Das Betriebssystem der alten Bundesrepublik funktioniert nicht mehr. Die Eine in ihrer Substanz großartige Wirtschaftsnation steigt ab. Wir erleben eine Kernschmelze im Innersten unseres produktiven Kerns.
Multiples Ein Sozialsystem, das mittlerweile gleichen Lohn für keine Arbeit verspricht, beschleunigt den Energieabfall. Das Bildungssystem, die Staatsverwaltung und zunehmend auch das politische System weisen Fehlfunktionen auf, die es den Politikern, den Firmen und zunehmend jedem von uns unmöglich machen, erfolgreich zu sein.
Gabor Steingart analysiert die Gründe für den Reformbedarf der Wirtschaftsnation Deutschland. Er schaut zurück auf seine glanzvolle Wirtschaftsgeschichte, legt dar, welche Weichenstellungen verpasst wurden, und er zeigt auf, wer – von Adenauer über Kohl bis Merkel und Merz – die Verantwortung dafür trägt. Denn der deutsche Abstieg ist menschengemacht.
Wider die in den Medien gepflegte Verzagtheit zeigt Steingart einen Weg auf, der das Aufstiegsversprechen erneuert. Sein Buch liefert nichts Geringeres als die Betriebsanleitung für den Wiederaufstieg. Ein Hörbuch für alle, die es gut meinen mit der deutschen Demokratie.
Dieses Buch kommt nicht auf leisen Sohlen daher, es tritt eher die Tür ein, stellt den Aktenkoffer auf den Tisch und fragt: So, Deutschland, was ist hier eigentlich los?
Gabor Steingart nimmt sich in Systemversagen nicht weniger vor als den Zustand der Republik. Wirtschaft, Politik, Bildung, Verwaltung, Sozialstaat, alles wird einmal aufgeschraubt, durchgeleuchtet und mit ziemlich spitzer Feder kommentiert. Das liest sich nicht wie ein trockenes Sachbuch, sondern eher wie ein politischer Weckruf mit eingebautem Kaffeevollautomaten: stark, heiß und manchmal ein bisschen bitter.
Besonders gefallen hat mir, dass Steingart komplizierte Zusammenhänge verständlich macht. Man muss kein Wirtschaftsprofessor sein, um mitzukommen. Viele Stellen haben bei mir dieses unangenehme Nicken ausgelöst, bei dem man denkt: Mist, ganz falsch liegt er da nicht. Gleichzeitig merkt man aber auch, dass hier jemand bewusst zuspitzt. Manche Thesen wirken so knallig formuliert, dass man innerlich kurz die Augenbraue hochzieht und denkt: Na, Gabor, jetzt aber langsam mit den jungen Pferden.
Trotzdem hat mich das Buch gepackt. Es macht wütend, nachdenklich und stellenweise sogar hoffnungsvoll. Kein Wohlfühlbuch, eher ein Tritt gegen das bequeme Sofa. Aber manchmal braucht es genau das, damit man wieder gerade sitzt.
Für alle, die politische und wirtschaftliche Debatten mögen, ist Systemversagen eine spannende, unbequeme und sehr lesbare Lektüre. Nicht jede Pointe sitzt perfekt, aber der Weckruf hallt ordentlich nach.