Wenn du weißt, dass du für jemanden die ganze Welt bist
Als Pina mitten auf der Straßenkreuzung zusammenbricht, hat sie nur einen Wer kümmert sich jetzt um Leo? Ihr Sohn ist zwanzig Jahre alt und lebt in seiner eigenen Welt, die außer ihm nur Pina kennt. Morgens verlässt er das Bett erst, wenn eine grüne Blase in seiner Lavalampe aufsteigt. Wenn er Treppen geht, dann in seinem eigenen immer zwei Schritte vor und einen Schritt zurück.
Die übrigen Hausbewohner verstehen den merkwürdigen Jungen nicht. Die sechzehnjährige Schulabbrecherin Zola, der resignierte Einsiedler Wojtek und die lebensmüde Seniorin Inge haben mit sich selbst schon genug zu tun. Doch jetzt liegt Pina auf der Intensivstation und Leo ist zum ersten Mal allein in der Wohnung. Die Nachbarn sind in Schockstarre. Sie können doch wohl nicht zuständig sein! Aber Leo braucht sie. Und während diese ungewöhnliche Truppe durch einen völlig neuen Alltag stolpert, realisiert jeder Einzelne von Sie brauchen Leo auch.
Wow, was für ein Buch! Wahnsinnig gut geschrieben, wahnsinnig emotionale Story, es hat mich von Anfang bis Ende in seinen Bann gezogen und ich werde noch sehr sehr lange daran denken <3 nicht nur Pina und Leo haben mein herz für sich gewonnen, sondern j e d e einzelne Person!
„Pina fällt aus“ hat mich sehr berührt. Vera Zischke gelingt beeindruckend gut, die vielen kleinen Eigenheiten von Menschen mit Behinderung so fein und liebevoll zu beschreiben, sodass man schmunzeln muss. Gleichzeitig wird schonungslos deutlich, wie viel Last pflegende Eltern tragen. Das Buch beschreibt genau das, was ich fast täglich erlebe: ein System, das häufig nicht trägt, sondern erschwert. Durch fehlende Hilfen, komplizierte Abläufe und Strukturen, die eher bremsen als unterstützen.
Besonders stark ist, wie das Buch auf viele andere Themen aufgreift: die geringe Bezahlung in Werkstätten, das fehlende Mitspracherecht von Menschen mit Behinderung und die langen Wartezeiten auf zB Plätze in Wohngruppen.
Es tut gut, eine so ehrliche, realistische und zugleich so liebevolle Darstellung zu lesen. Ich freue mich sehr für alle pflegenden Eltern, dass Vera Zischke ihnen mit diesem Buch Sichtbarkeit gibt. Props an alle pflegenden Eltern da draußen. Und happy Welt-Autismus-Tag!
Ein absolutes Lesehighlight ..... stilistisch, sprachlich und inhaltlich passt für mich einfach alles in diesem Buch!
Leo ist 20 Jahre alt....und in seinen Eigenarten und Einschränkungen auf die Unterstützung durch seine Mutter Pina angewiesen. Doch diese kollabiert auf offener Straße....und Leo bleibt in der Hausgemeinschaft mit seinen skurrilen Nachbar/innen zurück.....!
Die liebenswerten Charaktere dieses Romans werden mir lange im Gedächtnis bleiben!
„Pina fällt aus“ ist einer dieser Romane, bei denen ich schon nach wenigen Seiten gemerkt habe, dass sie mich mit einem guten Gefühl zurücklassen werden. Was zunächst nach einer dramatischen Ausgangssituation klingt, entwickelt sich zu einer warmherzigen, klugen und immer wieder überraschend witzigen Geschichte über Nachbarschaft, Verantwortung und gelebte Inklusion.
Als Pina plötzlich ausfällt und ihr behinderter Sohn Leo zum ersten Mal auf sich allein gestellt ist, müssen Leos Nachbarn ihr Komfortzone verlassen. Nach und nach wächst die ungewöhnliche Hausgemeinschaft über sich hinaus. Die Figuren sind wunderbar eigenwillig, glaubwürdig und sehr warmherzig gezeichnet. Jede von ihnen bringt ihre eigenen Verletzungen, Ängste und Lebensthemen mit, sodass nicht nur Leo Unterstützung braucht, sondern auch die anderen durch ihn damit konfrontiert werden.
Besonders gelungen fand ich, wie leicht und flüssig sich der Roman lesen lässt, ohne dabei seine wichtigen Themen oberflächlich zu behandeln. Immer wieder gibt es witzige Momente, die die Geschichte auflockern, gleichzeitig regt sie zum Nachdenken darüber an, was Inklusion im Alltag eigentlich bedeutet und wie schnell Menschen einfach ausgeschlossen werden. „Pina fällt aus“ ist für mich deshalb ein echter Wohlfühlroman.
Leo ist 20 Jahre alt und hat eine Entwicklungsstörung aus dem Autismus-Spektrum. Der junge Mann wird jeden Tag von einem Fahrdienst zur Arbeit in einer Behindertenwerkstatt abgeholt. Leo braucht seine Mutter ständig als Dolmetscherin für die Welt draußen, und sie muss alles von ihm fernhalten, das ihn so aufregt, dass er mit den Händen wedeln muss. Als Pina in lebensbedrohlichem Zustand zusammenbricht und ins Krankenhaus eingeliefert wird, stellt sich die Frage, wer Leo überhaupt begreiflich machen kann, was passiert ist, und wer Pinas Rolle als Löwin übernehmen kann, die ihr Junges verteidigt. Dass es theoretisch einen Sozialdienst gibt, hilft so wenig wie der Besuch einer Polizeistreife im Haus.
Pinas und Leos Nachbarn zeigen sich als besondere Charaktere, von denen jeder für eine Form von Vereinsamung steht. Inge findet mit über 80 Jahren, dass sie lange genug gelebt hat und erhielt gerade die Aufforderung ihrer Rentenversicherung, zu beweisen, dass sie noch am Leben ist. Wojtek, Sohn von Einwanderern aus Polen, arbeitet im Home-Office und hat ein Problem mit seiner Online-Beziehung nach Jakutien. Die 16-jährige Zola wurde nach ihrem Schulabbruch von ihrem Vater, dem Besitzer des Wohnhauses, ins Haus versetzt, damit sie den Ernst des Lebens begreift. Gemeinsam gelingt es ihnen zwar, Kontakt zu Leo aufzunehmen, Pina allerdings kann noch lange nicht aus der Intensivstation ins Leben zurückkehren. Dort arbeitet der Pfleger Sam mit besonderem Talent für unlösbare Aufgaben – wie der Fall Pina und Leo.
Fazit Vera Zischke zeigt mit großer Empathie für alle Beteiligten, wie die Symbiose zwischen einer Person mit besonderen Bedürfnissen und der verantwortlichen Betreuerin entsteht. Leos Leben steht erst am Anfang. In Leos Umfeld dauert es, bis seine Helfer erkennen, dass er dringend ein Leben außerhalb seiner Mutter-Sohn-Blase braucht – und wer könnte das besser verwirklichen als dieses bunte Trüppchen. Inges Grübeln, warum manche Menschen nur schwer 13 Geheimnisse in ihrem Leben zusammenbekommen, lässt darüber hinaus in das Thema Vereinsamung Alleinstehender blicken. Warum gibt es für sie Unterstützung nur theoretisch und warum halten wir „das Kümmern“ stets für kompliziert, frage ich mich. Ein berührender Roman, der Einblick ins Denken und die Sprache eines jungen Mannes mit Autismus gibt.
"Es ist eine große Aufgabe, die Welt für jemanden passend zu machen, die nicht für ihn geschaffen ist."
„Vielleicht sollten wir darüber nachdenken, ob es nicht vielmehr ein Spektrum des Menschseins gibt, auf dem sich alle irgendwie bewegen, nur eben jeder an einer anderen Stelle.“
Eigentlich könnte ich diese Rezension einfach nur mit Textstellen aus dem Buch füllen, denn diese sprechen für sich und würden euch alle mit Sicherheit überzeugen dieses unglaublich kluge Buch zu lesen. „Pina fällt aus“ ist ein Buch bei dem man sich denkt „Ich lese mal eben kurz rein“ und plötzlich hat man es doch in einem Rutsch durch.
Im Mittelpunkt steht Pina, die ihr Leben ganz ihrem Sohn Leo widmet, der die Welt auf seine eigene Weise erlebt. Als sie plötzlich ausfällt, bleibt Leo nicht nur allein zurück. Auch die Nachbarn, die bisher kaum etwas miteinander zu tun hatten, müssen plötzlich zusammenhalten. Und genau hier entfaltet die Geschichte ihren besonderen Zauber: Aus Fremden wird nach und nach eine Gemeinschaft, in der jeder seinen Platz findet.
Vera Zischke greift die Frage, was eigentlich als „normal“ oder „einfach“ gilt, sehr feinfühlig auf und lässt sie ganz natürlich in die Geschichte einfließen, sodass man beim Lesen unweigerlich anfängt, die eigene Sicht darauf zu überdenken.
Trotz der ernsten Themen, die aufgegriffen werden, fühlt sich alles erstaunlich leicht und nahbar an. Mit leisen, warmen und manchmal sogar humorvollen Szenen. Die Figuren sind dabei so vielschichtig und machen die Geschichte zu etwas ganz Besonderem. Ein ehrlicher Roman über Menschlichkeit und die unerwartete Kraft von Gemeinschaft. Absolutes Must-Read!
Inklusion ist keine Last, sondern der Weg zu einer menschlicheren und gerechteren Welt für alle - frei aus der Danksagung der Autorin übernommen. Dieses Buch hat mich sehr berührt und mir wieder vor Augen geführt dass wir als Gesellschaft, als Freundeskreise, als Familien, wieder mehr zusammen rücken müssen.
Seit ihr Sohn Leo auf der Welt ist, setzt Pina sich für ihn ein. Bald nach der Geburt war zu merken, Leo funktioniert nicht so. Leo ist anders. Seit zwanzig Jahren gehört jeder Gedanke Pinas der Sorge um Leo. In letzter Zeit allerdings fühlt sich Pina nicht so. Es geht ihr alles schwer von der Hand. Das Ignorieren funktioniert nicht so wie sonst. Und dann bricht sie mitten auf der Straße zusammen, kommt ins Krankenhaus und muss notoperiert werden. Pina fällt aus und sie kann sich nicht äußern. Wie soll Leo das überstehen? Die über achtzigjährige Inge, bei der Leo manchmal ein paar Stunden verbringt, merkt natürlich, dass Pina nicht kommt, um Leo abzuholen.
Und manchmal funktioniert Nachbarschaft doch, möchte man hoffen. Obwohl Inge in ihrem Alter nicht mehr so fit ist, kümmert sie sich erstmal. So einfach ist das nicht, denn Leo braucht seine Rituale, um einigermaßen zur Ruhe zu kommen. Zur Hilfe kommen Zola und Wojtek, die auch im Haus wohnen. Wojtek wirkt auch wie ein Eigenbrötler, der zum Glück einfacher kommunizieren kann als Leo. Zola dagegen ist eher aufbrausend. Sie ist erst Sechszehn und ihr Vater hat sie rausgeschmissen und sie eben in einer seiner Müllwohnungen untergebracht. Wenn Zola etwas hat ist es Zeit, um das Rätsel Leo zu entschlüsseln.
Hier wird aus einem Haus mit Wohnungen, deren Bewohner sich kaum kennen, beinahe eine Wohngemeinschaft. Als Pina zusammenbricht, befürchtet man, dass Leo untergeht. Wie soll er zum Bus kommen? Bekommt er was zu Essen? Wie soll man ihm erklären, dass die Mutsch nicht da ist? Wunderbar, wie sich die Nachbarn zusammenraufen. Sie ergänzen sich und versuchen Leos Alltag so zu organisieren, dass er möglichst wenig merkt, dass eigentlich nichts so ist wie es war. Inge ist froh, gebraucht zu werden. Zola ist froh, dass sie endlich mal was richtig macht. Wojtek muss ab und zu mal vor die Tür und das ist auch nicht verkehrt. Nicht nur Leo lernen sie besser kennen, auch untereinander wachsen sie mehr zusammen. Dieser Roman macht echt Hoffnung, dass noch nicht alles verloren ist. Auch wenn es mit Leo schwierig ist, keiner gibt auf und sie halten zusammen. Schön.
Man gönnt Pina die Ruhe, die sie auf dem Titelbild ausstrahlt.
Aus meinem beruflichen Kontext heraus weiß ich, dass Menschen mit Autismusspektrum schwer an Bildungsangeboten teilhaben können. Oft ist es zu laut und zu viel, auf die individuellen Bedürfnisse kann nicht eingegangen werden, weil Zeit und Raum und Mensch dazu fehlt. Inklusion ist meist nur ein Wort. Das reicht bis ins Private.
Pina ist alleinerziehend. Ihr Sohn ist zwar schon 20 Jahre alt, aber alles andere als selbstständig. Er kommt aus dem Autismus Spektrum und und alles, was ihn erreicht muss anders verarbeitet werden. Kommunikation wird komplizierter gelebt und die Reaktion auf Überforderung ist selten gesellschaftkonform“. Tagesabläufe sind von Ritualen bestimmt die Zeit brauchen. Pina ist mit dem Alltag sehr alleine. Als sie eines Tages umkippt und sich nicht mehr um ihren Sohn kümmern kann, schleudert das Leo in eine neue Realität.
Zum Glück ist er gerade bei einer Nachbarin, die einmal in der Woche so lange auf ihn aufpasst, wie Pina einkaufen geht. Inge ist schon über 80 und den Besonderheiten des jungen Mannes scheinbar nicht gewachsen. Als sie merkt, dass die Mutter von Leo nicht mehr zurückkommt, ist sie völlig überfordert und bekommt erst Hilfe von den Nachbarn als deren Ruhe gestört wird. Hier lebt jeder eher anonym für sich. Doch der Umgang mit dem autistischen Leo fordert sie. Sowas schweißt zusammen. Dabei hat jeder auch ein eigenes Päckchen zu tragen.
Besonders die 16jährige Zola hat mich sehr für sich eingenommen. Ihr ruppiges auftreten hat einen ganz eigenen Charme, der mich sofort erreicht hat. Leo legt ihre sozialen Kompetenzen frei und man merkt förmlich, wie die harte Schale nach und nach wegbröckelt. Auch in diesem Roman wird mal wieder deutlich das Frauen bei auftauchenden Problemen handlungsfähiger sind, als Männer doch hat hier jede Figur ihre besonderen Fähigkeiten, die Leo weiterhelfen. Leicht ist zu erkennen, worauf Vera Zischke hinaus will. Wenn alle etwas dazu beitragen, ist es für den Einzelnen keine Last, sich um Menschen zu kümmern, die außerhalb unserer Norm leben. So funktioniert Inklusion.
Pinas Geschichte spielt eine Nebenrolle, ist aber für die Handlung nicht uninteressant. Besonders den Ehrgeiz, es mit dem Jungen zu schaffen und dann nicht loslassen zu können, wenn die Zeit dafür gekommen ist, konnte ich sehr gut nachfühlen.
Die Autorin schafft es, Emotionen zu transportieren, die einen wirklich tief drinnen erreichen und den Kit trotzdem außen vor zu lassen. Die Lebensrealität von Leo und Pina wird so wiedergegeben, wie sie tausendfach in unserer Gesellschaft gibt. Nur sehen wir das selten.
Ab und zu scheint die Geschichte unrealistisch zu werden. Haben wir wirklich so wenig Absicherung für Menschen, die nicht alleine leben können? Kennt sich Polizei so wenig mit solchen Situationen aus? Und kann auch eine über 80-jährige nicht wirklich wissen, was der Junge denn hat? Jedes Mal, wenn ich mir die Frage stellte, ob ich das nachvollziehbar finde, kam ich im Endeeffekt immer zu dem Schluss: Ja! Nur weil in meinen Kreisen viel Know-how herrscht heißt das nicht, dass das bis zum letzten Menschen unserer Gesellschaft angekommen ist. Ich bin immer wieder erstaunt wie wenig sich meine privilegierte Umgebung mit Personen, die anders ticken auskennen. Und es wird einmal mehr klar: wenn wir keine Begegnungen mit Menschen mit Behinderungen haben, werden wir sie nie wirklich verstehen und Inklusion, inklusive deren Grenzen, nicht fühlen können.
Vera Zischke hat einen klugen Blick auf die Hürden und Möglichkeiten geworfen, den wünsche ich mir für uns alle. Ich empfehle das Buch also genau den Menschen, die ihr Spektrum ein wenig erweitern möchten. Für mich war dieses Buch ein Highlight!
Wichtig und richtig! Hat mir gut gefallen. Ich glaube, in einem Land wie Deutschland fehlt es oft an Gemeinschaft und vieles wird zu sehr in die Hand des Staats gelegt, der dann versagt (hust - Sozialstaat - hust). Das Buch hat nochmal verdeutlicht, wie sich auch ungleiche Menschen zusammenraufen und in einer Gemeinsamkeit zusammenwachsen können.
Wie sich hier alle gegenseitig bereichern konnten, ist mir hängengeblieben :)
Ich habe Pina fällt aus wieder viel zu schnell beendet. Das Buch erzählt von Pina und ihrem Sohn Leo und ist dabei ein kluges, ergreifendes und wichtiges Buch über Verantwortung, Care-Arbeit, Inklusion und die Frage, was eigentlich „normal“ ist.
Vera Zischke greift viele wichtige Themen auf, darunter auch die Probleme im Gesundheits- und Pflegesystem, die geringe Bezahlung in Werkstätten, fehlendes Mitspracherecht von Menschen mit Behinderung, lange Wartezeiten auf Plätze in Wohngruppen, uvm.!
Zwei Zitate habe ich mir beim Hören direkt notiert, weil sie für mich so viel von diesem Buch auf den Punkt bringen:
„Vielleicht sollten wir darüber nachdenken, ob es nicht vielmehr ein Spektrum des Menschseins gibt, auf dem sich alle irgendwie bewegen, nur eben jeder an einer anderen Stelle.”
„Behindert ist nicht die kaputte Version von normal […] Leo ist Teil dieser Welt wie alle anderen auch. Ich will nicht, dass er versorgt ist. Ich will, dass er dazugehört.”
In dem Roman „Pina fällt aus“ ist Autismus das Thema. Das setzt sie perfekt durch. Die jahrelange Überlastung einer alleinerziehenden Mutter ist gut dargestellt. Auch das sie ihre eigene Gesundheit hintenan stellt kann ich mir gut vorstellen. Pina ist so eine Mutter, die Tabletten nimmt um nicht auszufallen. Der zwanzigjährige Leo ist ein besonders schwerer Fall. Wenn man bedenkt man kann sein Kind nicht einmal alleinlassen, um einkaufen zu gehen. Als sie zusammenbricht, hat sie ihn bei ihrer sechsundachzigjährigen Nachbarin Inge vor dem Fernseher geparkt. Was für ein Alptraum, als Pina nicht zurückkehrt und Leo bei ihr randaliert. Die anderen beiden Nachbarn sind auch nicht so einfach. Allerdings wächst die sechzehnjährige Zola über sich hinaus. Diese Haustruppe ist grandios, wäre gut, wenn das möglich wäre. Der Roman war spannend und fesselnd. Ich möchte das Buch wärmstens weiter empfehlen.
Dieses Buch hat mich von der ersten bis zur letzten Seite komplett abgeholt. Die Schreibweise ist so eindringlich und nahbar, der Erzählstil fließt mühelos und lässt einen tief in die Geschichte eintauchen. Besonders beeindruckt hat mich, wie vielschichtig und liebevoll die Charaktere gezeichnet sind. Ich habe wirklich jede einzelne Figur auf ihre ganz eigene Weise ins Herz geschlossen.
Die Geschichte war unglaublich berührend; an mehreren Stellen kamen mir die Tränen. Gleichzeitig hat sie in mir eine wichtige Erkenntnis angestoßen: dass wir nicht immer alles alleine schaffen wollen sollten. Beziehungen, Freundschaften und selbst lose Nachbarschaften sind essenziell, und dieses Buch erinnert daran, wie wertvoll es ist, einander näherzukommen.
Ein bewegendes, nachhallendes Leseerlebnis, das ich so schnell nicht vergessen werde.
So eine schöne Geschichte! Ich hab’s als Hörbuch gehört und die Sprecherin war großartig! Ich wünschte, das Buch wird verfilmt, nicht weil ein Film an das Buch rankommen würde, aber einfach damit die Geschichte bekannter wird!🧡
„Zola ist ein merkwürdiges Mädchen. Zu ernst für ihr Alter. Sehr wütend, aber auf eine gewisse Art kraftlos. Sie kann Zola nicht vorwerfen, dass sie sich der Schönheit ihrer Jugend nicht bewusst ist. Jugend wird verschwendet. Muss verschwendet werden, weil man in dem Alter garnicht wissen kann, wie wehmütig man eines Tages auf die vielen Freiheiten zurückblickt, die man nicht genutzt hat (…) ihr Herz, das Geld, Lebenszeit. Sie hätte all das mehr verschwenden sollen. Mit beiden Händen hergeben (…) Sie hätte mutiger sein sollen. Mehr Männer küssen, öfter im Kino weinen, Barfuß tanzen, mit den Fingern essen. Aber woher soll dieses Mädchen das alles wissen.“
Ein spannender, emotionaler und auf seine ganz eigene Art wunderschöner Einblick in das Leben eines autistischen jungen Mannes. Vera Zischke schafft es, die Leser*innen mitzunehmen in die innere Welt des 20-jährigen Leo, der mit seiner alleinerziehenden Mutter Pina in einem heruntergekommenen Haus in der Hansastraße lebt. Sie sind ein eingespieltes Team, bis Pina ins Krankenhaus kommt. Die anderen Bewohner des Hauses - die lebensmüde Rentnerin Inge, der weltfremde Wojtek und die Schulabbrecherin Zola, die von ihren reichen Eltern zu Hause rausgeschmissen wurde - haben sich eigentlich nichts zu sagen, sehen sich jetzt aber mit einer völlig neuen Situation konfrontiert, in der sie zusammenarbeiten müssen, denn Leo kann nicht für sich selbst sorgen.
Dabei lernt man all diese Charaktere auf einer sehr persönlichen Ebene kennen und irgendwie lieben. Auch Pinas Geschichte kommt nicht zu kurz und es treten noch einige neue Figuren auf den Plan, die ihre eigene Rolle in diesem Mikrokosmos haben. Vera Zischkes Schreibstil fand ich sehr leicht und flüssig zu lesen; sie nimmt einen mit auf eine ganz besondere Reise die zeigt, dass Menschen unterschiedlich sind und dass selbst diejenigen, die wir vielleicht nicht verstehen und die von der Gesellschaft an den Rand gedrängt werden, liebenswert sind und eigene Träume und Ziele haben.
Mir hat der Roman und die Auseinandersetzung mit dem Thema geistige Behinderung wirklich gut gefallen!
Was soll ich sagen? Ein absolut gutes und zeitgemäßes Buch, dass mich tief bewegt hat. Auch mit ihrem zweiten Buch schafft es Vera Zischke mich in ihren Bann zu holen. Sie besitzt eine fantastische Gabe Figuren und Themen so eindrucksvoll zu beschreiben, dass ich mich als Teil der Geschichte gefühlt habe. Dabei geht es in ihrem neuen Roman um Pina und ihren Sohn Leo, der geistig beeinträchtigt ist. Zischke zeichnet hier eine über ihre eigenen Grenzen und Kräfte gehende Mutter, die ihrem Sohn ein würdiges und normales Leben, fernab von einer Verwahrung im Heim bieten möchte. Es kommt, wie es kommen muss - „Pina fällt aus“ - und ist nicht mehr imstande sich ihres Sohnes anzunehmen. Notgedrungen und anfangs sehr widerspenstig kümmert sich nun der Rest der Mietsbewohner um Leo und die Geschichte nimmt ihren Lauf. Eine Geschichte, die hinterfragt, was eigentlich „normal“ ist und ob Neurodiversität nicht eigentlich Grundlage allem ist. „Vielleicht sollten wir darüber nachdenken, ob es nicht vielmehr ein Spektrum des Menschsein gibt, auf dem sich alle irgendwie bewegen, nur eben jeder an einer anderen Stelle.“ (Zischke, S. 127) Themen von Ausgrenzung, Zusammenhalt, Generationenkonflikte und der Blick auf scheinbar nicht-sichtbare Personen unserer Gesellschaft und wie wir mit ihnen umgehen, werden so gefühlvoll und nachdrücklich miteinander verbunden, so dass dies ein Roman ist, der lange nachhallt. „Behindert ist nicht die kaputte Version von normal […]“ (Zischke, S. 204f.)
Pina ist alleinpflegende Mutter vom 20-Jährigen Leo. Leo, der morgens erst aufsteht, wenn in seiner grüner Lavalampe eine Blase emporsteigt, der zweimal täglich zur genau gleichen Zeit seine Frosties mit demselben Löffel isst, der immer zwei Treppen vor und eine zurückgeht, der sich alles merkt, aber wenig verbal sagt; der in einer Welt lebt, die seinen Autismus aber nicht ihn sieht.
Eines Tages fällt Pina um und landet auf der Intensivstation - mit ihr Leos Welt, denn wen hat Leo nun außer Pina? Plötzlich sehen sich die drei Nachbarn der Beiden - die 86-Jährige Inge, die sich nicht mehr aus ihrer Wohnung traut, die 16-Jährige Zola, die die ganze Welt ablehnt und der isolierte Wojtek, dessen einziger Kontakt eine Frau am anderen der Welt ist, damit konfrontiert, sich um Leo zu kümmern, obwohl sie seine Welt gar nicht verstehen. Schnell wird aber klar, dass Leo gar nicht unbedingt die drei braucht, sondern die drei durch den ungeplanten plötzlichen Alltag mit Leo auch neue Perspektiven auf ihr Leben erhalten, mit denen sie nie gerechnet haben.
Vera Zischkes Roman hat mich auch als neurodivergente Person unfassbar berührt, denn er zeigt nicht nur auf, wie viel unbezahlte und unsichtbare Care-Arbeit jeden Tag durch pflegende Personen in Deutschland geleistet wird, sondern lässt Leo einfach Leo sein. Immer wieder zeichnet sie eine Gesellschaft, die über behinderte Menschen spricht statt mit ihnen, fordert ihre Charaktere aber bewusst stets dazu auf, genau dies nicht zu tun, sondern Leos Autonomie und Rechte und vor allem ihn als Menschen in den Mittelpunkt jeder Unterstützung zu stellen. Genau diese Perspektive ist es, die in Deutschland im Kontext der Inklusion häufig fehlt. Leo darf ohne Kompromisse hier er selbst bleiben, während das System sich an ihn anpasst - wie es eben auch sein sollte! Gleichzeitig schafft es Zischke auch in vielen Nebensätze schwere, aber notwendige Diskussionen einzubringen: wie lange nehmen wir es noch hin, dass Menschen wie Pina und Leo in unserer Gesellschaft unsichtbar bleiben? Wie lange nehmen wir noch hin, dass der erste Arbeitsmarkt für viele Menschen mit Behinderung unerreichbar bleibt, während sie in Behindertenwerkstätten sehr wohl arbeiten, jedoch für einen absoluten Hungerlohn? Wie lange nehmen wir noch hin, dass wir dazu erzogen werden, alles ja alleine zu schaffen und nie nach Hilfe zu fragen (dürfen), obwohl genau dies Teil unserer Menschlichkeit ist?
Ein absolut wichtiges und so berührendes Buch, was mich ganz, ganz tief bewegt hat. ❤️
Als Pina nicht, wie verabredet vom Einkaufen zurückkommt, sind beide verzweifelt: Pina’s 20-jähriger, autistischer Sohn Leo und die Nachbarin & Rentnerin Inge, die auf diesen vorm Fernseher geparkten jungen Mann aufpasst und im Tauschhandel bringt Pina ihr immer ihre Einkäufe mit. Als Pina auch am nächsten Morgen nicht wieder aufgetaucht ist, wird klar: Leo kann seinen Alltag nicht alleine bestreiten und so fällt zum ersten Mal auf, was Pina als Mutter alles gemanaget hat. Wie viel Load diese unsichtbare Care Arbeit ist.
»Den Scheiß mache ich nicht mit, denkt Inge. Dieser Scheiß ist nun mal das Leben. Das fragt nicht, was man mitmachen will. Das schmeißt einem etwas vor die Füße und damit muss man klarkommen.« (90f)
Pina liegt nach ihrem Zusammenbruch auf der Intensivstation (und selbst in diesem schlimmen Zustand drehen sich alle ihre Gedanken um ihren Sohn!) und aus dieser Notsituation heraus entsteht etwas Großartiges: Seniorin Inge, Schulabbrecherin Zola und Außenseiter Wojtek kümmern sich gemeinsam um Leo und so wachsen alle vier zu einer kleinen herzlichen Gemeinschaft, die sich gegenseitig supporten, zusammen. <3
Mit »PINA FÄLLT AUS« rückt Vera Zischke, wie bereits in ihrem vorherigen Roman »AVA LIEBT NOCH«, Lebensrealitäten in den Fokus, die gesellschaftlich viel zu häufig unsichtbar bleiben. Sie zeigt, wie viel Load und Arbeit Care Arbeit ist und, dass es eine Gemeinschaft braucht, um sich um einen Menschen zu kümmern, und wie viel Positives daraus entstehen kann. Ein Roman, der ins Herz geht 💘, bei dem ich mir wünsche, dass es nicht nur Fiktion ist, sondern in unserer Lebenswelt stattfindet, und der Mut & Herz für mehr Zwischenmenschlichkeit gibt.
Nachdem ich das erste Buch der Autorin gar nicht mochte und es abgebrochen hatte, war ich zunächst skeptisch.
Ich mochte das Buch tatsächlich sehr gerne, insbesondere in eine Welt einzutauchen, welche man nicht kennt, weil leider Alleinerziehende pflegende Mütter in der Gesellschaft nicht oft die Schwierigkeiten zeigen, welche man zu meistern hat. Mir hat’s gut gefallen, dass die Charaktere sehr präzise ausgearbeitet wurden (wenn manchmal auch etwas zu stereotypisch) und man den Aufbau verschiedener Beziehungen langsam mitverfolgen konnte. Einen Stern Abzug gibt es jedoch, weil mir vieles einfach auch zu harmonisch und etwas realitätsfremd vorkam. In Summe jedoch ein empfehlenswertes Buch.
Ich würde mehr als 5 ⭐️ geben wenn ich könnte. So ein wunder, wundervolles Buch! Es ist inspirierend, lehrreich, traurig und auch sehr lustig. Einfach schön, oder besser herzerwärmend. Bitte lest es!
Unfassbar tolles Buch! Es zeigt vor welchen Herausforderungen pflegende Eltern stehen und wie bereichernd es aber auch gleichzeitig sein kann. Die Charaktere dieses Buches sind alle so einzigartig und liebenswert, dass ich sie noch lange im Kopf behalten werde.
Im Buch „Pina fällt aus" erzählt Vera Zischke die Geschichte von Pina, die seit 20 Jahren allein für ihren autistischen Sohn Leo sorgt. Als Pina eines Tages zusammenbricht und ins Krankenhaus kommt, steht Leo plötzlich ohne sie da und die Nachbarn im Haus müssen einspringen. Was mich an diesem Buch besonders berührt hat, ist Leo. Wie er in seiner eigenen Welt lebt und doch nach und nach die Menschen um sich herum verändert, ohne es selbst zu merken. Die Nachbarn, die anfangs genug mit sich selbst zu tun haben, wachsen an der Aufgabe und Leo wächst ihnen dabei ans Herz. Mir ging es beim Lesen genauso. Ebenso beeindruckt hat mich Pina: eine Mutter, die jahrelang alles allein stemmt, ihre eigenen Bedürfnisse zurückstellt, bis es nicht mehr geht. Die Autorin schafft es, das so darzustellen, dass man Pinas Erschöpfung deutlich spürt und gleichzeitig versteht, warum sie nie um Hilfe gebeten hat. Ein warmherziges Buch, das zeigt, wie viel sich verändern kann, wenn Menschen füreinander Verantwortung übernehmen. Klare Leseempfehlung!
Ganz anders als Vera Zischkes Debüt „Ava liebt noch“ und überhaupt nicht vergleichbar, bin ich auch in diese Geschichte sehr gerne abgetaucht. Im Mittelpunkt steht Pina, die in ihrem Alltag als pflegende Mutter über sich hinauswachsen muss, um das Leben mit ihrem Sohn Leo zu stemmen. Leo lebt in seiner ganz eigenen Welt, und Pina stellt ihre eigenen Bedürfnisse konsequent hintenan, bis sie schließlich wortwörtlich ausfällt. In dieser Notsituation finden sich die unterschiedlichsten Hausbewohner zusammen, die sich vorher fremd waren: Die alte Inge, die aufmüpfige Teenagerin Zola und der schüchterne Woitek. Gemeinsam bilden sie eine unfreiwillige, aber effektive Helfer-Gemeinschaft, in der jeder auf seine Weise einen Beitrag leistet, damit der Alltag mit Leo nicht im Chaos versinkt. Mir hat das Thema sehr gefallen, zum einen, weil es als Plot mal etwas ganz anderes war und ich mich persönlich bisher kaum mit dieser Problematik befasst habe. Es war einfach schön mitzuerleben, wie aus diesen sich fremden Hausbewohnern eine echte Gemeinschaft wird, in der jeder seine Stärken einbringt. Dass die Autorin selber eine pflegende Mutter ist, hat man beim Lesen bemerkt – ihre eigenen Erfahrungen hat sie glaubhaft und authentisch in die fiktive Geschichte eingewebt. Und wie schön ist der Gedanke, dass Hilfe oft von dort kommt, wo man sie am wenigsten erwartet. Die Mischung aus der Schwere der Pflege und der Hoffnung, die durch diesen Zusammenhalt entsteht, hat mich während der gesamten Lektüre sehr abgeholt und nachdenklich gestimmt. Es sind aber die Charaktere, die das Herzstück des Romans bilden und toll und sehr differenziert ausgearbeitet sind. Besonders Seniorin Inge fand ich großartig – eine Frau mit Macken und Ecken, die plötzlich zum „Kopf“ des Teams wird und wieder richtig in Bewegung kommt. Ihr Thema mit den 13 Geheimnissen, die angeblich jeder Mensch besitzt, ist ein wunderbares Detail, das ihr viel Tiefe verleiht und wodurch man auch sie näher kennenlernt. Die 16-jährige Zola hingegen verkörpert perfekt das Gefühl, völlig „lost“ in der Welt zu sein, und findet ausgerechnet über Leo ein Stück weit zu sich selbst. Woitek ist eher unscheinbar und hasst es aufzufallen. Er bildet gerade zu Zola einen spannenden Kontrast, der immer wieder für Dynamik sorgt. Der 20-jährige Leo, der in seiner eigenen Welt lebt und sich einer eigenen Art der Kommunikation bedient, hat mich sehr bewegt; gerade am Anfang konnte ich seinen Schmerz förmlich spüren. Gerne hätte ich mal einen echten Blick in seine spezifische Wahrnehmung geworfen, die aber bleibt natürlich immer irgendwie ein Rätsel. Der Schreibstil von Vera Zischke ist klar, prägnant und eher nüchtern, trotzdem aber war ich den Charakteren sehr nah. Die Thematik ist ja eine ernste, gleichzeitig aber hat die Autorin es geschafft, immer wieder Szenen einzubauen, bei denen ich schmunzeln musste – manchmal liegt es an Leos Verhalten oder an seinen Reaktionen, manchmal aber sind es auch alltägliche Situationen, die einfach absurd und damit lustig sind. Gerade wenn Woitek versucht, diskret zu bleiben, was mit einem Jungen wie Leo natürlich völlig unmöglich ist, entstehen Momente, die das Herz wärmen. Ich fühlte mich der Handlung und den Personen sehr nah, weil die Erzählweise direkt und unverschnörkelt ist. Die Spannung entsteht hier weniger aus äußeren Effekten, sondern aus der Frage, wie diese bunte Truppe es schafft, Leos Bedürfnisse und ihre eigenen Leben unter einen Hut zu bringen und natürlich auch, was mit Pina ist und was sie dazu sagen wird.
Mein Fazit Vera Zischke ist ein ehrlicher Roman über eine ungewöhnliche Schicksalsgemeinschaft gelungen, der ohne falsches Mitleid auskommt. Mit klarem Stil und viel Gespür für Situationskomik beleuchtet sie den harten, aber auch bereichernden Alltag mit einem besonderen Kind. Die differenzierten Charaktere und die authentische Perspektive machen die Geschichte zu einem berührenden Leseerlebnis, das ich gerne weiterempfehle.
Ich habe mich riesig gefreut, als der neue Roman von Vera Zischke angekündigt wurde - 'Ava liebt noch' hat mir damals schon so gut gefallen, und auch die sympathische Art der Autorin mag ich sehr.
Und was soll ich sagen: Ich reihe mich definitiv in die begeisterten Stimmen zu 'Pina fällt aus' ein. 💛
Die Geschichte dürfte vielen bekannt sein: Der autistische Leo lebt mit seiner Mutter Pina in der Hansastraße 20 - in seiner ganz eigenen, gut strukturierten Welt. Die beiden sind ein eingespieltes Team, und Pina weiß genau, was Leo braucht, damit es ihm gut geht. Doch wie so oft bei pflegenden Angehörigen bleibt sie selbst dabei auf der Strecke ... bis es zum großen Knall kommt und Pina plötzlich ausfällt.
Auf einmal sind es die so unterschiedlichen Nachbarn, die einspringen: Inge, die ihre Wohnung nicht mehr verlässt und eigentlich nur noch auf das Ende wartet. Zola, wütend, sechzehn und auf der Suche nach sich selbst. Wojtek, eigenbrötlerisch, verliebt und meist alleine vor seinem PC.
Es läuft nicht alles glatt - ganz im Gegenteil. Aber genau darin liegt die Stärke dieser Geschichte: im echten, manchmal unbeholfenen, aber ehrlichen Zusammenhalt. Und am Ende profitieren alle voneinander.
Und dann ist da noch Sam, der Intensivpfleger - mein heimlicher Lieblingscharakter. 🫶🏻
Ein wunderbar geschriebener Roman: unterhaltsam, witzig, schonungslos und ehrlich. Er zeigt, was passieren kann, wenn die Kraft nicht mehr reicht und kein stabiles Netz auffängt. Und er macht auch schmerzhaft klar, dass es eben nicht oft eine "Hansastraße 20" gibt ...
Es gäbe so viele kluge und schöne Zitate, die ich hier teilen können - aber ehrlich: Lest das Buch einfach selbst, es lohnt sich. 😉
Ein wirklich wundervolles Buch über die Dinge, die im Leben wirklich zählen. Ganz egal, an welchem Punkt man grade steht.
Pina ist alleinerziehende, pflegende Mutter. Ihr Sohn Leo ist 20 Jahre alt und lebt in seiner ganz eigenen Welt, zu der niemand einen Zugang hat. Feste Routinen und Strukturen geben ihm zumindest etwas Halt und Sicherheit. Doch eines Tages bricht Pina mitten auf der Straße zusammen und landet im Krankenhaus. Leo wartet zu Hause auf seine Mutter. Die an diesem Tag nicht zurückkehrt. Aus der Not formt sich eine Schicksalsgemeinschaft, bestehend aus den anderen Bewohnern des Hauses um Leo herum. Da ist die 86-jährige Inge, die ihre Wohnung nicht mehr verlässt, der Einsiedler Wojtek, der Kontakte gerne weitestgehend meidet und die 16-jährige Zola, die ihre Ausbildung abgebrochen hat und nicht weiß, was sie vom Leben will. Die ungleiche Gemeinschaft tut sich notgedrungen zusammen, um Leo zu stabilisieren. Und finden dabei auch ein Stück weit zu sich selbst.
Die Geschichte von Leo und seinen „drei Vögeln“, wie Inge ihre Gruppe liebevoll tauft, war wirklich etwas besonderes. Auf nur 300 Seiten schafft Vera Zischke es, uns ganz verschiedene Lebensrealitäten nahe zu bringen, uns Leos Welt vielleicht nicht verständlich, aber doch ein wenig zugänglich zu machen, und mit einer Menge humorvollen Spitzen auch auf die Missstände unseres Sozialsystems hinzuweisen, ohne dabei plakativ zu werden. Das Buch hat Witz, Ernst, viel Realismus, aber vor allem ganz viel Gefühl. Ich wollte es gar nicht mehr weglegen und die Charaktere am liebsten auch nicht mehr gehen lassen. Eine ganz große Leseempfehlung!