Über Krieg oder Frieden entscheidet oft die Wirtschaft
Ein faszinierender Blick hinter die Kulissen der neuen Weltordnung und eine spannende Analyse, die erklärt, warum die Kriegsgefahr so hoch ist – und was wir in Europa tun können, um Frieden zu sichern.
Wie entstehen Kriege? Und wie Frieden? Ulrike Herrmann untersucht in diesem Buch große internationale Konflikte und analysiert, dass die Gründe nicht nur historisch, psychologisch oder politisch sind. Sondern dass oft ökonomische Faktoren ausschlaggebend sind. Sie zeigt am Beispiel Russlands, wie die wirtschaftliche Entwicklung des Landes permanente Kriege auch in Zukunft wahrscheinlich macht. Und sie beschreibt Chinas Aufstieg zur Supermacht und erklärt, wie Präsident Xi sein Land in eine ökonomische Sackgasse manövriert hat, die er mit seinen Aggressionen gegen Taiwan zu kaschieren versucht.
In ihrem augenöffnenden und brisanten Buch zeigt Ulrike Herrmann, welche große Bedeutung die Wirtschaft für die Politik der Supermächte hat – und sie beschreibt sehr anschaulich, was das für uns bedeutet, wenn wir den Frieden sichern wollen.
Ulrike Herrmann hat mit Das Ende des Kapitalismus eins meiner liebsten Sachbücher aller Zeiten geschrieben. Geld als Waffe ist ihr neuestes Buch, in dem sie sich hauptsächlich an Russland und China abarbeitet. Ich habe das Anliegen des Buchs nicht verstanden. Herrmann rechnet uns vor, warum Russland und China aus ökonomischer Sicht nicht so bedrohlich sind, wie man annimmt. Da kann Europa noch gut mithalten, wenn es fleißig weiter aufrüstet. Dabei wirkt es so, als gäbe es keine anderen Aggressoren auf der Welt. Das ganze Buch scheint mir arg verklärt. Als wären die USA gerade nur in einer schwierigen Phase, aus der sie es bald geschafft hätten. Gleichzeitig wird in keinem Wort erwähnt, dass es auch innerhalb Europas Kräfte gibt, die mit China und Russland kooperieren und ihren Einfluss stärken. Auch die digitale Kriegsführung wird komplett ausgeklammert, so als ob sich seit dem Kalten Krieg nichts verändert hätte und wir noch immer auf dem Gebiet militärischer Abschreckung wären. Dass es bereits seit Jahren russische Cyberangriffe auf Deutschland und die EU gibt, ist doch längst hinreichend bekannt. Auch, dass hinter jeder europäischen Regierung Wähler*innen stecken, wird vergessen. Aufrüstung ist doch kein Konsens? In Herrmanns Zukunftsversion scheint Europa autark zu agieren und regieren. Ich checke hier wirklich gar nichts.
Ich werde weiterhin alle Texte von Ulrike Herrmann lesen, weil sie immer frische und anregende Gedanken hat. Dieses Buch allerdings ist vergleichsweise schwach, wenn auch immer noch lesenswert. Für eine Schwäche kann sie allerdings nichts: Das Buch wurde offensichtlich vor der Maduro-Entführung und vor dem Irankrieg fertiggestellt und ist spätestens mit letzterem als Gegenwartsanalyse veraltet.
Das Buch ist journalistisch geschrieben und vermeidet einen großen Wurf. Es beginnt mit der wichtigen Beobachtung, dass ökonomische Fragen bei Analysen der aktuellen Bedrohungslage zu wenig Beachtung finden, und leidet daran, dass es keine These zum Zusammenhang von Ökonomie und Krieg herausgearbeitet bekommt. Geht es darum, warum Kriege *begonnen* werden? Nicht wirklich, denn wie Herrmann betont, lohnt sich Krieg ökonomisch meistens eher nicht. Geht es darum, wann und warum Kriege beendet oder nicht beendet werden? Schon eher, aber auch das ist schwierig, in eine allgemeingültige These zu fassen. Den Vietnam-Krieg hat die ökonomisch potentere Seite verloren, wie Herrmann selbst erwähnt. Im Ukraine-Krieg könnte und müsste die Ukraine angesichts der ökonomischen Überlegenheit ihrer Unterstützer viel besser dastehen. Am Ende ist es dann doch mehr als die wirtschaftliche Lage, was über den Ausgang von Kriegen entscheidet. Das widerlegt allerdings Herrmanns Überlegungen nicht, weil sie keine so starke These aufstellt.
Ansonsten: In Herrmanns Darstellung dreht sich viel um Russland und China (und das bedeutet hier: Putin und Xi), USA und Europa kommen als Akteure wenig vor – sie reagieren auf eine Weltlage. Pazifistische – oder: weniger militaristische – Alternativen kommen kaum vor außer einer kurzen Reaktion auf Jan van Aken. Herrmanns Ausblick, die geopolitische Lage würde die europäische Einigung vertiefen, wirkt wie ein drangeklatschter Versuch, Zuversicht zu verbreiten.
Den Verriss der "Neuen Zwanziger" halte ich übrigens für irreführend. Es werden Herrmann Thesen zugeschrieben, z.B. ein ökonomischer Determinismus, die sich in dem Buch gar nicht finden. Eine zweistündige Besprechung eines Buchs, das um Thesen herumschifft, wäre sehr langweilig, also lesen die Hosts mehr hinein, damit sie etwas zu diskutieren haben, anders kann ich mir das nicht erklären.
Wenn’s nach Uli geht, müssen wir einfach nur billiger und effizienter ballern, yeah! 🔫
Jetzt mal im Ernst, ich mag Ulrike Hermann aus Talkshow Formaten eigentlich ganz gerne. Aber ich hab mich ehrlich gesagt auf konzeptuelle Zusammenhänge von Macht, Krieg und Geld gefreut und eine sehr subjektive Polithistorie von Russland, China und den USA bekommen. Faktisch ganz toll recherchiert, aber etwas wenig Tiefgang. Gegen Ende, als sie wirklich viel zum Thema Krieg und Rüstung aufbereitet hat, hat mir irgendwie die Einsicht gefehlt, dass da ja Menschen sterben. Soldat*innen haben hier nur einen ökonomischen Wert. Schade.
Ulrike Herrmann liefert mit Geld als Waffe eine gewohnt scharfsinnige Analyse der ökonomischen Tiefenstrukturen globaler Konflikte. Ihr Kernargument, dass Kriege häufig das Resultat ökonomischer Sackgassen sind, liest sich wie eine moderne Fortschreibung jener machtpolitischen Dynamiken, die bereits in historischen Studien über antike Tyranneien oder die finanzielle Dominanz der florentinischen Banken sichtbar werden. Wirtschaft als Schicksal: Herrmann beschreibt eindringlich, wie die ökonomische Verfassung von Staaten wie Russland oder China deren geopolitisches Verhalten prägt. Besonders ihre These zu Xi Jinping, wonach ein möglicher Konflikt um Taiwan auch als Ablenkungsmanöver von wirtschaftlicher Stagnation verstanden werden könne, ist brisant. Sie zeigt, wie die „Waffe Geld“ nach innen wirkt, sobald das Versprechen stetigen Wohlstands zu bröckeln beginnt. Die Geopolitik der Skepsis: Genau hier setzt jedoch eine notwendige Kritik an. Herrmanns Vertrauen in westliche Narrative über einen chinesischen „Immobilienkollaps“ wirkt stellenweise streitbar. Während sie chinesischen Statistiken zu Recht mit Skepsis begegnet, bleibt die Frage nach der Verlässlichkeit westlicher Daten weniger ausgearbeitet. Ein nüchterner Blick auf die USA zeigt: Wer die Zahlen aus Peking anzweifelt, sollte die Transparenz Washingtons nicht mit Unfehlbarkeit verwechseln. Wenn das U.S. Bureau of Labor Statistics später über 800.000 zuvor gemeldete Arbeitsplätze nach unten korrigieren muss, wird sichtbar, dass auch im Westen wirtschaftliche Statistiken keine endgültigen Wahrheiten sind, sondern Momentaufnahmen, die erst im Nachhinein präzisiert werden. Die gleiche epistemische Vorsicht, die wir gegenüber Peking pflegen, sollten wir daher auch gegenüber Washington walten lassen. Friedenssicherung durch Realismus: Das Buch bleibt dennoch ein wichtiger Appell an Europa, wirtschaftliche Souveränität nicht nur als Handelsvorteil, sondern als sicherheitspolitische Notwendigkeit zu begreifen. Herrmann zwingt uns, hinter die Kulissen diplomatischer Rhetorik zu blicken und die harten ökonomischen Bilanzen der Macht zu lesen. Fazit: Ulrike Herrmann liefert ein überzeugendes Fundament, um die ökonomischen Motive hinter geopolitischen Spannungen zu verstehen. Eine wirklich kritische Lektüre muss jedoch die Symmetrie des Misstrauens wahren. In einer Weltordnung, in der Statistiken selbst Teil politischer Kommunikation sind, zeigt die Revision der US-Arbeitsmarktdaten exemplarisch, dass „Wahrheit“ in ökonomischen Fragen häufig erst im Nachhinein sichtbar wird. Herrmanns Buch ist daher ein starkes Plädoyer für ökonomischen Realismus – vorausgesetzt, man liest es mit einer geopolitischen Perspektive, die auch die blinden Flecken westlicher Selbstdarstellung erkennt.
Man sitzt da, will eigentlich nur ein bisschen was über Wirtschaft lesen und plötzlich geht es um Krieg, Macht und die Frage, wie stabil diese Welt eigentlich noch ist. Genau da packt Geld als Waffe einen ziemlich direkt am Kragen.
Herrmann schreibt so, dass selbst trockene Themen plötzlich erstaunlich greifbar werden. Kein Fachchinesisch, kein elitäres Gehabe, sondern klare Ansagen. Gerade die Verbindung von Wirtschaft und Kriegsgefahr trifft einen irgendwie unvorbereitet. Da merkt man schnell, dass das Ganze näher ist, als man sich vielleicht eingestehen will.
Besonders spannend ist der Blick auf Russland und China. Während man sonst oft nur Schlagzeilen aufschnappt, wird hier mal erklärt, was wirtschaftlich im Hintergrund brodelt. Und ja, dabei sind einige Thesen durchaus steil. An manchen Stellen denkt man sich schon, ob das nicht ein bisschen zu einfach gedacht ist. Aber genau das macht das Buch auch so lebendig.
Zwischendurch erwischt man sich bei dem Gedanken, dass Frieden offenbar weniger mit guten Absichten zu tun hat als mit wirtschaftlicher Stabilität. Klingt ernüchternd, fühlt sich auch so an. Gleichzeitig steckt darin aber auch etwas Hoffnungsvolles, weil es zeigt, dass man durchaus Einfluss hat.
Unterm Strich ein Buch, das nicht bequem ist, aber genau deshalb hängen bleibt. Kein Wohlfühlstoff, eher ein wachrüttelnder Kaffee am Morgen.
Ja, ist schon schwierig dieses Buch. Zunächst mal kommt dieses Buch zu einer Zeit raus in der der Fokus sehr seltsam erscheint. Das Thema dieses Buches ist Wirtschaft und Krieg. Und das wird an den Beispielen Russland (bzw. Sowjetunion) und China untersucht. Das ist natürlich 2026 schon sehr schwierig wo die USA ständig Länder angreift und Israel das derzeitige Vorzeigebeispiel für Kriegswirtschaft wäre. Die werden beide aber höchstens am Rand erwähnt. Generell die USA in einem Buch über Wirtschaft und Krieg zu ignorieren, unabhängig von der aktuellen Lage, halte ich für ziemlich unseriös. Auch werden China und Russland ständig Dinge vorgeworfen die für die westliche Welt genauso gelten, wie z.B. das das oberste 1% mehr Geld besitzt als die untern 50%. Bin jetzt halb durch und muss erst mal ne Pause machen von dem Buch. Schade, weil ich finde Ulrike Herrmann eigentlich sehr gut und fundiert normalerweise.
Frieden lohnt sich nicht für Putin. Was für ein schrecklicher Satz für jeden Ukrainer. Aber nach dem Hören des Hörbuchs, ist es nachvollziehbar.
Auch die Situation in China und Taiwan wurde sehr gut erklärt, sodass ich die Lage dort besser verstehe.
Meine Meinung
Es ist ein nicht ganz einfaches Hörbuch. Da muss man sich konzentrieren und wirklich zuhören, sonst verpasst man was wichtiges. Ist mir ein paar Mal passiert und ich musste die Passage nochmals hören. Da wäre das Print vorteilhafter gewesen.
Die Sprecherin gefiel mir sehr gut. Sie hat eine angenehme und leicht monotone Stimme. Passt gut zu dieser Art Hörbuch.
Es ist ein wichtiges und interessantes Hörbuch über ein sehr ernstes Thema. Sehr zu empfehlen.
Nachdem ich "Das Ende des Kapitalisnus" schon so gut gefubden habe, musste ich das neue Buch von Ulrike Herrmann einfach lesen. Ich lese sonst eher keine politische Sachbücher und bin folglich auch nicht sehr gut im Bilde. Dafür ist das Buch perfekt, denn Frau Herrmann hat eine sehr gute, für jedermann zugängliche Analyse über die Zusammenhängen zwischen Wirtschaft und Krieg geschrieben. Tatsächlich ist es schade, dass das Buch schon bei Erscheinen veraltet war - denn die weltpolitische Lage hat sich mit den Angriffen der USA auf Venezuela bzw. Maduro und auf den Iran schon wieder (gefährlich) verändert. Das tut aber der Analyse über die Drohung von Russland und China glaube ich keinen Abbruch.
Eine wirklich gute und gut lesbare Zusammenfassung der aktuellen Lage. Allerdings stellt Herrmann keine eigenen Analysen an, so dass dieses Buch für bereits eingelesene nichts neues bietet. Nichtsdestotrotz ein sehr empfehlenswertes Buch, vor allem für diejenigen, die sich einen kurzen Überblick verschaffen wollen.