Philosophie im Alltags-Check Was der Philosoph Robert Pfaller in seinen großen Büchern ausführlich hergeleitet hat, wird hier in knapper Form anhand akuteller Themen erklärt. Es geht Zartes Sprechen und vulgäre Präsidenten. Lockdowns und gutes Leben. Private Geschlechter. Klimawandel und soziale Ungleichheit. Was tun gegen Hass im Netz? Glamour der Form. Autos. Schimpfen auf dem Fussballplatz. Pro und contra von Böllerverboten. Das Mundtotmachen unliebsamer Kritik. Entblößung und Bloßstellen. Allgegenwart der Scham. Lachen in bitteren Zeiten. Macht und Ohnmacht der Kunst in Zeiten des Krieges. Die Schwierigkeiten der Liebe. In Interviews, Reden und kurzen Essays präzisiert Pfaller seine Thesen am Konkreten – und macht dabei »Philosophie ist kein Luxus für Intellektuelle, sondern ein Werkzeug der Befreiung.« Eine Vertiefung seiner Ideen für Kenner, eine brillante Einführung für Neugierige, ein Gegengift gegen die Verwirrungen unserer Zeit für alle.
Habe dieses Buch geschenkt bekommen, und ohne jegliches Vorwissen zu dem Autor einmal reingelesen. Hatte auf einen klugen, linken Standpunkt gehofft, bin nämlich selber auch der Meinung dass die Linke generell das Problem hat, sich gegenseitig und alle rundherum mit der Moralkeule zu prügeln und dadurch seine Zugänglichkeit teilweise einbüßt.
Aber ich muss das Buch an dieser Stelle abbrechen. Manche Punkte fand ich ganz okay, sogar teilweise gut, aber ich muss sagen, dass das alles überschattet ist, von einer bequemen Grundeinstellung zu dieser Welt, wie sie wohl nur aus dem Blickwinkel eines - Verzeihung, der Mann reagiert auf den Begriff allergisch - alten weißen Mannes entspringen kann. Da wird seitenweise lamentiert, dass man keine Pelzmäntel und Stöckelschuhe mehr trägt weil man sich alles, was Spaß macht verbietet. Okay, dann trag halt welche Robert, aber vielleicht gibt es noch andere Gründe warum viele Frauen das nicht mehr machen. Und vielleicht hats ja auch einfach noch nie Spaß gemacht, und wir wenden uns davon ab immer perfekte attraktive Püppchen zu sein, aber ich schweife ab.
Probleme von Frauen und Minderheiten tut der Autor bereits auf den ersten 50 Seiten mehrmals pauschal ab, entweder mit dem guten alten Whataboutism ("warum müssen wir über MeToo reden, es gibt doch noch andere Probleme?") , oder mit der Begründung diese Probleme seien nicht neutral und daher gegenstandslos. Und Leute, die solche unneutralen Probleme wichtig finden, sind nicht erwachsen. Mit so einer Herangehensweise nimmt man gleich mal einer Menge Menschen jegliche Chance auf Diskurs über die Inhalte der Probleme, und obendrauf beschämt man sie noch damit, sich in kindischen Nichtigkeiten zu verrennen. Die Frage, ob ein Standpunkt wirklich jemals neutral sein kann, oder ob ein neutraler Standpunkt hier verwechselt wurde mit der ihm gewohnten Perspektive - eines weißen alten Mannes eben- stellt sich Pfaller praktischerweise nicht.
Habe echt bisher noch nie ein Buch gehabt, das ich gleich in den Mist geschmissen habe und nicht mal bis zur nächsten Bücher-Verschenk-Box getragen habe, naja! Aber da is es schade ums Papier.