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Das gute Leben

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Nadine Schneiders Roman »Das gute Leben« ist eine große Mütter-Töchter-Geschichte über vier Generationen, ein Buch von Abschied, Neuanfang und der Arbeit des Lebens.

Es ist Spätsommer, und im Garten sind die Trauben reif, als Christina das Haus ihrer Großmutter Anni erbt. Hier, in einem kleinen Dorf bei Nürnberg, ist sie bei Anni Anni, die Mitte der sechziger Jahre aus Rumänien nach Deutschland flieht. Anni, die ganz allein ihr Kind und ihr Enkelkind aufzieht und beim Quelle-Versand Pakete packt, die ins Wirtschaftswunderland verschickt werden. Die gegen Einsamkeit, Armut und Fremdsein kämpft, mit Zähigkeit, Kraft und Pflichtbewusstsein. War das das Leben, von dem sie geträumt hat? Oder hat sie beim Leben das Leben verpasst?
Zögernd verabschiedet sich Christina von Anni und ihrem Haus. In der stillen Wärme der letzten Sommertage versinkt sie immer tiefer in ihren Erinnerungen, stößt auf überraschende Fundstücke und fährt auch zu dem inzwischen verlassenen Gelände des Quelle-Versandzentrums. Ihren eigentlich geplanten Urlaub hat sie abgesagt, und von ihrer Arbeit dringen nur gelegentliche Mails zu ihr. Und allmählich erkennt sie, was sie ihrer Großmutter wirklich die Freiheit, loszulassen und selbst den Ort zu finden, wo das gute Leben zu Hause ist.

»Dieser Sprache gelingt atemlos und gleichzeitig voller Ruhe zu erzählen.«
Zsuzsa Bánk

294 pages, Kindle Edition

Published February 25, 2026

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Displaying 1 - 10 of 10 reviews
Profile Image for Inge H..
488 reviews9 followers
February 25, 2026
Einsames und schweres Leben einer Frau

Nadine Schneider schreibt in ihrem Roman, Das gute Leben, den Abschied nach dem Tod der Großmutter.
Christine erbt von ihrer Großmutter deren Hau. Die Großmutter Anne kam aus Rumänien und hat ihre Tochter und dann auch noch ihre Enkelin großgezogen.
Sie arbeitet als Packerin bei Quelle. Das war richtig nostalgisch, denn der Quellversand war führend.
Nach Annes Tod begreift Christine erst , was sie Anne alles verdankt.
Anne hatte es ziemlich schwer, als alleinerziehende Mutter, alles unter einen Hut zu bekommen.
So lange die Urgroßmutter in Rumänien noch lebte fuhren sie jedes Jahr zu ihr. Das ist so richtig schön plastisch beschrieben.
Die Autorin hat diese Geschichte realistisch mit wunderbarem Klang dargestellt.
Ich war von dem Roman total gefangen genommen und kann da nur eine gute Leseempfehlung geben.
98 reviews1 follower
Review of advance copy
February 21, 2026
Das Leben verpasst?
Christina erbt das Haus ihrer Großmutter. Sie nimmt sich Urlaub um es auszuräumen. In dem Haus wuchs sie auf. Alles ist voller Erinnerungen. Vor diesem Hintergrund wird das Leben ihrer Großmutter Anni aufgefächert. Vom Zeitpunkt, als sie Anfang früh schwanger wurde, bis zu ihrem Tod.
Anni wuchs in Siebenbürgen auf. In Rumänien waren nach dem Krieg die Deutschen nicht mehr gerne gesehen. Sie entschließt sich nach Deutschland zu flüchten. Ihre Mutter lässt sie alleine zurück.
Sie findet einen Job beim Quelle-Versand, zieht ihre Tochter Helene auf, ist einsam und verschlossen.
Nie findet Anni Ruhe und einen Ort zu dem sie wirklich gehört. Auch Helene wird früh schwanger, Anni zieht auch Christina auf. War sie bei Helene sehr streng, überfordert, ungehalten, bekommt Christine Liebe (aber auch Strenge) zu spüren.
Sie ist das Buch nicht nur die Geschichte von Anni, sondern auch von ihrer Mutter, die allein in Rumänien ausharrt, ihrer Tochter Helene, die nach Amerika geht und die kleine Christina in Deutschland zurücklässt.
Vieles bleibt unausgesprochen zwischen diesen Frauen, die alle versuchen ihren Weg zu gehen und das Glück nicht finden, oder zumindest nicht sehen.
Ruhig, gefühlvoll und doch spannend erzählt. Es gibt viele Rückblenden und Perspektivwechsel. Bei jedem Kapitel musste ich mich erst mal orientieren: um wen geht es und wann spielt dieser Abschnitt. Alles fügt sich aber wundervoll zusammen.
Männer, insbesondere Väter, spielen nur eine sehr untergeordnete Rolle im Buch. Sie sind meist einfach nicht anwesend.
Das Buch zeigt, dass auch die Vergangenheit der Vorfahren auf das eigene Leben Einfluss nehmen. Auch Teile meiner Familie haben einen Flüchtlingshintergrund, der auch mich prägt, obwohl man kaum mit mir darüber gesprochen hat. Doch dieser Heimatkonflikt ist auch mir bekannt.
Wunderschöne Sprache und auch ein Stück deutscher Geschichte bot mir dieser schöne Roman.
Profile Image for Karola.
859 reviews7 followers
Review of advance copy received from Netgalley
February 24, 2026
Besondere Mutter-Tochter-Beziehungen und mehr!
Das Cover zeigt eine Weinranke in Blautönen mittig mit dem Buchtitel farblich gut miteinander korrespondierend – künstlerisch sehr ansprechend entworfen. In diesem historischen Familienroman über vier Frauengenerationen erzählt Enkelin Christina anhand nicht chronologisch aufgeführter Erinnerungen hauptsächlich die Lebensgeschichte ihrer Großmutter Anni. Ihre Fluchtmöglichkeit aus dem ärmlichen, schmutzigen Rumänien, weg von Ceausescu und dem Sozialismus, verdankt sie ihrem Bruder Rudi. Bei ihm lebt sie unter beengten Wohnverhältnissen mit ihrer in Westdeutschland geborenen Tochter Helene, jedoch geplagt von Einsamkeit, Heimweh und Armut. Während der Sommeraufenthalte in Temeswar, Rumänien bei der allein lebenden Urgroßmutter und auch in Deutschland tauchen männliche Beteiligte nur als unwichtige Randfiguren auf. Die Ich-Erzählerin Christina, Helenes Tochter, wächst bei der Großmutter Anni auf, deren Arbeitswelt sich grössenteils in der Packabteilung vom Quelle-Versand abspielt. Nach 35-jähriger Firmenzugehörigkeit muss sie trotz großem Pflichtbewusstsein und Zähigkeit in vorzeitigen Ruhestand. Angerissen wird die wichtige Rolle von Grete Schickedanz im Quelle-Versandhandel der Wirtschaftswunderjahre in Deutschland, setzt sie doch auch z. B. diese fortschrittliche Altersruhegeldregelung durch. Der harte Weg zu dem ersehnten guten Leben führt hier aus dem Rumänien der 60-er Jahre über Wien nach Nürnberg, auch den Wunsch nach Zugehörigkeit und Sicherheit einbeziehend, sprachlich reizvoll in leisen Tönen umgesetzt.
Vier Frauen verschiedener Charaktere in unterschiedlichen politischen Lebenswelten und deren Hoffnungen auf das gute Leben, umgesetzt in einem sprachlich gelungenen Familienroman.
Profile Image for Bärbel.
151 reviews1 follower
February 28, 2026
Zart, aber spannungsarm -
"Das gute Leben" ist ein Roman, der in Wechseln von Orten und Zeiten über vier Generationen verläuft. Wie es mir bei Lektüren wie Lebensgeschichten schon häufiger begegnete: Es sind vor allem Generationen von Frauen, die Männer sind früh abwesend, mysteriös abhanden gekommen. Fremd sind sie, wenn sie dann doch mal in Erscheinung treten, fremder fast als die Fremde im Übergang von Rumänien via Österreich nach Deutschland selbst.
Während die Enkelin sich mit dem geerbten Haus der Weltenwechslerin Anni auseinandersetzt, werden Bruchstücke der Vergangenheit wach. Diese Frauenleben scheinen um Lücken herum gebaut zu sein, kleinste Rumpffamilien, unentlastete Nähe, sehnsüchtige Ferne. Und doch finden sie alle irgendwie auch Halt, sogar manchmal aneinander.

Nadine Schneider zeichnet ruhig und zart diese Verhältnisse auf, Bitterkeit scheint nur manchmal durch, aber keine harschen Bewertungen oder Verurteilungen. Das habe ich bei der Lektüre als sehr angenehm empfunden.
Manche Sätze, manche Beobachtungen haben mich beeindruckt. Es ist ein Buch voller Beobachtungen mit gewissenhafter Detailfreude.

Allerdings geht damit jeder Spannnungsbogen verloren. Es gibt keine Tempowechsel und keine Formgebung, das Erzählen mäandert. Dafür war mir das Buch auf jeden Fall zu lang, irgendwann langweilte es mich.
Zu Anfang gefiel es mir und bei stimmiger Entwicklung hätte es bedeutsam werden können, so floß mir der Text weg.
Profile Image for Oktober.
317 reviews
March 18, 2026
”Das gute Leben” von Nadine Schneider handelt von Anni, die in den 1960er Jahren mit Anfang 20 schwanger aus ihrer Heimat Rumänien flüchtet, um in Deutschland ein neues Leben zu beginnen. In Rückblenden wird ihr Leben erzählt, während ihre Enkelin Christina, die bei Anni aufgewachsen ist, nach deren Tod ihre Kindheit, die Besuche bei der Urgroßmutter in Rumänien und das brüchige Verhältnis zwischen Anni und ihrer Tochter Helene, Christinas Mutter, Revue passieren lässt.
Der Autorin ist eine authentische und einfühlsame Mütter-Töchter-Geschichte gelungen - die Väter sind abwesend und kommen nur als Randfiguren vor. Die Kämpfe, die ausgetragen und die Wunden, die sich gegenseitig zugefügt wurden, berühren beim Lesen bzw. Hören und die Charakterzeichnung ist so dezidiert, dass man sich in alle Figuren hinein versetzen kann. Was mich jedoch etwas gestört hat ist, dass ich manchmal Mühe hatte herauszufinden, auf welcher Zeitebene sich die Handlung gerade befindet, da insbesondere bei Christina oft hin- und her gesprungen wird zwischen ferner und naher Vergangenheit sowie der Gegenwart.
Inka Löwendorf ist als Sprecherin des Hörbuchs genau die richtige Wahl, denn sie schafft es stimmlich, die Einsamkeit und das Durchhaltevermögen von Anni und Christina perfekt zu transportieren.

*Das Hörbuch wurde mir kostenfrei vom Verlag zur Verfügung gestellt.
28 reviews1 follower
March 23, 2026
Leise Spuren der Vergangenheit
Nadine Schneider erzählt in Das gute Leben eine leise, vielschichtige Familiengeschichte, die sich über vier Generationen erstreckt. Im Zentrum steht Christina, die das Haus ihrer Großmutter Anni erbt – ein Ort, an dem sich Vergangenheit und Gegenwart auf besondere Weise verweben.
Der Roman zeichnet vor allem die Lebenswege der Frauen nach, die von Abwesenheit, Verlust und Neuanfang geprägt sind. Von Rumänien über Österreich bis nach Deutschland entfaltet sich eine Geschichte der Migration und des Ankommens, in der die Männer oft nur Randfiguren bleiben. Stattdessen richtet sich der Blick auf die innere Welt der Frauen, ihre Entscheidungen und die Spuren, die diese über Generationen hinweg hinterlassen.

Besonders hervorzuheben ist der ruhige, fein beobachtende Schreibstil der Autorin. Ohne große Dramatik, dafür mit viel Sensibilität beschreibt sie Beziehungen, Erinnerungen und unausgesprochene Sehnsüchte. Dabei entstehen eindrucksvolle Momentaufnahmen, die lange nachwirken.

Allerdings verlangt das gemächliche Erzähltempo Geduld: Spannung im klassischen Sinne sucht man vergeblich, und nicht jede Entwicklung wirkt stringent. Dennoch überzeugt der Roman als atmosphärisches Porträt einer Familie, in dem weniger das „Was passiert“ zählt als das „Wie es erzählt wird“. Ein stilles Buch, das vor allem durch seine Zwischentöne besticht.
Profile Image for Daniela.
183 reviews1 follower
February 27, 2026
Viel Emotion und Verschlossenheit

Wie viel Geduld, Leid, Veränderung und warten auf bessere Zeiten passen in ein Leben? leid, Veränderung und warten auf bessere Zeiten. Passt in dein Leben? In das gute Leben, einem Roman, der im Grunde vier Generationen umfasst: die Urgroßmutter in Rumänien, Anni - die Tochter, Mutter und Großmutter, die, hochschwanger, das sozialistische Rumänien verlässt und nach Deutschland zu ihrem Bruder flieht - Helena, Anis, Tochter und Christina, die (Ur) Enkelin, aus der Perspektive dieses Buch geschrieben ist. Hauptfokus liegt dabei auf Annis Leben, Annis Flucht aus Rumänien, die Schwierigkeiten im neuen Leben, die Angst, den Job bei der Quelle zu verlieren, den sie dann kurz vor der Pension doch noch verliert, und ihrem Tod.
Kristina, die von ihrer Großmutter Anni großgezogen wurde erinnert sich an ihre Großmutter, wie diese mit ihr umgegangen ist, und zieht parallel zu ihrem eigenen Leben, zum Leben ihrer Mutter.
Ein, wie ich finde es sehr schöner Roman, der sich nicht nur mit dem Leben der Charaktere beschäftigt, sondern auch die Unterschiede der historischen Entwicklungen und deren Auswirkung auf das Leben jeder Generation mit berücksichtigt. Definitiv eine schöne Lektüre.
2,343 reviews13 followers
March 2, 2026
Zum Inhalt:
Christina hat das Haus ihrer Oma geerbt. Die Oma, die Mitte der sechziger Jahre aus Rumänien floh und dann ganz allein ihr Kind und auch ihr Enkelkind aufzog. Gearbeitet hatte sie beim Quelle-Versand. Sie hatte zu kämpfen gegen das Fremdsein, die Armut, aber sie gab nie auf. Während sie Christina nun von Haus und Oma verabschiedet versinkt sie immer mehr in Erinnerungen.
Meine Meinung:
Das was so eine Geschichte, die irgendwie ans Herz ging. Man konnte sich die junge Anni mit ihren Schwierigkeiten und auch ihrem Job bei Quelle gut vorstellen. Interessant war auch die mit erzählte Geschichte um Grete Schickedanz. Besonders hat mir aber auch Christina gefallen, wie sie reflektiert, wie ihre Oma war, wie diese im Grunde ihren Weg mitgeprägt hat. Und das mit eben den vielen Einschränkungen mit denen sie zu kämpfen hatte mit Heimweh aber eben auch dem Willen ein besseres Leben zu führen. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und der Schreibstil war sehr gut lesbar.
Fazit:
Schöne Geschichte
10 reviews
March 21, 2026
Mit großer Spannung habe ich auf Nadine Schneiders neuen Roman gewartet, der als Spitzentitel bei Fischer angekündigt wurde. Schon in der Leseprobe hat mich die Sprache überzeugt, die ein feines Gespür der Autorin für zwischenmenschliche Dynamiken, Unausgesprochenes und diffuse Gefühle zeigt. Über den Roman hinweg war es auch genau das, was mich immer wieder überzeugt hat: Nadine Schneider gelingt es, viele zarte Fäden zu weben, emotionale Verwicklungen dort spürbar zu machen, wo sie sich gar nicht explizit in Worte fassen oder überhaupt greifen lassen. Was mir etwas gefehlt hat, war eine voranschreitende Handlung, vor allem auf der heutigen Zeitebene der Ich-Erzählerin - dort hatte ich das Gefühl, als Leserin auf der Stelle zu treten, als diente diese Ebene nur der Rahmengebung für die anderen Erzählebenen, was es stellenweise etwas langatmig machte. Wer jedoch ein sprachliches Leseerlebnis sucht, das sich erst sehr leise anfühlt, schließlich durch die zarten, psychologischen Verwebungen jedoch ein fast lautes Gefühl hinterlässt, der sollte diesen Roman auf jeden Fall lesen.
Profile Image for Buchdoktor.
2,420 reviews194 followers
Review of advance copy received from Publisher
February 24, 2026
Christinas Großmutter Anni, bei der sie aufgewachsen ist, hat ihr ein Häuschen im Raum Nürnberg vererbt. Für Christina kam Annis Tod überraschend, sie hatte – aus der Distanz ihres Lebens in Berlin - die Mitte 70-Jährige für geistig und körperlich noch fit gehalten. Am Ende des Sommers wirkt der Garten schon nach kurzer Vernachlässigung verdorrt. Ihn Annis Ansprüchen wieder anzugleichen, wäre eine Mordsarbeit. Anni stammt aus einer deutschen Familie im Banat. Gartenarbeit war dort Pflicht, Lebensgrundlage und Mittel zur Abgrenzung gegenüber anderen Volksgruppen. Eine Wahl, keine Lust zu haben oder sich die Arbeit erleichtern zu wollen, existierte nicht. Zum Leben mit Garten gehörten die Sommerküche außerhalb des Hauses ebenso, wie das gegrillte Gemüse für Sakuska und die Trauben, die natürlich nur hier im Klima Rumäniens in dieser Qualität wuchsen. Christina wird sich in Annis Haus (das die Großmutter von ihrem Onkel geerbt hatte) mit ihrer Mutter Helene treffen. In der Zwischenzeit rekapituliert sie ihr Aufwachsen bei Anni und realisiert, dass ihre Großmutter das Banat mit nach Deutschland brachte und sich damit einen eigenen Kerker schuf.

Als Anni circa in den 1960ern ungeplant schwanger wird, überlistet sie raffiniert das korrupte System, in dem stets jemand die Hand aufhält, und flüchtet mit offizieller Reiseerlaubnis zu ihrem Bruder in die Region Nürnberg/Fürth. Nachdem Onkel und Patentante ihr deutlich die Tür gewiesen haben, bleibt Anni nur, beim Bruder unterzuschlüpfen, der äußerst bescheiden lebt. Sie wird bis zur Insolvenz des Versandhauses & Reisebüros Quelle 2009 dort arbeiten und sich - nach einer persönlichen Begegnung mit der Inhaberin Grete Schickedanz - mit der Firma überidentifizieren. Annis Tochter Helene lebt seit langem in den USA und hat offenbar Christina bei der berufstätigen und in einfachen Verhältnissen lebenden Anni zurückgelassen. Die Familienbeziehungen, die ich gern mit einer Ahnentafel im Blick behalten hätte, und die besondere Art der Hoffmanns, um die Dinge herumzureden, lassen ahnen, dass in dieser Familie nichts einfach sein wird. „Wir verkleiden unsere Worte gern“. Wenn da auch hier bedeutet und man sich über die Bewegung von da nach hier streitet, kann das die Probleme nur verschlimmern.

Nadine Schneider erzählt das Schicksal der vier Frauen (Annis Mutter, die nicht mit nach Deutschland aussiedeln wollte, Annie, Helene und Christina), von denen die beiden älteren Frauen Banater Traditionen verinnerlicht haben, mit denen die deutsche Minderheit sich von anderen Nationalitäten im Vielvölkerstaat abgrenzte. Enkelin Christina wechselt in Ichform zwischen Gegenwart, Kindheitserinnerungen, Träumen, Dokumenten und einem vom Onkel gedrehten Video der „alten Heimat“. Über Anni in mehreren Lebensabschnitten erfahren wir aus der Perspektive einer neutralen Erzählstimme, die indirekt durch Annis Erleben auch von ihrer Mutter berichtet. Konflikte zwischen den Frauen werden überlagert durch die seit der Kränkung durch die staatliche Enteignung landwirtschaftlichen Besitzes 1945 andauernde Willkürherrschaft, in der man stets damit rechnen musste, dass einem etwas genommen wird, das andere Menschen begehren. Annis Schicksal steht stellvertretend für Erlebnisse weiterer geflüchteter oder ausgesiedelter Volksgruppen, die mit einem neuen Garten die Sehnsucht nach der alten Heimat lebendig halten. Wer hätte in einer Familie mit Schicksalen Geflüchteter nicht über Generationen von Vaters besonderem Apfelbaum erzählt, vom Dorfteich, in dem man Schwimmen lernte, oder eben den besonderen Trauben, für die ein letztes Mal ein Trieb von Großmutters Rebstock geholt wird …

Fazit
Ein berührender Roman, der einige Geduld erfordert, wenn Helenes Geschichte durch das Erzählen über Anni allmählich Gestalt annimmt. Die Autorin erzählt einfühlsam vom Leben in zwei Ländern, vom Zurücklassen beider Leben und wirft dabei einen Blick auf deutsche Wirtschaftsgeschichte nach 1945.
Displaying 1 - 10 of 10 reviews

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