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Der Kapitalismus und seine Kritiker: Eine Geschichte von der Industriellen Revolution bis zur Künstlichen Intelligenz | Der Kapitalismus durch die Augen seiner schärfsten Kritiker

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Wie lässt sich eine gerechtere, zukunftsfähige Gesellschaft denken? Diese zentrale Frage eint Kapitalismuskritiker durch die Jahrhunderte. Rasant und gewinnbringend porträtiert John Cassidy die wichtigsten Denker und Denkerinnen, deren Ideen für die Gegenwart genauso relevant sind wie vor 250 Jahren.

Von Adam Smiths Kolonialkritik über Rosa Luxemburgs sozialistischer Utopie bis zu den ökologischen Visionen des indischen Ökonomen J. C. Kumarappa entfaltet er in Der Kapitalismus und seine Kritiker ein faszinierendes Panorama, das von den Anfängen der industriellen Revolution im 18. Jahrhundert bis zur Ära der künstlichen Intelligenz reicht. Mit erzählerischer Brillanz und analytischer Schärfe macht er sichtbar, wie tief die Debatten um Gier, Innovation, Ausbeutung und soziale Gerechtigkeit in den gesellschaftlichen Wandel eingreifen – und wie aktuell sie bis heute sind. 

944 pages, Kindle Edition

Published March 26, 2026

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About the author

John Cassidy

51 books68 followers
John Cassidy is a journalist at The New Yorker and a frequent contributor to The New York Review of Books. He is the author of Dot.con: How America Lost Its Mind and Money in the Internet Era and lives in New York City.

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May 24, 2026
ARME UND REICHE
Kurzmeinung: Weiß man zwar alles, aber wenn man die Kritik so komprimiert serviert bekommt, haut es einen um.

Präliminarien: Der Kapitalismus ist uralt, so alt wie die Menschheit und fast genauso alt sind seine Kritiker, will sagen, er wird seit eh und je kritisiert, hinterfragt und bekämpft. Schon Jean-Jaques Rousseau vertrat die Ansicht, dass Eigentum ein Verbrechen per sei, jedenfalls dann, wenn seine Ausübung nur einer sehr kleinen Gruppe in der Gesellschaft zugutekäme. Was ja de facto zur Zeit der Fall ist: „2024 besaß 1,6 Prozent der Weltbevölkerung rund 48,1 Prozent des weltweiten Vermögens. Rund 40,7 Prozent der Weltbevölkerung besaßen hingegen lediglich 0,6 Prozent des weltweiten Vermögens“ (Portal Statistika). Die Werte mögen sich inzwischen marginal verändert haben.

Zum Buch: Louis Blanc (1811 – 1882) drückt diesen Sachverhalt so aus: „Aneignung des Kapitals durch die Einen, unter Ausschaltung der Anderen“.
Es ist ja eigentlich völlig klar, dass kein Wachstum (der Wirtschaft, der Produktivität, egal von was) unendlich sein kann und dass die Ressourcen der Welt erstens erschöpfbar sind und zweitens extrem ungleich verteilt sind. „Jedes auf der Maximierung der Produktion beruhende System ist letztlich unmenschlich.“ (Kumarappa).

Die zementierte wirtschaftliche Ungerechtigkeit begann mit der Landverteilung (wer zu spät kam, bekam keins mehr zu günstigen Preisen, weil es als endliches Gut „weg“ war, sprich vergeben), die Ungleichverteilung verschärfte sich mit der Industrialisierung zuerst in der Textilwirtschaft und die Kapitalismuskritik bleibt stets gleich richtig in der lapidaren Aussage, „wer über die Produktionsmittel verfügt, diktiert die Preise“. Das kommt bekannt vor. Ist bekannt. Ist guter alter Marx auf Grundschulniveau herabgebrochen. Aber wo er recht hat, hat er recht.

John Cassidy unternimmt in seinem knapp über 800 Seiten umfassendes Werk einen Höllenritt; versucht einen Überblick über die Menschen, die sich mit den Ungerechtigkeiten dieses Systems intensiv beschäftigt haben, hinzubekommen. Dies gelingt ihm sehr gut, vor allem am Anfang ist man mit dem sprachlich gut aufbereiteten Sachbuch sehr gut bedient, man kommt schnell in die Materie hinein ohne sich verkopfen zu müssen. Relativsätze lockern auf, private Details aus dem Leben der Forscher, Wirtschaftler, Denker und Denkerinnen bieten kleine Denkpausen von wirtschaftlichen Zusammenhängen. Diese müssen freilich sein.

Eigentlich ist „Der Kapitalismus und seine Kritiker“ ein Nachschlagwerk, das man am besten in kleineren Häppchen liest.

Der Autor John Cassidy geht auf die unterschiedlichen Herangehensweisen und Erkenntnisse der Kritiker ein, von den meisten dieser Menschen habe ich freilich noch nie gehört. Marx, Engels und Rosa Luxemburg sind selbstredend auch mit an Bord. Die kennt man natürlich.

Quintessenz: Der Kapitalismus beutet auf breiter Front aus: der Kolonialismus wie Imperialismus ist dem kapitalistischen System anzukreiden, die Frauenunterdrückung, Sklaverei, Unterdrückung/Misshandlung der Arbeiter, der Migranten, Monopolbildung, Regierungen, die jeden Aufstand und jede Reform niederschlagen, da Wirtschaft und Politik bis auf den heutigen Tag eine unheilige Allianz bilden (was soll man von Politikern erwarten, die selber Millionäre und Milliardäre sind?). Der Kapitalismus ist eine Unterdrückung aller, die nicht zu den paar Prozent gehören, denen alles gehört, was kaum jemals auf eigener Leistung beruht, wenn man den Reichtum bis zu seinen Ursprüngen zurückverfolgt.

Der Kommentar und das Leseerlebnis:
Von Anfang an bin ich sowohl begeistert wie auch entsetzt: Begeistert von John Cassidys Werk und entsetzt über die Verhältnisse, die so sind und sich nie ändern. Mit dem guten alten Brecht möchte man heulen: „Leider hat man bisher nie vernommen, dass einer auch sein Recht bekam, ach wo, wer hätte nicht gern einmal sein Recht bekommen, doch die Verhältnisse sie sind nicht so.“ Was heißt: Die Armen bleiben arm, die Reichen bleiben reich. Basta. Nein, doch nicht basta. Die Armen werden noch ärmer und die Reichen noch reicher. That's it. Schicksal? Nein, Kapitalismus. (Bei Gegenbeispielen bedenke man: Ausnahmen bestätigen die Regel).

Revolutionen und Rebellion bis hin zum Massenmord, haben im Grunde wenig bis nichts an diesen gesellschaftlichen Verhältnissen verändert. Die Kritiker des Kapitalismus, von denen John Cassidy berichtet, sind kluge Menschen gewesen, die die Augen nicht verschlossen haben vor dem Leid, das ein unmenschliches Wirtschaftssystem erzeugte. Sie stellen auch Lösungswege in Aussicht, doch die, die das Sagen haben, können nicht lesen. Und vor allem wollen sie ihre Privilegien nicht aufgeben. Im Prinzip müsste ein neuer Verteilungskampf her.

Kritik und viel Lob: Mit der Zeit habe ich mich nicht mehr so sehr dafür interessiert, wer welches Sachbuch und welchen Essay mit welchem Titel zum Thema verfasst hat; wie schon in früheren Rezensionen gesagt, wäre es besser, diese Informationen, wenn sie gehäuft vorkommen, in die Fußnoten zu verbannen. Gleichwohl muss man mit großem Wohlwollen festhalten, dass der Autor sich Mühe gibt, sich verständlich auszudrücken und ihm dies auch weitgehend gelingt.

Die Verständlichkeit seines Textes ist ein riesengroßes Plus des Autors! Sein Thema von großer Wichtigkeit. Dennoch muss man sich durch die Seiten kämpfen, das soll nicht verschwiegen werden, eine gewisse Frustration hat sich bei mir ebenfalls eingestellt. Wahrscheinlich bloß, weil ich nicht zu den EinProzentSuperreichen gehöre. Ja, man kann durchaus zornig werden bei der Lektüre. So dass es mich nicht wundern würde, wenn sich viele der „Känguru-Rebellion“ von Marc Uwe Kling anschließen würden. „Die Känguru-Rebellion“ von Marc-Uwe Kling, der sich spaßbehafteter durchaus mit demselben Thema beschäftigt und „Der Kapitalismus und seine Kritiker“ von John Cassidy sind beides absolut empfehlenswerte Texte.

Fazit: Viele kluge Köpfe haben dieses Wirtschaftssystem verdammt, aber alle Versuche, es zu verändern scheiterten am Widerstand der Superreichen.

Kategorie: Sachbuch: Wirtschaft
Verlag: Propyläen, 2026
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