Für eine KI, in der der Mensch im Mittelpunkt steht und nicht die Maschine
Künstliche Intelligenz durchdringt alle Bereiche unseres Lebens. Diese Revolution wird sich weiter beschleunigen. Umso dringlicher müssen wir KI nachhaltig gestalten, um uns gegen skrupellose amerikanische und chinesische Konzerne zu behaupten. Wir müssen unsere Daten nutzen, um unsere gesellschaftlichen Werte greifbar zu machen und zu kommunizieren, durch KI-Agenten, die unsere Werte verstehen und uns sowohl bei technischem wie auch bei moralischem Fortschritt unterstützen. Wenn Unternehmen das ökonomische Potenzial einer humanen, wertebasierten KI zur Geschäftsgrundlage machen, können wir diese nicht nur als Idee, sondern auch als marktwirksame Realität etablieren.
Markus Gabriel was born in 1980 and studied in Heidelberg, Lisbon and New York. Since 2009 he has held the chair for Epistemology at the University of Bonn; and with this appointment he became Germany's youngest philosophy professor. He is also the director of the International Center for Philosophy in Bonn.
Gabriel liefert die m.e. beste deutschsprachige Einführung in die ethischen Dimensionen generativer KI, die derzeit für Nicht-Spezialisten verfügbar ist.
Diese Rezension enthält Passagen die als Spoiler gelten können.
Der Text ist lesbar, bildungsbürgerlich anschlußfahig und verlangt kein technisches Vorwissen. Die Kernthese — KI nicht als zu zähmende Bedrohung, sondern als Spiegel, der uns zur Selbstreflexion zwingt — ist produktiv und korrektiv gegen die Regulierungshysterien des EU-Diskurses.
Gabriel destilliert damit eine echte philosophische Einsicht: daß die ethische Frage nicht primär lautet "Was darf KI?", sondern "Wer wollen wir im Angesicht der KI werden?" — eine Kopernikanische Wende, die das Buch über den gängigen KI-Ethik-Kanon hebt. Die Rezeption von Tateishis Psychonetik und der Begriff des distributierten Subjekts gehören zu den intellektuell reizvollsten Passagen.
Der Untertitel — Wie KI uns moralisch weiterbringen kann — verspricht mehr, als das Buch einlöst.
Das zentrale AlphaBuddha-Konzept bleibt eine Skizze: Es beruht auf einer selektiven Lektüre bestimmter buddhistische Strömungen als repräsentativ für Technologieoffenheit, einer Projektion, die Gabriel selbst methodisch nicht rechtfertigt.
Gravierender ist die argumentative Struktur des Schlußteils: Gabriel, der zuvor moralischen Situationismus betont hat, behauptet plötzlich, Weisheit könne besessen werden — ein Kategorienwechsel ohne Begründung. Die normative Unausweichlichkeit, die er bei Kurzweil (The Singularity is near) als Verkürzung rügt ("Weil wir es können, sollen wir es"), rekapituliert er selbst.
Der Übergang vom Spiegel-Konzept zur E.I. (ethischen Intelligenz) als Ethikassistenzsystem übersieht zudem, daß genau dieser Übergang — von Nudging zu Social Scoring — keineswegs graduell, sondern kategorisch ist.
Gabriel minimiert die Gefahren durch Rhetorik der Unausweichlichkeit statt durch Argument. Zwei konkrete Geschäftsmodell-Beispiele ersetzen keine ökonomische Theorie. Der starke Abfall zur Buchhälfte hin führt knapp an einer Abwertung vorbei.
Empfehlenswert für alle, die einen intelligenten, gut lesbaren Einstieg in KI-Ethik jenseits der Regulierungsdebatte suchen. Wer hingegen belastbare Konzepte für die tatsächliche Entwicklung ethischer KI-Systeme im europäischen Raum erwartet, muß anderswo weitersuchen.
Gabriel eröffnet den richtigen Raum — und verläßt ihn zu früh wegen eines geschäftlichen Meetings. Dem Text mangelt es genau an der Gelassenheit und Besonnenheit die er selbst meint, als Fundament ethischer Prinzipien entdeckt zu haben.
Spannende Gedanken, vor allem im ersten Teil. Der Einbezug europäischer Beiträge zur Entwicklung ethischer Intelligenz überzeugt mich. Die Ideen müssen weiter gedacht werden, insbesondere zum zweiten Teil. Genauer s. Rezension von Andreas Ahlborn vom 18.3.2026, seine Einschätzung teile ich weitgehend.