Greta war fünfmal verheiratet, und alle Ehemänner bis auf einen sind kurz nach der Hochzeit gestorben. »Die Bienenkönigin« nennt man sie in der Familie. Als ihre Enkelin Lola ihre kleine Tochter nach der unbekannten Großmutter benennt, bricht ein jahrzehntealter Familienkonflikt wieder auf. Warum hat Lolas Mutter Marie den Kontakt zu Greta abgebrochen? Neugierig besucht Lola die 87-Jährige und entdeckt hinter den Gerüchten eine Frau mit einer außergewöhnlichen Lebensgeschichte. Von den 1950er Jahren bis heute entfaltet sich ein bewegendes Panorama weiblicher Selbstbestimmung, tragischer Verluste und unerwarteten Glücks.
Dieses Buch kam zu einem Zeitpunkt in mein Leben. Als ich es wirklich gebraucht habe – das wusste ich natürlich erst, nachdem ich es gelesen habe. Es gab mir Trost und Reflektionen in einer schwierigen Situation. Damit ist diese jetzt nicht bewältigt, aber ein bisschen Salbe ist schon drauf!
Marie ist wütend, und zwar dauerhaft! Auf ihre Mutter, die sie nur Bienenkönigin nennt und zu der sie schon seit Jahrzehnten keinen Kontakt mehr hat. Ihr Name darf nicht ausgesprochen werden, und auch sonst wird Greta nur negativ beleuchtet. Als Maries Tochter Lola einem Mädchen, das Leben schenkt, nennt sie diese auf Wunsch des Vaters Greta. Lola nimmt das zum Anlass, nach ihrer Oma zu forschen. Doch alle Fragen bleiben unbeantwortet und so macht sie sich alleine auf den Weg, sie zu suchen. In einem Seniorenheim wird sie fündig und Greta erzählt ihr ihre Version ihres Lebens. Warum war sie fünf mal verheiratet? Und was ist eigentlich das Problem von Marie? Es entspinnt sich die Geschichte einer Frau, der das Schicksal nicht immer gewogen war und die trotzdem zu sich selbst und ihren Bedürfnissen steht
Judith Reusch hat die Komplexität von Familienkonflikten sehr anschaulich zu Papier gebracht. Hier gibt es keine Seite, der man eindeutig Recht geben könnte. Alles hat irgendwo seine Berechtigung. Marie hat mich zwar oft mit Kopfschütteln zurückgelassen, aber auch solche Menschen gibt es in Familien. Ich fand es gut wie mit ihr um umgegangen wurde. Greta, die hübsche, zierliche, integere Frau, hat auch nicht immer alles richtig gemacht, aber sie hatte auch viel auszuhalten. Sie hat bedingungslos geliebt, ohne etwas zu erwarten, musste aber feststellen, dass es Menschen gibt, die nur lieben können, wenn sie dafür auch etwas bekommen. Ich hätte gerne noch mehr über Marie erfahren und ihren Umgang mit dem Konflikt im Rückblick. Das Ende ist aber nicht auserzählt, was ich einerseits bedauerlich, aber andererseits auch sehr gut finde.
Die Männer kommen in diesem Buch übrigens besonders gut weg (also Empfehlung an diese kleine Buch Bubble hier, die sich immer darüber beschwert, dass es zu viel Männer Hass in der Literaturbranche gibt – lest dieses Buch, hier werdet ihr geliebt😉) Sie sind emotional anwesend, lassen ihren Frauen Freiraum und grenzen sich trotzdem ab. Fast wie im Märchen.😁
Die stilistischen Elemente, die Judith Reusch gewählt hat, machen den Roman ziemlich abwechslungsreich, mal erzählt, Lola, mal, Marie, Greta liest ihre Geschichte vor, und dann wiederum gibt es weitere Erzählstil, die einen wichtigen Part zum Leben der Protagonist*innen beigetragen haben.
Das Buch zeigt hervorragend, wie sich Familienkonflikte von Generation zu Generation weiter tragen können, wenn nicht eine Person kommt und sie durchbricht. Dieser Gedanke treibt auch mich gerade um. Die Rolle einer Mutter wird hier auf verschiedenste Art und Weise definiert und bietet Leserinnen die Möglichkeit ihre eigene zu überdenken.
Eine große Leseempfehlung für alle, die Romane über komplexe Beziehungen mögen und einen abwechslungsreichen Erzählstil schätzen
"Gretas Männer" von Judith Reusch: Eine Familienaufarbeitung, die sich leichtfüßig liest, aber für mich nicht ganz funktioniert hat.
Marie ist wütend. Auf ihre Tochter Lola, die wiederum ihre Tochter nach Maries Mutter Greta benannt hat. Diese Greta, über die in der Familie viele Geschichten erzählt werden. Weil sie so oft geheiratet hat und fast alle ihre Ehemänner schon nach kurzer Zeit verstorben sind, wird sie "die Bienenkönigin" genannt. Sie selbst nennt sich "uralte Morla" (was mir sehr gefallen hat, wie ihr euch denken könnt) und versteht den Wirbel um ihre Person nicht - und auch nicht, warum ihre Tochter Marie schon seit Jahren keinen Kontakt mehr zu ihr hat. Über eine Geburtsanzeige von Lola kommt Greta nun mit ihrer Enkeltochter in Kontakt und erzählt ihr bei mehreren Treffen ihre Lebensgeschichte. Jede Ehe, jeden Lebensabschnitt schildert sie ausführlich, es entblättert sich dadurch auch ein Zeitpanorama, die historische Erzählung eines Lebens. Was sich leider weniger entblättert, ist die Beziehungsgeschichte zu ihrer Tochter Marie. Diese auf alles wütende, eher verschlossene Marie, die ebenfalls ein großes Geheimnis aus dem Zerwürfnis ihrer Mutter macht. Ohne viel spoilern zu wollen: Die vielen Ehen haben etwas damit zu tun, eine Adoptivtochter von Greta ebenso - und ein schrecklicher Unfall, dem Marie beiwohnen musste. Doch am Ende steht weiterhin nur Aussage gegen Aussage: Greta betont wiederholt, wie selbstsüchtig, wie aufmerksamkeitssüchtig Marie war, Marie behauptet ähnliches über ihre Mutter. Selbst in einer komplizierten Familie aufgewachsen, kann ich Maries Wut durchaus nachvollziehen, letztendlich ist mir der psychologische Moment, die Beziehungsdynamik der Familie aber zu wenig herausgearbeitet. So spannend sich Gretas Leben auch liest, die groß eingeführte Familienwut wird mir am Ende nicht genug beleuchtet. Sowohl Marie als auch Lola bleiben etwas blass, während Greta quasi als Überfigur leuchtet. Ich hätte gerne einen differenzierter ausgearbeiteten Roman gelesen, wer aber einfach die spannende Lebensgeschichte einer Frau lesen möchte, wird an "Gretas Männer" sicherlich viel Freude haben.
Einen Stern für jeden Mann!! Einfach nur wundervoll! Ein Roman mit unheimlich liebevoll gestalteten Charakteren und einem tollen Schreibstil. Das gehört definitiv zu meinen neuen Lieblingsbüchern:)
"Ich bereue nichts. Nichts, was ich getan habe. Ich bereue nur das, was ich nicht getan habe.“ (Kapitel 13)
Die 30-jährige Lola hat ihre Großmutter Greta nie kennengelernt. Ihre Mutter Marie wollte das nie – zu viel ist zwischen ihr und Greta vorgefallen. Seit ihrem Studium hat Marie keinen Kontakt mehr zu ihr. Allein die Tatsache, dass Greta fünfmal verheiratet war, ist für sie kaum zu ertragen. „Alle ihre Männer hat sie unter die Erde gebracht“, witzelte sie auf Familienfeiern. Verzeihen konnte Marie ihrer Mutter nie – und so war es für sie nur konsequent, auch Lola den Kontakt zu verbieten.
Doch als Lola selbst ein kleines Mädchen zur Welt bringt, trifft sie eine Entscheidung, die alles verändert: Sie nennt ihre Tochter Greta. Sehr zum Missfallen ihrer Mutter schaltet sie zudem eine Geburtsanzeige in der lokalen Zeitung. Wenige Tage später erhält die kleine Greta Post von ihrer Urgroßmutter – die ganz in der Nähe in einer Seniorenresidenz lebt.
Lolas Neugier ist geweckt. Sie beschließt, die „Persona non grata“, wie Marie sie nennt, zu besuchen. Und dort bekommt Greta zum ersten Mal die Möglichkeit, ihre eigene Version der Geschichte zu erzählen. Mit jedem Stück, das sie preisgibt, lernen nicht nur Lola, sondern auch wir sie und ihr Leben besser kennen.
Was für eine berührende Geschichte. Greta ist eine unglaublich warmherzige Frau, die man sofort ins Herz schließt. So ehrlich und nah erzählt sie von ihrem Leben und all den Verlusten, die sie geprägt haben. Besonders gefielen mir Lulus Assoziationen zwischen Menschen und Blumen. Auch die Einschübe anderer Personen, die ihre Sicht auf Greta schildern, haben der Geschichte noch einmal mehr Tiefe gegeben.
Ich durfte das Buch nicht nur lesen, sondern auch parallel das Hörbuch hören, das von Irina Scholz und Fanny Bechert sehr stimmungsvoll eingesprochen wurde.
Fazit: Eine berührende, authentische Familiengeschichte mit viel Gefühl und starken Figuren. Für mich eines der schönsten Generationsromane der letzten Zeit. 5/5
“Gretas Männer” von Judith Reusch handelt von Lola, Marie und Greta. Greta war fünfmal verheiratet und ihre Tochter Marie hat den Kontakt zu ihr bereits vor der Geburt ihrer eigenen Tochter Lola abgebrochen. Nun tritt Greta mit ihrer Enkelin in Kontakt und erzählt ihr von ihrem Leben in der Hoffnung, die Beziehung zu Marie kitten zu können. Die Prämisse des Hörbuchs fand ich sehr interessant - letztlich die Lebensgeschichte und widersprüchliche gesellschaftliche Bewertung einer Frau, die im Süddeutschland der 1950er-199er ihren eigenen Weg gegangen ist. Die zwei verschiedenen Erzählebenen, die von Fanny Bechert und Irina Scholz gelesen werden, vermitteln den Konflikt von Außenbewertung und Realität der Hauptfigur. Allerdings gelingt es der Autorin nur mäßig, den Bogen sprachlich und emotional zusammenhängend zu schlagen. Gretas rückblickende Erzählung ihres Lebens und ihrer Ehen ist interessant und fesselnd. Der Schreibstil und das Aufeinandertreffen der Figuren im Gegenwarts-Strang scheint allerdings von jemand anderem verfasst worden zu sein. Die Figuren haben keine Chemie untereinander, die Dialoge wirken künstlich, Konflikte aufgebauscht und/oder an den haaren herbei gezogen und schlecht geplottet. Dazwischen Einschübe von Nebenfiguren, die entweder gar keine Rolle spielen, sondern nur eine abweichende (schlechte) Meinung über die Protagonistin wiedergeben sollen oder deren Hintergrund für die Geschichte vollkommen irrelevant ist. Der letztliche Konflikt zwischen Greta und Marie wird aus beiden Sichtweisen zwar erläutert, aber nie gegenübergestellt oder gar gelöst, sodass ich mir dann auch dachte, what’s even the point? Hier hat für mich ganz viel nicht zusammen gepasst (inkl. der Sprecherin, die in einem Satz die Autorin “Isabel All-Ende” erwähnte - sorry, aber diesen Namen sollte man aussprechen können.) - die Geschichte Gretas hat es für mich ein bisschen rausgerissen; wäre das gesamte Buch im Stil von Lolas Gegenwart verfasst worden, hätte ich es abgebrochen.
*Das Hörbuch wurde mir kostenfrei vom Verlag zur Verfügung gestellt.
Greta war fünfmal verheiratet, und alle Ehemänner bis auf einen sind kurz nach der Hochzeit gestorben. »Die Bienenkönigin« nennt man sie in der Familie. Als ihre Enkelin Lola ihre kleine Tochter nach der unbekannten Großmutter benennt, bricht ein jahrzehntealter Familienkonflikt wieder auf. Warum hat Lolas Mutter Marie den Kontakt zu Greta abgebrochen? Neugierig besucht Lola die 87-Jährige und entdeckt hinter den Gerüchten eine Frau mit einer außergewöhnlichen Lebensgeschichte. Von den 1950er Jahren bis heute entfaltet sich ein bewegendes Panorama weiblicher Selbstbestimmung, tragischer Verluste und unerwarteten Glücks.
Eine ganz wunderbare Geschichte, die ich in jeder freien Minute weiterhören wollte! Ich hatte von diesem Hörbuch gar nicht so viele Erwartungen aber die Geschichte hat mich wirklich umgehauen! Der Schreibstil ist so berührend und echt, voll Emotionen und einfach toll, Greta ist so eine besondere Protagonistin mit der ich einfach nur mitgefühlt und mitgefiebert habe und die so unverstanden gewesen ist zu ihrer Zeit! Sie ist eine heimliche Heldin und steht doch als das Gegenteil da!
Eine Geschichte die gegen Vorurteile spricht und mit diesen aufräumt auf ganz wunderbare Weise! Ich war sehr berührt und kann nur eine große Empfehlung aussprechen!
Großartig haben auch die beiden Sprecherinnen gelesen und die Geschichte lebendig gemacht. Sie haben sehr gut zur jeweiligen Person gepasst-zur Vergangenheit und zur Gegenwart- und haben so zu einem richtigen Hörvergnügen beigetragen!
Kennt ihr die Frage: Welche zehn Personen (real oder fiktiv) würdet ihr zum Abendessen einladen ? Ich würde Greta einladen! Ich habe zwar schon einiges über Leben erfahren, aber es bleiben so viele Fragen. Das Abendessen wäre bestimmt spannend! Mir passiert es nicht häufig, dass ich bei Büchern sowohl in Tränen aufgelöst bin, im nächsten Moment aber lachen muss (Ich sage nur „Wann hatten Sie ihre letzte Periode“?). Ein Buch das mich noch einige Zeit beschäftigen wird. Eine echte Empfehlung!