In seinem lang erwarteten literarischen Debüt schreibt der scharfsinnige Beobachter des Alltäglichen, Andreas Rainer, über das Glück des Verschwindens und der Kunst sich dabei wiederzufinden.
Es beginnt mit einem verpassten Flug und endet mit einem sanften Flügelschlag
Anstatt für einen Arbeitstrip in die USA in den Flieger zu steigen, dreht Jonas einfach um, zurück in die Stadt. Niemand vermisst ihn. Nur er selbst vermisst das, was er niemals war, aber vielleicht sein könnte. Scheinbar ziellos beginnt ein Streifzug durch Wien, durch Straßenschluchten, Kaffeehäuser, entlang der Donau, über Wiesen, auf Berge und dazwischen all die Menschen – glücklich, grantig, schön – und jeder von ihnen mit einer einzigartigen Geschichte.
Eine liebevolle Erzählung über Wien und das Leben.
Was kann schon passieren? Passiert überhaupt etwas?
Einfach umdrehen, den Weg wieder zurückgehen, inkognito sein, nicht-sein.
Dieser Situation stellt sich der Protagonist in Andreas Rainers Romandebut "Der Flügelschlag des Paarfalters". Anstatt in ein Flugzeug in die USA zu steigen, entschließt er sich, am Flughafen Wien einfach wieder in die S-Bahn zu steigen und den Weg zurück ins Stadtzentrum zu nehmen. Scheinbar ziellos wandert er durch die Bezirke, unauffindbar für sein Umfeld, spekulierend, wann sein Verschwinden wohl auffallen wird. Dabei trifft er auf verschiedenste Personen mit ganz eigenen Geschichten und Schicksalen, die ihn Stück für Stück aus seinen gewohnten Denkmustern und Ansichten herauslösen, zum darüber hinaus-denken anregen.
Und dann ist da Sie.
Der rote Faden, die Leichtigkeit, die zaghafte Flüchtigkeit.
Eine junge Frau, die unaufhörlich mit den Wiener Öffis im Kreis von einer Endstation zur anderen fährt und dabei Musik hört wird zur geheimen Komplizin des Protagonisten in seinem Plan, sich dem Plan zu widersetzen. Zum einen wird sie zur Begleiterin, zum anderen aber auch zur inneren Stimme, die sich nicht davor scheut, Unsicherheiten anzusprechen und den Protagonisten gedanklich herauszufordern. Sie ist es ebenfalls, die ihm die Geschichte der Paarfalter erzählt, die ihr kurzes Leben bis zur letzten Sekunde gemeinsam verbringen. Gleicht diese dreitägige Reise des Protagonisten dem Leben eines Paarfalters? Wird dieses neue, sich formende Selbst ebenfalls sein Ende finden sobald der vermeintliche Schutz des Untertauchens seine Magie verliert? Und wohin führt diese so ungleiche Beziehung der beiden Protagonisten? Sind ihre beiden Schicksale aneinander geknüpft wie die Leben zweier Paarfalter?
Ein Wimpernschlag, ein Flügelschlag, und Sie könnte weg sein.
Ausbrechen aus der vorgegebenen Routine, den geraden Bahnen entgegenwirken und dabei auf eine ganz andere Reise gehen, als die, die eigentlich geplant war. Mit einer zutiefst liebevollen Melancholie werden hier verschiedene Facetten der Wiener Gesellschaft durch die Personen, denen der Protagonist begegnet, illustriert. Personen, die jeder in dieser Großstadt lebende Menschen bereits zumindest ein Mal gesehen hat - vom Flex-Bubi bis zur Trinkgesellschaft, die Züge eines völlig wirren Geheimbunds aufweist. Vielfältige Schicksale, die dem Protagonisten stets etwas mitgeben sodass sich neue Blickwinkel auftun aus denen sich schlussendlich neue Ansichten formen, die es ohne das Untertauchen vielleicht nie gegeben hätte.
Ein Roman zum Verloren gehen und sich selbst wieder neu finden. Ein Roman zum Traurig sein, ein Roman zum Lachen. Ein Roman zum Sein.
Wunderschöner Roman über das Finden, nein eigentlich das Sehen des oft so Unsichtbaren. Der schönen Dinge und Schicksale, die wir im Rausch des Alltages zu oft nicht wahrnehmen. Was für ein tolles und berührendes Romandebüt, ganz großes Kino 😍 Vielen Dank.