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Rausch: Roman
Ufuk wächst in Bielefeld auf, als Kind armenisch-türkischer Asylbewerber. Im Deutschland der 1990er Jahre erfährt er Hass und Gewalt gegen Ausländer, Angst und Ablehnung bestimmen den Alltag. Als Erwachsener ist er Regisseur geworden, verarbeitet in einer »Odysseus«-Inszenierung eigene Kindheitserfahrungen. Seine Freundin Johanna stammt aus vermögenden Verhältnissen, wo Ufuk ein Exot ist. Alles scheint richtig zu sein, doch bald drängt sich Politik in die Kunst, fressen sich soziale Spannungen ins Zwischenmenschliche. »Rausch« von Nuran David Calis ist eine atemlose Suche nach Identität und eine doppelbödige Erzählung aus der Herzkammer unseres Landes.
279 pages, Kindle Edition
Published March 11, 2026
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Community Reviews
Displaying 1 - 1 of 1 review
March 26, 2026
"Rausch" ist ein Roman, der sich umfassend mit dem Thema Identität, Migration, Asyl und Überleben in einer menschenfeindlichen Welt auseinander setzt.
Im Mittelpunkt des Romans steht Ufuk. Er wird in den 1990er Jahre in Bielefeld von seinen armenisch-türkischen Eltern, die stets um Asyl in Deutschland kämpfen müssen, großgezogen. Seine Kindheit und Jugend ist geprägt von Fremdenhass und Abscheu gegenüber sie als Ausländer und Menschen. Er muss mit anhören, was seinen Eltern in der Türkei angetan wurde, bevor sie nach Deutschland geflohen sind und später mit ansehen, was seinen Eltern in Deutschland angetan wird. Später in seinen Erwachsenenjahren versucht er all das in einer Neuinszenierung der Odyssee von Homer zu verarbeiten. Und merkt bald, dass die gesamte Identität und die Moral, auf die er seine Kunst aufbaut, zu bröckeln beginnt.
Dieser Roman von Nuran David Calis tut definitiv weh beim Lesen. Er offenbart dem Lesenden einen direkten Blick durchs Mikroskop auf das Leben dreier Menschen, die irgendwie ihren Platz auf dieser Welt suchen. Und diesen einfach nicht finden. Die Geschichte Ufuks Eltern tut weh, sie ist geprägt von Schmerz und Angst und zeigt auch, dass das deutsche Asylsystem diese Wunden nicht schließen lässt, sondern immer wieder aufs neue aufreißt. Die Thematiken, die der Roman behandeln möchte, sind sehr gut ausgearbeitet und wirklich gut durchdacht.
Ich schwanke aber tatsächlich zwischen 3 und 4 Sternen. Zwar ist die Handlung als solche wirklich gut gemacht, die Sprache ist jedoch teils austauschbar und teilweise nicht ganz stimmig. Die Geschichte spielt zwischen den 90ern und den 2010ern und dennoch gab es manche Situationen, bei denen der Erzähler plötzlich über Ereignisse spricht, die erst viel später geschehen (Über den Anschlag von Hanau zum Beispiel). Natürlich sind das wichtige Ereignisse, auf die man immer wieder aufmerksam machen muss, trotzdem hält sich der Erzähler dadurch nicht an die Grenzen dieser Geschichte.
Zudem empfand ich den Teil der Odyssee als zu wenig erläutert. Es wurde immer wieder erwähnt, was in dieser Neuinszenierung vorkommen soll, genau beschrieben oder dargestellt wurde es nie, weshalb das ganze für den Lesenden schleierhaft blieb. Und das, obwohl es eigentlich ein wichtiger Teil dieses Romans sein sollte.
Ich werde dem Roman trotzdem 4 Sterne geben, da die Themen wirklich gut aufgearbeitet wurden und der Autor zwischen verschiedenen Texttypen variiert hat, wodurch ein abwechslungsreiches Leseerlebnis erzeugt wurde.
Eine trotz allem bereichernde Lektüre!
Im Mittelpunkt des Romans steht Ufuk. Er wird in den 1990er Jahre in Bielefeld von seinen armenisch-türkischen Eltern, die stets um Asyl in Deutschland kämpfen müssen, großgezogen. Seine Kindheit und Jugend ist geprägt von Fremdenhass und Abscheu gegenüber sie als Ausländer und Menschen. Er muss mit anhören, was seinen Eltern in der Türkei angetan wurde, bevor sie nach Deutschland geflohen sind und später mit ansehen, was seinen Eltern in Deutschland angetan wird. Später in seinen Erwachsenenjahren versucht er all das in einer Neuinszenierung der Odyssee von Homer zu verarbeiten. Und merkt bald, dass die gesamte Identität und die Moral, auf die er seine Kunst aufbaut, zu bröckeln beginnt.
Dieser Roman von Nuran David Calis tut definitiv weh beim Lesen. Er offenbart dem Lesenden einen direkten Blick durchs Mikroskop auf das Leben dreier Menschen, die irgendwie ihren Platz auf dieser Welt suchen. Und diesen einfach nicht finden. Die Geschichte Ufuks Eltern tut weh, sie ist geprägt von Schmerz und Angst und zeigt auch, dass das deutsche Asylsystem diese Wunden nicht schließen lässt, sondern immer wieder aufs neue aufreißt. Die Thematiken, die der Roman behandeln möchte, sind sehr gut ausgearbeitet und wirklich gut durchdacht.
Ich schwanke aber tatsächlich zwischen 3 und 4 Sternen. Zwar ist die Handlung als solche wirklich gut gemacht, die Sprache ist jedoch teils austauschbar und teilweise nicht ganz stimmig. Die Geschichte spielt zwischen den 90ern und den 2010ern und dennoch gab es manche Situationen, bei denen der Erzähler plötzlich über Ereignisse spricht, die erst viel später geschehen (Über den Anschlag von Hanau zum Beispiel). Natürlich sind das wichtige Ereignisse, auf die man immer wieder aufmerksam machen muss, trotzdem hält sich der Erzähler dadurch nicht an die Grenzen dieser Geschichte.
Zudem empfand ich den Teil der Odyssee als zu wenig erläutert. Es wurde immer wieder erwähnt, was in dieser Neuinszenierung vorkommen soll, genau beschrieben oder dargestellt wurde es nie, weshalb das ganze für den Lesenden schleierhaft blieb. Und das, obwohl es eigentlich ein wichtiger Teil dieses Romans sein sollte.
Ich werde dem Roman trotzdem 4 Sterne geben, da die Themen wirklich gut aufgearbeitet wurden und der Autor zwischen verschiedenen Texttypen variiert hat, wodurch ein abwechslungsreiches Leseerlebnis erzeugt wurde.
Eine trotz allem bereichernde Lektüre!
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