Um aldamótin 1900 voru mörg stórfljót landsins enn óbrúuð og fólk reiddi sig víða á ferjumenn til þess að komast yfir illfær og óútreiknanleg fallvötnin. Einn þeirra var Jón Ósmann sem flutti menn og skepnur yfir Héraðsvötn um fjögurra áratuga skeið. Jón var tröll að burðum, stórtækur sel- og fiskveiðimaður, guðsmaður, drykkjumaður og annálað skáld. En öðru fremur var hann mannvinur með meyrt hjarta sem sá lengra en nef hans náði. Örlögin fóru óblíðum höndum um þennan einstaka karakter og hann lést fyrir aldur fram.
Ósmann er skáldsaga byggð á ævi Jóns Magnússonar, ferjumanns í Skagafirði. Frásögnin er feiknavel skrifuð, hjartnæm og heillandi – sannkallaður yndislestur.
Joachim B. Schmidt (1981) er fæddur og uppalinn í Sviss en hefur búið á Íslandi í nær tvo áratugi. Hann skrifaði sig inn í hjörtu lesenda með bókum sínum um Kalmann á Raufarhöfn en þær hafa verið þýddar á fjölda tungumála og báðar hlotið ýmsar tilnefningar og verðlaun.
Jon Magnusson, genannt „Osmann“, wächst einem bei dieser Lektüre schnell ans Herz.. dieser Hühne von Mann - der Menschenfreund mit der sanften Seele..
Seine Geschichte wird uns von einem Beobachter erzählt, der sich heimlich und oft ungesehen in die kleinen Torfhäuser der Bewohner des Skagafjords schleicht, mit Osmann in seiner Hütte am Fabelstrand sitzt und über das Leben und Sterben sinniert und beobachtet, wie er gastfreundlich das nimmer leer werdende Schnapsfass anzapft.. Osmann ist ein freundlicher, wettergegerbter Fährmann - stoisch wie die Gezeiten. Zuverlässig bringt er Menschen und Tiere, aber auch deren Geschichten mit seiner Seilfähre über den Fluss. Er wächst als kleiner „Nonni“ zu einem Urgestein der Gegend heran, übernimmt den Fährbetrieb des Vaters und wird seine Region nie verlassen - er wird ja gebraucht!
Joachim B Schmidt bringt dem Leser die Lebensgeschichte dieser historische Figur in sehr einfachen, aber beeindruckenden Geschichten nahe. In Absprache mit Osmanns Nachfahren, hat er uns die Zeit um die Jahrhundertwende im hohen Norden Islands lebendig werden lassen. Ein beeindruckendes Leben vor unfassbar schöner Kulisse!
Island um die Jahrhundertwende. Ósmann arbeitet als Fährmann und setzt Passagiere, Tiere und Material über den Ós. Joachim B. Schmidt erzählt seine Geschichte aus Sicht eines Geistes. Hört sich absurd an, passt aber wunderbar in die Szenerie, denn Geister gibt es genug in dieser harten Umgebung. So begleiten wir Ósmann, dessen Leben geprägt ist von harter Arbeit, Kälte, Liebe und Abschied nehmen. Die Hoffnung auf ein besseres Leben und das Gute in den Personen und insbesondere in Ósmann überwiegt aber.
Ein ganz tolles Buch. Man findest sich rasch in der rauhen Umgebung wieder und würde gerne noch viel mehr über Ósmann erfahren und ihn begleiten.
4,5/5 Am Anfang fiel es mir etwas schwer, reinzukommen, aber irgendwann konnte ich dann doch nicht mehr aufhören zu lesen. Insbesondere die letzten 100 Seiten waren wirklich emotional. Ich mochte auch Schmidts Sprache, insbesondere am Ende des Buches. Die Frage, wer der Ich-Erzähler im Endeffekt eigentlich ist, hat mich relativ lange beschäftigt. Die subtil eingestreuten Hinweise fand ich toll. Es war mal ein ganz anderes Buch, was mich im Endeffekt sehr überzeugt hat. Mein einziger kleiner Minuspunkt (subjektiv empfunden): Die häufige Beschreibung von Ósmann als „stark behaart“, „Hüne“ und dass er dauernd als nackt beschrieben wurde. Das wurde gegen Ende weniger und das empfand ich als angenehmer. Ich glaube ich hätte ihn mir auch so gut vorstellen können. Aber das ist natürlich ein sehr subjektives Empfinden 🤗
Wer ist Ósmann wirklich? Der große, kräftige Fährmann, der immer eine Mahlzeit, etwas Brennivin und gute Gesellschaft für seine Kunden übrig hat, und der sich jederzeit selbst in Gefahr bringen würde, um anderen das Leben zu retten? Der von schweren Schicksalsschlägen gezeichnete Mann, der seine Verletzungen im Alkohol und in seiner Arbeit als Fährmann ertränkt? Der Poet, der zu jedem Anlass ein paar Verse bereithält? Oder der Mann, der Geister sieht, und dem es zunehmend schwerer fällt, sie von der Realität zu unterscheiden? Manchmal scheint Ósmann - der Mann am Ós - für den geborenen Jón Magnússon eine Rolle zu sein, in der er sich durch seine Beliebtheit und Fröhlichkeit von der Trauer seiner Verluste distanzieren kann. Aber wie sein versteckter Schmerz ist auch Ósmanns Herzlichkeit, seine Hilfsbereitschaft und seine Freude an guter Gesellschaft echt. Joachim B. Schmidt entwirft nach dem Vorbild des echten isländischen Fährmanns einen nahbaren und mit all seinen Makeln liebenswerten Mann, der trotz vieler Schicksalsschläge und eines harten Lebens herzensgut bleibt, und dem wir in diesem ruhigen und dennoch bewegenden Roman vor der Kulisse einer rauen nordisländischen Landschaft näher kommen dürfen.
Joachim B. Schmidt schickt sich an, der nächste große Literatur-Export der Schweiz zu werden. Seit geraumer Zeit liefert er einen Bestseller nach dem andern ab. Dabei lebt der Mann seit geraumer Zeit in Island, seiner Wahlheimat, wo auch seine Romane größtenteils angesiedelt sind. So auch sein jüngstes Werk ÓSMANN (2025), ein Buch, das von einer realen Figur inspiriert wurde.
Ósmann war der Zu-Name von Jón Magnússon, der 1862 auf der Insel im Nordatlantik das Licht der Welt erblickte. Zeit seines (erwachsenen) Lebens war er Fährmann am Ós, der Flussmündung der Bezirksgewässer, die in den Skagafjord im Norden Islands flossen. Ósmann war zwar ein rauer Bursche, ein begnadeter Glima-Kämpfer (Glima ist eine isländische Variante des Ringens, dem schweizerischen Schwingen nicht unähnlich – vielleicht trug die Verwandtschaft zu Schmidts Faszination des Mannes bei?), ein Robbenjäger und Fischer, der in und mit der ebenfalls rauen Natur des Nordatlantiks lebte, aber eben auch war Ósmann ein Poet, ein höchst sensibler Mann, ein Menschenfreund, in dessen Hütte – Emanuel genannt – jeder jederzeit willkommen war, beherbergt und verköstigt wurde, und wo immer ein Schluck starken Alkohols ausgeschenkt wurde, damit Reisende sich stärken und vor allem wärmen konnten. Ósmann war aber auch ein Mensch, der schwere Schicksalsschläge – zwei seiner Kinder und die Frau, die er geheiratet hatte, starben früh – hinnehmen und verkraften musste.
Anhand der Jahre – 1913 beendete Ósmann dieses Leben freiwillig, ein Leben, das in vielerlei Hinsicht eines des 19. Jahrhunderts gewesen ist und somit vielleicht rechtzeitig vor der Zeitenwende endete – erzählt Schmidt vom Leben dieses ebenso gewöhnlichen wie bemerkenswerten Fährmanns. In den ersten Kapiteln springt er noch vor und zurück, doch dann folgt er den Jahren und Jahrzehnten chronologisch, was sich dem Leser weitaus besser erschließt, als die anfängliche a-chronologische Vorgehensweise. Schmidt bedient sich eines Ich-Erzählers, dessen Position in der Erzählung lange prekär bleibt, aufmerksamen Leser*innen wird allerdings schnell auffallen, dass dieser Mensch eine gesonderte Rolle in Ósmanns Leben einnimmt – denn wann immer die beiden zusammenkommen, ob in Zweisamkeit oder in Gesellschaft anderer – Ósmann scheint der einzige zu sein, der diesen Erzähler wahrnimmt. Und der wiederum weiß sehr, sehr viel über den Fährmann, mehr, als ein Wesen aus Fleisch und Blut über einen anderen wissen kann, es sei denn, er teilt jeden Tag, jede Stunde, jede Minute mit ihm.
In diesem Erzähler manifestiert sich eine weitere Charaktereigenschaft Ósmanns, von der Schmidt nicht nur durch eine Biographie des Fährmanns von Kristmundur Bjarnson, sondern auch – oder gar mehr noch – durch die Gespräche mit den Urenkeln Ósmanns erfahren haben dürfte: Ósmann sah Elfen und Geister und stand mit diesen in Kontakt. Zumindest behauptete er das. Schmidt lässt einem Teil von Ósmanns Wesen insofern Gerechtigkeit widerfahren, als dass er einen Geist erzählen lässt und damit eine Grenze, an der sich Realität und Fiktion, Wirklichkeit und subjektive Wahrnehmung überlappen und Außenstehende vielleicht nicht immer unterscheiden können, woran sie sind.
Dabei lässt Schmidt natürlich auch dem Wesen der Literatur Gerechtigkeit widerfahren, denn sie allein ist tatsächlich und nachweisbar in der Lage, Wahrheit und Erfindung in einer Weise zueinander in Bezug zu setzen, die den Raum dazwischen aufhebt; sie allein kann beidem gerecht werden und dennoch Wirklichkeit beanspruchen; nur sie kann Raum und Zeit unmittelbar aufheben und dennoch glaubhaft vermitteln. Sie ist an sich geisterhaft und allwissend zugleich, sie ist dabei zart und vorsichtig in ihrem Tasten nach Wahrheiten und – oft genug falschen, unsicheren, prekären und als solchen auch markierten – Gewissheiten. So umweht diesen Roman, der im Grunde eher Episodenstück ist, eine kohärente Handlung im engeren Sinne gibt es nicht, immer auch etwas von jener Mythologie, die gern mit Island assoziiert wird, aus der aber auch alle Literatur einst hervorgegangen ist. Und Schmidt huldigt seinem ureigenen Metier, dem Erzählen.
Joachim B. Schmidt, das kann wohl sagen, ist ein Stimme im Kanon der europäischen Literatur, wie es sie so häufig nicht mehr gibt: Er hat ungeheure Lust am Fabulieren, an der Erzählung, an der Kraft der Geschichte (im durchaus doppelten Sinne). Er versteht es, Figuren überzeugend zu zeichnen und auszumalen, ihnen Liebes- und Lebenswürdigkeit einzuschreiben, selbst dann, wenn sie nicht eindeutig sind, wenn sie ambivalent auftreten, in sich widersprüchlich – und doch stimmig als literarische Erzeugnisse. Schmidt gelingt es, seine Figuren mit wenigen Hinweisen und kräftigen Strichen so zu skizzieren, dass sie Individualität und Eigensinn besitzen. Hier ist es u.a. ein Duktus, den er Ósmann angedeihen lässt, der diesen Menschen charakterisiert und eigenständig werden lässt. Ein eigentümlicher und altbackener Duktus, der diese Figur markiert, ihr aber eben auch etwas Ureigenes einschreibt und sie dadurch fassbar macht, authentisch wirken lässt, eigenständig und real.
Darüber hinaus aber kann Schmidt – was nicht vielen Schriftstellern in diesem Maße vergönnt ist – mit seinen Beschreibungen tief in die Natur eindringen, ohne dabei je in Kitsch, Schwulst oder Pathos abzugleiten. Er durchmisst gleichsam die Natur der Natur. Dabei spüren die Leser*innen immer, selbst in den bedrohlich wirkenden Schilderungen bspw. des Packeises, das in den Fjord vordringt und auf dem Ósmann jagen geht, wie sehr ihn diese Natur fesselt, wie sehr sie ihn mitreißt, wie überwältigend sie sein muss, gerade dort, im hohen Norden, wo der Mensch den Gewalten immer noch sehr viel stärker ausgeliefert ist, als wir Mitteleuropäer das gewohnt sein dürften.
ÓSMANN ist Schmidts nunmehr siebter Roman und einmal mehr ist ihm ein Glanzstück gelungen, ein Buch, das zu lesen einfach Freude macht, Lebensfreude schenkt und dessen Protagonisten man einfach gernhat, ihm gern folgt, mit ihm fiebert, lacht und auch leidet. Einziger Wermutstropfen ist vielleicht die Inkohärenz der Erzählung. Dies ist eben ein romanhaft erzähltes Leben, in gewisser Weise eine Biographie in Romanform, und also gleitet das Erzählte so dahin. Wir lernen viel über die Härten des Lebens – Ósmann er-lebt seine Jahre weniger, als dass er sie über-lebt in einer nicht unbedingt lebensfreundlichen Umgebung, eine Umgebung, die er nie verlässt, was er am Ende seines Daseins zu bereuen beginnt, als er über die Möglichkeiten nachdenkt, die ein Leben geboten hätte.
Wir lernen indirekt auch einiges über Island, über die harten Bedingungen dort, über den Hunger, der immer wieder droht, über die Rückständigkeit einer Gesellschaft, die am äußersten Rand Europas etwas vergessen vor sich hindümpelte. Wie lernen aber auch, wie die Dampfer, die immer wieder auf der Insel anlegten, viele von Ósmanns Freunden und Teile seiner Familie mitnahmen und nach Amerika brachten, wo sie, wie so viele Europäer zum Ende des 19. Jahrhunderts, ein besseres Leben zu finden hofften. So werden diese modernen Schiffe zu Sinnbildern von etwas Größerem: Die Moderne dringt langsam auch in dieses Leben ein und bringt schließlich Möglichkeiten mit sich, die der einzelne erst einmal begreifen muss. Und vielleicht ist es auch die Erkenntnis dessen, was hätte sein können, mit etwas weniger Pflichtbesessenheit und etwas mehr Neugier auf die Welt, die Ósmann schließlich verzweifeln lassen an einem Dasein, das so oder so seinem Ende entgegenstrebt.
Man ist gespannt auf den nächsten Text dieses Autors, der den europäischen Lesern diese Insel an ihrer nördlichen Peripherie neu und ganz anders und abseits der Mythen und der damit einhergehenden Klischees nahebringt. Ein Schweizer Import, der zu einem Exportschlager wird…
Der neue Roman von Joachim B. Schmidt ist Ende März 2025 im Diogenes Verlag erschienen! Und die Lektüre lohnt sich unbedingt, nimmt mich gefangen, zieht mich tief in diese wunderbare, lebenspralle Geschichte nach einem wahren Leben in Island: „Ósmann“ – sehr zu empfehlen! Grossartig, wie Schmidt es schafft, diese vielen kleinen Geschichten um die historische Figur des Fährmanns vom Fabelstrand zu verweben und uns mit auf die Reise in eine andere Zeit nimmt, in eine andere Welt, deren Faszination man sich nicht entziehen kann, sich nicht entziehen will. "Der Mann am Ós" ist in Island bis heute unvergessen, am Skagafjord erinnert eine Bronzestatue an ihn und Schmidt schildert bildstark dieses Leben, dass von den Jahreszeiten, vom Fluss, vom Eis und von der Kargheit Islands geprägt ist, erzählt von den Verlusten, den Toten, aber auch den schönen Momenten und der Liebe zur Dichtkunst. Ich muss gestehen, dass ich anfangs etwas Mühe hatte, mich auf diese Geschichte einzulassen, aber es hat nicht lange gedauert, da hat es mich gepackt, da konnte ich nicht mehr loslassen, da wurde es zu einem Pageturner, dieses Leben von Jón Magnússon Ósmann, zu einer Zeit in Island, die man sich heutzutage wohl kaum mehr vorstellen kann. Wer Island kennt, der kennt die Kargheit, diese Weite, das ist natürlich alles wunderbar, wenn man für 3 Wochen das Land durchreist und dort Ferien macht, aber in Schmidts neuem Roman kann man nur erahnen, was dieses Leben im Norden für die Menschen zu jener Zeit bedeutet hat, wie viele Entbehrungen sie in Kauf nehmen mussten, wie viele Tote sie zu beklagen hatten, wie viele Menschen das rettende Schiff nach Amerika oder nach Kanada als einzigen Ausweg sahen. Und all das erfährt man so nah und lebendig erzählt und man spürt einmal mehr diese tiefe Verbundenheit von Joachim Schmidt mit diesem wunderschönen Land und seine Lust am Fabulieren. Beim Lesen von "Ósmann" hatte ich immer Robbie Coltrane als Hagrid in den Verfilmungen der Harry Potter Romane vor Augen, gross, mächtig, kraftvoll, hilfsbereit, liebenswert. Mit seinen Romanen "Kalmann" und "Tell" hatte mich Schmidt bereits sehr begeistert, "Kalmann und der schlafende Berg" war dann für mich leider ein eher lauer Aufguss, aber nun mit "Ósmann" läuft er erneut zur Höchstform auf, es ist ein Roman, den man wirklich gelesen haben muss.
Joachim B. Schmidt mag Schweizer sein, aber ganz offensichtlich ist er stark mit Island verbunden. Seine beiden "Kalman"-Romane mit ihrem ganz besonderen Protagonisten habe ich sehr gerne gelesen und war daher neugierig auf "Osmann". Das Buch über einen Fährmann Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts ist sowohl historischer Roman als auch Porträt eines sowohl starken, als auch dichtenden Isländers, deutlich düsterer als "Kalman", der mehr ein reiner Tor ist.
Schmidt romantisiert das Island der beschriebenen Ära nicht, gekennzeichnet von Armut und Rückständigkeit, schlechten Lebensbedingungen und hoher Kindersterblichkeit. So manche Dorfhütte verfällt, weil die Bewohner in der Neuen Welt eine bessere Zukunft gesucht haben. Osmann, der Fährmann, bleibt, denn einer muss ja die Menschen über den Fluss setzen. Sowohl Einsamkeit als auch Gastfreundschaft werden geschildert, reichlich Alkohol soll die Kanten des harten Lebens abschärfen, das nicht nur aus körperlicher Plackerei, sondern auch aus Schicksalsschlägen besteht. Ist es da ein Wunder, dass Osmann mit knapp über 40 zunehmend als alter Mann gesehen wird?
Mit der Wucht und Poesie einer isländischen Saga bringt Schmidt in "Osmann" eine Welt zurück, die es - sicher zum Glück für die Menschen - so auch auf der Insel im Nordatlantik nicht mehr geben dürfte. Traditioneller Aberglauben, die Rolle der Dänen in Island und manche noch auf die Wikinger zurückgehenden Sitten wie der traditionelle Ringkampf werden beschrieben, so dass Schmidts Roman nicht nur das Leben des Jon Osmann schildert, sondern en passant noch Wissenswertes über Island teilt.
Die überlebensgroße, tragische wie sympathische Figur des Osman trägt dieses Buch mühelos, die Beschreibungen der rauhen Landschaft, des Klimas und der Lebensverhältnisse sind faszinierend.
Ósmann ist ein Mann der Gegensätze. Hinter dem rauen Äußeren des wortkargen Mannes verbirgt sich die Geschichte von einem Leben, in dem viel passiert ist. Jahrelang hat er mit seiner Fähre Menschen, Tiere und Waren über den Skagafjord im Norden von Island gebracht. Er hat Robben gejagt, fische gefangen, geliebt und verloren. Nach der langen Zeit und allem Erlebten ist er immer noch in seiner Hütte am Fjord, aber es fällt ihm mit jedem Tag schwerer.
Die Landschaft im Norden von Island gibt nicht viel her und auch von den Menschen kommt auf den ersten Blick nicht viel. Gespräche beschränken sich nur auf die nötigsten Worte. Man kennt sich und deshalb muss man nicht mehr Worte machen. Das Leben wird von dem bestimmt, was passiert und nicht von den Möglichkeiten.
Ósmanns Leben ist hart. Viele Menschen verlassen die Suche nach einem besseren Leben und wandern aus. Darunter auch Freunde, von denen anfangs vielleicht noch Briefe kommen, wo der Kontakt aber später abbricht. Die Kindersterblichkeit ist hoch, auch er verliert seine Kinder. Aber er ist nicht verbittert, vielmehr haben die Verluste ihn weicher gemacht. Er kümmert sich um seine Mitmenschen und bietet ihnen in seiner Hütte Schutz und Fürsorge.
Auf mich hat er immer einen einsamen Eindruck gemacht, auch wenn er durch seine Arbeit als Fährmann viel Kontakt zu anderen Menschen hat. Aber der beschränkt sich oft nur aufs Nötigste. Trotzdem wirkt Ósmann auf mich zufrieden. Er hadert nicht mit seinem Schicksal, sondern er nimmt es an, denn ändern kann er es nicht. Aber macht ihn das auch glücklich? Diese Frage konnte mir der Autor nicht beantworten.
Jón Magnússon, von allen nur Ósmann genannt, ist der Mann, der Menschen und Vieh mithilfe seiner Seilwinde über die Gewässer des Skagafjords bringt. Er ist Fährmann, ein Bär von einem Mann – Robbenjäger, Trinker und Poet zugleich.
In vielen Kapiteln erfahren wir von seinem Leben, das Ende des 19. Jahrhunderts alles andere als leicht war. Viele Menschen wanderten damals nach Amerika oder Kanada aus, die Kindersterblichkeit war hoch, Hunger und lange, harte Winter forderten ihren Tribut. Wir begleiten unseren Protagonisten über fünf Jahrzehnte hinweg – nicht immer chronologisch – in seine Hütte direkt am Ufer des Ós, im hohen Norden Islands. Gemeinsam essen wir Gammelhai und Robbenfleisch, lernen seine Freunde, seine Familie und seine Söhne kennen, denen es leider nicht bestimmt war, lange zu bleiben.
Ósmann muss man einfach mögen: Auch wenn er oft wortkarg ist, heißt er jeden in seiner Hütte willkommen, teilt Schnaps und geräucherten Fisch großzügig aus – und manchmal auch sein Herz. Für mich war es ein gelungener Ausflug nach Island.
Joachim B. Schmidt verwebt in seinem neuesten Buch die Geschichte des 1914 verstorbenen Fährmanns Jón Magnússon mit fiktiven Elementen. Die Atmosphäre des Romans ist stellenweise düster – was jedoch perfekt zur rauen isländischen Kulisse passt und die Geschichte umso glaubhafter wirken lässt. Wer Lust auf eine außergewöhnliche Geschichte in einem ganz besonderen Schreibstil hat, dem lege ich dieses Buch wärmstens ans Herz. 5/5
Eitt sem ég skil ekki — í kaflanum 1874 segir Joachim frá stjórnarskránni finnst mér í afgreiðslugír og í næstu línu segir höfundur Einari Jónssyni hafi verið falið að gera styttu af kóngi með stjórnarskrá í hendi. Einar J. Er fæddur 1874 11. maí þannig þetta kemur klaufalega út, því jú hann gerði vissulega styttuna en honum var það falið löngu seinna. En já miðað við yfirlýstar skoðanir þá er ég aðeins á skjön. Textinn og þýðing rennur vel, en ég næ ekkert miklum tengslum við persónur. Hann nær ágætlega Skagafirðinum en samt já veit ekki, mögulega einhver neikvæðni, fékk smá svona þýska Íslands fanfiktion tilfinningu - veit ég verð brennd á báli fyrir það eitt að hugsa það. Kannski tek ég hana upp síðar, stundum svo erfitt að mynda sér sjálfstæða skoðun á jólabókunum því vindar blása bara í eina á átt.
Joachim B. Schmidt überzeugt durch eine energetische barocke Sprache und starke Bilder, die einen wahren Sog auf die LeserInnen ausüben. Sprachmächtig zeichnet er das berührende und entbehrungsreiche Leben des historisch verbürgten isländischen Fährmanns und Poeten Osmann nach. Eine surreale Dimension gewinnt der Roman durch die geheimnisvolle Stimme des Ich-Erzählers, der als erzählender Geist durch die Geschichte mäandert. Die Darstellung der unerbittlichen Lebensumstände, der harten und eisig kalten Winter und der oft enttäuschten Sehnsucht nach Kindern fasziniert. Warum also nicht fünf Punkte? Zuweilen kommt das Erzählte allzu glatt daher.
Ein Fährmann in Island am Fluss "Os", den man Osmann nennt. Ein sehr ruhiges und nachdenkliches Buch. Wir begleiten die Hauptperson von der Jugend bis in den Tod. Die Geschichte spielt von etwa 1860-1915. Sehr schön geschrieben und man kann in die Sagenwelt und Landschaft von Island eintauchen. Das Hörbuch wird vom Autor selbst gesprochen (sehr zu empfehlen). Das richtige Buch für die letzte Stunde des Tages mit Sonnenuntergang und einem feinen Wein...
Ein (sehr schönes) Buch über ein Leben auf Island vor über 100 Jahren, dessen Protagonist man sehr gerne gekannt hätte. Tiefe Naturverbundenheit und schonungslose Kargheit verbinden sich im Fährmann Ósmann mit Poesie und aufrichtigem Gefühl. Neben der ungewöhnlichen Erzählperspektive lockt die Sprache, die modern ist und einem dennoch die Personen in ihrer Zeit näher bringt, zum Weiterlesen.
Ein friedliches Buch über einen eindrücklichen Menschen aus einer Zeit, die kaum mehr als 100 Jahre weg ist, aber deren Lebensbedingungen, Einstellungen und Dynamiken so anders sind als die heutigen, dass wir im Vergleich dazu eine dystopische Science Fiction sind.