Wer stottert, hat keine Superkraft. Wer stottert, dem fällt nur vielleicht manches Irgendwann muss die Menschheit beschlossen haben, dass sie es pausenlos eilig hat. Wer stottert, guckt oft in ungeduldige Gesichter. Stottern ist eine Art des rasenden Stillstands, eine unvorhergesehene Störung im Betriebsablauf.
In seinem autobiografischen Essay denkt David Hugendick über das Stottern und das Sprechen nach, über Ungeduld und Scham, über heimtückische Buchstaben und über unsere von künstlicher Dringlichkeit geprägte Gesellschaft.
Soo jz warte mal, er erklärt Goffman und sagt bei ihm geht es darum, dass jede soziale Interaktion auf einer Bühne stattfindet (richtig) und führt dann erklärend aus, dass es dabei „um den ersten Eindruck geht“ (nicht richtig) und hat DANN die AUDACITY sich über Kuwis lustig zu machen!1!:
„In dieser Hinsicht ist es in der Öffentlichkeit egal, was jemand zu sagen hat, solange er es im Rahmen dessen hinbekommt, was man gemeinhin als »flüssig« erachtet, wobei man das Wort »Redeflussstörung« recht streng interpretiert. Alle Menschen sprechen im Grunde seltsam, wenn man sie sich genau anhört. Stottern ist bloß die einzige Redeflussstörung, die bisweilen größere Irritationen auslöst. Andere gelten dagegen sogar als Ausweis vornehm gebildeter Geisteshaltung. Es gibt Leute, die jeden Satz mit »sozusagen«, »gewissermaßen«, »quasi« und »irgendwie halt« vollrümpeln und somit die Illusion der Flüssigkeit aufrechterhalten. Und es gibt andere, meist jüngere Menschen, meist mit einem Hochschulabschluss in Kulturwissenschaften [ER GEHT AUF MUTTER], da wieselt seit einiger Zeit das Wort »genau« durch nahezu jede ihrer Äußerungen, sogar durch: »Genau, ich bin die Kati, genau, und ich interessiere mich für Feminismus und Fernsehserien, ja, genau.«“ (Leider real, obwohl ich persönlich noch zum Alten Eisen gehöre und lol und digga sage)
Ne aber fr overall wirklich schöner Essay, sympathische 150 Seiten. Ich musste wirklich oft schmunzeln oder sogar lachen und ich mache mir auf jeden Fall eine Liste mit Ausdrücken und Redewendungen, die er hier benutzt hat, die wirklich schön waren. Kp ob er sich die alle ausgedacht hat oder einfach mehr liest als ich (probably letzteres), aber chapeau.
Ich muss aber sagen, dass mir das Humorige manchmal echt aufn Keks gegangen ist. Checke, dass Humor offensichtlich sein coping mechanism ist, aber wenn man dann ne passende Bemerkung oder Bild hat und an der richtigen Stelle nochmal drauf rekurriert (big word for Elmo) reicht das, aber er hat dann manchmal Sachen echt totgetreten mit Jokes. Auch Szenen, die mehr gehittet haben als andere, hat er damit „auflockern“ wollen ig, was wie ich finde der Prägnanz oft einen Abbruch getan hat.
Exhibit A:
„Er wartete, bis die anderen Schüler den Raum verlassen hatten. Als wir schließlich allein waren, gab er mir zu verstehen, er wünsche nicht mehr, dass ich mich in seinem Unterricht zu Wort melde. Stattdessen solle ich einen Aufsatz schreiben, der meine mündliche Note ersetze. Ich weiß noch, wie es aus ihm herausplatzte: »Ich ertrage es nicht, wenn Sie stottern.« [UFF Moment an dieser Stelle, aber den kann er jz nich einfach ma so wirken lassen>] Und ich weiß auch noch, wie eine Weile lang Stille den Raum füllte, und hätte sich diese Szene in einer Zeichentrickserie ereignet, vermutlich wäre jemandem nun eingefallen, sie mit Gezirpe von Zikaden zu untermalen; vielleicht wäre noch einer von uns beiden vor Scham über den Teppich zerflossen.“
Und das macht er halt ständig auf verschiedene Weisen, wo er anscheinend das Bedürfnis hat allem so die Schwere zu nehmen. Kp ob er das eher für sich macht, oder für andere um es weniger unangenehm und erträglicher zu machen. Er erzählt zb dass er immer erst nen Joke reißt wenn er Sachen moderiert um auf sein Stottern hinzuweisen nur damit dann iwelche Leute danach auf ihn zukommen und ihm sagen wie mutig das doch von ihm ist ZU SPRECHEN BRO WDYMMMMM😭😭😭😭 Naja ich kann den Impuls nachvollziehen, nur die Manifestation dessen auf wirklich kurzen 150 Seiten wo da alles Schlag auf Schlag kam war halt iwann nervig.
Und um zum Schluss noch einmal intertextuell zu werden: Ich musste auch echt oft an Momo und die Grauen Herren denken mit dem ganzen Zeit stehlen etc pp. Was die Leute mit den 10 Sekunden machen wollen die sie „gespart“ haben wenn sie Leute dazu drängen zUm pUnkT zU kOmMeN, die sie ja AUCH darein hätten investieren können einfach mal DIE FRESSE ZU HALTEN und freundlich zuzuhören NIEMAND WEIẞ ES OMGGG. Ich würde ja hoffen ich wäre Momo in so ner Situation, aber soziale Interaktionen die länger dauern als gewohnt Endgegner, aber sie dauern halt so lange wie sie dauern meine Güte REISSEN WA UNS HALT BISSCHEN ZUSAMMEN meen jott
„Jetzt sag doch endlich was“ ist ein erstaunlich kurzweiliges Buch über ein Thema, das im Alltag oft überhört, übergangen oder missverstanden wird: das Stottern. Ich habe es innerhalb kürzester Zeit gelesen. Nicht nur, weil es sprachlich zugänglich und unterhaltsam geschrieben ist, sondern auch, weil es mich persönlich sehr berührt hat.
Ich stottere selbst. Genau deshalb wollte ich dieses Buch lesen. Und ich habe mich in vielen Momenten wiedergefunden: in den beschriebenen Gedankenschleifen vor einem Wort, in der Anspannung vor einem Telefonat, in diesem inneren Abwägen zwischen Vermeidung und Mut. Manchmal musste ich lachen, weil ich Situationen so gut von mir kenne. Manchmal wurde ich traurig, genau aus demselben Grund. Aber vor allem habe ich mich gesehen gefühlt.
In meinem eigenen Umfeld kenne ich niemanden, der stottert. Das macht es nicht immer leichter. Man fühlt sich manchmal allein damit, fällt auf, sticht heraus. Nicht, weil man es möchte, sondern weil es hörbar ist. Umso wertvoller war es für mich, die Gedanken eines Menschen zu lesen, der diese Erfahrung teilt und sie so präzise in Worte fassen kann. Viele der Gefühle und inneren Konflikte, die Hugendick beschreibt, kenne ich, aber ich hätte sie selbst oft nicht so klar formulieren können. Dieses Buch hat mir gewissermaßen Worte für Dinge gegeben, für die ich selbst lange keine hatte. Und es ist tröstlich, genau diese Gedanken von jemand anderem zu lesen und zu merken: Man ist nicht „so anders“, wie es sich manchmal anfühlt. Man gehört trotzdem dazu.
Besonders beeindruckt hat mich die Sprachgewandtheit des Autors. Es ist fast paradox: Ein Buch über das Stottern, das vor sprachlicher Präzision, Witz und Feingefühl nur so strotzt. Diese Mischung aus Selbstironie, Beobachtungsgabe und ehrlicher Reflexion hat mich wirklich beeindruckt. Es wirkt nie selbstmitleidig, sondern reflektiert. Und genau das macht es so stark.
Gleichzeitig würde ich es ausdrücklich nicht nur Menschen empfehlen, die selbst stottern. Stottern ist kein „Kinderproblem“, das sich immer auswächst. Für viele bleibt es ein lebenslanger Begleiter. Dieses Buch bietet Nicht-Betroffenen einen ehrlichen, nahbaren Einblick in eine Lebensrealität, die sie vielleicht aus ihrem Umfeld kennen oder bislang übersehen haben. Es schafft Verständnis, ohne belehrend zu sein.
Für mich persönlich war die Lektüre eine Mischung aus Wiedererkennen, Erleichterung und einem Gefühl von Verbundenheit. Das Wissen, nicht allein zu sein mit bestimmten Gedanken oder Gefühlen, ist kraftvoll.
Ich vergebe vier Sterne. Ein wichtiges Thema, klug erzählt, mit einem entspannten, aber sprachlich starken Stil. Eine klare Empfehlung für alle, die sich mit Sprache, Identität und gesellschaftlichen Erwartungen auseinandersetzen möchten oder einfach bereit sind, zuzuhören.
wie wunderbar ein buch über das stottern lesen zu dürfen! die ein oder andere stelle hat mich zum weinen gebracht (weil es mich sofort in ähnliche szenen, die ich erlebt habe, zurückversetzt hat), sehr oft habe ich laut gelacht (weil manches wohl nur wir stotterer:innen verstehen werden) und relativ oft gab mir david hugendick das gefühl er würde mir aus der seele schreiben! das buch war wie eine warme umarmung von einem lieblingsmenschen, der dir zuflüstert, dass du gut bist genau so wie du bist!