Ein blutiges Ritual erschüttert das vornehme Wien des Jahres 1896: Bei einer vermeintlich satanistischen Messe wurde eine junge Frau bestialisch ermordet – ihre Kehle durchgeschnitten, Zunge und Herz fehlen. Als Inspektor Leopold von Herzfeldt mit den Ermittlungen beauftragt wird, stößt er auf eine Freimaurer-Loge. Aber hat er es wirklich mit Teufelsanbetung zu tun? Der Totengräber Augustin Rothmayer, empört über eine Grabschändung auf dem Zentralfriedhof, bietet ihm seine Hilfe an. Gemeinsam mit Herzfeldts Verlobter, der scharfsinnigen Reporterin Julia Wolf, und dem aufstrebenden Nervenarzt Dr. Sigmund Freud folgen sie einer Spur, die sie in die Abgründe der Wiener Gesellschaft führt – wo hinter okkulten Ritualen und antisemitischen Geheimbünden eine Ideologie heranwächst, die Jahrzehnte später die Welt ins Verderben stürzen wird.
Oliver Pötzschs perfekt konstruierter Krimi ist für alle Leser, die unerwartetete Wendungen in überzeugender Atmosphäre suchen.
Oliver Pötzsch is a German writer and filmmaker. After high school he attended the German School of Journalism in Munich from 1992 to 1997. He then worked for Radio Bavaria. In addition to his professional activities in radio and television, Pötzsch researched his family history. He is a descendant of the Kuisle, from the 16th to the 19th Century a famous dynasty of executioners in Schongau.
Winter 1896 Durch einen bizarren Mord wird Inspektor Leopold von Herzfeldt nach Wien zurückbeordert. Er war mit Julia Wolf in Graz zur Beerdigung seines Vaters - doch die Familienzusammenführung war alles andere als gelungen, denn Julia sollte allen endlich als seine Verlobte präsentiert werden. Doch die von Herzfeldts möchten keine untugendhafte Tänzerin mit einer unehelichen Tochter am Hals in die Familie einheiraten lassen. Umso erleichterter sind die beiden, wieder nach Wien zu kommen, auch wenn ein grausames Verbrechen der Grund dafür ist.
Hier behilft sich Leopold auch erstmal mit einem Rat von Augustin Rothmayer, dem Totengräber. Auch wenn die beiden immer noch ihre Differenzen haben, helfen sie sich gegenseitig wenn Not am Mann ist. Der Hinweis auf die Freimaurer scheint ihn aber auf eine falsche Fährte zu schicken. Bei dem Fall bleibt der Totengräber eher im Hintergrund. Ich wünsche mir ja jedes Mal, dass sein Part etwas mehr Raum einnimmt, aber er bleibt dann doch meist eher eine Randfigur, was etwas schade ist. Immerhin gibt es einige Szenen auch mit seiner Adoptivtochter Anna, um die er sich kernbeißig, aber mit goldenem Herzen kümmert. Sie ist mittlerweile 15 oder 16 (so genau weiß das keiner) und ihre Lebensziele decken sich nicht unbedingt mit denen, die er für sie vorgesehen hat.
Julia ist ja mittlerweile als Journalistin tätig und bereitet einen Artikel über einen Arzt vor; und zwar niemand geringeren als Dr. Siegmund Freud. Seine Theorien wurden heftig diskutiert, vor allem die der "männlichen Hysterie", aber im Gespräch mit Julia erwähnt er auch die Neurasthenie. Oliver Pötzsch hat hier dem Psychoanalytiker als Ursache die Überforderung der Menschen in den Mund gelegt - die Überforderung durch die viel zu schnelle Weiterentwicklung der Technologien und mehr. Soweit ich weiß, hat Freud hier aber - wie man ihn kennt - damals auch diese Krankheit eher einer Störung der Libido zugeordnet. Aber ich fand diese Auslegung sehr gut getroffen, weil sie unseren Zeitgeist noch mehr widerspiegelt. Die vielen und schnellen Veränderungen sind einfach kaum noch zu verarbeiten und da braucht man sich nicht wundern, wenn die Stresskrankheiten immer mehr werden.
Es liest sich wie gewohnt flüssig und unterhaltsam. Durch die Themen wird man natürlich mit grausigen Details konfrontiert, die aber nicht zu anschaulich werden. Zumindest für mich - ich kann das immer etwas schwer einschätzen, weil andere da doch etwas sensibler reagieren. Es bleibt insgesamt aber bei einem lockeren Ton, in den der Autor auch immer wieder nachdenkliches einstreut und viel Gefühl für das Zwischenmenschliche beweist. Auch fügt er kleine Erinnerungen ein an die Vorgeschichten der Protagonisten, so dass man sich schnell wieder heimisch fühlt und man bei jeder Figur sofort ein Bild vor Augen hat. Die historische Szenerie blieb etwas im Hintergrund, auch wenn durch die Kutschenfahrten und die plötzlich überall auftauchenden Telefone oder die neue Elektrizität in manchen Etablissements das Gespür für diese Zeit da war. Die Ermittlungen sowie die Konflikte der Figuren untereinander hatten hier mehr Präsenz.
Der Fall selbst entwickelt sich als recht komplex und verwoben. Neben Leopold ist auch wieder Julia an seiner Seite; oder eher nicht, denn sie soll für ihn die ein oder andere Information beschaffen, was nicht ganz ungefährlich ist. Jedenfalls kommen einige Ungereimtheiten auf und viele Fragen, die nach und nach aufgelöst werden. Manche Spannungselemente waren nicht so meins, aber am Schluss gibt es noch viele lose Enden die mit kleinen Twists und Überraschungen aufwarten und ein aufregendes Finale bieten.
Das Thema Antisemitismus ist hier sehr mit der Handlung verflochten und die Bissigkeiten zwischen Herzfeldt und Paul Leinkirchner gehen dahingehend natürlich auch weiter. Dennoch zeigt Oliver Pötzsch, dass Menschen, auch wenn sie ein verqueres Denken haben, auch positive Seiten haben können. Hass zu fördern schadet immer, auf beiden Seiten :) Es wurden viele Parallelen zur Gegenwart gezogen was die gesellschaftlichen Entwicklungen dahingehend betrifft - was ich zum einen gut finde, weil es immer wichtig ist, darauf hinzuweisen. Durch die vielen Wiederholungen wirkte es auf mich manchmal ermüdend, da ich die Ansicht ja teile und vielleicht wäre es etwas subtiler sogar tiefgreifender gewesen. Verschwörungstheorien kreisen ja schon seit Jahrhunderten durch die Köpfe der Menschen und das wird wohl auch noch weiterhin so bleiben ...
Toll fand ich, dass mit Anna, die der Totengräber adoptiert hat, auch ein Einblick auf die Frauenbewegung stattfinden konnte. Anna hat großes Interesse an Medizin, doch in Österreich war es den Frauen noch untersagt zu studieren oder gar Ärztin zu werden - entgegen anderen Ländern, wo das schon möglich war. Ebenso muss Julia auch immer gegen Vorurteile kämpfen und nützt dafür die "Waffen der Frauen" sehr geschickt. Das mögen viele vielleicht heutzutage als billig ansehen, aber zu der Zeit blieb nicht viel anderes übrig und wenn die Männer drauf reinfallen, kann man das durchaus machen. Ich finde da muss man die Perspektive sehen, denn an sich haben die Frauen dabei Oberwasser auch wenn es den Männern nicht so vorkommt ;)
Im Nachwort erfährt man wieder einiges über die historischen Hintergründe und Personen, die hier mitspielen und es gibt auch ein Glossar für die österreichischen Ausdrücke im Dialekt, die vielleicht nicht jeder immer gleich auf Anhieb zuordnen kann.
Historik und Spannung kunstvoll miteinander verflochten
Klappentext: Ein blutiges Ritual erschüttert das vornehme Wien des Jahres 1896: Bei einer vermeintlich satanistischen Messe wurde eine junge Frau bestialisch ermordet, ihre Kehle durchgeschnitten, Zunge und Herz fehlen. Als Inspektor Leopold von Herzfeldt mit den Ermittlungen beauftragt wird, stößt er auf eine Freimaurer-Loge. Aber hat er es wirklich mit Teufelsanbetung zu tun? Der Totengräber Augustin Rothmayer, empört über eine Grabschändung auf dem Zentralfriedhof, bietet ihm seine Hilfe an. Gemeinsam mit Herzfeldts Verlobter, der scharfsinnigen Reporterin Julia Wolf, und dem aufstrebenden Nervenarzt Dr. Sigmund Freud folgen sie einer Spur, die sie in die Abgründe der Wiener Gesellschaft führt, wo hinter okkulten Ritualen und antisemitischen Geheimbünden eine Ideologie heranwächst, die Jahrzehnte später die Welt ins Verderben stürzen wird.
„Der Totengräber und der Orden des Teufels“ ist der 5. Band der Totengräber-Reihe von Oliver Pötzsch.
Der Autor hat ein Händchen für interessante Protagonisten. So hat er auch für diese Reihe wieder großartige Charaktere geschaffen. Der Totengräber, ein kauziger Wiener, gefällt mir besonders gut. Seine Gehilfin und Adoptivtochter Anna, die ihm zurzeit viele Sorgen bereitet, ist auch sehr gut getroffen. Anna ist intelligent und wissbegierig. Ihr Wunsch ist, Ärztin zu werden, doch in Österreich dürfen Frauen noch nicht studieren. Und natürlich waren mir der Ermittler Leopold von Herzfeldt und die Reporterin Julia Wolf schnell sympathisch. Ich verfolge die Charaktere schon seit dem 1. Band und immer wieder entdeckt man neue Seiten an ihnen.
In diesem Band wird eine junge Frau bei einer Teufelsbeschwörung getötet. Ihr wurden die Zunge und das Herz herausgeschnitten. Dazu wurden noch merkwürdige Zeichen auf der Leiche gefunden, die allen Anschein nach auf die Freimaurer hindeuten. Hier bekommt Leopold von Herzfeldt wichtige Hinweise von Augustin Rothmayer. Der Hauptverdächtige in diesem Mordfall ist Ferdinand von Tatten, der Freund der jungen Frau. Doch Ferdinand von Tatten scheint verrückt geworden zu sein und ist in einem Sanatorium. Des Weiteren ist ein großer Anschlag in Wien geplant, den es zu verhindern gilt. Die Journalistin Julia Wolf plant einen Artikel über Dr. Sigmund Freud.
Privat sind Leopold von Herzfeldt und Julia Wolf mit der Wohnungssuche beschäftigt, die allerdings bei all dem Trubel in den Hintergrund rückt.
Oliver Pötzsch erzählt die Geschichte unterhaltsam und sehr interessant. Als Leser*in wird man in das Jahr 1896 versetzt. Die Beschreibung von Wien im späten 19. Jahrhundert ist sehr gelungen. Auch der Einblick, den man von den Freimaurern bekommt, ist interessant. Der Schreibstil von Oliver Pötzsch gefällt mir schon immer sehr gut. Er ist flüssig, gut verständlich und fesselnd. Der Autor versteht es, Spannung aufzubauen und auch seine Leser*innen immer wieder in die Irre zu führen. Oliver Pötzsch vermittelt viel interessantes Wissen auf eine unterhaltsame Art und es macht immer wieder Spaß, seine Bücher zu lesen. Besonders seine historischen Romane wie die Faustus-Reihe haben mich gefesselt. In der Totengräber-Reihe verknüpft Oliver Pötzsch gekonnt Historie und Krimi miteinander. Ich habe auch den 5. Band genauso wie die vorherigen verschlungen. Jetzt hoffe ich, dass die Reihe weitergeht.
Auch dieser Teil ist dicht in seinem Beziehungsgeflecht und die Kombination an Fall und Privatleben und das in angenehmer Weise. Etwas konventionell empfand ich dann den Aufbau, der Lösung nahe, aber kurz vor Nennung des Täters geht das Licht aus und so etwas. Aber natürlich auf sprachlich gutem Niveau. Einige Fäden aus den letzten Bänden werden aufgegriffen und aufgelöst. Freud spielt eine große Rolle. Und es gibt einen Cliffhanger, innen nicht alle Schuldigen gefasst werden, da Größeres geplant ist.