Udo Lindenberg wird 80 – das Buch zum Geburtstag von Benjamin von Stuckrad-Barre
Udo Lindenberg wird achtzig. Hört sich unglaublich an, ist aber so. In »Udo Fröhliche« durchmisst der Udo-Freund und -Chronist Benjamin von Stuckrad-Barre (»Panikherz«) acht Jahrzehnte Udo-Universum, buchstabiert das Lindenberg-Alphabet von Alkohol über Cello und Fernweh, Rollschuhe, Sprache, Hotel und Hut bis zur Zigarre.
Biografische Kurzgeschichten über einen Mann, der die Bundesrepublik, ihre Gesellschaft, die Sprache und dadurch die Denkweise, verändert hat – durch seine Musik, vor allem aber durch sein gnadenlos unprätentiöses Menschsein. Aus großer Nähe, kundig, witzig und scharfsinnig erzählt Benjamin von Stuckrad-Barre von einem, der zum Ereignis wurde und zur bundesdeutschen Institution. Es geht natürlich auch um Aufstieg, Absturz, Wiederauferstehung – schließlich ist Lindenbergs Leben eine sagenhafte Heldenreise.
»Udo mag, wie jeder denkende Mensch, ein Problem haben mit dem Alter. Allerdings muss man auch Das Alter hat ein Problem mit Udo. Irgendwie kriegt es ihn nicht zu fassen. Ob der Gutschein für die Reise zum Mond noch gilt? Udo wäre dann jetzt so weit.« (Aus dem Kapitel »Geburtstag«)
Possibly Germany’s most well-known young author of the past 15 years, von Stuckrad-Barre stands at the forefront of a new literary movement that moved from Germany’s wartime past and into the 21st century.
After working for Rolling Stone, von Stuckrad-Barre’s 1998 book Soloalbum (written when he was only 23) captured the emotions of young love to the soundtrack of Oasis and Pearl Jam. After the follow-up Livealbum, von Stuckrad-Barre embarked on various ambitious projects. His self-described goal has always been to reflect “what is going on [in the world]”, and he continues to do so in unconventional ways, sometimes being refered to as the ‘bad boy’ of the German literary scene.
"Udo Fröhliche" ist im weiteste Sinne eine Biografie des Sängers Udo Lindenberg. Keine, die Lindenberg selber schreiben würde, kennt ihn doch eh jeder „ne?“ Es schreibt der Formulierungskünstler und Sprechschreiber Stuckrad-Barre, Bewunderer, Freund, Dankbarer, dessen Stil bisweilen ins Stakkato des Hip-Hop kippt, wenn er sachliche Information in amtliche Udo-Schluffigkeit transferieren will: „erste Telefonate, die ersten Zigarren werden in leergegessene Eierschalen abgeascht oder auch einfach auf den Teppich, denn »letzte Woche oder so war da ja noch ’n Aschenbecher, ne?«“. Es ist die Hagiographie eines deutschen Künstlers, der die Gesellschaft der Bundesrepublik wahrscheinlich stärker beeinflusst hat, als der ein oder die andere Bundeskanzler*in.
Die spezielle Dramaturgie durch Stichwortkapitel bringt es mit sich, dass wir keinen langweiligen Lindenberg wurde 1946 im westfälischen Gronau geboren und eroberte später die Welt-Text bekommen, sondern eine lebendige Beschreibung immer nah am beschriebenen Subjekt. In diesem Udo-Universum gibt es nichts Falsches. Alles im Leben des Udo Lindenberg folgt einem Ziel. Schwerste Alkoholabstürze, schlechte Alben spricht Stuckrad-Barre umschweiflos an, erhebt aber nie den moralischen Zeigefinger. Maximal achselzuckend nimmt er zur Kenntnis, dass da einer ist, der gegen die Norm erfolgreich lebt und schwerste Alkoholsucht gegen Jogging an der Binnenalster getauscht hat.
Das Buch unterschlägt bei aller Freude an dessen Schluffigkeit nicht Lindenbergs Realitätssinn. Mag der Sänger auch an die Rezeption seines Hotels gehen, „Haste mal ’n Tausi?“, und einen von den 20 ausgezahlten 50-Euro-Scheinen als „Aufwandsentschädigung“ beim Mann an der Rezeption belassen, mag er immer noch von „Maaaaaak“ reden, wo doch längst alles in Euro bezahlt wird, so sieht man ihn in diesem Buch früh morgens nach dem Aufstehen „gegen 15 Uhr“ umringt von Tageszeitungen, niemand sei so gut über das Tagesgeschehen informiert, wie Lindenberg, schreibt Stuckrad-Barre und erwähnt, dass Lindenberg im Fernsehen nichts anderes laufen lässt, als Nachrichtensender.
Geschrieben hat dieses wunderbar anekdotenreiche Buch einer, der selber allzu gern im Mittelpunkt steht, es hier aber versteht, sich wie die sprichwörtliche Fliege an der Wand zurückzunehmen. Statt pompöser Ich-Formulierungen wie Udo bestätigt mir oder Im Gespräch lässt Udo anklingen, beobachtet er, hört zu und schaut, wie andere sich zu Lindenberg verhalten. So bleibt eine angenehme Restdistanz zu diesem hier offen und schamlos verehrten Großkünstler, der sich selber nie so nennen würde, aber für Selfies auch zweimal posiert, wenn das erste in seinen Augen nichts geworden ist: „Das andere kannste ja löschen, ne?“
Am Ende wissen wir alles und nichts über Lindenberg. Das Klischee und die Karikatur kommen in diesen Alltagsbeobachtungen, die selten wirken, als seien sie wirklich ein Alltag, vor und manchmal schimmert auch der möglicherweise reale Mensch Udo Lindenberg durch, über den Stuckrad-Barre bilanziert, dass bei ihm alles eins geworden sei – Mensch, Klischee und Karikatur: „Alles andere ist Einer-von-euch-Kitsch und gepostetes Mittagessen.“
Ich würde mich nicht als einen riesigen Udo-Fan betiteln, bin jedoch mit seiner Musik und seinem Musical aufgewachsen, weswegen ich von ihm als Künstlerfigur schon fasziniert bin. Einiges, was im Hörbuch angesprochen wurde, wusste ich bereits. Andere Fakten, wie seine Verbindung zu Guido Maria Kretschmer, waren mir bis dato unbekannt. Ich hätte mir an der einen oder anderen Stelle allerdings vielleicht noch mehr Tiefgründigkeit gewünscht, kann aber auch verstehen, wenn man die eigene Privatsphäre größtenteils schützen will. Ein großes Lob muss ich aber vor allem an den Sprecher aussprechen. Nicht nur konnte er Udo beinahe perfekt imitieren, auch hatte er insgesamt eine angenehme, dynamische und mitreißende Vortragsweise, sodass ich ihm stundenlang hätte zuhören können. Insgesamt kann ich das Hörbuch sowohl für Udo-Fans als auch für Personen, die bisher keinen Bezug zu ihm hatten, weiterempfehlen. (Ich bedanke mich zudem bei NetGalley für das Bereitstellen des Hörbuchs zum Rezensieren!)
Udo ist eine Legende in jeglicher Hinsicht. Das beleuchtet dieses Lexikon sehr gut. Aber leider ist es schon zehn Jahre alt und wird einfach minimal aktualisiert zum 80. noch mal vermarktet. Daher hatte ich beim Lesen immer den Eindruck, dass eine Dekade fehlt und das Beschriebene auch schon lange Vergangenheit ist. Gerade weil immer wieder gesagt wird, wie aktiv und wach Udo immer noch neue Ideen verfolgt. Außer „Komet“ war da leider aber auch aus gesundheitlichen Gründen nicht viel. Und auch sonst habe ich kaum Neues entdeckt, dann doch schon alles auserzählt? Zum 80. hätte er mehr verdient gehabt.
Udo Lindenberg gilt als einer der erfolgreichsten deutschen Nachkriegskünstler. Diese Einordnung hat sich durch seinen Werk verdient. In Udo Fröhliche formuliert Benjamin von Stuckrad-Barre eine Hommage an ebenen Künstler, der das komplette Spektrum Alkoholismus, Zigaretten Übermaß, Drogen, Rausch, bis zu Askese und Selbstkontrolle bedient (hat). Von Stuckrad-Barre bild dafür einen lexikonartigen Stil mit kurzen Kapiteln, die Lindenbergs Leben anhand von Begriffen wie beispielsweise Kino, Handgepäck, Jetlag, Normalität, Reeperbahn usw. abbilden.
Ich hatte dabei schnell das Gefühl, dass von Stuckrad-Barre sowohl Lindenbergs Zigaretten und Alkoholkonsum romantisiert. Es findet weder eine kritische Auseinandersetzung mit Lindenberg Verhalten, noch einer Reflexion statt. Vielmehr beschreibt er in teilweise schwurbelnden und sich wiederholenden formuliere Lindenberg als dem Gott des Rock. Man hat das Gefühl, dass Lindenberg für ihn der Allwissende, immer gechillte RocknRoller ist, zudem es auf zu blicken gilt. Um mich nicht falsch zu verstehen: Lindenbergs Werk ist definitiv beeindruckend und hat eine Hommage verdient, Udo Fröhliche geht mir da aber etwas weit und ist gleichzeitig zu platt und offensichtlich eine Vergötterung, anstatt einer ernsthaften Auseinandersetzung mit der Persona Udo Lindenberg.
Die neu aufgelegte und ergänzte und überarbeitete Biographie beschreibt dieses Urgestein deutscher Musikgeschichte in Form von kurzweiligen Episoden und Anekdoten von Alkohol bis Zigarren. Daran erkennt man schon, dass auch die Suchthematik in der Lebensachterbahn dieses faszinierenden Künstlers eine zentrale Rolle spielt. Zuletzt weiß man nichts von Udo Lindenbergs Leben, keine Fakten und Daten und hat doch das Gefühl diesem Menschen sehr nahe gekommen zu sein. Eine etwas andere Biographie - eine Udographie.
Selbst nachdem ich Stuckis Stimmchen jetzt in gefühlt jedem Podcast dieses Landes gehört habe, bin ich noch lange nicht müde, mir von ihm seine Bücher vorlesen zu lassen, immer wahnsinnig kurzweilig und unterhaltsam, besonders wenn er von Udo erzählt.
Eine Hommage an Udo Lindenberg, gehört als Audiobuch. Ich persönlich finde die Verehrung durch den Autor für ihn anrührend, aber das ist sicherer nichts für Leute, die mit Udo Lindenberg nichts anfangen können.
90% dieser Anekdoten kennt man, aber sie sind so unterhaltsam und gut geschrieben, dass man das Buch auch gerne nochmal lesen würde. Schließlich gibt es viel zu gewinnen und grenzenlose Möglichkeiten wenn man ein bisschen Udo-Energie anzapft.