselbe Ziel: Wien. Nachdem sie ihren Flug verpasst haben, besteht das Alternativprogramm in der letzten offenen Bar am Flughafen JFK aus Football und Whiskey. Da ereilt sie eine Notfallmeldung auf den Bildschirmen: Ein Flugzeug ist abgestürzt. Es wäre ihre Maschine gewesen. In dieser Nacht schlafen die drei wenig, trinken viel, kommen sich näher, sprechen vom Schicksal. Ohne etwas Bedeutungsvolles zu wissen: dass bereits ihre Eltern sich kannten. Sie waren sogar eng befreundet, bis sie vor dreißig Jahren für ein Theaterprojekt auf die griechische Insel Hydra reisten. An diesem schönen Ort, frei von Autos und voll mit popkulturellen Mythen, ging etwas irreparabel schief. Zurück in Wien konfrontiert Anne ihre Eltern mit Fragen zur Vergangenheit. Es werden noch ein paar Vorhänge fallen, bevor Anne versteht, was ihre Eltern ihr da mitgegeben haben und wie sie selbst leben will.
Das Porträt einer Familie, die in sicherer Distanz zu existenziellen Problemen ihre privaten Dramen inszeniert. Ein sehr intelligenter, stilistisch feiner und spannender Roman.
Es schwankt für mich zwischen einem drei und vier Sterne Buch. Ich habs gern gelesen, aber es hat mich nicht gecatcht genug, dass ichs ohne längere Unterbrechungen gelesen hätte. Und ich glaube, das ist ein Buch, dem man seine Aufmerksamkeit widmen muss. Anstrengend find ich halt auch, dass die direkte Rede nicht gekennzeichnet ist. Und zum Schluss wurde mir zu viel nicht ausgeschrieben, auch wenn es zwischen den Charakteren zum Teil aktiv ausgesprochen wurde.
Trotz allem hab ichs gern gelesen und für meinen schwer erratischen Lesestil kann das Buch ja nix ^^
Schauspielergedöns Kurzmeinung: Wenn man einen abgestürzten Flieger im Plot hat, sollte man etwas damit anfangen!
Der Klappentext verspricht eine aufregende Geschichte eines im New Yorker Flughafen gestrandeten Pärchens, Marianne und Jacob, die dort eine Nacht lang mit dem unbekannten Leo zusammensitzen, trinken und sich ihre Lebensgeschichten erzählen. Der Schock darüber, dass der knapp verpasste Flieger, den sie alle drei nehmen wollten zurück nach Wien, kurz nach dem Start abgestürzt ist, schweißt sie irgendwie zusammen.
Der Kommentar und das Leseerlebnis: Zunächst bin ich wirklich sehr interessiert, obwohl es alsbald weit in die Vergangenheit hinein geht, als die Eltern von Marianne noch nicht verheiratet waren und sich mit einer Gruppe von Schauspielern auf der griechischen Insel Hydra verabredeten, um gemeinsam das Theaterstück „die Wildente“ von Ibsen in einer modernen Verfassung zu erarbeiten. Natürlich hätte ich lieber mehr über die abgestürzte Maschine gelesen. Jaja, Leben ist kein Ponyhof. Ich bleibe deshalb im bald gemieteten Bahnhofhotel und höre zu: Allerdings … beginnt mich die Autorin mit weitschweifigen, detaillierten Beschreibungen zu quälen, die nicht viel zum Plot beitragen und nicht einmal Atmosphäre schaffen. Dennoch bleibe ich am Ball und tauche in den Wechsel von Gegenwart – momentan sind die Eltern von Marianne, ein Matthias und eine exzentrische Eva irgendwie gemeinsam unglücklich – und Vergangenheit ein. Aber der Roman verliert mich mit jeder umgeblätterten Seite.
Es ist schade, dass die Autorin mich nicht für sich gewinnen kann mit diesem Roman, nicht nur geht es mir an der Hutschnur vorbei, wer gerade mit wem was am Laufen hat in der Schauspielerwelt und auch deren Intrigen und Ehrgeiz ist mir schnuppe, sondern ich verliere auch immer mehr den Faden. Wer erzählt jetzt gerade? In welcher Zeit befinde ich mich in diesem Abschnitt? Während mir das Zurechtfinden bis ungefähr in die Mitte des Romans immer wieder neu gelingt, wird es danach immer schwieriger, einem roten Faden zu folgen. Ist Thomas jetzt tot oder nicht, warum sind alle unglücklich und was hat das mit Heute zu tun und überhaupt, warum sind alle so verrückt auf Ibsen? Keine Ahnung. Schließlich, nach zwei Dritteln, gebe ich auf. Ich lese noch ein bisschen quer, aber es ist lost.
Fazit: Wer was mit wem hat im Schauspielermilieu und wie oft, ist mir völlig egal, ob es sich um fiktive oder echte Schauspieler handelt. „Hydra“ ist nicht allein deswegen schon interessant, weil eine schöne griechische Insel der Handlungsort ist. Die Erzählfäden kommen mir so verworren vor, dass ich mich nicht zurechtfinde und das Handtuch schmeiße. Sehr schade, denn erzählerisches Können meine ich zu erkennen; allerdings gehört ein stringenter Plan/Plot, der dem Leser zusätzlich zu vermitteln wäre, mit zum Erzählen.
Kategorie: Anspruchsvoller Roman. Debüt Verlag: Milena, 2025 Auf der Longlist des Österreichischen Buchpreises 2025 – wer weiß schon, warum.
Der Debüt-Roman von Antonia Löffler ist vielschichtig, sensibel, impulsiv und fordernd. Ihn zu lesen, ohne aufmerksam zu sein, wäre Zeitverschwendung. Denn die Autorin verpackt so viele kleine, wunderbare Details in die Geschichte. Sie spielt mit den Worten ihrer Protagonisten, zeichnet genau ihre Charaktere und folgt einem komplexen Plot aus Familien- und kultureller Zeitgeschichte.