Jump to ratings and reviews
Rate this book

Spiegelland

Rate this book
Wie tief musst du graben, um die Wahrheit zu finden?

Elias hat so richtig Mist gebaut, das weiß er. Er versteckt sich den Sommer über bei seiner Großmutter Catharina im Moor. Doch auch sie hütet ein Geheimnis, das alles infrage stellt, was Elias zu wissen glaubt ...

Ein unendlich weiter Sommer, ein Vierteljahrhundert Nach Jahren der Angst findet Catharina endlich den Mut, aus ihrer Ehe auszubrechen. Mit ihrer Tochter flieht sie in ein altes Haus im Moor. Während der Sonnentau im ersten Licht des Morgens leuchtet und die Rauchschwalben rufen, spürt sie sich zum ersten Mal wieder. Doch nichts ist wirklich sicher. Erst recht nicht, als Catharina im Moor eine Entdeckung macht, die ihren Mann auf ihre Spur bringen könnte.

Berührende Lesestunden mit Rebekka  
Das Echo der Gezeiten
Stromlinien
Spiegelland

553 pages, Kindle Edition

Published February 1, 2026

6 people are currently reading
46 people want to read

About the author

Rebekka Frank

4 books1 follower

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
2 (66%)
4 stars
1 (33%)
3 stars
0 (0%)
2 stars
0 (0%)
1 star
0 (0%)
Displaying 1 - 2 of 2 reviews
Profile Image for Sarah Sophie.
285 reviews261 followers
February 5, 2026
Spiegelland hat mich auf eine leise, aber sehr eindringliche Weise berührt. Die Geschichte rund um das alte geerbte Haus im Moor nahe Worpswede, in das die Protagonistin Cato in einer Nacht-und-Nebel-Aktion mit ihrer Tochter vor ihrem gewalttätigen Ehemann flieht, hat sofort eine dichte, fast greifbare Atmosphäre geschaffen. Dieses Moor wirkt wie ein Spiegel für das Innere der Figuren – ruhig an der Oberfläche, aber voller Tiefe darunter.

Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, dass es nicht nur um die Figuren geht, sondern um uns alle: um die Geschichten, die wir uns erzählen, die Perspektiven, die wir einnehmen, und darum, wie sehr unser Blick bestimmt, was wir für Wahrheit halten. Manche Passagen waren schwer auszuhalten, gerade wenn es um sexualisierte und geschlechtsspezifische Gewalt oder die Ohnmacht gegenüber gesellschaftlichen Strukturen geht. Aber genau das macht das Buch so wichtig. Auf drei Zeitebenen wird deutlich wie sich die Rolle der Frau vom 18. Jahrhundert bis heute entwickelt hat und dass da noch deutlich Luft nach oben ist in vielerlei Hinsicht.

Besonders nachhallend fand ich den Gedanken, dass Veränderung nicht nur bei den Betroffenen liegen kann, sondern bei uns allen – wie wir erziehen, was wir normalisieren und welches Bild von Männlichkeit wir weitergeben.
Gleichzeitig sendet das Buch eine klare Botschaft: Prävention beginnt früh. „Educate your son“ und das Bild einer gesunden Männlichkeit ziehen sich als wichtige Gedanken durch die Geschichte. Es geht nicht nur um Anklage, sondern auch um Veränderung und Verantwortung.

Für mich ein stilles, intensives Buch, das noch lange im Kopf bleibt. Spiegelland liest man nicht einfach, man nimmt es mit.
Profile Image for Buchdoktor.
2,394 reviews193 followers
Review of advance copy received from Netgalley
February 1, 2026
In einer Dachkammer webt 1756 in Breddorf am Teufelsmoor Aletta einen Teppich und kommt dabei zur Ruhe. Sie könnte eine Magd im Haushalt sein. Durch sie erhält in "Spiegelland" eine Region ein Gesicht, in der man (wie in anderen urbar zu machenden Landschaften) lange als Schicksal hinnahm, dass die Entwässerung von Moorflächen „Den Eersten sien Dod, den Tweeten sien Not, den Drütten sien Brod“ brachte. Aletta und ihr Bruder Carsta kommen nach dem frühen Tod ihrer Eltern auf den Moorbauernhof der Ottens. Ohne eigenen Grundbesitz liegt vor ihnen ein Leben als Magd und Knecht. Laut Alettas Ersatzmutter Tibke (bereits Harm Ottens zweite Frau) standen ihr ein Lebensweg mit Verantwortung für Familie und Haushalt bevor und das Risiko, so lange Kinder zu gebären bis sie im Kindbett sterben würde – oder ein Leben als unverheiratete „Tante“. Aus heutiger Sicht war der zwangsläufige Tod im Kindbett kein unabwendbares Schicksal, da einige Männer sich offenbar des Wertes ihrer Frau für Familie und Betrieb bewusst waren und nicht bis zum bitteren Ende Kinder zeugten.

Aletta war entschlossen, eine Tante zu werden. Heute ist empirisch belegt, dass eine weibliche Verwandte ohne eigene Kinder im Haushalt die Überlebenschancen der Kinder in dieser Familie entscheidend verbessert. Höher fällt der Effekt aus, wenn die Tante eine Verwandte der Mutter ist. Aletta zu ihrer Zeit ist bereits betroffen vom männlichen Besitzdenken, eine Frau sei persönlicher Besitz und könnte daher ungestraft misshandelt oder getötet werden.

Als Tibke im Kindbett stirbt, gerät Aletta von zwei Seiten unter Druck. Sie soll in eine Heirat gedrängt werden, will jedoch den mittellosen Carsta und seine junge Frau bei der Gründung einer Existenz als Moorbauern unterstützen. Sie werden innerhalb eines Jahres eine einfache Moorkate errichten müssen und die Wege und Treidelkanäle durch das Moor selbst anlegen. Da die sesshaften Moorbauern vom Abbau des Torfes leben, sehen sie ihre Existenz durch die Siedler bedroht und die drei jungen Leute geraten in einen gewaltsam ausgetragenen Konflikt, der emsig von einem fanatischen Prediger befeuert wird.

1999 flüchtet Catharina/Cato mit ihrer Tochter vor ihrem gewalttägigen Ehemann in ein kleines Haus am Moor, das sie überraschend samt einem Wandteppich von ihrer Mutter Ellida geerbt hat. Durch die wechselnden Zeitebenen treffen wir Cato mit Mitte 30 und knapp 60, Kira mit 14 und 40 Jahren.

Die 1966 geborene Cato hat direkt nach dem Abitur geheiratet, Tochter Kira bekommen und ihr Volontariat bei einer Zeitung abgebrochen. Nun steht sie - in Alltagsfragen ahnungslos - vor einem dramatischen Trennungskonflikt, in Angst vor ihrem Mann und um ihre Tochter. Catos erste Schritte als freie Mitarbeiterin bei der Lokalzeitung lassen sie als lebensuntüchtig und zugleich unrealistisch anspruchsvoll wirken. Der Wandteppich in ihrem Häuschen führt Cato beruflich und privat unerwartet in die Lokalgeschichte und nach diversen Verwicklungen zu einer geschickten Verknüpfung aller Handlungsfäden.

25 Jahre später ist Catos Tochter Kira Mutter von Elias, der – so erregt wie hilflos über einen Konflikt in seiner Fußballmannschaft – mit dem Fahrrad zu Oma Cato flieht. Elias Problem resultiert u. a. aus leichter Kränkbarkeit, Impulsivität und fehlenden männlichen Vorbildern in Schule und Sport, auf die er wenig Einfluss hat. Cato wird ihm ihre persönliche Geschichte, die des Hauses und der Region erzählen.

Im Gegensatz zum ersten Teil über die Moorbesiedlung im 18. Jahrhundert, der mich begeistert, hat mir die feministische Indoktrinierung von Elias zur „Misogynie des Patriarchats“ durch Cato nicht gefallen. Als Text zu lang, zu theoretisch (wenn auch auf der Basis der Arbeit von Christina Klemm belegt), zu stereotype Figuren – und Cato als Vertreterin der Generation Golf im Berufsleben mit Mitte 30 noch immer weltfremd wirkend. Sollte die Botschaft des Romans sein, dass unbedarfte Frauen eher Opfer gewalttätiger Männer werden?

Als Leser:innen erleben wir drei Generationen gewalttägiger Männer, gestützt durch patriarchale Strukturen in Landwirtschaft, Justiz und einem Printmedium. Gerade weil in unserer Gegenwart persönliche Kränkung bis in Parlamente und Weltpolitik zur Gewohnheit wird, scheint mir Catos Aktivismus seltsam plakativ. Der Einfluss von Suiziden auf die Familiengeschichten, falsche Entscheidungen und der Wandel eigener Urteile im Rückblick hätten aus meiner Sicht größere Beachtung verdient, ebenso wie die Frage, welche Einflussmöglichkeiten ein Vierzehnjähriger tatsächlich hätte.

Fazit
Was uns Moorleichen-Funde und der geerbte Wandteppich erzählen, treibt die Geschichte voran bis zur befriedigenden Verknüpfung aller Handlungsfäden. Die (u. a. durch sehr viele Figuren im 1756 spielenden Teil) komplexe Konstruktion des Romans verläuft vor der Folie des jeweiligen Zustands im Moor: unberührt gefährlich für Mensch und Tier, während der Trockenlegung, als Lebensunterhalt und umkämpfter Landbesitz, unter Naturschutz und heute in seiner Rolle für das Weltklima und in der Literatur.

In sehr kurzen Kapiteln wechselt die Handlung zwischen Alettas Erlebnissen (1756), Catos Flucht aus der Ehe mit Sorgerechtsstreit für Kira (1999), Elias Flucht zu Cato (2025) und einem kursiv gesetzten Text zu Geschehnissen im Moor, der lange offenlässt, aus welcher Zeit er stammt. Die Figur der Aletta stellvertretend für das Motiv der “unverheirateten Tante“ hat mich am stärksten angesprochen und mir bewegende Lesestunden bereitet.

Displaying 1 - 2 of 2 reviews

Can't find what you're looking for?

Get help and learn more about the design.