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Sonnenberg

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Zwei Frauen kämpfen für ihre Heimat
Mitte der Siebzigerjahre gehört Johanna mit zu den ersten Studentinnen an der Freiburger Uni. Mit ihrer Freundin Luzie plant sie eine Reise nach Marokko. Als ihr Vater stirbt, muss die junge Frau jedoch das Weingut der Eltern übernehmen. Gemeinsam mit ihrer Mutter und Großmutter bewirtschaftet sie das Gut am Kaiserstuhl. In einer Welt, in der weibliche Arbeitskräfte nur die Hälfte zählen, muss sie sich behaupten. Erst recht, als sie ein Kind bekommt und sich entschließt, es allein großzuziehen. Da erschüttert eine Nachricht die Ganz in der Nähe soll ein Atomkraftwerk gebaut werden. Doch die Winzer, die Bürger der Stadt Whyl und die Freiburger fangen an, sich dagegen zu wehren. Und plötzlich sieht es so aus, als könne man zusammen etwas erreichen. Einmal mehr merkt Johanna, wie sehr sie ihre Heimat liebt und dass es sich zu kämpfen lohnt. 

451 pages, Kindle Edition

Published July 30, 2026

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Brigitte Glaser

30 books18 followers

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Profile Image for Wal.li.
2,724 reviews74 followers
August 12, 2026
Johanna und Luzie

Beste Freundinnen sind Johanna und Luzie. Ihr großer Traum ist es, gemeinsam nach Marokko zu reisen. Doch ihre Pläne werden durchkreuzt als Johannas Vater plötzlich stirbt. Johanna fühlt sich verpflichtet, das elterliche Weingut zu übernehmen. Gemeinsam mit Mutter und Großmutter setzt sie sich für den badischen Wein ein. Luzie reist derweil für ein Projekt alleine nach Marokko. Als sie Anfang 1975 heimkehrt, haben sich etliche Veränderungen ergeben. Ob die Freundschaft zu Johanna, die etwas abgekühlt war, wieder aufleben wird? Das ist eine Frage, die Johanna und Luzie klären wollen. Die Menschen der Umgebung beschäftigt jedoch am Meisten der geplante Bau eines Atomkraftwerks in Wiehl.

In den 1970ern war es noch nicht selbstverständlich, dass eine Frau einen Betrieb führte. Das bekommt Johanna zu spüren, wenn sie betriebswirtschaftliche Entscheidungen treffen möchte. Für den Erwerb des Sonnenbergs, mit dem ihr Weingut richtig rentabel würde, braucht sie einen Kredit. Anstatt sachlich darüber zu entscheiden, hält der Bankmitarbeiter ihr einen Vortrag, was er von ihren Lebensumständen hält. Johannas Leben ist gerade im Umbruch und gewisse Unsicherheiten machen alles auch nicht einfacher. Luzie hat allerdings auch mit Problemen zu kämpfen. Diese hat sie sich zwar selbst eingebrockt, aber die Auswirkungen hat sie nicht verdient.

In diesem Hörbuch verleiht Ulrike Kapfer den Freundinnen Johanna und Luzie eine wunderbare Stimme. Das trägt sie durch die Handlung dieses spannenden historischen Romans. Mitte der 1970er befindet sich Deutschland im Wandel. Aufgrund der Ölkrise sollen Atomkraftwerke gebaut werden, um unabhängiger zu werden. An einigen Orten formiert sich Widerstand gegen den Bau. Erstmals zieht der Gedanke an den Umweltschutz größere Kreise. Zusätzlich wird es selbstverständlicher, dass Frauen eine gute Ausbildung bekommen und ihre Chancen auch wahrnehmen. Trotzdem blinken die spießigen fünfziger Jahre noch aus etlichen Knopflöchern. Die etwas rebellische Luzie und die eher strebsame und pflichtbewusste Johanna finden mit den Protesten gegen den Bau des Atomkraftwerkes wieder ein gemeinsames Thema. Ob ihre Freundschaft besteht ist allerdings nicht sicher. Mit packenden Worten versteht es die Autorin ihren Lesern und Leserinnen eine Phase der deutschen Geschichte näher zu bringen, in der es etliche Umwälzungen gab, von denen wir auch heute noch profitieren.
Profile Image for Kirsten.
3,532 reviews16 followers
August 3, 2026
Johanna war die Erste in ihrer Familie, die studieren konnte, ist in den Kaiserstuhl zurückgekehrt und bewirtschaftet mit Mutter und Großmutter das Weingut. Im Ort wird sie schief angeschaut, weil sie ein uneheliches Kind hat und weil sie eine junge Frau ist, traut man ihr nicht zu, den Hof zu verweigern und verzögert den notwendigen Kredit.

Johanna hat sich ihr Leben anders vorgestellt. In Freiburg hat sie mit ihrer Freundin Luzie in einer WG gelebt und von einer Reise nach Marokko geträumt. Der Tod ihres Vaters hat ihre Träume beendet. Sie hat ihr Studium aufgegeben, ist an den Hof zurückgegangen und hat Luzie die Reise allein machen lassen. Als die Freundin zurückkehrt, besucht sie Johanna auf dem Hof. Aber die Zeit hat beide Frauen verändert. Anfangs ist das Verhältnis zwischen den beiden Frauen gespannt. Vor Luzies Abreise sind Dinge passiert, die nie geklärt wurden. Die Verantwortung für ihre Tochter und den Hof haben Johanna verändert. Die Freundinnen müssen sich erst neu kennenlernen.

Es geht nicht nur um Johanna und Luzie, sondern auch um ein Kernkraftwerk, das in der Region gebaut werden soll und gegen das die Bewohner erbittert kämpfen. Auch Johanna und Luzie beteiligen sich an den Protesten. Aber während es Johanna nur darum geht, den Bau des Kraftwerks zu verhindern, hat Luzie persönliche Motive. Sie braucht die Unterstützung ihrer Freundin, aber sie hat Angst, mit ihr darüber zu reden.

Am Anfang wusste ich nicht genau, welche Geschichte die Autorin erzählen wollte. War es die von Johanna, von Luzie oder die der Proteste gegen das Kraftwerk? Brigitte Glaser hat viel in ihren Roman gepackt. Aber sie schafft es, nicht nur jede der Geschichten ausführlich zu erzählen, sondern sie auch zu einem Ganzen zu verbinden. Die Kombination hat mir sehr gut gefallen.
Profile Image for Buchbesprechung.
240 reviews25 followers
October 6, 2026
REZENSION – Nach Jugendbüchern und Krimis wurde die deutsche Schriftstellerin Brigitte Glaser (71) vor zehn Jahren mit ihrem Gesellschaftsroman „Bühlerhöhe“ um israelische Geheimdienstaktivitäten während der Kanzlerschaft Konrad Adenauers einer breiteren Leserschaft bekannt. Auch ihre folgenden Bücher „Rheinblick“ (2019) und „Kaiserstuhl“ (2022) befassten sich vor dem Hintergrund realer politischer Ereignisse mit der gesellschaftlichen Situation in Westdeutschland der 1960er- und 1970er-Jahre.
Diesen Büchern, deren Handlungen wechselnd mal im Badischen, mal im Rheinland angesiedelt sind, folgte nun im Juli Brigitte Glasers Roman „Sonnenberg“ (List Verlag), den sie selbst als „Fortsetzung meiner literarischen Erkundung der jungen Bundesrepublik“ sieht. Thema sind diesmal die gesellschaftlichen Umwälzungen der 70er-Jahre, hervorgerufen durch die neue Umweltschutz- und Anti-Atomkraft-Bewegung sowie die erwachende Frauenbewegung mit dem Bestreben nach selbstbestimmtem Leben. Vor dem Hintergrund dieser realen politisch ebenso wie gesellschaftlich sehr bewegten Zeit erzählt die Autorin die fiktive Geschichte zweier junger Frauen, deren langjährige Freundschaft durch unterschiedliche Lebensentwürfe, persönliche Konflikte und Erfahrungen sowie unübersichtliche Ereignisse rund um den Widerstand gegen das geplante Atomkraftwerk in Wyhl am Kaiserstuhl auf eine harte Probe gestellt wird.
Die Älteren erinnern sich vielleicht noch: Im Februar 1975 hatten mehrere Gemeinden und Privatpersonen Klage gegen die Teilerrichtungsgenehmigung des Kernkraftwerks Wyhl eingereicht. Sie kritisierten den fehlenden Schutz vor Radioaktivität und Umweltschäden und die Winzer befürchteten Schäden im Weinbau durch ständige Nebelbildung. Nach Einrichtung des Bauplatzes wurde dieser zunächst von wenigen Aktivisten besetzt, aber von der Polizei geräumt. Daraufhin belagerten am 23. Februar 1975 fast 30 000 Menschen aller Altersgruppen und Gesellschaftsschichten aus der Region sowie Bürgerinitiativen aus ganz Deutschland das Baugelände und hielten es bis November besetzt. Das Kernkraftwerk Wyhl wurde nie gebaut.
Unter den Besetzern sind als fiktive Romanfiguren auch Johanna, die nach dem Tod des Vaters ihr Studium in Freiburg abgebrochen und – damals noch gesellschaftlich völlig inakzeptabel – als alleinerziehende Mutter den Winzerbetrieb übernommen hatte, sowie ihre unbekümmerte Freundin Luzie, die als Studentin aus gutbürgerlichem Haus die in den 68er-Jahren erkämpften Freiheiten auch sexuell auslebt, Drogen nimmt und sich nach Rückkehr von einer längeren Marokko-Reise als Aktivistin den Kernkraftgegnern anschließt.
Anschaulich schildert Glaser die unterschiedlichen Vorstellungen von Freiheit und Selbstverwirklichung beider Frauen, die sich gerade in ihrer Gegensätzlichkeit ergänzen. Während Johanna stärker von Familie, Heimat und Verantwortung geprägt ist und um ihre gesellschaftliche Akzeptanz als alleinerziehende Frau, als selbstständige Winzerin und Hofbesitzerin kämpft, verkörpert Studentin Luzie die aus konservativem Elternhaus ausgebrochene, völlig unabhängig und unangepasst lebende junge Frau. Der Wunsch nach Selbstverwirklichung und Emanzipation kann also durchaus unterschiedliche Beweggründe, Methoden und Ziele haben.
Nicht immer gelingt der Autorin die gewünschte Balance zwischen Schilderung der realen Ereignisse und Darstellung der persönlichen Konflikte ihrer beiden fiktiven Romanfiguren. Während die historischen Ereignisse sehr ausführlich beschrieben werden, hätte gerade dieser menschliche Aspekt, der doch für die gewaltigen gesellschaftlichen Umwälzungen der 70er-Jahre steht, etwas mehr psychologischen Tiefgang verdient. So wirkt das Verhalten beider Freundinnen – ebenso wie die Typisierung manch anderer Romanfigur – mit ihrer klaren Rollenverteilung etwas schablonenhaft, als seien sie Medien für die Übermittlung der von der Autorin gewünschten Botschaften. Diese Botschaften Glasers sind dagegen sehr deutlich, wodurch dem Lesenden kaum noch Raum zur eigenen Meinungsbildung bleibt.
Doch trotz dieser Anmerkung bleibt „Sonnenberg“ ein durchaus interessanter und lesenswerter Roman, der gerade Jüngeren ein Stück westdeutscher Geschichte näherbringt. Der Roman erzählt sehr anschaulich eine sehr wichtige gesellschaftliche Epoche, die bis heute nachwirkt, erklärt nachvollziehbar die damaligen Beweggründe der Kernkraftgegner und -befürworter und ist trotz einer Fülle historischer Fakten aufgrund seines eingängigen Sprachstils doch leicht lesbar.
1,700 reviews9 followers
August 4, 2026
Interessanter und unterhaltsamer Roman

Klappentext:
Mitte der Siebzigerjahre ist Johanna die erste in ihrer Familie, die an die Uni geht. Mit ihrer Freundin Luzie zieht sie in eine WG nach Freiburg und genießt neue Freiheiten. Als wenig später ihr Vater stirbt, muss sie jedoch zurück nach Hause und den Winzerbetrieb der Eltern übernehmen. Gemeinsam mit ihrer Mutter und Großmutter bewirtschaftet sie den Hof am Kaiserstuhl. In einer Welt, in der weibliche Arbeitskräfte nur die Hälfte zählen, müssen die Frauen sich behaupten. Erst recht, als Johanna ein Kind bekommt und sich entschließt, es ohne Vater großzuziehen. Erst recht, als sie sich dem Widerstand der Winzer und Bauern, der Bürger aus Freiburg und der Region gegen ein in der Nähe geplantes Kernkraftwerk anschließt. Auch Luzie, die gerade von einer langen Marokkoreise zurück ist, ist an ihrer Seite. Und plötzlich sieht es so aus, als könne man zusammen etwas erreichen.

„Sonnenberg“ von Brigitte Glaser entführt seine Leser*innen in die 1970er Jahre.

Die Freundinnen Johanna und Luzie studieren beide in Freiburg und wohnen zusammen in einer WG. Doch nach einem Streit trennen sich ihre Wege.
Johanna muss nach dem Tod ihres Vaters zurück in den Schwarzwald, um den Winzerbetrieb zu übernehmen. Luzie zieht es für Forschungsarbeiten nach Marokko.
Mit Mutter und Großmutter arbeitet Johanna zusammen auf dem Hof der Familie. Als Johanna schwanger wird, entscheidet sie sich, das Kind ohne Vater großzuziehen.
Als in Wyhl ein Atomkernkraftwerk gebaut werden soll, regt sich Widerstand. Dem schließen sich auch Johanna und Luzie an.

Brigitte Glaser versetzt ihre Leser*innen in eine Zeit, in der die Frauen noch wenig Rechte hatten. Zum Glück gab es Frauen wie Johanna und Luzie, die ihre Rechte einforderten.

Brigitte Glaser hat hervorragende Recherchearbeit geleistet. Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als überall die Plakate „Atomkraft, nein danke“ hingen. Die Autorin spiegelt die Zeit des Widerstandes realistisch wider. Die Autorin lässt ihre Leser*innen an der Planung und Entwicklung des Kernkraftwerkes teilhaben.
Auch die politische Entwicklung wird interessant dokumentiert.

Die Charaktere sind lebendig und sympathisch.
Johanna und Luzie sind recht unterschiedlich und ergänzen sich gut.
Johann ist eher die Skeptikerin und Luzie hingegen die Planerin, die an die Zukunft glaubt.

Der Schreibstil von Brigitte Glaser ist wie gewohnt flüssig und gut verständlich.
Die Autorin verknüpft reale Hintergründe in eine fiktive Geschichte.
Wer wie ich, die 1970er Jahre erlebt hat, findet bekannte und interessante Hintergründe zu der Planung und Umsetzung des Kernkraftwerks Wyhl.
Die eingestreuten Worte im Dialekt des Schwarzwalds machen die Geschichte noch authentischer.

„Sonnenberg“ ist wieder ein interessanter und unterhaltsamer Roman von Brigitte Glaser.
Profile Image for Havers.
941 reviews21 followers
August 9, 2026
Als ich die Verlagsankündigung von Brigitte Glasers neuem Roman „Sonnenberg“ gelesen habe, war er mir sofort klar, dass dieses Buch ein must-read für mich ist, sind doch die Ereignisse rund um das geplante AKW in Wyhl ein wesentlicher Baustein in meiner politischen Biografie. Gleicher Jahrgang wie die Autorin, ähnliches Studienfach (Uni Tübingen) sowie das Hinterfragen gesellschaftlicher Strukturen und familiärer Erwartungen. Herkunft, Klassismus, Rolle der Frau, aufkommendes Umweltbewusstsein, lauter Themen, mit denen viele weibliche Erstsemester konfrontiert wurden. Zwischen HB und Roth Händle, Alice Schwarzer und Jim Morrison standen die Zeichen auf Veränderung.

Brigitte Glaser erinnert an die Wochen Anfang 1975, als die Landesregierung in Ba-Wü beschließt, ein Atomkraftwerk mitten in der ökologisch intakte Landschaft des Kaiserstuhls zu bauen und damit nicht nur die Natur ,sondern auch die Lebensgrundlage der dortigen Winzer und Bauern zu gefährden, ja zu zerstören. Unterstützt von breiten Teilen quer durch die - im Wesentlichen süddeutsche - Bevölkerung formiert sich allmählich der gewaltlose Widerstand der „normalen“ Menschen. Frauen und Männer, quer durch alle Bevölkerungsschichten, besetzen den Platz, werden von der Polizei mit Wasserwerfern und Schlagstöcken vertrieben, kassieren Anklagen wegen Landfriedensbruch, kommen wieder und besetzen erneut, waren doch die Elsässer auf der gegenüberliegenden Seite des Rheins mit ihrem Widerstand gegen das geplante Bleiwerk ebenfalls erfolgreich.

Die Rahmenhandlung für diese Ereignisse bildet die Geschichte der beiden Freundinnen Johanna und Luzie, die sich schlussendlich der Protestbewegung anschließen. Johanna, verantwortungsvoll, mit beiden Beinen auf der Erde und eher zögerlich, Luzie, spontan und flatterhaft, die sich mit einer unüberlegten Aktion erpressbar macht und, um einer Strafe zu entgehen, vom Staatsschutz rekrutieren lässt.

Die Autorin hat, wie wir es von ihr kennen, sehr gute Recherchearbeit geleistet, was auch die Quellenliste im Anhang beweist. Durch das passende Einfügen von Konsumgütern, Markennamen sowie Song- und Filmtiteln mit hohem Wiedererkennungswert ergibt sich zusätzlich ein stimmiges Zeitkolorit, das Leserinnen und Leser auf eine Zeitreise mitnimmt, in der die Anfänge der Umweltschutz-Bewegung gelegt wurden. Sehr empfehlenswerte Lektüre für alle, die sich für die gesellschaftlichen Veränderungen in unserem Land interessieren.
Profile Image for SometimesWonderland.
304 reviews2 followers
August 3, 2026
Romane aus Brigitte Glasers Feder erzählen authentische historische Begebenheiten mit fiktiven Elementen, beispielsweise einzelnen Personen. Üblicherweise begeistern mich ihre Werke sehr, doch dieses hier hat sich für mich stellenweise gezogen.

Die Geschichte beginnt aus zwei Perspektiven. Da ist Johanna, die als alleinerziehende Mutter in einem Frauenhaushalt lebt, sich um ihre Weinberge kümmert und aus diesen Gründen die Reise mit ihrer besten Freundin Luzie nicht antreten konnte. Luzie ist eine Frau aus gutem Hause, die sich auf Teufel komm raus von dieser Gesellschaft lösen möchte, eine abenteuerlustige Art hat und im Rahmen ihres Studiums nach Marokko geht. Zu Beginn des Buches kehrt sie allerdings direkt zurück und es gibt einige Rückblicke auf diese Zeit. Mir hat sich jedoch nicht vollends erschlossen, warum Marokko als Land und seine Geschichte für diesen Roman relevant war, in dem es eigentlich um die Proteste gegen den Bau eines Kernkraftwerks geht. Nach kurzer Recherche erklärte ich mir dies als wichtiges Reiseziel für die Alternativszene dieser Jahre, doch im Roman wurde diese Verbindung nicht gänzlich klar.

Die Aufstände gegen das Kernkraftwerk waren detailliert beschrieben. Ein Thema, welches ich sehr wichtig finde, da diese Proteste eine große Bedeutung für unsere Anti-Atomkraftgeschichte hatten und ich bislang wenig darüber wusste. So vermittelt Literatur Wissen, was ich sehr schätze. Einige Passagen übersprang ich jedoch, da sie sich für mich zogen.

Die Sprache wollte Glaser authentisch halten und so wurde viel im lokalen Dialekt geschrieben. Dies hob zwar die Atmosphäre der Geschichte, hemmte jedoch teilweise die Leseflüssigkeit.

Positiv hervorheben möchte ich, dass jede wichtige Person deutlich die Lebenserfahrung damaliger Jahre widerspiegelt. Der Umgang mit Frauen, die Korruption der Polizei und das gängige Mutter-Vater-Kind-Denken zeigen, wie stark sich unsere Gesellschaft in wenigen Jahrzehnten verändert hat.

Insgesamt ein Roman, für den man etwas Geduld mitbringen muss, der für seine historische Wissensvermittlung aber zu empfehlen ist.
622 reviews5 followers
August 17, 2026
Zwei Kämpferinnen

Buchmeinung zu Brigitte Glaser – »Sonnenberg«

»Sonnenberg« ist ein Roman von Brigitte Glaser, der 2026 bei Ullstein Ebooks erschienen ist.

Zum Autor:
Brigitte Glaser lebt seit über 30 Jahren in Köln. Bevor sie zum Schreiben kam, hat die studierte Sozialpädagogin in der Jugendarbeit und im Medienbereich gearbeitet. Heute schreibt sie Bücher für Jugendliche und Krimis für Erwachsene, u. a. ihre erfolgreiche Krimiserie um die Köchin Katharina Schweitzer. Mit Bühlerhöhe gelang ihr der Durchbruch.

Zum Inhalt:
Johanna und Luzie sind zwei junge Frauen, die sich seit Urzeiten kennen und beste Freundinnen waren. Ihre Wege trennten sich, als Luzie für ein Jahr nach Marokko ging, während Johanna nach dem Tod des Vaters das elterliche Weingut übernehmen musste. Anfang 1975 treffen sie beim Widerstand gegen das geplante AKW in Wyhl aufeinander, doch es ist kein ungetrübtes Wiedersehen.

Meine Meinung:
Dieses Buch ist spannender als viele Kriminalromane, weil es viele Überraschungen gibt und die Hauptfiguren komplex gezeichnet sind. Die Beziehung zwischen Johanna und Luzie wird mehreren Zerreißproben ausgesetzt und irgendwann ist es halt genug. Johanna ist bodenständig und als alleinerziehende Mutter mit Baby und Weingut hat sie viele reale Probleme, um die sie sich kümmern muss. Luzie ist lebenslustig und wirkt noch nicht erwachsen, ist aber schon vom Leben gezeichnet. Im Gegensatz zu Johanna neigt sie dazu, vor Problemen wegzulaufen. Das Zusammentreffen der beiden jungen Frauen im Zuge des Widerstands gegen das geplante Kernkraftwerk verändert beide Frauen nachhaltig. Der Autorin gelingt es eindrucksvoll die Atmosphäre der frühen Siebziger lebendig werden zu lassen. Ich habe mit den beiden Frauen mitgefiebert und die Schilderung ihrer Sichtweisen genossen. Beeindruckt haben mich auch zahlreiche glaubhaft gestaltete Nebenfiguren und die angedeuteten Veränderungen in ihren Leben.

Fazit:
Mich hat dieser Titel gefesselt und die frühen Siebziger lebendig werden lassen. Deshalb bewerte ich das Buch mit fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.
1,156 reviews9 followers
August 10, 2026
Johanna und Luzie waren trotz aller Gegensätze allerbeste Freundinnen. Bis Johanna schwanger wurde und den väterlichen Weinanbau übernehmen musste. Luzie fuhr allein auf die geplante Reise nach Marokko. Nun ist sie ein Jahr später wieder da und beide versuchen an die Vergangenheit anzuknüpfen trotz aller Geschehnisse die sie von einander entfernt haben.
Im Hintergrund ist der Protest gegen den Bau eines Atomkraftwerk in Wyhl am Kaiserstuhl an dem die Frauen teilnehmen.
Johanna ist die rationalere der Beiden, sie denkt erst und handelt dann, nimmt viel hin auch wenn sie damit nicht glücklich ist. Bei ihr geht die Pflicht vor. Luzie hat das gegenteilige Wesen. Erst handeln und wenn überhaupt dann denken. Was sie nicht will das macht sie auch nicht. Ihr persönliches Empfinden geht über alles. Damit bekommt sie oft Ärger. Das Gefühl es liegt an der Erziehung der jungen Frauen ist schnell da. Während Johanna trotz aller Arbeit in einem liebevollen respektvollen Elternhaus aufgewachsen ist, war es bei Luzie sehr autoritär, voller Erwartungsdruck bis hin zur Misshandlung des kleinen Kindes.
Diese Beschreibung der Figuren geschieht mit wenig Emotionen, eher nebenher. Es ist wie es ist. Gerade daher berühren die beiden mich, denn wir sind fast ein Alter. Sie sind Mitte der siebziger Jahre junge Frauen und wollen mehr als die gesellschaftlichen Konventionen hergeben. Der Protest gegen das AKW ermöglicht auf einmal auch Frauen den Mund aufzumachen. Denn nun wird ihre Stimme gebraucht. Emanzipation erfolgt schleichend gegen das Althergebrachte.
Die Autorin stellt Frauen in den Vordergrund die keine Lust mehr haben sich alles gefallen zu lassen, die sich auf Augenhöhe mit den Männern sehen. Durch die Veränderungen im Umfeld soll sich auch ihre Lebenssituation ändern.
Nicht laut und mit allen Mitteln, sondern mit aller Kraft und Wut geduldig eine Veränderung herbei führen.
Wenn die andere Seite mit unlauteren Mitteln arbeitet, nicht mit gleichem kontern sondern mit Überlegenheit und leisen Widerstand erreicht frau mehr.
Profile Image for Anika Franke.
1,434 reviews14 followers
August 30, 2026
Was für ein atmosphärischer und gesellschaftlich bewegender Roman. Die starke Darstellung der Frauen und die Zeitgeschichte rund um den Kaiserstuhl haben mich echt beeindruckt.

Die Protagonistin ist mir schnell ans Herz gewachsen. Johanna ist die Erste in ihrer Familie die studiert. Sie genießt in Freiburg die neuen Freiheiten und scheint ihren eigenen Weg zu gehen. Doch nach dem Tod des Vaters kehrt sie zurück und übernimmt gemeinsam mit ihrer Mutter und Großmutter den Winzerbetrieb.

Ich fand den Alltag der drei Frauen sehr interessant. Wie sich ihren Alltag meistern und sich in einer Zeit behaupten müssen, in der Frauen längst nicht die gleichen Möglichkeiten und Anerkennung bekommen wie Männer.

Johannas Weg hat mir dabei besonders gut gefallen. Sie muss immer wieder Entscheidungen treffen, die nicht unbedingt dem entsprechen, was die Gesellschaft von ihr erwartet. Auch ihre Entscheidung, ihr Kind allein großzuziehen, zeugt von viel Stärke und Mut. Gleichzeitig ist sie keine unfehlbare Heldin. Denn sie hat Zweifel und Wünsche, sowie Ecken und Kanten.

Sehr interessant fand ich auch den historischen Hintergrund. Der Widerstand gegen das geplante Kernkraftwerk bringt eine ganz andere Ebene in die Geschichte. Zu beobachten, wie sich Menschen zusammenschließen, unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen und aus einzelnen Stimmen langsam eine Bewegung entsteht, fand ich wirklich spannend.

Besonders mochte ich außerdem die Freundschaft zwischen Johanna und Luzie. Trotz ihrer unterschiedlichen Lebenswege bleiben die beiden miteinander verbunden und stehen füreinander ein.

Allerdings hatte die Geschichte für mich zwischendurch einige Längen. Gerade bei den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen hätte ich mir an manchen Stellen etwas mehr Tempo gewünscht. Dadurch konnte mich die Geschichte nicht durchgehend gleichermaßen fesseln.

Trotzdem hat mich die Story vor allem durch seine starken Frauenfiguren, die interessante Zeitspanne und die authentische Atmosphäre überzeugt.
1,488 reviews5 followers
October 3, 2026
Ich höre immer wieder gerne Historisches, aber über die 70er Jahre habe ich bisher noch nicht so vieles gelesen oder gehört und deshalb war ich auf dieses Hörbuch ganz gespannt! Ich kenne den Kaiserstuhl und seine wunderschöne Umgebung und war deswegen auch sehr gespannt welche Geschichten sich in dieser Gegend zugetragen haben.

Die Geschichte dreht sich um zwei Freundinnen Mitte der Siebzigerjahre. Johanna studiert an einer Uni in Freiburg und genießt mit ihrer Freundin Luzie die neue Freiheiten, als ihr Vater stirbt und sie zurück nach Hause und den Winzerbetrieb der Eltern übernehmen muss. Dort bewirtschaftet sie mit ihrer Mutter und Großmutter einen Hof am Kaiserstuhl. Dann bekommt Johanna ein Kind und entschließt sich, es ohne Vater großzuziehen. Und die Geschichte handelt auch vom Widerstand der Winzer, Bauern und Bürger aus Freiburg und der Region gegen ein in der Nähe geplantes Kernkraftwerk.

Der Schreibstil war leicht und verständlich, deshalb ist es mir nicht schwer gefallen in die Geschichte reinzufinden. Manchmal war er etwas ausschweifend und hätte meiner Meinung nach ein wenig gekürzt werden dürfen, aber das ist natürlich Geschmackssache. Was mir ein wenig kurz gekommen ist, war die Beschreinungen der Landschaft des Kaiserstuhls. Dafür merkt man bei den Protesten gegen das Kernkraftwerk wie wichtig den Menschen die Natur um sie herum ist und wie sehr sie diese und natürlich auch die Gesundheit schätzen. Wenn man sich die Landschaft heutzutage am Kaiserstuhl anschaut, kann man nur den Hut ziehen vor den Menschen die damals demonstriert haben, denn das Kraftwerk hätte wohl auch die Landschaft sehr verschandelt.

Sehr eindrücklich wurden die Demonstrationen und Proteste in diesem Buch beschrieben. Sie waren sehr bildhaft und lebendig und man hat gemerkt wie stark der Zusammenhalt der Menschen gewesen ist die für die gleiche Sache sind. Manche Methoden mit denen die Protestierenden zutun hatten waren grausam und schwer anzuhören, sehr beeindruckend war aber wie die Protestler einander immer wieder gesagt haben: bleibt selbst gewaltfrei!

Es gab ein paar zähe Passagen in der Geschichte, aber insgesamt wurde ich sehr gut unterhalten und deshalb gebe ich 4 Sterne und eine Leseempfehlung ab.

Die Sprecherin hat die Geschichte gut vorgelesen, die Stimme war angenehm und passte gut zur Geschichte.

Profile Image for Firren.
78 reviews
August 17, 2026
Kernkraftwerk - grüne Energie?
Genau das glaubt Johanna nach vielen Informationen nicht. Sie möchte ihre kleine Tochter, die sie alleine großzieht, nicht den Gefahren eines GAUs aussetzen und protestiert gegen das geplante Kernkraftwerk im Nachbarort. Luzie dagegen, Johannas beste Freundin, bis es zum Bruch kam, hat ganz andere Gründe, weswegen sie aktiv den Protest um das Kernkraftwerk mitgestaltet, als sie frisch aus Marokko zurück kommt.

Wir landen in den Siebzigerjahren Jahren in einem kleinen Dorf in Deutschland - Whyl. Die Probleme, die Johanna zu dieser Zeit gerade als Selbständige Winzerin und Alleinerziehende hat, werden leider eher angerissen und nicht wirklich vollständig thematisiert. Das Buch dreht sich circa ab einem Drittel hauptsächlich um den Protest gegen das Kernkraftwerk und wie dieser ablief. Detailliert und bildhaft wird dieser von der Autorin dargestellt, die diesen sehr fundiert recherchiert hat. Leider bleiben dabei die anderen Themen des Buches: die Freundschaft zwischen Luzie und Johanna, wie Johanna es zu dem Zeitpunkt in einem reinen Frauenhaushalt geschafft hat, sich in der Männerdomäne Winzer zu behaupten aber auch Luzies Geschichte, die seit ihrer Rückreise aus Marokko von großen Problemen verfolgt wird.

Die Perspektive wechselt zwischen Luzie und Johanna ab, sodass ich als Leser oft mehr weiß als die jeweilige Person. Erzählt wird dabei aus der 3. Person Singular. Sprachlich wird der Wechsel zwischen den Perspektiven vor allem in den Beschreibungen über die jeweils andere deutlich.

Insgesamt ist das Buch trotzdem unterhaltsam geschrieben, sodass es trotz einiger Längen gut und für mich angenehm flüssig zu lesen war. Insgesamt würde ich der Geschichte 4 Sterne empfehlen. Wer sich für die Geschichte rund um den Protest interessiert, für den ist diese Geschichte perfekt.
1 review
August 27, 2026
Das Cover scheint direkt aus den 70ern zu kommen – es gefällt mir nicht, aber es passt zum Buch. Wenn ich den Namen der Autorin nicht gesehen hätte, hätte ich das Buch allerdings mit diesem Cover ignoriert…

Doch das ganze Buch ist eine Zeitreise in die 70er Jahre. Es ist zwar auch ein Buch über Familie und darüber, wie kompliziert Freundschaft sein kann, aber als Leser bekommt man vor allem ein Gefühl für die 70er Jahre und lernt so ganz nebenbei, was wir den 70ern zu verdanken haben.

Es ist einmal die Geschichte von zwei jungen modernen Frauen, die sich in einer konservativen Männergesellschaft behaupten müssen. Gleichzeitig ist es aber auch die Beschreibung des Protests gegen den Bau des KKW Wyhl Anfang des Jahres 1975, und das fand ich am interessantesten. Von einer einfachen Besetzung des Platzes weitet sich der Widerstand immer weiter aus und das muss geplant werden. Viele Vorbilder gibt es zu dieser Zeit noch nicht, aber die wenigen, die es gibt, werden ausgiebig diskutiert und umgesetzt. Nach den Studenten und Auszubildenden schließen sich nach und nach auch die Dorfbewohner an, z. B. konservative Landfrauen, die sich nie hätten träumen lassen, einmal gegen den Staat aufzubegehren und sich von Polizisten wegtragen zu lassen.

Im Rahmen der schönen Geschichte über Johanna und Luzie und das Leben von vier Frauen aus drei Generationen auf dem Winzerhof lernt man ganz nebenbei, wie Protest Mitte der 70er Jahre aussah und welche Auswirkungen er auf unser heutiges Leben hatte.

Für mich hat die Geschichte von Johanna und Luzie zwar etwas abrupt geendet, da ich bei vielen ihrer Probleme gerne gewusst hätte, wie es weitergeht, aber sonst hat mich das Buch sehr gut unterhalten.
Profile Image for Book Girl .
318 reviews2 followers
August 29, 2026
Sonnenberg hat mir besonders durch die Verbindung aus historischen Ereignissen und starken Frauen gefallen. Johanna muss nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters ihr Studium aufgeben und den elterlichen Winzerbetrieb am Kaiserstuhl übernehmen. Und das in einer Zeit, in der Frauen längst nicht die gleichen Möglichkeiten und die gleiche Anerkennung bekommen wie Männer.
Genau diese Seite der Geschichte fand ich besonders interessant. Ich liebe Female Empowerment und davon steckt hier einiges drin. Johanna lässt sich nicht vorschreiben, wie sie als Frau zu leben hat, zieht ihre Tochter ohne Partner groß und kämpft darum, als Winzerin ernst genommen zu werden. Auch ihre Freundin Luzie geht ihren eigenen Weg und entspricht nicht unbedingt dem Frauenbild, das damals von ihr erwartet wurde.
Dazu kommt der Widerstand gegen das geplante Atomkraftwerk in Wyhl. Mir hat gefallen, dass dabei nicht nur die politischen Ereignisse im Mittelpunkt stehen, sondern vor allem die Menschen und insbesondere die Frauen, die sich engagieren und gemeinsam etwas verändern wollen.
Auch die Freundschaft zwischen Johanna und Luzie spielt eine wichtige Rolle. Beide entwickeln sich in unterschiedliche Richtungen und tragen außerdem ein Geheimnis mit sich herum, das ihre Freundschaft auf die Probe stellt.
Zwischendurch hätte die Geschichte für mich etwas mehr Tempo haben dürfen, insgesamt fand ich die Mischung aus Freundschaft, gesellschaftlichem Wandel, Umweltschutz und Frauenpower aber sehr gelungen.
78 reviews
October 19, 2026
Der Roman handelt von zwei jungen Frauen Johanna und Luzie, die schon seit der Schulzeit Freundinnen sind, und nun nach dem Studium ihre unterschiedlichen Wege ins Erwachsenleben suchen. Dabei sind beide in politischen Protestbewegungen unterwegs, besonders in der Bürgerinitiative gegen den Bau von neuen Kernkraftwerken.
Ich finde die 1970er Jahre eine sehr spannende Zeit und konnte auch einiges durch den Roman über den geschichtlichen Hintergrund lernen, insbesondere was die Protestbewegungen und die Realität junger Frauen im Berufsleben angeht. Man merkt auf jeden Fall, dass die Autorin viel für das Buch recherchiert hat.
Der Anfang des Buches hat mir richtig gut gefallen, da ich sowohl Johanna und Luzie als Charaktere interessant fand. Ich hätte mir gewünscht, dass noch mehr auf ihre persönlichen Geschichten eingegangen worden wäre. Obwohl ich die geschichtlichen und politischen Hintergründe auch spannend finde, sind sie für mich ein bisschen zu sehr in den Fokus gerückt, sodass die Charaktere und ihre Entwicklung am Ende eher oberflächlich geblieben sind.
Irgendwie waren es auch zu viele Wechsel zwischen Handlungssträngen und Perspektiven und das Buch wurde so leider etwas langatmig für mich.
Für Leute, die an der Geschichte der Anti-Atomkraft Bewegung dieser Zeit interessiert sind, ist das Buch auf jeden Fall zu empfehlen.
Profile Image for Lolyed.
54 reviews
September 13, 2026
Heimat und Feminismus

Brigitte Glasers Roman 'Sonnenberg' entführt die Leserschaft ins Baden-Württemberg der 70er Jahre und verknüpft gekonnt eine persönliche Frauengeschichte mit einem wichtigen gesellschaftlichen Ereignis der Nachkriegszeit: dem Widerstand gegen das geplante Atomkraftwer in Whyl.

Die Protagonistin Johanna, eine Winzers Tochter, ist die erste in ihrer Familie, die studiert. Sie genießt das WG-Leben in Freiburg, doch der plötzliche Tod ihres Vaters zwingt sie zurück in ihre Heimat. Auf dem Hof ihres Vaters muss sie sich jetzt in einer Männerdomäne behaupten und nebenbei ihre Tochter Betty alleine großziehen.

Trotzdem engagiert sie sich parallel gegen das Atomkraftwerk.

Als dann auch noch Luzie von ihren reisen zurück kehrt, belasten Geheimnisse ihre Freundschaft.

Glaser erzählt einfühlsam die Geschichte von Frauen aus drei Generationen, die versuchen einen Hof zu führen und gegen alte Rollenbilder zu kämpfen.

Stärken des Buches sind die starke Kultur und geschichtstreue, die glaubwürdigen Konflikte und die Darstellung der Aufbruchstimmung.

‚Sonnenberg‘ ist ein empfehlenswerter, emotionaler Roman, mit dem ich mich als gebürtige Freiburgerin recht gut identifizieren konnte.
2,502 reviews13 followers
July 30, 2026
Zum Inhalt:
Johanna darf als erste ihrer Familie studieren. Gemeinsam mit Freundin Luzie bezieht sie eine WG und sie genießt die Freiheit. Als der Vater jedoch stirbt, muss sie zurück nach Hause und den Winzerbetrieb der Familie übernehmen. Gemeinsam mit Mutter und Großmutter bewirtschaftet sie den Winzerbetrieb und eigentlich ist die Welt noch nicht bereit für einen von Frauen geführten Betrieb. Und dann bekommt sie auch noch Kind und erzieht es allein.
Meine Meinung:
Es ist immer wieder interessant zu lesen, wie schwer es Frauen doch in früheren Zeiten hatten. Nicht nur, dass sie als quasi minderwertig angesehen wurden, sie wurden auch nicht ernst genommen. Aber dann gibt es eben auch die Frauen wie Johanna, die nach und nach die Anerkennung gewinnen. Hier spätestens als sie sich gemeinsam mit anderen gegen das geplante Kernkraftwerk einsetzt. Mir hat das Hörbuch sehr gut gefallen. Es wurden geschickt historische Fakten in eine interessante Geschichte verpackt. Johanna hat mir als Figur sehr gut gefallen. Eine sehr mutige Frau, die sich durchzusetzen vermag.
Fazit:
Schöne Geschichte
143 reviews
August 10, 2026
Dieser Roman verbindet persönliche Lebenswege mit einer bewegten politischen Zeit und schafft es dabei, beides eindrucksvoll miteinander zu verweben. Die Geschichte einer jungen Frau, die zwischen neuen Freiheiten und familiären Verpflichtungen steht, wirkt authentisch und berührend.
Besonders hervorzuheben ist die Darstellung der gesellschaftlichen und politischen Umstände der 1970er-Jahre. Der Widerstand gegen das geplante Kernkraftwerk sowie die Rolle der Frauen in einer von Männern dominierten Arbeitswelt werden nachvollziehbar und eindringlich geschildert. Dadurch gewinnt die Geschichte eine zusätzliche Tiefe, die über das rein Persönliche hinausgeht.
Der Schreibstil ist flüssig und anschaulich, sodass man sich gut in die Welt und die Figuren hineinversetzen kann. Zwar gibt es stellenweise kleinere Längen, doch insgesamt bleibt die Handlung durchgehend interessant und emotional fesselnd.
Fazit: Ein bewegender und zugleich politisch relevanter Roman, der zeigt, wie eng persönliche Entscheidungen und gesellschaftliche Entwicklungen miteinander verknüpft sind.
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July 8, 2026
3.4 stars

Sonnenberg erzählt eine Geschichte vor dem Hintergrund der 1970er Jahre und greift dabei Themen auf, die auch heute noch aktuell sind. Man merkt, dass der Roman mit viel Sorgfalt recherchiert wurde und der Autorin sowohl diese Zeit als auch ihre Figuren am Herzen liegen.

Mich persönlich konnte die Geschichte jedoch nicht so fesseln, wie ich es mir erhofft hatte. Das lag weniger am Roman selbst als an meinen eigenen Lesevorlieben. Die Themen sind zweifellos wichtig, rückten für mich jedoch stärker in den Vordergrund als die eigentliche Geschichte. Vielleicht hätte ich Sonnenberg zu einem anderen Zeitpunkt und mit anderen Erwartungen anders wahrgenommen.

Vielen Dank an NetGalley für das Rezensionsexemplar.
5 reviews
October 25, 2026
Geschichte über den geplanten Bau eines Atomkraftwerks in den 70er Jahren. Beruht auf realer Zeitgeschichte. Der Roman drumherum hat mich nicht ganz mitgenommen, trotzdem war es, wegen der Vorlage und Zeitgeschichte interessant für mich zu lesen
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August 10, 2026
Anfangs skeptisch, dann total gefesselt

Kaiserstuhl, Baden-Württemberg, Mitte der 70er Jahre. Der Bau eines Kernkraftwerks in Wyhl ist geplant. Der Bau soll beginnen, doch Teile der Bevölkerung erheben sich. Genau hier setzt Autorin Brigitte Glaser mit ihrem Roman „Sonnenberg“ an und erzählt die Geschichte zweier junger Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Sie erzählt von Protest, Widerstand, Freundschaft, Zusammenhalt und Veränderung.

Ich persönlich mag ja Bücher, die nicht nur eine gute Geschichte zu erzählen haben, sondern von denen man auch schlussendlich auch noch etwas lernt. Da ich erst zum Ende der 70er Jahre hin geboren wurde, ist die ganze Anti-Atomkraft-Bewegung an mir vorbei gegangen. Man hat natürlich davon gehört, sich aber nicht weiter damit beschäftigt… jedenfalls nicht bis zu diesem Buch, das mich echt neugierig gemacht und vieles hat nachlesen lassen. Besonders gefallen hat mir, dass nicht nur die damaligen Geschehnisse im Mittelpunkt stehen, sondern diese und der ganze 70er „Spirit“, einfach durch die Augen der beiden Freundinnen Johanna und Luzie gesehen und geschildert werden. Dabei ist besonders interessant, dass sie aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten stammen, also mit jeweils ganz anderen Problemen zu kämpfen haben.

Insgesamt empfand ich den Schreibstil als sehr angenehm, direkt, authentisch und dadurch auch sehr schnell einnehmend. Jedenfalls hatte ich keinerlei Probleme in die Story und die 70er Jahre hineinzufinden. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich nur den ersten Teil des Buches selbst gelesen habe, dann aus Lesefaulheit auf das Hörbuch umgestiegen und daran hängengeblieben bin, da es einfach so viel Freude gemacht hat Sprecherin Ulrike Kapfer zuzuhören, insbesondere durch den nachgeahmten Dialekt.

Fazit: Dafür, dass ich dem Buch anfangs einerseits neugierig, aber auch ebenso skeptisch gegenüberstand, hat es mich dann doch sehr schnell gefesselt und begeistert. Ich fand es gut recherchiert, interessant, fesselnd und somit absolut lesens- bzw. hörenswert!
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