In Talkshows, in Bundestagsdebatten, am Abendbrottisch – überall wird über »Opfer« gesprochen. Doch zunehmend sind damit nicht Menschen gemeint, denen Unrecht widerfahren ist. Sondern solche, die die Harmonie stören, als verweichlicht gelten, andere herunterziehen oder sich über sie stellen wollen.
»Opfer« – das ist längst ein Vorwurf geworden. Wenn Menschen nicht so viel jammern würden, heißt es, hätten wir nicht so viele Probleme. Was passiert in unserer Gesellschaft, wenn Sensibilität als elitär gilt, das »Recht des Stärkeren« dagegen als egalitär und authentisch?
In ihrem neuen Buch beschreibt Alice Hasters einen medial verstärkten kulturellen Wandel, der nicht zufällig mit einem Aufschwung von Autoritarismus und Faschismus einhergeht. Doch auch diese Systeme brauchen »Opfer«: vermeintlich fragile, verwundbare Figuren, die es zu schützen gilt, um die Politik der Härte zu rechtfertigen – Frauen und Kinder, die »europäische Kultur« oder der »Wohlstand«.
Mit intellektueller Unruhe und unbeirrter Klarheit benennt Hasters die verheerenden Folgen dieser Politik und stellt ihnen die politische Kraft der Verbundenheit gegenüber.
»Eine kluge, ehrliche und reflektierte Zeitdiagnose.« Claas Christophersen, NDR Kultur über Identitätskrise
»Hasters Worte haben eine starke Wirkkraft, gerade weil sie Widersprüche aushält. Ihre gesellschaftlichen Analysen sind intelligent und ihre Forderungen nach Veränderung sind herausfordernd und zugleich hoffnungsvoll.« Naomi Asal, Mephisto 97.6
Alice Hasters was born in Cologne in 1989. She studied journalism in Munich and works for broadcasters such as Tagesschau and RBB. She discusses feminism and pop culture with Maxi Häcke in the monthly podcast Feuer&Brot. Alice Hasters lives in Berlin.
Keine Rezi nur nächtliche Emotionen direkt nach dem Lesen:
Ich habe beim Lesen viel nachgedacht, geweint, genickt, geschmunzelt, hinterfragt, verstanden noch mehr geweint & an die Narben dieser Welt und meine und vllt. unsere nicht heilende(n) Narbe(n) betrachtet. Also die Sichtbaren (fuck you patriarchale deutsche Gewaltchirurgie) und die Unsichtbaren (Recovery & Community Care ist möglich, also ohne Fritze Merz halt und ohne Instrumentalisierung von marginalisierten Menschen und Subalternen, aber vllt. checkt das ja irgendwann doch auch mal so ein gekränkter Stöpsel im Politkindergarten).
Wann ist jemand ein gutes Opfer? Jemand, mit dem Menschen Mitleid haben? Und kann man sich eigentlich entscheiden ein Opfer zu sein? Ist das gut oder schlecht?
Wie immer beleuchtet Alice Hasters das Thema aus allen möglichen Blickwinkeln und teilt ihre klugen Gedanken mit uns. Wie immer kann ich ihr dabei endlos lange zuhören. Weil es einfach immer bereichernd ist ihre Ideen nachzuvollziehen und eigene Überzeugungen zu hinterfragen.