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Destruktion

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Wir sind glücklich. So glücklich. Die Welt in ihren gleichförmigen Grautönen umgibt uns wie ein Kokon aus Zement. Das Leben ist ein Lächeln. Die Liebe ist eine taubengraue Feder auf dem Herzen. Unsere Nahrung schmeckt wie an all den Tagen zuvor. Wir sind glücklich.

Ich bin wütend. So wütend. Die Welt in ihren tristen Farben treibt mich in die Enge. Das Leben ist ein Schlag in die Fresse. Die Liebe zerreißt mich. Meine Nahrung verrottet wie mein Geist. Ich bin frei.

326 pages, Kindle Edition

Published October 16, 2025

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Faye Hell

27 books6 followers

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Displaying 1 - 2 of 2 reviews
Profile Image for Andreas Giesbert.
57 reviews
December 7, 2025
Faye Hell kennt man zuerst als Autorin von ebenso klugem wie hartem Horror. In Destruktion wird der Horror durch eine sterile Dystopie ersetzt. Abgesehen von kurzen Szenen bleiben Gewalt und andere Elemente des klassischen Horrors aus. Das Grauen kommt hier in Form einer Glücklichkeitsdiktatur: perfekte Partner*innenwahl durch unfehlbare Voraussehung, ruhige Gelassenheit als Staatsdoktrin und tägliche Danke-Gedanken. Durchbrochen wird das freudige Stahlbad nur durch den puren Hass von Titus, der dem Verdrängten eine brutale Stimme verschafft. Inmitten dieses Korsetts findet sich Jo wieder, die im Glücksministerium Glücksmomente sortiert. In sich drin verspürt sie jedoch unstillbaren Hass und ein noch unstillbareres, masochistisches sexuelles Verlangen sowie den Reiz an den letzten Spuren einer verdrängten Vorgeschichte.

Fayes neuester Roman ist gewohnt brillant. Mit ungemein starker Stimme und schneidender Sprache verschwendet sie keine Silbe. Sprache und Plot zielen durchweg auf den wunden Punkt und nehmen keine Rücksicht auf Verluste. Die Dystopie ist konsequent entwickelt und regt zahlreiche Fragen nach unserer menschlichen Natur an. Dabei bleibt sie jedoch für meinen Geschmack etwas zu steril. Statt stimmungsvollem Kinofilm gibt es hier eher eine Theatervorführung. Orte bleiben unbestimmt und konzentrieren sich ganz auf die notwendigen Requisiten; Charaktere sind eher als Archetypen konzipiert, und (innere) Dialoge dominieren die Erzählweise. Wichtiger als der Weltenbau ist die Funktion der Herrschaftsstruktur, deren Genese und innere Kohärenz hinter ihrer Funktion für das Schauspiel zurückfällt. Das geschieht durchweg stark bis genial, aber mir fehlt die Immersion und das Detailreichtum des „Letzten Traums“. Auch die sexuelle Dimension wird mir diesmal nicht ganz klar. War Jacob Toad aus dem „Zeitalter der Kröte“ die totale Enthemmung, die das Regime braucht, um zu funktionieren, ist Titus’ permanente Machtgeilheit nur mehr eine Chiffre für die dunkle Seite von Glück und Befriedigung. Damit fehlt mir das i-Tüpfelchen eines Ausnahmeromans, den ich nichtsdestotrotz zu den stärksten der kontemporären deutschsprachigen horroresken Literatur zähle. Faye Hell bleibt eine Naturgewalt – auch ohne Body Horror!
Profile Image for Marco Rauch.
Author 13 books1 follower
November 12, 2025
Bei Destruktion von Faye Hell ist der Titel Programm. Sie erzählt darin von der glücklichsten aller Welten und dem Recht, unglücklich sein zu dürfen.

Jo lebt in der glücklichsten aller Welten. Jedem geht es gut, alle sind glücklich. Man braucht sich über nichts mehr Sorgen machen. Alles Negative, alles was unglücklich macht, ist verboten. Die Welt außerhalb der Megastädten ist längst den Bach runter gegangen und im wahrsten Sinne verbrannte Erde, doch in den Städten kümmert das niemanden mehr. Denn jedem Bewohner wird beigebracht, glücklich zu sein. Die Welt ist scheinbar zu einem friedlichen Ort geworden. Doch zu welchem Preis? Jo erkennt in sich immer mehr das Potenzial negativer Gefühle, von Hass und dem Recht darauf hin und wieder auch mal unglücklich und wütend sein zu dürfen. Aber wie soll sie diese Gefühle in solch einer Welt ausleben können?

Faye Hell entwirft in Destruktion das Bild einer vermeintlich perfekten neuen Welt. Einer utopischen Welt, in der es kein Leid mehr gibt, kein Unglück, keine Angst. In der alles perfekt ist. Doch schnell wird klar, dass der Mensch oder insbesondere ihre Protagonistin Jo nicht für das absolute Glück und die Perfektion geschaffen ist. Denn eine derartige Existenz führt nicht nur zu Tristesse, sondern auch zu Leid. Destruktion zerstört das Bild einer perfekten Utopie. Es zeigt, dass der Mensch nicht nur eine Seite einer Medaille braucht, sondern beide Seiten, eine Ausgewogenheit, Ausgeglichenheit der Extreme. Denn ein Extrem, egal in welche Richtung, kann zu nichts gutem führen.

Die in Destruktion dargestellte Welt wird von Faye Hell konsequent und eloquent aufgebaut. Ein utopisches Setting, dessen zu Grunde liegende Dystopie langsam und schleichend Einklang in die Handlung findet. Gleichzeitig bedient sich Hell einer wunderbar klaren Sprache. Ein Stil, der so direkt und hart daherkommt, wie ein Schlag in den Magen, und hervorragend zur Geschichte und seiner Protagonistin passt. Aber manchmal auch nahezu lyrisch und einfach nur wunderbar zu lesen ist, dass es einen beeindruckenden Kontrast bildet. Destruktion ist ein starker Aufschrei einer starken Stimme.
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