Wie tief musst du graben, um die Wahrheit zu finden?
Elias hat so richtig Mist gebaut, das weiß er. Er versteckt sich den Sommer über bei seiner Großmutter Catharina im Moor. Doch auch sie hütet ein Geheimnis, das alles infrage stellt, was Elias zu wissen glaubt ...
Ein unendlich weiter Sommer, ein Vierteljahrhundert Nach Jahren der Angst findet Catharina endlich den Mut, aus ihrer Ehe auszubrechen. Mit ihrer Tochter flieht sie in ein altes Haus im Moor. Während der Sonnentau im ersten Licht des Morgens leuchtet und die Rauchschwalben rufen, spürt sie sich zum ersten Mal wieder. Doch nichts ist wirklich sicher. Erst recht nicht, als Catharina im Moor eine Entdeckung macht, die ihren Mann auf ihre Spur bringen könnte.
Berührende Lesestunden mit Rebekka Das Echo der Gezeiten Stromlinien Spiegelland
Spiegelland hat mich auf eine leise, aber sehr eindringliche Weise berührt. Die Geschichte rund um das alte geerbte Haus im Moor nahe Worpswede, in das die Protagonistin Cato in einer Nacht-und-Nebel-Aktion mit ihrer Tochter vor ihrem gewalttätigen Ehemann flieht, hat sofort eine dichte, fast greifbare Atmosphäre geschaffen. Dieses Moor wirkt wie ein Spiegel für das Innere der Figuren – ruhig an der Oberfläche, aber voller Tiefe darunter.
Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, dass es nicht nur um die Figuren geht, sondern um uns alle: um die Geschichten, die wir uns erzählen, die Perspektiven, die wir einnehmen, und darum, wie sehr unser Blick bestimmt, was wir für Wahrheit halten. Manche Passagen waren schwer auszuhalten, gerade wenn es um sexualisierte und geschlechtsspezifische Gewalt oder die Ohnmacht gegenüber gesellschaftlichen Strukturen geht. Aber genau das macht das Buch so wichtig. Auf drei Zeitebenen wird deutlich wie sich die Rolle der Frau vom 18. Jahrhundert bis heute entwickelt hat und dass da noch deutlich Luft nach oben ist in vielerlei Hinsicht.
Besonders nachhallend fand ich den Gedanken, dass Veränderung nicht nur bei den Betroffenen liegen kann, sondern bei uns allen – wie wir erziehen, was wir normalisieren und welches Bild von Männlichkeit wir weitergeben. Gleichzeitig sendet das Buch eine klare Botschaft: Prävention beginnt früh. „Educate your son“ und das Bild einer gesunden Männlichkeit ziehen sich als wichtige Gedanken durch die Geschichte. Es geht nicht nur um Anklage, sondern auch um Veränderung und Verantwortung.
Für mich ein stilles, intensives Buch, das noch lange im Kopf bleibt. Spiegelland liest man nicht einfach, man nimmt es mit.
Der Roman „Spiegelland“ hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen. Er erzählt drei Geschichten: Elias hat einen folgenschweren Fehler begangen und verbringt den Sommer versteckt bei seiner Großmutter Catharina im Moor. Auf einer zweiten Zeitebene erfahren wir von Catharinas Vergangenheit. Vor 25 Jahren gelingt ihr die Flucht aus einer von Angst geprägten Ehe. Mit ihrer Tochter zieht sie in das alte Haus im Moor, einem Ort, der schon Jahrhunderte zuvor Zuflucht und Bedrohung zugleich war. Denn bereits Aletta versuchte dort vor über 200 Jahren, sich einer aufgezwungenen Ehe zu entziehen. Nach und nach wird klar, wie die verschiedenen Schicksale ineinandergreifen und sich über Generationen hinweg spiegeln.
Besonders gut gefallen hat mir, wie elegant die unterschiedlichen Zeitebenen miteinander verwoben sind. Sprachlich und inhaltlich sind sie miteinander verknüpft , ohne künstlich zu wirken. Viele Kapitel enden mit kleinen Cliffhangern, sodass ich ständig weiterlesen wollte. Gleichzeitig hatte der Roman eine große atmosphärische Dichte: Das Moor mit seiner Weite, seiner Stille und seiner Bedrohlichkeit ist eindrucksvoll beschrieben und wird fast zu einer eigenen Figur. Ohnehin mochte ich sowohl die Haupt- als auch die Nebenfiguren, die alle komplex und nicht klischeehaft waren. Neben der spannenden Handlung stellt der Roman wichtige Fragen: Wie geht eine Gesellschaft mit häuslicher Gewalt um? Wie entstehen Gewaltspiralen und wie lassen sie sich durchbrechen? Und vor allem: Wie erzieht man Söhne so, dass sie nicht in alte Muster zurückfallen?
Ich konnte vollkommen in die Geschichte eintauchen und darin versinken. Für mich war „Spiegelland“ atmosphärisch dicht, spannend erzählt und inhaltlich relevant. Definitiv nicht mein letzter Roman dieser Autorin! Klare Empfehlung!
"Es kann nicht allein die Aufgabe der Mütter sein, dass ihre Söhne nicht gewalttätig werden. [...] Es ist größer. Es geht uns alle an. Es geht um die Geschichte, die wir uns erzählen, die Figuren, die wir erfinden, die Blickwinkel, die wir einnehmen, das große Ganze. Und dazu muss jeder einen Beitrag leisten."
Diesen Satz sagt Cato zu ihrer Tochter Kira, die wiederum Mutter von Elias ist. Elias hat eine Mitspielerin beim Fußball geschlagen. Ins Gesicht. Weil sie ihn provoziert hat und er nicht als unmännlich gelten wollte. Aus Angst vor den Folgen flieht er zu Oma Cato ins Teufelsmoor bei Bremen. Während Elias sich langsam zu öffnen beginnt, erzählt Cato von ihrem Leben mit einem gewaltsamen Ehemann und ebenfalls von einer Flucht ins Moor. Doch das ist nur der Anfang (oder das Ende?) der Geschichte, die sich bis ins 18. Jahrhundert erstreckt, als das Moor gerade erst kolonialisiert wurde.
Rebekka Frank erzählt in "Spiegelland" in drei Zeitsträngen (und Zwischentexten, die sich nicht ganz zuordnen lassen, aber vermutlich nicht älter sind) von Frauen, die für sich einstehen wollen. Die die Bevormundung durch Männer nicht länger hinnehmen wollen und dabei von der Gesellschaft kaum unterstützt werden. Der Roman ist daher alles andere als leichte Kost. Stellenweise lief es mir beim Lesen eiskalt den Rücken hinunter. Gewalt wiederholt sich, das wird hier schnell klar. Solange das Patriarchat noch immer die Gesellschaftsstrukturen bestimmt, sind wir alle darin gefangen - Männer und Frauen.
Frank gelingt etwas, das nur wenige Neuerscheinungen der letzten Jahre können: Sie erzählt von Gewalt, Ungleichbehandlung vor Gericht und der Angst der Frauen, ohne mit dem erhobenen Zeigefinder darauf aufmerksam zu machen. Zwar gibt es gegen Ende die ein oder andere Einordnung von Oma Cato. Dennoch ist das hier keine politische Kampfschrift, sondern in erster Linie eine Erzählung, die Fremdverstehen möglich macht. Bemerkenswert ist in dem Zusammenhang, dass der Fischer-Verlag auf eine Bewerbung als feministisches Buch verzichtet hat. Das tut meiner Meinung nach dem Roman sehr gut. Denn so kann man sich viel eher darauf einlassen, auch wenn man mit feministischen Themen vielleicht wenig am Hut hat. Denn diese Themen sind meiner Meinung nach so wichtig, dass jede*r sich mit ihnen beschäftigen sollte. Glücklicherweise bleiben die Leser nicht mit dem Problem allein zurück. Am Beispiel von Elias zeigt die Autorin, wie es anders sein könnte (und geht im Nachwort noch weiter darauf ein).
Neben dem offensichtlichen Thema konzentriert sich Frank aber auch auf das Moor, seine Bewohner und seinen Schutz. Da ich selbst lange in der Gegend gelebt habe, habe ich mich in vielen Szenen wiedergefunden und hatte die strahlende grüne Moorlandschaft vor Augen. Auch wenn nicht alle Orte real sind, fängt Rebekka Frank die Stimmung rund um das Künstlerdorf Worpswede gekonnt ein.
Alle Figuren, insbesondere die Frauen, sind detailliert ausgestaltet. Von wenigen Knechten einmal abgesehen, kann man auch die Nebenfiguren als echte Personen erfassen. Aletta und Cato kommt man besonders nahe, trauert und hofft mit ihnen mit. Aber auch das gekonnte Verbinden der Zeitebenen über Symbole zeugt von der Erzählkunst der Autorin. Nicht nur der geheimnisvolle Wandteppich taucht immer wieder auf, sondern auch die Farben, das Malen und die Scherben. Mir hat es viel Spaß bereitet, diesen kleinen Hinweisen durch die Jahrhunderte zu folgen.
Ein wenig getrübt ist der Gesamteindruck durch ein paar Längen im Mittelteil, die man sicher hätte kürzen können. Insgesamt ist "Spiegelland" aber ein wichtiges Buch und eine große Leseempfehlung - gerade für die männliche Leserschaft.
Klappentext: Elias hat so richtig Mist gebaut, das weiß er. Er versteckt sich den Sommer über bei seiner Großmutter Catharina im Moor. Doch auch sie hütet ein Geheimnis, das alles infrage stellt, was Elias zu wissen glaubt. Ein unendlich weiter Sommer, ein Vierteljahrhundert zuvor: Nach Jahren der Angst findet Catharina endlich den Mut, aus ihrer Ehe auszubrechen. Mit ihrer Tochter flieht sie in ein altes Haus im Moor. Während der Sonnentau im ersten Licht des Morgens leuchtet und die Rauchschwalben rufen, spürt sie sich zum ersten Mal wieder. Doch nichts ist wirklich sicher. Erst recht nicht, als Catharina im Moor eine Entdeckung macht, die ihren Mann auf ihre Spur bringen könnte.
„Spiegelland“ ist der neue Roman von Rebekka Frank. Nachdem mich „Stromlinien“ so begeistert hatte, musste ich auch dieses Buch unbedingt lesen.
“ Spiegelland“ ist eine Familiengeschichte mit einem Geheimnis. Die Geschichte wird auf 3 Zeitebenen erzählt. Im Jahr 1756 begleiten die Leser*innen Aletta, eine junge Frau, die einen nie endenden Kampf für Unabhängigkeit kämpft. Hier erfahren die Leser*innen wie schwer das Leben im Moor zu dieser Zeit war.
Im Jahr 1999 lernen die Leser*innen Catharina kennen. Sie muss in ihrem Zuhause viel Gewalt ertragen. Zusammen mit ihrer Tochter flieht sie aus dem Zuhause. In einer Hütte im Moor findet sie Zuflucht und stell sich hier dem harten Leben des Moors.
Im Jahr 2025 ist Elias, der Enkel von Catharina in Schwierigkeiten. Auch er flüchtet ins Moor und findet bei seiner Großmutter Zuflucht.
Rebekka Frank entführt ihre Leser*innen in eine Moorlandschaft. Die Beschreibung der Natur ist so intensiv, man kann die Schönheit und auch die Gefahr der Landschaft richtig vor seinem inneren Auge sehen. Als Leser*in ahnt man wie schwierig das Leben mit dem Moor sein kann. Die schöne, naturbelassene Landschaft birgt Gefahren. Man muss sie kennen und einschätzen können.
Die Charaktere sind allesamt gut gezeichnet, sie sind recht unterschiedlich und wirken alle richtig lebendig. Alle sind auf eine gewisse Art sympathisch.
Die Geschichte hat 3 Zeitebenen und das Schicksal der Personen einer Generation spielgelt sich in der nächsten wieder.
Rebekka Frank erzählt die Geschichte recht spannend. Ich konnte nach einigen Seiten das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und gut verständlich. Die Autorin nimmt ihre Leser*innen mit auf eine Reise durch das Moor und in vergangene Zeiten.
„Spiegelland“ ist ein Roman, der mich schnell in seinen Bann gezogen hat. Ich habe die gut 500 Seiten an zwei Abenden gelesen.
Rebekka Frank hat sich mit dem Roman, Spiegelland, wieder etwas besonderes einfallen lassen. Diesmal führt sie uns ins Teufelsmoor. Die Geschichte wird in der Zeitebenen erzählt. 1756 erfahren wir von der Armut der Gegend, vom Torf und von Moorleichen. 1999 lernen wir Catha und ihrer Tochter Kira kennen, die vor ihrem schlagenden Mann flieht. 2025 flieht der sechzehnjährige Elias zu seiner Gro0mutter Catha ins Moor. Diese Zeiten wechseln sich immer wieder ab. Catha hatte das Haus der Großmutter geerbt, die sie gar nicht kannte. Das Haus war mit vielen Bildern ausgestattet, die fast alle von der Großmutter stammten. Da war da ein Wandteppich, der ein Rätsel barg. Der Roman war außerordentlich spannend gestaltet. Man erlebt allerdings körperliche Gewalt, die die Generationen begleitete. Die Schicksale dieser Personen fesselt ungemein.
Inhalt siehe Klappentext. Ich kenne bereits andere Bücher von Rebekka Frank, daher war ich gespannt auf den neuen Roman „Spiegelland“. Beim Titelbild ist mir aufgefallen, dass man auf den ersten Blick frisches Grün sieht, auf den zweiten, genaueren Blick einen zerbrochenen Spiegel - die Scherben eines Lebens? Außerdem ist die glatte und rauhe Haptik ganz außergewöhnlich. Im Jahr 1999 flieht Catharina, genannt Cato, mit ihrer 12-jährigen Tochter Kira vor ihrem Mann Sven, der mir von Anfang an unsympathisch war. Das alte Haus im Teufelsmoor gehört Catos verstorbener Oma, die sie jedoch nie kennengelernt hat. Cato muss neu anfangen und dabei um Kira kämpfen. Im Jahr 2025 flieht auch Elias zu ebendiesem Haus, in dem nun seine Oma Cato lebt - auch er kennt seinen leiblichen Großvater nicht, seine Aggression hat er nicht im Griff. Im ganzen Roman fallen Parallelen auf. Ein riesiger Zeitsprung zurück ins Jahr 1756, als Alettas Dorf von Fremden übernommen wird und sie zu ihrem Bruder Carsta und dessen Frau Becke ins Nachbardorf ziehen will - was natürlich nicht so ohne weiteres geht. Der Aufbau eines neuen Dorfes mitten im Moor klingt hart, nach schwerer Arbeit, bei der jeder helfen muss. Aletta ist stark, leider sind es die Männer aus dem eigenen und aus dem Nachbardorf auch. Stoffer will Aletta für sich und schreckt vor nichts zurück, um nicht zu sagen, er geht über Leichen. Hier sind wir wieder bei Parallelen in allen drei Zeitebenen: Stoffer war 1756 gewalttätig, Frauen sind für ihn nichts wert und zählen nicht. Catos Mann Sven ist 1999 nicht nur der angesehene Schulleiter, sondern auch gewalttätiger Ehemann, der seine Frau als dumm, ungebildet, hysterisch und suizidgefährdet darstellt, um selbst in bestem Licht zu stehen. Leider glaubte vor 26 Jahren kaum jemand einer Frau, wenn sie von häuslicher Gewalt spricht, ich denke, heute, 2025 ist es immer noch so, wenn auch in anderer Form. Und dann ist da noch Elias, Catos Enkel, Kiras Sohn, der als Jugendlicher ausrastet und gewalttätig gegenüber einer Freundin wird - er denkt nun, die Geschichte wiederholt sich. Ich denke nicht, dass Gewalt vererbbar ist, vielleicht eher, was man vorgelebt bekommt, aber auch das dürfte bei Elias nicht das Problem sein. Was mich sehr fasziniert hat, unabhängig vom extrem harten Leben im aufzubauenden Moordorf, ist, wie die Menschen sich damals im wahrsten Sinne des Wortes über Wasser gehalten haben, um zu überleben. Alettas Idee, ihre persönliche Geschichte in einen Teppich einzuweben, klingt nahezu unglaublich. Umso schrecklicher, dass dieser Teppich tatsächlich eine Schatzkarte ist, die zu etwas führt… Am besten hier selbst das Buch lesen, in den drei Zeitebenen dabei sein, mit den Frauen fiebern und leiden, die Männer verfluchen, dabei die Landschaft zu betrachten und das Leben zu schätzen wissen, wie wir es heute haben. Das Künstlerdorf Worpswede kannte ich nur vom Namen her, hier wird es ein bisschen näher gebracht, es gibt so vieles, das man in diesem Buch entdecken kann, nicht nur Dinge, die vergraben sind. Ebenso war mir die Moorkultivierung unbekannt, also wieder was dazugelernt. Harte Arbeit gegen unzählige Annehmlichkeiten, wenige Freunde gegen Nachbarn und Verwandten, die für einen da sind, die freie Wahl eines Partners, auch wenn es schiefgehen kann - heute hat man Möglichkeiten, sich zu trennen, sich zu wehren, wenn man sich traut, den Mund aufzumachen. Die Männer haben nicht immer das Sagen, die Frauen sind genauso viel wert und das müssen alle verstehen. Das Hardcover mit seinen 560 Seiten ist wirklich dick und schwer, an sich liest sich die Geschichte flüssig, aber es gab auch Stellen, da musste ich einfach mal eine Pause machen. Nicht unbedingt an den Übergängen von einer in die andere Zeit, sondern auch mal mitten im Kapitel, weil ich einfach Luft holen und über das Gelesene nachdenken musste. Trotz hartem Thema, das definitiv keine leichte Kost ist, hatte ich gute Lesestunden und kann heute 5 Sterne mit Leseempfehlung vergeben, wenn man keine heile Welt erwartet, sondern damit rechnet, vor den Scherben des Lebens zu stehen, sich selbst völlig offenzulegen und dann vielleicht, hoffentlich gehört und gesehen wird.
In einer Dachkammer webt 1756 in Breddorf am Teufelsmoor Aletta einen Teppich und kommt dabei zur Ruhe. Sie könnte eine Magd im Haushalt sein. Durch sie erhält in "Spiegelland" eine Region ein Gesicht, in der man (wie in anderen urbar zu machenden Landschaften) lange als Schicksal hinnahm, dass die Entwässerung von Moorflächen „Den Eersten sien Dod, den Tweeten sien Not, den Drütten sien Brod“ brachte. Aletta und ihr Bruder Carsta kommen nach dem frühen Tod ihrer Eltern auf den Moorbauernhof der Ottens. Ohne eigenen Grundbesitz liegt vor ihnen ein Leben als Magd und Knecht. Laut Alettas Ersatzmutter Tibke (bereits Harm Ottens zweite Frau) standen ihr ein Lebensweg mit Verantwortung für Familie und Haushalt bevor und das Risiko, so lange Kinder zu gebären bis sie im Kindbett sterben würde – oder ein Leben als unverheiratete „Tante“. Aus heutiger Sicht war der zwangsläufige Tod im Kindbett kein unabwendbares Schicksal, da einige Männer sich offenbar des Wertes ihrer Frau für Familie und Betrieb bewusst waren und nicht bis zum bitteren Ende Kinder zeugten.
Aletta war entschlossen, eine Tante zu werden. Heute ist empirisch belegt, dass eine weibliche Verwandte ohne eigene Kinder im Haushalt die Überlebenschancen der Kinder in dieser Familie entscheidend verbessert. Höher fällt der Effekt aus, wenn die Tante eine Verwandte der Mutter ist. Aletta zu ihrer Zeit ist bereits betroffen vom männlichen Besitzdenken, eine Frau sei persönlicher Besitz und könnte daher ungestraft misshandelt oder getötet werden.
Als Tibke im Kindbett stirbt, gerät Aletta von zwei Seiten unter Druck. Sie soll in eine Heirat gedrängt werden, will jedoch den mittellosen Carsta und seine junge Frau bei der Gründung einer Existenz als Moorbauern unterstützen. Sie werden innerhalb eines Jahres eine einfache Moorkate errichten müssen und die Wege und Treidelkanäle durch das Moor selbst anlegen. Da die sesshaften Moorbauern vom Abbau des Torfes leben, sehen sie ihre Existenz durch die Siedler bedroht und die drei jungen Leute geraten in einen gewaltsam ausgetragenen Konflikt, der emsig von einem fanatischen Prediger befeuert wird.
1999 flüchtet Catharina/Cato mit ihrer Tochter vor ihrem gewalttägigen Ehemann in ein kleines Haus am Moor, das sie überraschend samt einem Wandteppich von ihrer Mutter Ellida geerbt hat. Durch die wechselnden Zeitebenen treffen wir Cato mit Mitte 30 und knapp 60, Kira mit 14 und 40 Jahren.
Die 1966 geborene Cato hat direkt nach dem Abitur geheiratet, Tochter Kira bekommen und ihr Volontariat bei einer Zeitung abgebrochen. Nun steht sie - in Alltagsfragen ahnungslos - vor einem dramatischen Trennungskonflikt, in Angst vor ihrem Mann und um ihre Tochter. Catos erste Schritte als freie Mitarbeiterin bei der Lokalzeitung lassen sie als lebensuntüchtig und zugleich unrealistisch anspruchsvoll wirken. Der Wandteppich in ihrem Häuschen führt Cato beruflich und privat unerwartet in die Lokalgeschichte und nach diversen Verwicklungen zu einer geschickten Verknüpfung aller Handlungsfäden.
25 Jahre später ist Catos Tochter Kira Mutter von Elias, der – so erregt wie hilflos über einen Konflikt in seiner Fußballmannschaft – mit dem Fahrrad zu Oma Cato flieht. Elias Problem resultiert u. a. aus leichter Kränkbarkeit, Impulsivität und fehlenden männlichen Vorbildern in Schule und Sport, auf die er wenig Einfluss hat. Cato wird ihm ihre persönliche Geschichte, die des Hauses und der Region erzählen.
Im Gegensatz zum ersten Teil über die Moorbesiedlung im 18. Jahrhundert, der mich begeistert, hat mir die feministische Indoktrinierung von Elias zur „Misogynie des Patriarchats“ durch Cato nicht gefallen. Als Text zu lang, zu theoretisch (wenn auch auf der Basis der Arbeit von Christina Klemm belegt), zu stereotype Figuren – und Cato als Vertreterin der Generation Golf im Berufsleben mit Mitte 30 noch immer weltfremd wirkend. Sollte die Botschaft des Romans sein, dass unbedarfte Frauen eher Opfer gewalttätiger Männer werden?
Als Leser:innen erleben wir drei Generationen gewalttägiger Männer, gestützt durch patriarchale Strukturen in Landwirtschaft, Justiz und einem Printmedium. Gerade weil in unserer Gegenwart persönliche Kränkung bis in Parlamente und Weltpolitik zur Gewohnheit wird, scheint mir Catos Aktivismus seltsam plakativ. Der Einfluss von Suiziden auf die Familiengeschichten, falsche Entscheidungen und der Wandel eigener Urteile im Rückblick hätten aus meiner Sicht größere Beachtung verdient, ebenso wie die Frage, welche Einflussmöglichkeiten ein Vierzehnjähriger tatsächlich hätte.
Fazit Was uns Moorleichen-Funde und der geerbte Wandteppich erzählen, treibt die Geschichte voran bis zur befriedigenden Verknüpfung aller Handlungsfäden. Die (u. a. durch sehr viele Figuren im 1756 spielenden Teil) komplexe Konstruktion des Romans verläuft vor der Folie des jeweiligen Zustands im Moor: unberührt gefährlich für Mensch und Tier, während der Trockenlegung, als Lebensunterhalt und umkämpfter Landbesitz, unter Naturschutz und heute in seiner Rolle für das Weltklima und in der Literatur.
In sehr kurzen Kapiteln wechselt die Handlung zwischen Alettas Erlebnissen (1756), Catos Flucht aus der Ehe mit Sorgerechtsstreit für Kira (1999), Elias Flucht zu Cato (2025) und einem kursiv gesetzten Text zu Geschehnissen im Moor, der lange offenlässt, aus welcher Zeit er stammt. Die Figur der Aletta stellvertretend für das Motiv der “unverheirateten Tante“ hat mich am stärksten angesprochen und mir bewegende Lesestunden bereitet.
Mit "Spiegelland" legt Rebekka Frank, bekannt durch "Stromlinien", erneut einen Roman vor, der Natur, Familienpsychologie und gesellschaftliche Strukturen in ein packendes Geflecht aus Vergangenheit und Gegenwart verwebt. Im Mittelpunkt steht Elias, der nach einem Fehler den Sommer bei seiner Großmutter im Teufelsmoor verbringt und dort auf Geheimnisse stößt, die alles infrage stellen, was er über seine Familie zu wissen glaubte. Parallel erleben wir Catharina (Cato) ein Vierteljahrhundert zuvor, wie sie nach Jahren der Angst aus ihrer Ehe ausbricht und ein Leben voller Freiheit und Risiken beginnt. Und dann gibt es da noch die Zeitebene im 18. Jahrhundert.
Meine Meinung
Die Autorin schreibt mit einem klaren, präzisen Stil, der gleichzeitig eine enorme Sogwirkung entwickelt. Die Naturbeschreibungen sind wunderschön (wenn man es mag) und schaffen eine Atmosphäre, die mich stark an das Buch "Der Gesang der Flusskrebse" erinnert haben. Die wechselnden Zeitebenen funktionieren sehr gut, geben Tiefe und Spannung, und die Landschaftskarte am Anfang hilft beim Einordnen der Orte, die im Roman eine Rolle spielen. Achja das Cover ist auch wieder super schön und auch haptisch. Passend zum Titel spiegelglatt ;)
Die Figuren sind vielschichtig, wenn auch stellenweise für ihr Alter zu abgeklärt oder reflektiert. Insbesondere die Kinder (12, 14 und wahrscheinlich auch 14?) handeln oft mit einem Verständnis, das fast erwachsen wirkt. Aber das mag damit begründet sein, dass sie alles Einzelkinder sind (soweit ich weiß) & daher mehr mit Erwachsenen aufgewachsen sind und sich angepasst haben.
Thematisch geht es im weitesten Sinne um patriarchale Strukturen, sie dich konkret durch häusliche Gewalt, Depression und Suizid, Schuld und der Frage nach Verantwortung äußern. Cato, die zentrale weibliche Perspektive, ringt mit den Folgen familiärer Traumata und der Gewalt ihrer Väter und Großväter: „Es sind diese alten patriarchalen Strukturen, die noch heute alles bestimmen“ (S. 292).
Besonders bildhaft und im Gedächtnis-bleibend sind für mich die Szenen, in denen Macht, Gewalt und Verantwortung greifbar werden, ohne dass die Autorin diese voyeuristisch ausstellt: „Da liegt er. Da wird er sterben. Ermordet von einer Frau, die zuerst er tödlich verletzte“ (S. 408).
Bei all der Schwere gibt es aber immer auch Hoffnungsschimmer und am Ende bin ich doch positiv gestimmt und froh, das Buch gelesen zu haben. Der Autorin ist es definitiv gelungen ein Bild von Generationenverbindungen, Schuld, Verantwortung und dem Einfluss gesellschaftlicher Normen zu zeichnen, das nachwirkt.
Fazit
"Spiegelland" ist ein literarischer (Sommer-)Roman, der nicht nur durch seine Naturbeschreibungen besticht, sondern auch tief in die psychologischen und gesellschaftlichen Dynamiken von Familien & Generationen eintaucht. Für alle, die komplexe Familiengeschichten, Naturverwebungen und kritische Gesellschaftsbilder mögen. Wer eher leicht verdauliche Kost sucht, könnte hier falsch sein. Vielen Dank an lovelybooks und den den S. Fischer Verlag für das Rezensionsexemplar.
Inhalt: Der Roman handelt von verschiedenen, mit einander verwobenen Geschichten, die jeweils im 18. Jahrhundert, 1999 und 2025 spielen. Im Jahr 1999 ergreift Cato gemeinsam mit ihrer 12-jährigen Tochter die Flucht vor ihrem Ehemann und rettet sich ins Moor. Von da an beginnt sich, eine große Geschichte zu formen…
Meine Meinung: Der Roman ist die kluge und reflektierte Erzählung über das Leid, das viele Frauen durch Gewalt in ihrer Partnerschaft erleben. Es stellt dabei stets die Frauen in den Mittelpunkt und betont ihre Stärke, ihr Durchhaltevermögen und ihre Resilienz. Gleichzeitig spielen auch die Themen Familie, Muttersein und Freundschaften eine wichtige Rolle. Erzählt wird der Roman in drei Handlungssträngen, die jeweils in einer unterschiedlichen Zeit stattfinden und anderen Protagonisten folgen. Auf den ersten paar Seiten fiel es mir deshalb ein wenig schwer, mich einzufinden. Sobald ich jedoch einen Zugang zu der Geschichte gefunden hatte und die Charaktere kannte, hat mich der Roman richtig gepackt. Gerade die weiblichen Charaktere sind unglaublich greifbar und fühlen sich so echt an, dass es mir manchmal fast schon weh tat, sie auf ihrem Weg zu begleiten. Dabei behält der Roman aber stets eine gewisse hoffnungsvolle Note, die mir sehr gefallen hat. Die Sprache ist wunderschön und sehr bildgewaltig. Das Moor wird in all seinen Facetten und all seiner Schönheit eingefangen und wirkt teilweise fast schon wie ein eigener Charakter - Liebhaber von „Der Gesang der Flusskrebse“ werden hier auf jeden Fall fündig. Gleichzeitig wird das Buch aber dennoch nie langatmig oder verrennt sich zu sehr in sprachlichen Spielereien, sondern lässt sich vielmehr sehr angenehm und flüssig lesen. Einziger Wermutstropfen war für mich, dass ich mit dem Handlungsstrang, der 2025 spielt, leider nicht allzu viel anfangen konnte und auch keinen richtigen Zugang zu dem dort präsenten Protagonisten bekam. Hier hatte ich leider öfter das Gefühl, dass die Autorin die Charaktere nur als Sprachrohr verwendet, um die anderen beiden Handlungsstränge einzuordnen und für den Leser die notwendigen Schlüsse zu ziehen - dabei war dies gar nicht nötig, denn die anderen beiden Geschichten haben auch ohne Einordnung mehr als genug Aussagekraft! Insgesamt war es dennoch ein wirklich eindrückliches Leseerlebnis, das mich nicht so schnell loslassen wird. Gerade wenn einen die angesprochenen Themen interessieren, ist der Roman auf jeden Fall empfehlenswert!
1999: Nach dreizehn Jahren Ehe flieht Cato mitten in der Nacht vor ihrem gewalttätigen Mann Sven. Gemeinsam mit ihrer zwölfjährigen Tochter Kia sucht sie Zuflucht im Haus ihrer verstorbenen Großmutter, verborgen im Moor. Sven kennt diesen Ort nicht, weiß nichts von der Erbschaft, die Cato erst vor Kurzem angetreten hat. Lange schon wollte sie ihn verlassen, doch ohne eigenes Einkommen, ohne Rücklagen, schien es keinen Ausweg zu geben. Erst die Angst, einen weiteren Wutanfall nicht zu überleben, treibt sie zur Entscheidung. Im Moor kehrt zunächst Ruhe ein. Cato findet Arbeit als freie Journalistin, Mutter und Tochter kommen an, und sie stoßen auf ein Geheimnis, das tiefer reicht als gedacht. Doch die Sicherheit ist trügerisch – eines Nachts steht Sven vor der Tür.
2025: Elias hat alles verspielt. Er hat eine Fußballkollegin angegriffen und brutal zusammengeschlagen – aus gekränkter Eitelkeit, aus verletztem Stolz. Sie hatte gelacht, ihn verspottet, und seine Freunde haben zugesehen. Reue empfindet er nicht. Warum auch? In seiner Logik ist sie schuld. Nun ist er unterwegs zu seiner Großmutter Cato. Sie, so glaubt er, wird ihn verstehen. Seine Mutter Kira tat es nicht.
1756: Breddorf, ein altes Geestdorf, hat sich über Generationen Land im Moor gesichert und vom Torfabbau gelebt. Als die Regierung beschließt, Moorflächen im benachbarten Heudorf für nachgeborene Söhne freizugeben, fühlt sich Breddorf um sein angestammtes Recht betrogen. Der Konflikt eskaliert, als im Heudorfer Moor zwei Moorleichen gefunden und gewinnbringend verkauft werden. Aus Rivalität wird Hass, aus Streit ein erbitterter Kampf zwischen den Dörfern.
Rebekka Frank verwebt in ihrem Roman drei Zeitebenen zu einem dichten Geflecht aus Geschichte und Fiktion. Im Zentrum stehen gewalttätige Männer, Machtstrukturen und die Mechanismen der Unterdrückung, die sich über Jahrhunderte fortschreiben. Der Roman lebt von seiner starken Atmosphäre: In allen Erzählsträngen entstehen eindringliche Bilder, die Landschaft wird greifbar, der feuchte Modergeruch des Moores scheint förmlich aus den Seiten zu steigen. An wenigen Stellen wirkt die Handlung vorhersehbar und leicht kitschig, doch die Spannung trägt zuverlässig bis zum Schluss.
Fazit: Spannend, facettenreich und atmosphärisch vom Anfang bis zum Ende. 5/5
Nachdem "Stromlinien" letztes Jahr zu einem meiner Jahreshighlights wurde, zog natürlich auch "Spiegelland" von Rebekka Frank, erschienen im Fischer Verlag, bei mir ein. Unbezahlte Werbung: Das Buch habe ich mir selbst gekauft. Die genaue Inhaltsangabe findet ihr auf dem zweiten Bild.
Durch den bildgewaltigen und einnehmenden Schreibstil zog mich die Autorin sofort in den Bann der Geschichte, die auf drei Zeitebenen erzählt wird: 1999, als Cato zusammen mit ihrer Tochter Kira ihrem gewalttätigen Ehemann entflieht; 2025, einem Sommer, in dem Elias, Catos Enkel, nach einem wirklich schlimmen Fehler zu seiner Großmutter flieht; und 1756, wo eine junge Frau versucht, sich ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen.
Am Anfang ist nicht offensichtlich, wie diese drei Erzählstränge zusammenpassen, aber nach und nach verbindet Rebekka Frank sie zu einem stimmigen Gesamtbild. Die Figuren sind tief und umfassend ausgearbeitet, und der Grundtenor des Buches behandelt ein wirklich wichtiges Thema.
Dieses Buch ist sehr komplex und keine Lektüre für zwischendurch. Ich musste konzentriert lesen, und leider gab es hin und wieder auch Längen im Storytelling. Da hätte ich mir mehr Zug in der Geschichte gewünscht, denn an diesen Stellen trat die Handlung auf der Stelle. Trotzdem ist dies ein starker Familienroman, auch wenn ich die Sprache im Jahr 1756 als zu modern empfand. Das passte nicht zu dem Leben und den Protagonisten.
Das Ende war mir ebenfalls zu rund und passte für mich nicht zu den wichtigen Themen, die der Roman beleuchtet. "Spiegelland" ist ein klassischer Familienroman, der das Patriarchat, häusliche Gewalt und die Rolle der Frau in verschiedenen Epochen beleuchtet. Genau deshalb hätte ich mir hier ein raueres und nicht so weichgespültes Ende gewünscht.
Mit 3,5 von 5 Sternen habe ich die Lesezeit trotz dieser Kritikpunkte genossen, auch wenn dieser Roman nicht an "Stromlinien" heranreicht.
Mit „Spiegelland“ erzählt Rebekka Frank eine vielschichtige Geschichte über das Patriarchat, hässliche Gewalt und der Emanzipation daraus, über Identität und die unsichtbaren Fäden, die Generationen miteinander verbinden.
Auf drei Zeitebenen erzählt sie die Geschichte von Aletta im 18. Jahrhundert, die den Widrigkeiten des Moors trotzt, von Cato, die 1999 mit Tochter Kira vor ihrem gewalttätigen Mann ins Teufelsmoor flüchtet und von Elias, der 2025 einen schwerwiegenden Fehler macht.
Besonders beeindruckt hat mich die Erzählstruktur: Die drei Handlungsstränge greifen präzise ineinander, enthüllen nach und nach verborgene Zusammenhänge und erzeugen einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Die Frauenschicksale stehen dabei klar im Mittelpunkt. Trotz des großen zeitlichen Abstands zeigen sich berührende Parallelen – in ihren Zwängen, ihren Hoffnungen, ihren Entscheidungen. Gerade diese leisen, emotionalen Spiegelungen machen den Roman so stark.
Im Vergleich dazu bleibt Elias’ Geschichte in der Gegenwart für mich etwas blasser und auch die ein oder andere Wendung ist vorhersehbar. Dennoch bleibt der Roman durchweg spannend und interessant. Die historischen Ebenen besitzen eine solche erzählerische Kraft, dass man unbedingt wissen möchte, wie alles zusammenführt.
„Spiegelland“ ist ein atmosphärischer, klug konstruierter Roman, der zeigt, wie sehr Vergangenheit in die Gegenwart hineinwirkt – und wie sich Muster über Generationen hinweg wiederholen können. Trotz kleiner Schwächen in der Gegenwartsebene bleibt er ein fesselnder Page-Turner, der emotional bewegt und lange nachhallt.
Ich wollte es eigentlich nicht aus der Hand legen. Ich habe schon Stromlinien geliebt, und auch Spiegelland ist wieder so spannend, nah, berührend…ein Mega Buch! Es gab 1-2 Abschnitte die ich etwas sehr „erklärend“ fand, vielleicht für Menschen die sich noch nie mit Themen wie Patriachat und Femizid auseinandergesetzt haben aber wichtig und richtig.
„Spiegelland“ von Rebekka Frank ist ein Mehrgenerationenroman, der seine Geschichte über drei Zeitebenen entfaltet und dabei Vergangenheit und Gegenwart geschickt miteinander verschränkt. Im Zentrum stehen Figuren, deren Lebenswege durch ein gemeinsames Thema verbunden sind: Patriarchale Strukturen, Gewalt gegen Frauen und ihre Nachwirkungen über Generationen hinweg. Besonders beeindruckend ist die dichte, fast greifbare Atmosphäre. Das Moor wird nicht nur zur Kulisse, sondern zu einer beständigen Beobachterin, die die Schicksale der Figuren über Jahrhunderte hinweg begleitet. Anfangs entwickeln sich die verschiedenen Zeitebenen lose nebeneinander her, fügen sich aber dann mehr und mehr zu einem stimmigen Gesamtbild. Bei Catharinas und Kiras im Jahr 1999 habe ich besonders mit den beiden Protagonistinnen mitgelitten; hier wird vor allem die emotionale Ebene betont. In Elias’ Gegenwartsperspektive werden durch Kiras 14jährigen Sohn wichtige Fragen bzgl. generationenübergreifender Gewalt an Frauen und Verantwortung, unter anderem auch in der männlichen Perspektive aufgezeigt. Die historische Perspektive rund um Aletta im 18. Jahrhundert ist zwar ebenfalls interessant, aber teilweise so langgezogen und mit einer Vielzahl an Figuren versehen, dass sie im Vergleich zu den anderen Erzählsträngen deutlich schwächer ist. Die Thematik, die der Roman angeht, ist hochrelevant: Es wird eindrücklich gezeigt, dass Gewalt kein isoliertes Phänomen ist, sondern tief in gesellschaftlichen Strukturen verankert ist, teils über Jahrhunderte hinweg. Aber die Geschichte zeigt auch, dass sich die beschriebenen Muster durchbrechen lassen, solange der Wille da ist. „Spiegelland“ ist spannend, vielschichtig, bewegend und trotz kleiner Längen ein Pageturner.
Das Teufelsmoor fasziniert, Worpswede eh, Generationen Frauengeschichten sind toll. Dialoge so gestelzt, das Innenleben des Teenagers die schwächste Perspektive